So früh wie noch nie blühen heuer die Großen Schneeglöckchen im Frühlingstal zwischen Kaltern und Eppan. Mitte Februar und schon will der Frühling anklopfen. Ok dann auf ins Tal der Frühlingsknotenblumen. Die kurze Wanderung ist uns mittlerweile bestens bekannt. Wie immer starten wir im Süden. Das Ziel ist zwar der Große Montiggler See, doch der Grund für die Frühlingswanderung sind natürlich die vielen Märzenbecher, die im klimatisch begünstigten Frühlingstal unzählig an der Zahl wachsen.
Große Schneeglöckchen im Frühlingstal
Die Weinberge über dem Kalterer See befinden sich noch im Winterschlaf. Doch kaum sind wir am südlichen Zipfel des Fabiontals, wie das Frühlingstal auch genannt wird, angekommen können wir die ersten weißen Glöckchen der Frühblütler erspähen.
Der erste Schnee. Huhu! Anna ist begeistert. Sie will raus einen Schneemann bauen. Doch vor der Haustür liegt für solche ein Vorhaben etwas zu wenig von dem weißen Stoff. So fahren wir zum Gummerer Hof, dem höchsten Hof Tramins, hinauf. Hier liegt genug Schnee für einen weißen Mann.
Nur mit viel Mühe können wir Anna überreden das Bauen auf nach der Schneewanderung zu verschieben.
„Wenn du jetzt den Schneemann baust, dann bekommst du kalte Hände …“
Schnee am Gummerer Hof
Schlussendlich sieht sie es ein und so starten wir vom Gummererhof hinauf auf der Wandermarkierung Nr. 10 Richtung Kalterer- und Traminer Höhenweg.
In Gummer, auf dem Karneider Berg, gibt es nicht nur eine Sternwarte, sondern auch einen Planetenweg. Der lehrreiche Themenweg ist so angelegt, dass seine Planeten Stationen den Abstand aufweisen, wie die echten Planeten draußen im Weltall. Natürlich im Verhältnis, in stark, was sage ich, in extrem stark verkleinertem Maßstab: 1:1 Milliarde!
Blick auf das Eggental vom Sonnenobservatorium und der Sternwarte in Obergummer
Da wir heute nur auf der Durchreise sind – wir wollen nach Deutschnofen, ein Geburtstagsgeschenk abliefern – halten wir vor dem Pluto, also fast am Ende des Planetenweges. Hier kreuzt sich der Themenweg mit der Landesstraße Nr. 132. Es gibt hier sogar einen Parkplatz. Leider steht der komplett in der Sonne. Das wäre der Todesstoß fürs Geburtstagsgeschenk. So bleibt uns nichts anderes übrig als ein schattiges Plätzchen am Wegesrand zu suchen. Finden wir auch. Ganz kostenlos ist das aber nicht. Wir handeln uns eine sehr bissige Bemerkung eines Kinderwagen schiebenden Spaziergängers ein. Naja, solche irdische Kleinkariertheit ist uns heute egal. Was juckt den Planeten- Reisenden der Homo sapiens.
Nach einer großartigen Wanderung im Tal der Bergsteiger, im Matscher Tal, musste ein Abstecher hinauf zum Reschensee einfach sein! Ich wollte mich an die Interpretation des vielfach fotografierten versunken Kirchturms wagen. Der „Turm im See“ machte auf mich schon immer – auch vor Netflix‘ Corona – Eindruck. Es ist der geschichtliche Hintergrund, der mich jedes Mal, wenn ich den Kirchturm im Reschen Stausee sehe zum Nachdenken bringt.
Sonnenuntergang am Reschensee. Die letzten Strahlen fallen durch den Glockenstuhl des versunkenen Kirchturms.
Eingeladen vom Tourismusverein Südtiroler Unterland, dürfen wie heute einen GenussTag am Weinlehrpfad Kurtatsch – Margreid erleben. Das will ich mir nicht entgehen lassen. Doch leider kann man die beste Ehefrau von allen mit Wein jagen. Es hilft nichts, die Zweitbesetzung muss einspringen. Auf meinen Kollegen Andreas ist diesbezüglich Verlass, ihn muss man für Weinveranstaltungen nicht betteln.
So treffen wir uns um 15.00 Uhr vor der Kellerei Kurtatsch ein. Othmar Sanin, unser heutige Weinwanderführer, bittet uns in den Verkostungsraum der Kellerei hinein.
