Eine leichte Almwanderung soll es heute werden. Wir wollen nämlich zusammen mit meiner Schwägerin und ihrem Freund den Samstag verbringen. Außerdem will die beste Ehefrau von allen ihr neues Auto in Brixen bei der Brennergarage abholen.
Wandern auf der Lüsner Alm (Südtirol)
Nachdem wir vor circa einem Monat unsere damalige Almwanderung auf die Rodenecker Alm frühzeitig beendet hatten, wollen wir es heute nochmals probieren und die Nachbaralm, die Lüsner Alm, in Angriff nehmen. Folglich auf nach Brixen, Auto abholen und die Jungfernfahrt mit dem niegelnagelneuen Wagen nach Lüsen kann beginnen.
Als die beste Ehefrau von allen (damals noch beste Freundin von allen) und ich im Frühling zusammen mit meiner Schwester und ihrem Sohn Laurin von Laag nach Buchholz gewandert sind, hatten wir ein Schild mit dem Hinweis Gfrill gesehen. Damals hatten wir beschlossen, dass wir diesen Wanderweg unbedingt mal gehen werden.
Blick nach Salurn und Salurner Klause
Da heute noch sechs Freunde mit sollen, wir ihnen aber nicht 2.000 Höhenmeter und 22,2 Kilometer Marsch zumuten können, starten die beste Ehefrau von allen und ich zu zweit in Laag vor der Diskothek Melodie. Die anderen Sechs fahren direkt nach Gfrill, dort werden wir sie treffen, um gemeinsam zur Trudner Horn Alm zu wandern.
Im Westen und Osten des Zeller Sees waren wir schon. Heute kommt der Süden an die Reihe. Wir fahren nach Kaprun, um uns dort mit der Maiskogelseilbahn (7 Euro einfache Fahrt) durch eine dichte Nebeldecke hinauf zum Maiskogel auf 1.675 m chauffieren zu lassen.
Auf dem Weg zum Fuße des Kitzsteinhorns – Aufstieg zur Dreiwaller-Höhe
Zum Glück liegt der Nebelschleier jetzt unter uns, aber als herrlich kann man das Wetter trotzdem nicht bezeichnen. Wir beginnen unsere heutige Bergtour über den Wandersteig Nr. 5, den Alexander-Enzinger Weg in Richtung Jausenstation Großglocknerblick.
„Hundstein, das klingt so lustig, da müssen wir unbedingt rauf“, so die beste Ehefrau von allen vor zwei Tagen vor einem Wanderschild, während der Seerundwanderung um den Zeller See. Kein Problem, können wir machen. Die Planung verspricht eine deftige Bergtour. Mir soll es recht sein.
Auf dem Weg zum Hundstein – Blick auf den Zeller See
Heute soll die Wolkendecke auch hier, mitten im Pinzgau, zumindest teilweise aufreißen. Wahrhaftig, präsentieren sich nach dem Frühstück die ersten Sonnenstrahlen. Der Zeller See liegt unter einem Wolkenloch.
Wir fahren mit dem Auto bis nach Thumersbach und dann bis ans Ende der Talstraße des Thumersbacher Tales.
Heute, Donnerstag, sollen sich am ehesten in Nordtirol ein, zwei Stunden Sonnenschein ausgehen. Die Nase voll vom Schlechtwetter, steigen wir ins Auto und fahren durch das salzburgische Oberpinzgau, über Mittersill, vorbei an den Krimmler Wasserfällen (fünfthöchste Wasserfälle der Welt, Fallhöhe 380 m), über den kostenpflichtigen Gerlospass ins Tiroler Zillertal nach Mayrhofen.
Krimmler Wasserfälle auf dem Weg vom Pinzgau über den Gerlospass ins Zillertal
Tatsächlich, nach dem Gerlospass brechen einige ganz wagemutige Sonnenstrahlen durch die dunkle Wolkendecke durch. Uns beiden steigen fast die Tränen in die Augen, so überwältigend ist der Anblick der so schmerzlich vermissten Sonne. Nach 5 Tagen Regenwetter steigt nun die Stimmung merklich!
