Von Tramin nach Penon wollen wir. Ostern bei Oma feiern. Mit dem Auto wären das entspannte zehn Minuten – fast schon langweilig. Erst noch schnell in Tramin Sport machen und dann mit dem Auto nach Penon? Nachhaltig ist anders.
Also gut: Wir gehen zu Fuß rauf ins Bergdorf. Sind ja nur 8 km und 600 Höhenmeter. Lächerlich.
„Gel Anna?“
Aufstieg über den Kastelazweg und den Grauner Lochweg
Unten im Tal, im Südtiroler Unterland, stehen die Apfelbäume in Vollblüte, während wir den Kastelazweg Richtung Kurtatsch hinausmarschieren. Ein Tag, der wettertechnisch seinesgleichen sucht.
Heute ist Deutschnofen unser Ziel, denn die Tota wird besucht. Trotzdem darf unsere tägliche, kurze Mittagsrunde nicht fehlen. Also spazieren wir vom Kreisverkehr bei der Dorfeinfahrt zuerst hinauf in die Handwerkerzone und dann hinüber zum Hotel Pfösl. Unser Weg führt hinter dem Hotel vorbei, direkt an einem Unterstand für graue Vierbeiner. Anna muss natürlich die Eselchen streicheln.
Nun folgen wir der Beschilderung Richtung St. Helena, wandern bis zur Landesstraße 72, begleiten sie ein paar Meter und biegen dann links in den schönen Panoramaweg ein. Er führt uns um den St.-Helena-Hügel herum, vorbei an einzelnen Hofstellen. Der Panoramaweg verdient seinen Namen zurecht: Die Spitzen der Rosengartengruppeund des Latemarsbegeistern. Heute sind sie – im Unterschied zu vor 5 Monaten – weiß. Ein traumhafter Dolomitenblick, der seinesgleichen sucht.
Bauernhof am Panoramaweg unter dem St.-Helena-Kirchlein in Deutschnofen. Im Hintergrund der angezuckerte Rosengarten.
Der Völser Höfeweg – auch Oachner Höfeweg – soll es heute richten. Als eine der beliebteste Herbstwanderungen in Südtirol dürfte er uns fünf Männer trotz düsterer Wetterprognose zu einer halbwegs brauchbaren Wanderung verhelfen, bevor wir am späten Vormittag beim Fronthof in Völser Aicha zum Törggelen einkehren.
Wir fahren nach Oberaicha, stellen das Auto ab und machen uns auf den Weg. Über dem Tierser Tal liegt schweres Wolkengrau. Doch jetzt um 9.30 Uhr regnet es nicht.
Entlang des Oachner Höfewegs
So dürfen wir trockenen Fußes starten. Nebelbilder haben für mich etwas ungemein Faszinierendes: Dort lugt ein Hof aus der weißen Wand, weiter hinten ragt der Kirchturm von Steinegg über die Schwaden, und hier setzen ein paar gelbe Blätter kleine Farbtupfer ins monotone Grau. Mir gefällt’s.
Andreas, Armin, Dietmar und Kurt. Es sind ja nur vier. Der Fotograf hat sich aus der Affäre gezogen. 😉
Wir wandern, mal zu zweit, mal zu dritt, in ständig wechselnden Gruppen, plaudernd entlang des Oachner Höfewegs. Unsere Gesprächsthemen springen munter hin und her: Fitness, Wein, Wirtschaft, Elektromobilität und natürlich Frauen. Die ersten Themen im Detail auszubreiten, wäre für dich, lieber Leser, wohl der direkte Weg ins Mittagsschläfchen. Über unsere Frauen und unsere Höhen und Tiefen mit ihnen zu schreiben, das ist hochspannend. Also – ups, lassen wir das lieber. Ist wohl besser, ich zensuriere diesen Abschnitt. 😉
Die Bayern haben keine Dolomiten, aber sie haben Königsschlösser – und als Draufgabe einen Schwansee und einen Alpsee. Genau das Richtige, um Annas Überraschungs-Geburtstagsausflug würdig zu zelebrieren.
