Tramin-Weiße Risen-Göller eine kurze deftige Bergtour

Eine schnelle Nachmittagsrunde. Wohin? Anna: „Af die Weißen Risen aui!“

In Reichweite des Gummerer Hofes

Ok, das heißt zuerst durch das Rappental den Wandersteig Nr. 10 hinauf zum Gummerer Hof. Kein Problem, das ist einer unserer täglichen Mittagsspazierwege und stellt somit keine große Herausforderung dar. Auf der Magerwiese vor dem Berggasthof blühen bereits die pelzigen, lilafarbenen Kuhschellen. Wir schenken ihnen heute wenig Beachtung, es geht nun den Gummerer-Forstweg (Nr. 10) zum Kalterer Höhenweg hinauf. Anna rennt voraus. Obwohl wir bald nach dem Eichwaldele den gemütlichen Forstweg zugunsten des steilen, heute mit trockenem Laub übersäten, Steig verlassen, sie nur alte, das Profil auf null runter gewetzte Turnschuhe trägt, schießt sie wie ein Pfeil voraus. Wir Große kommen richtig ins Schwitzen.

Beim Brandschutzweiher auf dem Kalterer Höhenweg angekommen, schreitet Anna, dem Wegweiser Nr. 10 folgend, zügig weiter. Eigentlich dachte ich, dass wir hier umkehren bzw. gemütlich zum Bad Klapf flach hinein spazieren, um dann entlang des Höllentalbaches schnurstracks nach Hause zu marschieren.

Doch wenn ein Traminer Madl, so richtig in Fahrt ist, dann soll man es nicht aufhalten und so bleibt uns zwei Erwachsene nichts anderes übrig als hinterher zu dackeln.

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Blick vom 10er Steig hinauf auf den Schwarzen Kopf

Weiße Risen

Die Bezeichnungen “Weißen Risen“, ja tatsächlich mit kurzem i geschrieben und ja das habe ich selbst immer wieder falsch geschrieben, kommt scheinbar nicht vom “Riesen”, auch nicht vom “Riss”, sondern von “Rise”, eine im 13. und 14. Jahrhundert von Frauen oft getragene Haube, die Kopf, Kinn und Ohren vollkommen bedeckte und nur die Augen und Nase frei lies.

Den Steig durch das weiße Geröllfeld „Weiße Risen“ habe ich schlecht erhaltener in Erinnerung. Da haben die Weghalter ordentlich Arbeit reingesteckt. Er führt nun in markigen kleinen Serpentinen hinauf bis an die obere Kante der “Weißen Risen”. Das ist die Schlüsselstelle des 10er Steiges. Wir müssen auf einem sehr schmalen, rechts tief abfallenden, nur drei vier Dutzend Zentimeter breiten Pfad einen turmartigen Wandervorbau umrunden. Zum Glück hilft uns ein Drahtseil über die recht gefährliche Stelle. Ohne dieser Versicherung hätten keine 10 Pferde die beste Ehefrau von allen rauf gebracht. Dem Drahtseil und auch ihrer Wanderweg-Vergesslichkeit (bei Annas Aufnahmeprüfung war sie schon einmal hier) dürfen Anna und ich es verdanken, dass wir nicht umkehren müssen. Und auch ein wenig der Tatsache, dass wir nicht über den gleichen Steig zurück müssen, sondern vom Göller – unserem neuen Ziel – über den Göllersteig Nr. 523 nach Altenburg absteigen werden.

Die Nase und die Lungenfrisch

Die Schlüsselstelle hinter uns, geht es nun immer noch steil und nicht ganz ungefährlich, aber ohne den extremen Tiefblick hinauf auf die “Nase“. Das ist wiederum ein Pfeiler mit Tiefblick, aber dieses Mal müssen wir nicht herum, sondern mitten drauf und da er drei vier Meter breit ist, stellt er keine allzu große Ehefrauenhürde dar.