Kellerei Kurtatsch
Kellerei Kurtatsch
Eine Mitarbeiterin der Weinkellerei klärt uns über die Kellerei, die Arbeit der Weinbauern und vor allem übers Terroir auf. Sie erklärt uns, dass die Weinlagen der Kellerei Kurtatsch in Südtirol eine Besonderheit darstellen, da sie von der tiefen Talsohle bis hoch hinauf unter die steilen Felswände des Mendelgebirges reichen und somit Europa weit gesehen, den größten Höhenunterschied innerhalb einer Gemeinde abbilden. Dadurch wird es ermöglich, dass in Kurtatsch jede Weinsorte ihr ideales Umfeld was Boden und Klima betrifft, findet. Während den Ausführungen dürfen wir die Weine der Terroir-Linie Hofstatt (Weißburgunder), Kofl (Sauvignon) und Kirchbichl (Cabernet-Rivera) verkosten. Man stellt uns keinen Spucknapf vor die Nase, auch schenkt man uns das Glas normal ein. Super, denn so fühlen wir uns bestärkt, den Wein nicht nur optisch zu beurteilen, zu riechen, zu schlürfen und durchzukauen, um ihn dann ausspucken zu müssen, sondern ihn genussvoll zu trinken. So mag ich Verkostungen am liebsten. Klasse!
Der Salten, Lärchenwiesen soweit das Auge reicht, mittendurch der Fernwanderweg E5 und die Via Alpina (gelbe Route), eine Genusswanderung für Familien, Senioren, Spaziergänger. Anna hofft auf viele Alm Tiere. Pferde, Kühe, Schafe möchte sie nicht nur sehen, vor allem streicheln. Wir werden sehen ob sich das ausgeht.
Traditionelle Holzzäune findet man auf dem Tschöggelberg am Salten viele.
Zuerst müssen wir hinauf auf den Tschöggelberg. Wir entscheiden uns für die Anfahrt über Jenesien und parken vor den Sportplätzen des sonnigen Dorfes, dessen Bergdorf Charakter in den letzten Jahrzehnten durch Zuzug aus Bozen etwas verloren gegangen ist. Das bezieht sich aber nur auf das Dorf selbst. Rund herum z.B. auf dem Hochplateau „Salten“ da schaut das anders aus, da sind die seit Alters her bewirtschafteten, mit Lärchen durchsetzen Wiesen, erhalten geblieben. Genau da wollen wir jetzt hin.
Eine ganz besondere Kulturlandschaft: Wiesen mit Lärchen durchsetzt.
Ein Akrostichon ist ein antikes Schreibspiel, bei dem die Buchstaben eines Wortes untereinander geschrieben werden. Zu den Buchstaben werden Sätze oder Wörter geschrieben, sodass ein Gedicht oder ein Text, der Sinn macht, entsteht. Liest man den Text, dann ergeben die Anfänge – hintereinander gelesen – ein Wort oder sogar einen Satz.
Suchen, finden und lesen ist hier am Gewürztraminerweg angesagt.
Genauso ein Akrostichon findet man entlang des Traminer Wein-Themenweges. Die Anfangsbuchstaben der Stationen ergeben ein Wort. Welches ist sehr schwer zu erraten! Man muss schon beim Spazieren durch die Weinberge höllisch gut aufpassen keine einzige Station des Gewürztraminer Weinweges zu übersehen, sonst wird es schwierig das Wort am Ende zusammensetzen zu können.
Garda by Bike, denn beeindruckenden Radweg zu Fuß erkunden. Geht das? Darf man das? Es geht um die Wir sprechen hier von der besonders beeindruckenden 2 km langen Teilstrecke zwischen Capo Reamol von Limone sul Garda Richtung Norden.
Der Fuß- und Radweg Garda by Bike führt teilweise über dem Gardasee entlang
Ja das geht und ja das darf man. Wir sind gerade darauf unterwegs, und zwar auf Schusters Rappen. Ein blaues rundes Verkehrsschild auf dem nicht nur ein Fahrrad, sondern auch ein Fußgänger -wohlgemerkt untereinander – abgebildet sind hat uns bestätigt, dass der als Radweg angepriesene Garda by Bike Weg ein gemeinsamer Rad- und Fußgängerweg ist. Da Fußgänger und Fahrrad untereinander und nicht nebeneinander auf dem Schild abgebildet sind, dürfen darauf Radler und Fußgänger durcheinander – also gemeinsam – unterwegs sein.
Der Wildbach „Höllentalbach“ fließt direkt an unserem Haus vorbei. Nach der Höllentalbach-Katastrophe im Jahre 1986 hat die Wildbachverbauung, den höllischen Bach gezähmt und in seine Schranken verwiesen. Wild und urig ist er jetzt nur noch oberhalb des Zogglerweges. Dort spaltet er sich in drei Arme, den Weissbach, den Schmidbach und den Höllentalbach. Genau da oben, wo die Traminer Welt noch ursprünglich ist, soll es einen Wasserfall geben.