Während der ganzen Anfahrt hat Anna immer wieder neugierig gefragt: „Wo fahren wir hin?“
Das ist so eine Sache mit Anna. Einerseits will sie immer alles sofort wissen, andererseits möchte sie auch überrascht werden. Die beste Ehefrau von allen und ich blieben stur, wir rückten nicht mit der Sprache heraus. Und tatsächlich hielt die Überraschung bis Hochschwangau. Der Routenplaner zeigte zwar dauernd Füssen als Ziel, aber da hat bei Anna nichts geklingelt. Selbst die Schilder „Königsschlösser“ kurz vor Füssen hat sie übersehen. Erst als uns das prächtige Schloss Neuschwanstein entgegenstrahlte, ging ihr ein Licht auf. Nun ist zum Glück die Freude groß.
Im Osten der Südtiroler Hauptstadt Bozen, auf 1.100 m ü. d. M., liegt Kohlern. Der kleine, verschlafene Weiler ist mit der Kohlern-Seilbahn in nur fünf Minuten zu erreichen. Diese Auffahrt ist unbedingt zu empfehlen, denn Parkplätze sind in Kohlern keine Massenware. Da wir uns jedoch heute außerhalb der Hochsaison befinden und die meisten Italiener ohnehin erst nachmittags aktiv werden, riskieren wir es und fahren die in Herbstfarben gekleidete Kohlernstraße bis nach Bauernkohlern hinauf. Und siehe da – ein Plätzchen ist noch frei. Super.
Bauernkohlern und Herrenkohlern – zwei Gesichter eines Weilers
Bauernkohlern? Nicht einfach Kohlern? Bauernkohlern stimmt tatsächlich, denn Kohlern ist zweigeteilt. Es besteht einerseits aus dem Ortsteil Bauernkohlern („Colle di Villa“) und andererseits aus Herrenkohlern („Colle dei Signori“).
Herrenkohlern war im 18. Jahrhundert vor allem von Stadtbewohnern und Adligen – den „Herren“ – bewohnt. Es war die Sommerfrische der Bozner Patrizier.
Bauernkohlern hingegen war bäuerlich geprägt – erste Höfe gab es hier bereits im Hochmittelalter – und ist der Teil mit den älteren Bauernhöfen. Doch auch in Bauernkohlern stehen Villen, wie die Villa Bittner eindrucksvoll beweist.
Die Villa Bittner in Bauernkohlern
„So a Haus möcht i a hobn“, meint Anna.
„Liegt wahrscheinlich nicht in unserer Preisklasse“, antworte ich, während wir vom Gebäudensemble rund um die Altmann-Kapelle, den Gasthof Kohlern und den Gasthof Klaushof um die Villa Bittner herumwandern, um bald darauf die Seitnerstraße zugunsten des Wanderwegs Nr. 1 Richtung Schneiderwiesen zu verlassen.
Dolomitenwanderung gesucht. Am liebsten eine Rundtour, aber eine neue! Ich mag ungern zwei Mal die gleiche Bergtour gehen, wenn es doch hier in Südtirol und in den Dolomiten genug verschiedene Touren für mehrere Wanderleben gibt!
Wohin also diesmal? Hm, da fällt mir ein: In meiner Rubrik „Schutzhütten“ fehlen noch bei einigen wenigen Hütten eigene Fotos – das könnte also die richtige Gelegenheit sein. Also nachgesehen: Von welcher Dolomitenhütte habe ich noch kein eigenes Bild? Genau, von der Scotoni-Schutzhütte im Naturpark Fanes-Sennes-Prags.
Praktischerweise liegt in der Nähe der Hütte auch ein idyllischer Bergsee, der Lagazuoi-See. Der steht ohnehin schon länger auf meiner Merkliste, seit Charly mir ein Foto vom wunderschönen Lech de Lagaciò (so nennen ihn die Ladiner) gezeigt hatte.