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Blick auf Tramin von der “Nase” über den “Weißen Risen”

Der Blick hinunter auf Tramin und zum Kalterer See begeistert nur Anna und mich. Die beste Ehefrau will vom Pfeiler runter, für sie stellt er eher eine Felsnadel dar, die drei vier Meter geben ihr kein großes Sicherheitsgefühl.

Ab jetzt wird der Steig flacher und weniger gefährlich. Wir passieren die sogenannte “Lungenfrisch“. Wie der Name schon sagt ein frisches, schattiges Plätzchen. Von rechts unten blitzt ab und zu der blaue Kalterer See herauf. Es geht nun gegen den Uhrzeiger um den Göller, einer bewaldeten Bergkuppe, auf deren Spitze kein Steig führt, herum. Über dem “Arschlochriss”, dem “Kleinen Göller”, der “Kleinen Göllerwiese” und der “Jahrzahl”, alles Flurnamen, geht es nun bis zur Göllerwiese, wo ein Brunnen mit frischem Wasser und ein Unterstand auf uns warten. Kurz vor dem Ziel, etwas Schnee und auf der Göllerwiese angekommen, plötzlich Knie tiefer Schnee! Na, sowas…

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Der Kalterer See

Göllerwiese und Aussicht Göller

Dumm gelaufen! Ich trage zwar die groben Bergschuhe, aber ich trage die immer, sogar bei Kinderwagen tauglichen Spazierwegen. Auch ich hätte beim Start des Nachmittagsspazierganges – geplant war ja nur bis zu den “Weißen Risen” – nicht gedacht, dass wir festes Schuhwerk brauchen. Die beiden Mädels mit den Turnschuhen sind nun klar im Nachteil. Trotzdem denken wir uns nicht viel dabei, schlussendlich sind wir gerade eben auf Schnee getroffen und ab jetzt wollen wir eh nur noch abwärts.

Ein Schluck Wasser, ein kurzer Abstecher (80 m) hinaus auf die Aussicht nach Kaltern und zum Kalterer See, ein verdutzter Blick auf die Tischplatte, die eben mit der Schneedecke verläuft, dann treten wir den Rückweg über den Göllersteig an.

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Der Schnee reicht bis zur Tischkante hinauf. Unten im Tal, das Weindorf Kaltern. Im Hintergrund die Südtiroler Hauptstadt Bozen.Der Tisch Göller, Kaltern, Schnee

Abenteuerlicher Abstieg über den Göllersteig

Die beste Ehefrau von allen: “Weart gonz oi so viel Schnea sein?”

Ich: “Na sicher nit, sicher lei die erschtn poor Meter.”

So steigen wir guten Mutes in den Göllersteig Nr. 523 ein und schreiten abwärts. Schreiten ist das falsche Wort, tasten wäre das richtigere. Bei jedem Schritt müssen unsere Füße den Untergrund ertasten, um zu prüfen ob er hält oder aufgrund von Vereisung, Ausrutschgefahr birgt. Das ist mühsam! Für mich, der ich zwar die groben Bergschuhe trage, die aber ohne Steigeisen auf eisigen Untergrund auch keine große Hilfe sind, der ich Anna an der Hand festgeschraubt halte, die aber andauernd ausrutscht, was mir immer wieder unerwartete Risse mit einer Zugkraft von 20 kg in Richtung Abgrund beschert, ist das besonders heikel.

Ich komme geistig an meine Grenzen. Vor allem weil es immer wieder vorkommt, dass der Riss nach unten in dem Moment passiert, da ich gerade dabei bin, einen guten Tritt mit etwas Bodenhaftung zu suchen, aber noch nicht habe. Es kommt nicht nur einmal vor, dass ich das Gleichgewicht nur mit allerhöchsten Mühe und Glück halten kann.

