Nächtliche Bergtour vom Gummererhof zur Überetscher Hütte

Blick von der Lungenfrisch auf Tramin

13 km/h, bei 12% Steigung, 45 min lang auf dem Laufband das ist bzgl. Höhenmeter das gleiche wie Gummererhof-Überetscher Hütte. Ich mag Sport eigentlich nicht, aber mittlerweile muss er sein um den Faschingskrapfentendezen meiner biologischen Hülle entgegenzuwirken. Leider. Das Laufband ist eine Möglichkeit die Zeit während der sportliche Betätigung zu recyceln, denn auf dem Band kann man gleichzeitig Lernvideos hören und schauen.

Heute schießt mir durch den Kopf ich könnte doch der Abwechslung wegen, nicht nur theoretisch, sondern richtig praktisch vom Gummererhof zur Überetscher Hütte hinauf laufen? Ist trainingsmäßig eh das gleiche. Lernvideos kann man dabei zwar keine schauen, aber eine praktisch Exkursion hat ja auch etwas lehrreiches.

„Na, Tati, es gleiche isch es nit! Weil afn Lafbandl hosch jo koan Rucksock und koane Bergschuach und muasch jo drnoch a wieder or!“ Ups, Anna hat Recht! Das gleiche ist es nicht. Aber ich denke eh nicht an rauf laufen, sondern nur an rauf wandern und da ich es mir nun schon in den Kopf gesetzt habe, starte ich trotzdem.

17 Uhr 30, auf geht’s vom Gummererhof ausgehend. Zügigen Schrittes schreite ich zuerst bis zum Weiher unter den „Weißen Riesen„, dann die zahlreichen Serpentinen durch die weißen Steinlahnen hinauf. Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden genau in dem Moment, da ich den ersten gute Blick auf den Roen habe. Schade. Aber oben, oberhalb der „Nase“, da scheint sie noch. Obwohl ich merke, dass das zügige Wandern mit Bergschuh, Rucksack und Stöcken überhaupt nicht dasselbe wie das gleichmäßige Laufen auf dem Band ist, halte ich das Tempo. Nein, nicht der Ehrgeiz der sportlichen Betätigung treibt mich an, sowas kenne ich nicht. Die Sonne oben oberhalb der Nase (= Drahtseil gesicherte kurze Schlüsselstelle) auf der Lungenfrisch, die ist schuld, dass ich trotz schwerer Füße das Tempo nicht drosseln kann.

Auf der Lungenfrisch

Sonnenuntergang über dem Roen

Die Nase ist schnell gemeistert, es geht nun deftig steil bergan. Die Sonne berührt bereits den Mendelkamm. Gas geben, aber laufen ist leider nicht drin. Nach genau 35 min, exakt zeitgleich mit dem Verschwinden des Sonnenballes, komme ich auf der Lungenfrisch an. Flugs wie der Wind den Rucksack abgeworfen, Fotoapparat raus gerissen, es reich knapp für ein super schneller Foto, leider nicht für eine perfekte Wahl des Standortes und dann ist sie schon weg, die liebe Sonne. Zwei Minuten schneller, dann wäre es perfekt gewesen. Blöd, wenn die Füße dem Kopf nicht folgen wollen.

Blick von der Lungenfrisch auf Kaltern

Eigentlich sollte die schnelle Abendwanderung das Training ersetzten. Jetzt da ich auf der Lungenfrisch, dem exponierten Felsen der den Panoramablick zwischen Tramin und Kaltern mit Kalterer See trennt, ist der Vorsatz schnell vergessen. Urig wild ist es hier oben, planmäßig zi­vi­li­sa­to­risch da unten. Ein herrlicher Kontrast! Der windige Blick hinunter nach links, auf Tramin und der nach rechts, über eine ziemlich vorstehende Felsformation auf Kaltern und den Kalterer See begeistert. Keine Chance für einen Fotografen da schnell vorbei zu kommen. Trainingslauf also missglückt!

Obwohl ich mich über das falsche Teleobjektiv ärgere – ich habe blöderweise ein schweres Makroobjektiv von der Vollformatkamera eingepackt, anstatt das Teleobjektive für die MTF-Kamera – wird aus einer 5 min eine 20 min und schlussendlich eine 45 min Pause.

Ich wandere nun gleich zügig wie zuvor weiter. Aber weit komme ich nicht. Bald entdecke ich zu meiner rechten, bei einer Lichtung, einen tollen Tiefblick auf den Kalterer See und verscheppere wieder 15 min bevor es weiter bis zur Göllerwiese geht.