Smaragdgrün leuchtet der periodische Bergsee Lech de Lagaciò.
Vom Valparolapass, nur ein paar hundert Meter vom Falzaregopass entfernt, startet eine aussichtsreiche Dolomitenwanderung hinauf auf den Setsas (ital. Settsass). Der Gipfel steht in Sachen Bekanntheit im Schatten seiner berühmten Nachbarn wie Lagazuoi, Cinque Torri, Col di Lana oder Piz Cunturines. Genau deshalb verirren sich auf seinen Gipfel kaum Touristen – und schon gar keine Hotspotsammler. Perfekt. So ist alles wunderbar aufgeteilt: die wenigen Fotomagnete den internationalen Besuchern, dafür uns Einheimischen die riesige Fülle der unscheinbaren, aber großartigen Aussichtsberge.
Der Setsas (rechts neben der Sonne) bei Sonnenuntergang
Wir sind über Alleghe und den Falzarego-Pass angereist, denn die Valparola-Passstraße ist diesen Winter zwischen St. Kassian und dem Pass wegen größerer Bauarbeiten gesperrt.
Nur wenige Meter vor dem Rifugio Valparola parken wir am Straßenrand, auf einem freien Schotterplatz zwischen unzähligen Campern und Vans. Wir sind die einzigen mit einem normalen Pkw – offenbar auch die einzigen, die eine ordentliche Bergtour im Sinn haben.
Man hat es nicht leicht mit der besten Ehefrau von allen. Wandern ja – aber die Tour darf nicht weit weg sein. Und auch nicht hoch hinauf. Und schon gar nicht gefährlich. Und, und, und.
Hm. Und weil auch ich meine Ansprüche habe – vor allem einen: Ich will immer Neues sehen – wird die Sache langsam knifflig. Richtung Südtirol haben wir schon fast alles durchstreift. Also: ab in den Süden, hin zu den italienischen Nachbarn.
Mezzolombardo ist in einer halben Stunde erreicht, der Parkplatz im Nu gefunden.
Mezzolombardo am Eingang des Nonstals
Auf dem Weg hinauf zum Friedhof kommt uns ein Gedanke: Schon seltsam – so nah, und doch so weit. Beruflich weit weg, sozial weit weg, wir haben mit den Trentinern eigentlich wenig zu tun. Sprache und Kultur sind dann eben doch die größere Hürde als die paar Kilometer Distanz.
Eine gemütliche Nachmittagsrunde mit Besichtigung des Roccolo del Sauch und einem Sprung in den Lago Santo. So zumindest der Plan: Die Rundwanderung ist mithilfe der Alpenvereinaktiv-App entworfen worden, der Startpunkt ist der Parkplatz Lago Santo. Das klingt doch nach einem runden Programm. Die Mädels sind überredet, die Messe ist vorbei – also los!
Sprung in den Bergsee Lago Santo
Anfahrt über Faedo
Eine Anfahrtsplanung braucht es nicht, dafür hat man ja den Routenplaner. Der will uns allerdings schon vor St. Michele all’Adige über eine Abkürzung nach Faedo hochlotsen. Dem traue ich nicht und fahre lieber bis St. Michele, biege dort links ab und kurve Richtung Faedo. Bei den Molini di Faedo will der elektronische Lotse schon wieder links – und weil ich hier noch nie war und mich somit nicht auskenne, folge ich ihm blind. Prompt wird die Straße steiler, enger, immer enger – und plötzlich stehen wir vor einem Weinbergweg. Na bravo! Also kehrt Marsch, zurück auf die SP58 und weiter nach Faedo.