So geht das nicht weiter! Die rettende Idee. Abseits des Steiges, wo noch keine Wanderer gestapft sind, ist der Schnee nicht fest gefroren. Da brechen wir zwar ab und zu bis zu den Knien ein, doch lieber nasse Füße, als keinen Halt. So steigen wir links und rechts des Steiges ab. Anna schlittert und baumelt an meiner Hand. Sie bricht aufgrund ihres mäßigen  Gewichtes fast nie ein, dafür rutscht sie auf dem hartem Schnee, immer wieder aus.

Und da ist noch die Sache mit dem Göllersteig. Wer ihn kennt, der weiß, abseits des Steiges, das ist beim Göllersteig keine einfache Sache. Und außerdem muss man ab und zu auf den Steig, denn an einigen Stellen, gibt es kein links oder rechts. An diesen Stellen muss ich Anna auffordern, nur dann einen Schritt zu setzen, wenn ich es sage, sodass wir das Organisieren einer festen Bodenhaftung meinerseits und das Nachschreiten ihrerseits, minutiös  abstimmen. Das kostet Zeit und Nerven. So kommen wir nur sehr sehr langsam nach unten. Oben hat der abenteuerliche Abstieg Anna noch Spaß gemacht, jetzt werden die Zehen nass und kalt, die Nerven spannen sich, ihre tapfere Ausdauer neigt sich dem Ende zu.

Endlich erreichen wir in der Zone “Buckelte Larch” ein Stück Steig ohne Schnee. Wir wollen schon aufatmen, doch nicht lang währt die Freude. Wieder ein Schneefeld, wieder die gleiche Prozedur. Insgeheim gilt meine größte Sorge der besten Ehefrau von allen. Wenn die nun die Nerven verliert, dann haben wir ein Problem. Zusätzliche 60 kg Zugkraft an der anderen Hand würde ich nicht schaffen. Zum Glück passiert das nicht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir plötzlich auf den Göller Waldweg. Der Göllersteig quert ihn, wir müssten links des Breiten Waldweges auf dem schmalen Göllersteig absteigen. Aber wir haben vom Steig die Nase gestrichen voll. Wir stapfen nun lieber den breiten Waldweg nach rechts hinunter. Der Schnee ist teilweise Knie tief. Ich nehme Anna auf die Schultern, das hat gleich drei Vorteile: wir kommen schneller voran, ihre Zehen werden nicht nass und ein wenig Freude über das “Hoch-oben-sitzen-dürfen” kommt bei ihr auf.

Rückweg über den Kalterer Höhenweg

Beim Brandschutzweiher Ziegelstadel bzw. in der Flur “Beim Bründl” ist es endlich geschafft. Schnee freie Zone! Wir treffen zwar hier wieder auf den Göllersteig, aber wir folgen im nicht. Im Laufschritt geht es für uns den Forstweg Ziegelstadl-Plamaut in entgegen gesetzter Richtung. Wir folgen ihm bis zu einer 180 Grad Kurve und kürzen 20 m dahinter teilweise durch einen alten, nicht markierten, bereits verwachsenen Weg, teils querfeldein auf den Kalterer Höhenweg hinunter. Dadurch ersparen wir uns einen guten Kilometer (in der Karte unten zeichne ich diese Abkürzung nicht ein, weil querfeldein).

Jetzt geht es unter dem “Kanzele”, durch die Flur “Saulacken” den Kalterer Höhenweg und dann den Gummerer Forstweg bis zum Gummererhof zurück. Die Kuhschellen auf der Magerwiese schließen bereits ihre Schellen, während wir froh heil vom Göller-Abenteuer zurück zu sein, die warme Badewanne ersehnend, durch das Rappental ins Höllental, nach Hause zum Mandlhof absteigen.

GPS-Track Tramin-Weiße Risen-Göller

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 distance (km) elevation (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Differenz max/min: Keine Daten
Höhengewinn (~): Keine Daten
Höhenverlust (~): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Tramin-Weiße Risen-Göller

Annas Wanderbericht: Weiße Risen und Göller – Anna2014

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