Aussicht Göllerwiese

Auch an der komme ich nicht vorbei, denn mit einem 100 m Abstecher kommt man auf eine wunderbare Aussicht hinaus. Und die hat es in sich! Der Blick in die Weite reicht über Kaltern und Bozen bis zu den Dolomiten, der Tiefblick lässt den stahlblauen Kalterer See herauf blitzen. Weiter im Süden liegt Tramin.

360° Blick auf den Kalterer See zwischen Kaltern und Tramin
360° Blick auf den Kalterer See zwischen Kaltern und Tramin

Die letzten Sonnenstrahlen umschmeicheln die Dolomitenspitzen im Osten. Über dem Göller und dem Mendelkamm scheint noch das Restlicht herüber. Ich frage mich ob ich es wohl schaffen werde den gewaltigen Dynamikumfang von dunkeln Schattenpartien bis hin zu diesen hellen Stellen ohne Abrisse einzufangen. Leider passiert es oft, dass ein Foto solch einer formidablen Abendstimmung – im Nachhinein betrachtet – in keinster Weise die vor Ort empfunden Stimmung, Farben und Dynamik wieder gibt. Mal schauen ob ich es dank modernen Fototechnik, die sich in Fotografie vor Ort und Entwicklung am Computer aufgliedert, schaffe.

Wieder verfliegen 45 min wie nix. Oje, mittlerweile ist es bereits 19 Uhr 45. Egal, wenn man am Göller angekommen ist, dann hat man eh schon die halbe Strecke und gefühlt den anstrengendsten Teil geschafft.

Vom Taurisjoch zur Scharfegger Hütte und zum Wasserfall

Jägerhütte „Scharfegger Hütte“

Rund um den Göllerspitz schreite ich zügig bis zum Taurisjoch, dann immer dem Göllersteig folgend, zur Jägerhütte „Scharfegger Hütte“. Auch hier komme ich nicht ohne Fotopause vorbei. Der Vorteil, wenn man alleine unterwegs ist, man kann anhalten wann immer man will. Von der Jägerhütte bis hinüber zum Wasserfall ist der Steig zwar flach, aber sehr schmal und links teilweise etwas exponiert. Ein Drahtseil versicherte diesen Teil des Wanderweges. Ich kann mich nicht erinnern, das ich früher jemals daran gedacht hätte, dass dieses Wegstück gefährlich sein könnte. Heute nehme ich mir fest vor, später wenn ich dann Nachts zurück muss, das Seil gut festzuhalten.

Ich höre den Wasserfall. Der letzte steile Anstieg steht bevor. Ich beiße auf die Zähne und steige zügiger als zuvor – die flache Drahtseilpassage hätte ich viel schneller wandern können, aber irgendwie hat sie mir dann doch etwas Respekt abverlangt – zu Überetscher Hütte hoch.

Es dämmert bereits, da trete ich in die Hütte ein.

Auf der Überetscher Hütte

Martina und Andrea, die beiden Hüttenwirte, sitzen zusammen mit einem Mitarbeiter neben dem lodernden Kachelofen. Ich setzte mich dazu. Wir kommen ins Plaudern. Obwohl die beiden italienischer Muttersprache sind, sprechen sie perfekt deutsch. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich nicht ins Hochdeutsche wechseln muss und sie meinen Traminer Dialekt perfekt verstehen.

Sie: „Von wo kommst du her?“
Ich: „Fa Tramin aur, obr bis zum Gummerer bin ich gfohrn.“
Sie: „Wie lange hast du gebraucht?“
Ich: „Isch ba mir a bisl schwierig zu sogn, denn i bin olleweil wieder stean geblieben und hon longe Fotopausen gmocht.“
Usw.

Nächtlicher Blick auf das Südtiroler Unterland von der Überetscher Hütte aus

Ich lasse mir einen kalten Aufschnitt kredenzen. Ein Glas Rotwein – hmm… wird der Abstieg das aushalten? Ja, ein Glas müsste auf jeden Fall drin sein.

Drei Italiener treten ein. Sie plaudern von Wein und Kellereien. Sie waren in Margreid beim Alois Lageder und wollen noch mehr Kellereien besichtigen. Scheinbar sind sie auf Weinverkostungstour. Martina erklärt mir, dass die drei Männer aus dem Gastronomie Bereich sind und einen Michelin Stern anstreben. Ich frage mich wie sie nach einer Weinverkostung hier herauf gekommen sind? Wahrscheinlich sind sie mit dem Auto über das Nonstal und die Malga Roen gekommen. Anders kann ich mir das nicht vorstellen.