Mittwoch: Wieder Regen.! Heute will ich nicht viel erzählen. Nur so viel: Wir hatten uns im Internet erkundigt, wie viel ein Bahnticket hin und zurück für zwei Erwachsene von Zell am See nach Salzburg kosten würde. 72 Euro war das Ergebnis der Recherche im Internet. Nun stehen wir am Bahnhof von Zell am See am Schalter und bestellen ein Ticket für zwei Personen Hin- und Rückfahrt Zell am See – Salzburg. „28 Euro bitte“, sagt die freundliche Dame am Schalter. Wir schauen ungläubig drein, aber nach nochmaliger Rückfrage bestätigt sie uns: Das „Einfach-Raus-Ticket“ kostet 28 Euro. Damit können zwei Personen einen ganzen Tag lang in ganz Österreich die Züge des Nahverkehrs nutzen.
Wir sind freudig überrascht, steigen in den Zug ein und ab geht die „Post“ in die Hauptstadt des Salzburger Landes, in die Geburtsstadt Mozarts, nach Salzburg.
Zell am See, Dienstag. Wieder Regen! Was soll’s. An der Rezeption des Hotels Tirolerhof nach einem großen Regenschirm gefragt und runter zum 3,8 km langen, 1,5 km breiten und max. 68 m tiefen Zeller See. Eine Panoramatafel gibt uns Auskunft über den Seerundwanderweg. Es bietet sich uns eine leichte Seerundwanderung mit circa 11 km oder eine etwas schwierigere Seeumrundung an, die etwas länger ist.
Wir entscheiden uns für die schwierigere Wanderrunde, welche uns zwar auch über die Seepromenade rund um den Zeller See führt, aber bei Thumersbach das Seeufer verlässt, um im Wald, circa 100 m über dem See, die Ortschaft zu „umschiffen“.
Nordufer Zeller See mit Blick auf die Stadt Zell am See
Heute versuchen wir folgende Strategie: einfach dem schönen Wetter entgegenfahren. Rein ins Auto und ab über die Tauern-Autobahn nach Kärnten. Dort soll – sofern der Wetterbericht recht hat – die Sonne scheinen. Nach fast zwei Stunden Autofahrt erreichen wir Spital an der Drau und werden etwas enttäuscht: Sonne Mangelware, aber zumindest regnet es nicht.
Alpenrosen auf den Weg zum Tschiernock
Wir verlassen die Tauern-Autobahn A10 in Richtung Millstatt, fahren dann in Richtung Seeboden und von dort nach Treffling. Eine gebührenpflichtige Panoramastraße führt uns in das Naturerlebnisgebiet Tschiernock – Hochpalfennock bis zur Hansbauerhütte hinauf.
Hier beginnen wir unsere heutige Bergtour. Wir wandern zuerst in östlicher Richtung den Jagasteig in Richtung Sommereggerhütte entlang. Der Wandersteig ist hier sehr flach und leicht begehbar. Es dauert sich allzu lang, bis wir auf eine Abzweigung treffen, an dem sich ein Naturpfad vom Jagasteig trennt. Wir gehen nicht gerade aus, sondern leicht links hoch und folgen nun dem Höhenrundwanderweg.
Neun Tage (Hochzeits-)Urlaub, Freude pur! Anreise bei Nieselregen, kein Problem ist ja nur der Anreisetag. Am Empfang des Hotels Tirolerhof in Zell am See werden wir benachrichtigt, dass das Wanderopening abgesagt worden ist. Grund unbekannt. Wir wundern uns etwas, vor allem, weil man den Grund scheinbar nicht kennt. Recht betrübt sind wir deswegen aber nicht.
Blick auf den Zeller See
Das Hotel Tiroler Hof am Zeller See stellt seinen Gästen einen Internetzugang zur Verfügung. Tolle Sache! Gleich hinauf aufs Zimmer, Laptop einschalten und nach Wetter Österreich googeln.