Seit kurzem haben einige Traminer, vom Taurisweg ausgehend, der rechten Flanke der Bachschlucht einen begehbaren Steig abgerungen. Der Pfad ist noch nicht markiert. Wir sind trotzdem guten Mutes, dass wir den Zugang zum Wasserfall des Gebirgsbaches finden werden.
Durch das Rappental mit Blick auf den Mendelkamm. Der markante Schwarze Kopf und der unscheinbare Roen unsere beiden Hausberge, blicken uns entgegen.
So marschieren wir flotten Schrittes das Rappental hinauf bis zur Zoggler-Forststange und dann über den Tauriswegweiter Richtung Roen.
Der St. Felixer Wasserfall am Nonsberg oder doch die Cascata di Tret nella Val di Non? Egal, da wollen wir heute hin. Das Nonstal – wir Südtiroler nennen es Nonsberg, ist ein Seitental des Etschtales. Es verläuft parallel zum Überetsch-Unterland. Wäre nicht der Mendelkamm, könnten wir Traminer den Nonsbergern die Hand schütteln. Doch knappe 1.800 Höhenmeter auf unserer Seite und 1.000 Höhenmeter auf deren Seite sind ein Hindernis. Der Mendelpass bietet Abhilfe.
Start am Lago Smeraldo
So fahren wir über die Kalterer Höhe zur Mendel hinauf, dann runter nach Fondo bis zum Lago Smeraldo. Hier beginnt die flache Wanderung, die man, abgesehen von der Länge, gut und gerne auch als Spaziergang bezeichnen könnte. Wir wollen nach Tret, einer Fraktion von Borgo d’Anaunia, und zwar nicht zum Lago di Tret (=Felixer Weiher), sondern zum Wasserfall von Tret. Die Bezeichnungen sind in dieser Gegend recht unterschiedlich. Klar an einer Sprachgrenze, das obere Nonstal liegt im deutschsprachigen Südtirol, während der mittlere und untere Teil im italienischsprachigen Trentino liegen, hat sich in jede Volksgruppe der eigenen Namen entwickelt. Die einen sprechen vom Felixer Weiher und dem Felixer Wasserfall, die anderen vom Lago di Tet (auch Lago di Santa Maria) und der Cascata di Tret. Das ist ok, wenn man weiß, dass das gleiche gemeint ist.
„I will zur Fohn aui. Wenn gean mir aui zur Fohn?“ Von unserem Fenster sehen wir jeden Tag, oberhalb des Kastelazweges, mitten im steilen Bannwald, zwei Tiroler Fahnen wehen. Die untere steht auf einem rot-weiß bemalten, etwas vorstehenden, Felsblock. Genau da will Anna heute hinauf.
Es nieselt. Aber nur ganz leicht, so leicht, dass die Fotoapparate es aushalten. Über den Kastelaz Kreuzgang, vorbei an Glockenblumen, dann weiter entlang des Kastelazweges geht es bis hinter dem ersten Strommasten zu einer weiten Kurve. Hier hat Armin mit seinem Team erst kürzlich die MTB-Wippe, an die Anna nie ohne zwei-dreimal drüber zu laufen, vorbeikommt, erneuert. Wenige Meter nach dieser Mountainbike-Technik Attraktion biegt rechts, rückwärts nach oben, ein Forstweg ab, der nirgends hinführt, einfach irgendwann aufhört. Da müssen wir rauf.
Tiroler Fahne inmitten vom steilen Bannwald auf dem Felsblock „Rotwandlerknott“
Das Laubdach bietet Schutz vor dem Nieselregen. Eine 180 Grad Kurve und wir marschieren genau von unserem Ziel, der Fahne, weg. Ich bin mir unsicher ob ich den Weg richtig im Kopf habe. Ich erinnere mich nur noch, dass das letzte Stück hinauf zur Fahne ein Steig war.
Im Frühlingstal waren wir schon oft. Aber noch nie im Februar. Das ist heuer ein besonderes Jahr. Die Frühblütler stehen trotz 23. Februar dicht gedrängt Becher an Becher. Das Tal des Frühlings zwischen dem Kalterer See im Süden (Kaltern) und dem Montiggler See im Norden (Eppan) war bis zum 19. Februar gesperrt. Windwurf hat es arg in Mittleidenschaft gezogen. Den Märzenbechern – auch große Schneeglöckchen genannt – hat das nichts ausgemacht. Die grün-weiße Blütenpracht erfreut nicht nur uns. Viele Spaziergänger sind unterwegs.
Große Schneeglöckchen säumen den Wanderweg durch das Frühlingstal
Wir marschieren den schmalen Wanderweg entlang des Blütenmeers am Angelbach hinauf. Jeder natürlich mit einem Fotoapparat bewaffnet. Jeder? Nein nicht jeder! Eine Unbeugsame leistet erbitterten Widerstand. Die beste Mami von allen greift keinen Fotoapparat an.