Nächtlicher Abstieg von der Überetscher Hütte

Um circa halb zehn Uhr breche ich auf. Draußen ist es stockdunkel. Kein Mond in Sicht. Die starke Stirnlampe ist nun das wichtigste Wanderaccessoire. Ich wandere genüsslich, aber langsamer als beim Aufstieg, zuerst zum Wasserfall hinunter und dann genau wie ich mir vorgenommen hatte, ständig das Drahtseil haltend, den schmalen Göllersteig entlang. Ich muss mich zusammenreißen, das Drahtseil wirklich zu halten. Das Nachtwandern hat so seine Tücken. Ich sehe im Lichtkegel der Stirnlampe nur den Steig vor mir, nicht den rechts steil abfallenden Hang. Dadurch habe ich das Gefühl ich könnte einfach Hans Guckindieluft drüber laufen. In Erinnerung an das Gelände wäre das aber nicht unbedingt ratsam.

Kaltern und Bozen by night

Von der Jägerhütte bis hinunter zur Göllerwiese ist der Steig etwas sicherer. Wieder komme ich nicht um die Aussicht herum. Ein zwei Nachfotos will ich mitnehmen. Es ist angenehm warm und herrlich still mitten in der Nacht hoch über Kaltern und den Kalterer See. Wunderbar!

Zurück zur Göllerwiese schießt mir ein Gedanke durch den Kopf. Und was wäre wenn die Stirnlampe ausfallen würde. Ups, das wäre fatal! Ohne wäre kein einziger Schritt möglich. Ich nehme mir fest vor, sollte ich nochmals alleine auf Nachtwandertour gehen, eine Reservestirnlampe mitzunehmen.

Tramin by night

Die Lungenfrisch ist erreicht. Wieder Fotopause. Dieses Mal liegt links Kaltern und der Kalterer See und rechts Tramin. Es  reut mich, dass ich kein Stativ mit dabei habe. Einen Stein kann ich nicht finden, ich behelfe mir mit dem Rucksack als Fotoapparatunterlage für die Langzeitbelichtung. Ich bin mir nicht sicher ob die Fotos so scharf werden, denn bei 30 Sekunden Belichtungszeit ist schnell was verwackelt. Klick… 30s… Klick. Super scharf ist es nicht geworden. Scheinbar sackt der Apparat während der langen Belichtung ganz leicht ab. Ich lasse die Fotos aber trotzdem gut gehen. Jetzt in der Nacht auf Steinstativ-Suche gehen will ich auch nicht.

Der Abstieg über die Nase, der Drahtseil versicherten Passage, ist genau gleich wie zuvor. Die Nacht ist trügerisch. Schaut irgendwie ganz ungefährlich aus. Aber da ich weiß, dass es links in den Tot ginge, halte ich das Drahtseil lieber fest.

Die Weißen Riesen leuchten im Lichtschein der Lampe. Ich wandere nun flotten Schrittes die Serpentinen hinunter. Hmm… was wäre wenn ich auf einen Bären treffen würde. Würde der vom stark blenden Lichtkegel verscheucht werden oder würde das Licht in aggressiv machen. Ein wenig mulmig macht mich der Gedanke schon. Zum Glück ist M49, der Ausbrecher König Bär, drüber auf der anderen Talseite. Die Etsch soll eine natürliche Sperre sein, die Wildtiere nicht überschreiten. Andererseits hat der Norbert, der Juniorchef vom Gummererhof schon einmal einen Bär ganz in der Nähe des Hofes in natura gesehen. Ich nehme mir fest vor kein Bärenfutter zu werden. Ist schon komisch welch unwahrscheinliche Szenarien sich so ein Hirn ausdenkt.

Vom Weiher bis hinunter zum Gummererhof ist mir der Wald sehr bekannt. Da bin ich sicherlich schon hunderte Mal durchgelaufen. So verfliegen auch schnell die komischen Gedanken.

23 Uhr 30, Ankunft beim Gummererhof und somit Ende der nächtlichen Wandertour über die wilden Weißen Riesen, dem Tanz auf der Nase, dem Flug über die Lungenfrisch und den Göller bis hinauf auf Tramins höchstem Haus, der Schutzhüte „Überetscher Hütte“.

GPS-Track über den Göllerweg vom Gummererhof zur Überetscher Hütte

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Keine Höhendaten
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Höhengewinn: Keine Daten
Höhenverlust: Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Tramin, Kalterer See, Kaltern

Weil es so schön war, bin ich am folgenden Sonntag tagsüber mit  Familie nochmals rauf:

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