Von Tramin nach Penon wollen wir. Ostern bei Oma feiern. Mit dem Auto wären das entspannte zehn Minuten – fast schon langweilig. Erst noch schnell in Tramin Sport machen und dann mit dem Auto nach Penon? Nachhaltig ist anders.
Also gut: Wir gehen zu Fuß rauf ins Bergdorf. Sind ja nur 8 km und 600 Höhenmeter. Lächerlich.
„Gel Anna?“
Aufstieg über den Kastelazweg und den Grauner Lochweg
Unten im Tal, im Südtiroler Unterland, stehen die Apfelbäume in Vollblüte, während wir den Kastelazweg Richtung Kurtatsch hinausmarschieren. Ein Tag, der wettertechnisch seinesgleichen sucht.
Im Osten der Südtiroler Hauptstadt Bozen, auf 1.100 m ü. d. M., liegt Kohlern. Der kleine, verschlafene Weiler ist mit der Kohlern-Seilbahn in nur fünf Minuten zu erreichen. Diese Auffahrt ist unbedingt zu empfehlen, denn Parkplätze sind in Kohlern keine Massenware. Da wir uns jedoch heute außerhalb der Hochsaison befinden und die meisten Italiener ohnehin erst nachmittags aktiv werden, riskieren wir es und fahren die in Herbstfarben gekleidete Kohlernstraße bis nach Bauernkohlern hinauf. Und siehe da – ein Plätzchen ist noch frei. Super.
Bauernkohlern und Herrenkohlern – zwei Gesichter eines Weilers
Bauernkohlern? Nicht einfach Kohlern? Bauernkohlern stimmt tatsächlich, denn Kohlern ist zweigeteilt. Es besteht einerseits aus dem Ortsteil Bauernkohlern („Colle di Villa“) und andererseits aus Herrenkohlern („Colle dei Signori“).
Herrenkohlern war im 18. Jahrhundert vor allem von Stadtbewohnern und Adligen – den „Herren“ – bewohnt. Es war die Sommerfrische der Bozner Patrizier.
Bauernkohlern hingegen war bäuerlich geprägt – erste Höfe gab es hier bereits im Hochmittelalter – und ist der Teil mit den älteren Bauernhöfen. Doch auch in Bauernkohlern stehen Villen, wie die Villa Bittner eindrucksvoll beweist.
Die Villa Bittner in Bauernkohlern
„So a Haus möcht i a hobn“, meint Anna.
„Liegt wahrscheinlich nicht in unserer Preisklasse“, antworte ich, während wir vom Gebäudensemble rund um die Altmann-Kapelle, den Gasthof Kohlern und den Gasthof Klaushof um die Villa Bittner herumwandern, um bald darauf die Seitnerstraße zugunsten des Wanderwegs Nr. 1 Richtung Schneiderwiesen zu verlassen.
Man hat es nicht leicht mit der besten Ehefrau von allen. Wandern ja – aber die Tour darf nicht weit weg sein. Und auch nicht hoch hinauf. Und schon gar nicht gefährlich. Und, und, und.
Hm. Und weil auch ich meine Ansprüche habe – vor allem einen: Ich will immer Neues sehen – wird die Sache langsam knifflig. Richtung Südtirol haben wir schon fast alles durchstreift. Also: ab in den Süden, hin zu den italienischen Nachbarn.
Mezzolombardo ist in einer halben Stunde erreicht, der Parkplatz im Nu gefunden.
Mezzolombardo am Eingang des Nonstals
Auf dem Weg hinauf zum Friedhof kommt uns ein Gedanke: Schon seltsam – so nah, und doch so weit. Beruflich weit weg, sozial weit weg, wir haben mit den Trentinern eigentlich wenig zu tun. Sprache und Kultur sind dann eben doch die größere Hürde als die paar Kilometer Distanz.
Eine ganz besondere Frühlingswanderung im Süden Südtirols kann man in der Gemeinde Eppan in den beiden Ortsteilen Frangart und Girlan erleben. Kunstinstallationen, Frühlingsblumen und ein Schloss mit Löwen inklusive.
Von Frangart aus führt eine Nebenstraße der Bozner Straße hinauf nach Girlan. Sie geht in eine namenlose Straße über, die gerne als Rad- und Wanderweg genutzt wird. Genau auf dieser Straße sind wir heute wandertechnisch unterwegs. Zuerst sind wir an Weinbergen vorbeimarschiert, nun spazieren wir schattig durch Mischwald hinauf auf den Mitterberg.
„Dragobert der Drache“ im Kunstgarten Hochfrangart
Plötzlich streckt uns ein Lindwurm seine Fratze entgegen. „Dragobert der Drache“, so heißt die Skulptur, die ihr Maul und vor allem ihre Zunge über unsere Köpfe streckt. Der Drache ist vom selben Künstler wie die große silberne Edelstahlkugel, die man schon von weitem sieht, wenn man von Bozen ins Überetsch fährt, und die deshalb viel bekannter ist als der Drache. Beide Kunstwerke stammen von dem bereits verstorbenen Künstler Karl Nicolussi Leck. Sie gehören zum privaten Kunstpark Hochfrangart.