Den Alpenhauptkamm haben dieWanderer bisher nur selten betreten. Weil er so hochalpin ist und Kletterei fordert? Nicht unbedingt – auch dort finden sich herrliche Wege, die keine Kletterei verlangen. Der eigentliche Grund ist eher die Entfernung: Für uns liegt er am entgegengesetzten Ende Südtirols. Deshalb steuern wir heute das Pflerschtal an. Allzu deftig soll die Bergtour aber nicht ausfallen, denn meine Knie sind ein Wackelfaktor. Als Ziel erküren wir daher keinen Gipfel, sondern „nur“ eine Schutzhütte: die Tribulaunhütte unter dem Pflerscher Tribulaun.
Die Tribulaun Hütte auf 2369 m ü. d. M.
Obwohl Pflersch für uns Traminer am anderen Ende Südtirols liegt, sind wir dank der Brennerautobahn überraschend schnell dort – und auch dank unserer Taktik, den Ferragosto-Feiertag kurzerhand um einen Tag zu verschieben. Ein Südtiroler weiß schließlich, wann er die Autobahn besser meiden sollte.
Vom Penser Joch kommend, fahren wir die schmale Passstraße hinunter nach Asten. Hier zweigt links das Tramintal ab. Ach, wieder treffen wir auf Traminer, wie gerade eben auf dem Zinseler. Dieses Mal sind es jedoch keine Menschen, sondern ein Tal. Interessant. Abbiegen ins Tal? Nein wir bleiben auf der Penser Joch Straße und fahren weiter über Pens bis nach Weißenbach.
Hier, 100 Meter rechts der Straße, direkt am Weißenbach, befindet sich ein großer Schotterparkplatz. Wir stellen das Auto ab. Obwohl wir weit weg von Zuhause sind, treffen wir heute immer wieder auf Tramin. Nun wollen wir das auf die Spitze treiben. Dieses Mal nicht mit Traminer Wanderern, nicht mit einem Tramin Tal, dieses Mal mit einem Traminer Almbetreiber. Der Steinegger Stefan betreibt mit seiner Familie im Unterbergtal die Ebenbergalm – es wird höchste Zeit, ihn zu besuchen.
Aufstieg von Weißenbach zu den Wink Höfen
Also marschieren wir von Weißenbach hinauf zu den Wink Höfe. Eine Bäuerin läuft aufgeregt mit einem Vogel in der Hand zum Bauern. Als wir näherkommen, erkennen wir einen kleinen Greifvogel – ich vermute ein Sperber. Vielleicht verletzt. Wer weiß.
Von Weißenbach geht es zunächst hinauf zu den Wink Höfen
Fährst du ins Herz von Südtirol hinein, ins Sarntal, und wagst dich noch weiter bis ins hinterste Tal nach Weißenbach und Pens, dann wird es still in Südtirol. Touristen begegnet man hier meist nur auf der Durchreise – meist auf Motorrädern, der Passstraße wegen.
„Hallo, wir sind’s!“, ruft mir eine Motorradbeifahrerin entgegen, während sie das Visier ihres Helms hochklappt. Ich bin verdutzt. „Wir, die Gäste. Wir fahren jetzt heim.“ Erst nach ein paar Sekunden kapiere ich: Es sind unsere Gäste vom Mandlhof, die zeitgleich mit uns in Tramin den Hof verlassen haben – und nun zufällig ebenfalls auf dem Penser Joch sind. Wir zum Wandern, sie auf der Durchreise. Wir wechseln ein zwei Worte und machen uns dann auf die Suche nach einem Parkplatz. Vor dem Alpenrosenhof ist zwar alles voll, aber hundert Meter darunter finden wir reichlich Platz.
Der Alpenrosenhof und das Windrad am Penser Joch
Aufstieg auf den Zinseler
Zuerst wieder hinauf zur Passhöhe des Penser Jochs. Das markante Windrad steht heute still, ein kurzer Blick hinunter ins Sarntal, hinüber zum mächtigen Sarner Weißhorn – und schon stapfen wir los. Über den Wanderweg Nr. 14, auch Kirchsteig genannt, geht es nordwärts. Unser Ziel: der familienfreundliche Aussichtsberg Zinseler (2.422 m).