Eine Almwanderung, die nicht zu hoch hinaufgeht, der Temperaturen wegen, das möchte die beste Freundin von allen. Mir hingegen ist es wichtig, irgendwohin zu gehen, wo wir noch nicht waren, sodass wir früher oder später alle schönsten Flecken Südtirols gesehen haben. Das wird sich wahrscheinlich in einem einzigen Leben nicht ausgehen, aber trotzdem: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Lüsner-Rodenecker Almweg
Nach kurzem Überlegen beschließen wir nach Lüsen zu fahren um die Rodenecker Alm zu erkunden. Laut Wikipedia ist sie mit 20 km² das größte Hochplateau Europas und reicht von einer Meereshöhe von etwa 1.500 m bis hinauf zu fast 2.200 m. Sie grenzt an die Gemeinden Rodeneck, Lüsen und Ehrenburg und geht im Osten direkt in die Lüsner Alm über. Wahrscheinlich ist bei „größtes Hochplateau Europas” auch die Lüsner Alm mit eingerechnet. Ich war immer der Meinung, dass die Seiser Alm das größte Hochplateau Europas ist, aber Wikipedia mit seinen unzähligen Korrektoren wird schon recht haben …
Der Gardasee, gelegen am südlichen Alpenrand, ist mit 370 km² das größte Binnengewässer Italiens. Umringt von Bergketten im Norden, Osten und Westen und aufgrund seiner Lage weist er ein sub-mediterranes Klima mit heißen Sommern und niederschlagsarmen milden Wintern auf. Die Durchschnittstemperaturen im Jahr liegen zwischen 13 und 15 °C. Er ist also ein idealer Ort für unseren heutigen Wanderausflug, darum ab in den Süden!
Riva del Garda am Gardasee – Ausgangspunkt für unsere heutige Wanderung über die Ponale-Panoramastraße
Nach einer guten Autostunde erreichen wir das Nordufer des Gardasees in Riva del Garda, einem Ort, der schon zur Römerzeit besiedelt war. Wir befinden uns nun im Trentino, auch oft Welschtirol genannt. Der Gardasee erstreckt sich über drei Regionen. Im Norden liegt er in der Region Trentino-Südtirol, im Westen in der Lombardei und im Osten in Venetien. Somit wird er von den drei Provinzen Trentino, Verona und Brescia verwaltet.
25. April, Tag der Befreiung und Ende der faschistischen Diktatur in Italien. Was tun am Staatsfeiertag? Hinüber nach Auer zum beliebten Markusmarkt oder trotzdem lieber etwas für das körperliche und geistige Wohlgefühl tun?
Die Entscheidung ist zumindest für uns beide leicht. Wir ziehen einen schönen ausgedehnten Spaziergang durch die Flora Südtirols dem Trubel eines bekannten und schönen, aber schon häufiger erlebten Marktes vor. Das war vor einigen Jahren anders. Heute bedeutet wandern für uns beide Entspannung vom Alltagsstress, Südtirol mit Augen, Nasen und Ohren erleben und genießen und am Abend ein gutes Gefühl, etwas „getan“ zu haben.
Also wohin? Zu hoch hinauf geht noch nicht, wenn wir es angenehm warm haben wollen. So circa 700 Meter über dem Meeresspiegel wären ideal. Schnell mal auf der Südtirol Karte schauen, wo wir noch nicht waren. Aha, Tisens und Völlan oberhalb von Lana, nicht weit weg von der Gampenpass-Straße, wäre nicht schlecht.
St. Hippolyt Kirchlein bei Tisens
Auf nach Tisens! Wir fahren über die Mebo nach Lana und weiter über die Gampenpassstraße. Vorbei an der Abzweigung nach Völlan geht es bis zur Abzweigung nach Tisens. Hundert Meter davor könnten wir rechts auf einem Schotterparkplatz das Auto abstellen, wir fahren aber lieber bis nach Tisens hinüber (links abbiegen), um von dort den Spaziergang zu beginnen. Ich nenne diese Wanderung Spaziergang, da wir nur circa 500 Höhenmeter vor uns haben.