Mit dem Fahrrad von Tramin hinauf zum Grauner Joch und vielleicht noch weiter über den Mendelkamm zum Schwarzen Kopf oder gar zum Roen, geht das?
Mit einem voll aufgeladenen E-Bike auf jeden Fall, mit einem nur teilweise aufgeladenen vielleicht, mit einem Mountainbike ohne Elektroantrieb nur für geübte und fitte Bergradler.
Dieser Ausblick wird mich erwarten: Weiße Risen, Altenburg, St. Josef am See und Kalterer See, Kalterersee
Von Tramin hinauf nach Graun radeln
Zur letzten Kategorie gehöre ich nicht und da der Akku heute nicht ganz voll ist, radle ich nun mit gemischten Gefühlen durch das Höllental hinauf zum Zoggler Forstweg. Akkusparen ist angesagt. Leichter gesagt als getan. Vorbei am Schloss Rechtenthal, am Moserhof geht es die zwar asphaltierte, aber sehr steile Nebenstraße hinauf zum Psenner-Hof. Trotz Unterstützungsstufe 1 und 2 komme ich ganz schön ins Schwitzen. Ab dem Psenner Hof radle ich auf Schotter weiter und erreiche nach 300 Höhenmetern den erwähnten Zoggler Forstweg. Diesen würde ich zwar auch ohne elektrische Unterstützung schaffen und könnte somit Akku sparen, aber da ich noch nie mit dem Rad auf das Grauner Joch gefahren bin und daher andauernden Tretwiderstand nur schwer einschätzen kann, muss ich zusätzlich zur Akkuladung auch mit meinen Kraftreserven haushalten. Die elektrische Unterstützung bleibt darum aktiv. Und sollte der Akku zur Neige gehen, kann ich immer noch umkehren, so mein Gedanke.
11.45 Uhr, allein zu Hause, Hunger! Auswärts essen wäre toll. Am liebsten auf einer Alm. Wo ist denn die nächste? Klar, die Cisloner Alm. Zumindest, wenn man die Strecke von Tramin bis zur Alm mit dem Fahrrad zurücklegt.
Cisloner Alm
Also auf geht’s. Von Tramin über den Radweg nach Neumarkt, über die neue Etschbrücke und dann rechts der Etsch entlang bis zum Fuß von Castelfeder.
Der Rastenbachklammsteig zwischen dem Kalterer See und der Kalterer Fraktion Altenburg hat eine neue Eisentreppe mit luftiger Aussichtsplattform spendiert bekommen. Das will ich natürlich sehen! Aber so einfach ist das heute nicht. Anna muss zuerst überredet werden. Keine Lust, zu steil, zu müde, zu heiß – Ausflüchte hat fürs Wandern hat sie viele auf Lager. Eine Stunde dauert es, bis wir endlich aufbrechen können. Es ist nun 11.00 Uhr. Zum Glück ist der Parkplatz am Eingang der Schlucht noch nicht voll.
Geplant ist eine kurze schnelle Mittagsrunde. So starten wir zügig den 13er Steig hinauf, werden aber schnell von Anna gebremst: “Nicht so schnell!“ Die Neunjährige hat heute einen Meckertag. Da hilft nur eines. Ein Gespräch initiieren, bei dem Anna viel erzählen kann. Das hilft immer! Wenn Anna reden darf, dann ist Annas Welt in Ordnung.
So erreichen wir mit einer plappernden Anna die erste Treppe. Wow! Wir sind überrascht. Wir hatten nur mit einer Erneuerung der untersten Stiege gerechnet, und da steht plötzlich eine riesige eiserne Stufenkonstruktion mit leicht geänderter veränderter Terrassierung des Steiges bzw. der Steige.
Rot-weiße Fahnen wehen heute an den Südtiroler Fahnenmasten. Hmm… Herz-Jesu ist erst nächste Woche. Es kann doch nicht sein, dass die Traminer zum Tag der Republik die Tiroler Fahne hissen? Ich schwinge mich aufs Rad und fahre hinunter ins Dorf. Ab der Mitte der Hans-Feur-Straße ist Schluss. Straße gesperrt. Vor der Kirche warten Musikanten. Ach, Fronleichnamssonntag und somit Tag der folkloristischen Prozessionen in Südtirols Dörfern.
Die mit Fahnen geschmückte Hans-Feur-Straße in Tramin
Staudenschmuck in der Karl-Anrather-Straße von Margreid
Entlang des Fenner Baches führt die Fronleichnamsprozession zur Margreider Pfarrkirche
Ich will mich schon zum Warten abschicken, da schießt es mir durch den Kopf: die Traminer Fronleichnamsprozession kennst du eh schon. Wie wäre es mit einer Prozession in einem anderen Dorf?
Gedacht, getan! Über den Choleraweg, den Brentalweg und schließlich entlang des großen Grabens trete ich flugs hinunter nach Margreid.
Die Weindörfer Tramin, Kurtatsch, Margreid und Kurtinig verbindet ein besonderes Flair. Radelt man vom nördlichen Tramin ins südliche Kurtinig wächst mit jedem Pedaltritt der mediterrane Zauber. So kommt ganz besonders jetzt im Mohnblumenfrühling für Genussbiker ein Bella-Italia-Feeling sondergleichen auf!
Eigentlich bin ich vor allem Wanderer. Aber weil der Meniskus zurzeit etwas gehen das Gehen hat, bleibt mir nichts anderes übrig als mich auf den Drahtesel zu schwingen. Eine reine Sport-Radtour kommt nicht in Frage, ich packe – gleich wie beim Wandern – sämtliche Kameras ein und starte von zu Hause aus.
Ein leichtes (Gravel-)Bike wäre für mein heutiges Vorhaben ideal, als Wanderer fehlt das in meiner Ausstattung. Doch als begeisterter Landschaft-Fotograf besitze ich ein E-Mountainbike. Klar wie sollte ich sonst in kürzester Zeit über Stock und Stein flitzen?
So sitze ich nun auf meinem E-Bike und nehme mir den orographisch rechten Süden Südtirols vor. Und weil ich ein wenig ein schlechtes Gewissen habe, nehme ich mir vor, auf den E-Motor zu verzichten. Ein wenig Muskelaktivität muss sein. Für einen erprobter Wanderer ist Pedale treten sicherlich kein Problem.
Die beiden Hausberge Roen und Schwarzer Kopf, ganz in Weiß gekleidet, stehen schon lange auf dem Tourenplan.
Bis gestern regnete es in Tramin. Nicht gerade wenig. Wenn oben auf 2.000 Metern die gleiche Menge Schnee gefallen ist, wird es an Weiß nicht mangeln. Die Frage ist nur, ob die Kondition zum Spuren reicht.
Der Roen mit seinem rotweißen Eisenpfahl der den höchsten Punkt darstellt und seinem Gipfelkreuz, welches etwas weiter südlich auf dem Marienspitz steht.
Schon die Anfahrt zum Mendelpass sorgt für Ernüchterung. Hier liegt nicht viel Schnee – vielleicht ein Zentimeter.
Von den Golfwiesen bei der Talstation des Mendel Sessellifts stapfen wir die Skipiste hinauf bis zur Halbweghütte hinauf. Hier liegt etwas mehr Schnee.
Ab jetzt sehen wir keine Spuren mehr im Schnee. Wir sind heute die ersten. Das dauert nicht lang. Ein E-Biker überholt uns. Er hinterlässt ein tiefes Profil im Neuschnee.
Der Aufstieg zur Roen Alm verläuft wie immer unspektakulär. Die bewirtschaftete Alm ist seit dem Umbau ganzjährig geöffnet. Wir nehmen uns vor, auf dem Rückweg einzukehren.
Eine Wanderung vom Kalterer See hinauf auf die Leuchtenburg und weiter bis zu den Rosszähnenunternimmt man am besten im Frühling oder jetzt im Herbst. Das hat den Vorteil, dass man nicht so sehr schwitzt wie im Sommer. Wir kommen nämlich bei dieser Rundwanderung nicht über 600 m ü. d. M. hinaus und müssen somit mit hohen Temperaturen rechnen. Die Wanderung bietet gleich 3 Highlights: die Burgruine Leuchtenburg, das Naturdenkmal Warmlöcher und die bizarren Felsformationen Rosszähne.
Es gibt also viel zu entdecken.
Wir starten heute vom kostenpflichtigen Parkplatz am Kalterer See und spazieren zuerst den Seerundweg am Nordufer nach Klughammer hinüber. Vor der Pension Leuchtenburg biegen wir links ab und folgen der Wandermarkierung 13B bzw. Leuchtenburg hinauf auf den Mitterberg.
Blick von Klughammer über den Kalterer See
Schon nach wenigen Metern eröffnet sich uns aufgrund des erhöhten Standpunkts der See in seiner vollen Pracht. Es tut uns ein wenig leid, dass wir bald in den Wald eintreten müssen und die Weinbergseenlandschaft somit aus den Augen verlieren.
Die Lungenfrisch tausend Höhenmeter über Tramin ist ein markanter Felssporn, von dem der Wanderer einerseits hinunter auf das Traminer Höllental, andererseits auch auf Kaltern und den Kalterer See schauen kann. Die Lungenfrisch wird meist nicht als eigenständiges Wanderziel angesteuert, sie ist „nur“ ein Zwischenziel einer Bergtour vom Gummererhof über die Weißn Risen, die Lungenfrisch und der Göllerwiese hinauf auf die Überetscher Hütte.
Ich steige heute vom Gummererhof nur bis zu Lungenfrisch auf. Kurze Mittagspausenrunde, weil ich eh schon hier am Gummererhof bin und weil ich mir den verbesserten 10er Steig anschauen will. Er wurde erst kürzlich vom Alpenverein neu instandgesetzt.
Das Ziel die Lungenfrisch mit ihrem wunderbaren Ausblick nicht nur auf Tramin, sondern auch auf den Kalterer See