»Mein« Wanderbuch

Ein Südtirol Wanderführer mit 20 Wohlfühlwegen zum Thema »Wandern für die Seele«

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Frühlingswanderung am Marlinger Waalweg

Die Sonne lacht vom Himmel, frische Triebe überall, die ersten Apfelblüten erblicken das Licht der Welt – ein Frühlingspalmsonntag wie er im Buche steht. Der Vormittag war für den Kirchgang mit Segnung der Palmwedel reserviert nun, 12.00 Uhr, packen wir flugs den Rucksack mit einer Brotzeit ein und machen uns auf nach Marling zum gleichnamigen Waalweg.

Der Marlinger Waalweg ist für mich kein Unbekannter, aber Anna war noch nie dort. Sie kennt den Algunder Waalweg, den Latschander Waalweg, den Schnalser Waalweg, den Stabener Waalweg und den Maiser Waalweg. Der Tschermser- und der Marlinger Waalweg fehlen in ihrer Kollektion. Das kann ich als Tati und Wanderliebhaber natürlich nicht so stehen lassen! Abhilfe folgt heute.

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Einstieg zwischen den beiden Waalwegen: Tschermser Waal-Marlinger Waal

Tschermser Waalweg

Wir steigen zwischen dem Marlinger- und Tschermser Waalweg, etwas nördlich von Schloss Lebenberg, in den flachen Wanderweg ein. Zuerst spazieren wir den Tschermser Waal entlang. Dabei folgen wir der Fließrichtung des Wassers Richtung Süden. Keine 15 Minuten spaziert, genau unter Schloss Lebenberg, lädt eine Bank zum Rasten ein. Der Magen knurrt, klar es ist bereits 13.30 Uhr. So nutzen wir die Sitzgelegenheit, breiten uns auf der Bank aus und greifen tief in den Rucksack. Wir müssen die Füße etwas einziehen. Die Bank steht nahe am beliebten Wanderweg und da heute nicht nur einzelne Wanderer, sondern auch zahlreiche Spaziergänger unterwegs sind, müssen wir stetig aufpassen niemandem ein Bein stellen.

Letzten Sonntag noch auf der Seiser Alm im weißen Tiefschnee beim Ski fahren, heute im Grünen bei zarten Apfelblüten. Wir Kinder Südtirols sind vom Glück geküsst. Dankbar schauen wir ins Etschtal hinunter.

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Spiel und Spaß am Waalweg

Nach der kurzen Brotzeit geht es weiter Richtung Süden. Zuerst schaut Anna noch belustigt schlendernd auf das rinnende Wasser, doch bald drängt sich das ruhige Wässerchen als Spielkamerad auf. Der Tati muss aus einem Stück Holz ein Schiffchen schnitzen. Zum Glück hat er sein legendäres französisches Arbeitermesser Opinel immer dabei. Ein Klappmesser, wie es bereits Annas Uropa geschätzt hatte. Kein modernes Messer mit Edelstahlklinge! Nein ein Messer mit Kohlenstoffstahlklinge. Anspruchsvoll in der Pflege, dafür scharf wie eine Rasierklinge. Zusätzlich zum Schiffchen schneide ich Anna einen längeren dünnen Stock mit fingerähnlichen Seitenästen an dessen Ende zurecht. Damit kann sie das Schiffchen, ohne sich jedes Mal zu bücken, manövrieren und wenn es sein muss auch etwas einbremsen. Da Anna seit einigen Monaten ein zwei drei Wörter englisch spricht – nennen wir den Stock „Shipcatcher“. Damit ist das ideale Waalschifffahrtsspiel auf die Füße gestellt und die Kinderfreude am Wanderweg garantiert.

So wandern wir, eigentlich wandere bzw. spaziere nur ich, Anna „schippert“ ihr Schiffchen, entlang von Apfelbäumen, aussichtsreich ins Etschtal mit Lana im Blickfeld und über Tscherms hinweg bis zur Querung des Waals mit der Raffeingasse hinunter. Hier kehren wir ohne langes Federlesen um, wir wollen nun über den Marlinger Waalweg hinauf Richtung Meran.

Zum Leidwesen von Anna müssen wir nun entgegen der Fließrichtung des Wassers. Ich tröste sie, indem ich ihr erkläre, dass wir nun ziemlich weit hinauf wandern werden und sie dann während des gesamten Rückweges ihr Schiffchen schwimmen lassen könne.

So schlendern wir zurück, vorbei am Gasthaus Leitenschenke, dann unter Schloss Lebenberg bis zu dem Punkt, wo wir in den Waalweg eingestiegen sind und dann über den Marlinger Waalweg ins Burggrafenamt hinauf.

Marlinger Waalweg

Hier gelber Löwenzahn, dort Apfelbäume mit zarten rosa Knospen. Bald breitet sich Meran vor uns aus. Anna ist verwundert.

„Das soll eine Stadt sein?“, fragt sie.
„Ja wieso?“, antworte ich.
„Weil, ich sehe keine Hochhäuser und alles ist so grün!“, entgegnet sie.
„Ja, Meran ist eine besondere Stadt, eine Kurstadt!“, schmunzle ich ihr entgegen.

Liebe Kurstadt Meran, du weiß schon, dass du nun ein riesengroßes Kompliment meiner Tochter bekommen hast?

Klappern dringt an unsere Ohren. Eine Waalschelle zeigt akustisch an, der Waal führt Wasser. Der Wanderpfad schlängelt sich durch mehr oder weniger steile Apfelhaine. Links unserer Füße das glitzernde Wasser, rund herum frisches Grün von Gras und Apfelbaumtrieben, in der Ferne die weißen Schnee bedeckten Gipfel des Ifinger, des Hönigspitz und des Hirzer. Frühling du bist so schön!

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Das Dorf Marling und die Kurstadt Meran

Das Dorf Marling und die Kurstadt Meran kommen stetig näher. Hier vom Waalweg aus schauen das weniger als 3.000 Einwohner zählende Dörfchen und die schöne Kurstadt wie ein Ganzes aus. Das Einzige was sie optisch ein wenig trennt ist der Meraner Pferderennplatz. Links über Meran sehen wir Dorf Tirol.

Wir kommen an einer Infotafel vorbei:

Der Marlinger Waal ist mit 12 km der längste im Meraner Talkessel. Zwischen Töll und Lana sichert er die Bewässerung auf rund 300 ha Wiesen und Äckern. Sein Bau in der Mitte des 18. Jahrhunderts geht auf das Kartäuserkloster Allerengelberg im Schnalstal zurück.

1619 hatten die Kartäuser den Gojenhof in Marling gekauft, für ihren Bedarf an Wein. Über 100 Jahre später gingen sie daran, zur Bewässerung der Reben einen Waal anzulegen – von der Etsch den gesamten Marlinger Berg entlang. Die Kartäuser waren im Waalbau erfahren. Sie hatten bereits einige ihrer Klosterhöfe im Schnalstal über Kanäle und rinnen mit Wasser versorgt.

Der Bau des Marlinger Waales war dennoch viel schwieriger als erwartet, besonders auf dem ersten Kilometer durch steilen Fels. Als 1737 die Arbeiten begannen, wurde mit Kosten von 12.000 Gulden gerechnet. Der Bau dauerte 19 Jahre und kostete am Ende 80.00 Gulden. Ohne die Hilfe der Gemeinde Marling hätte die Klosterverwaltung den Waal wohl nie zu Ende gebaut.

1897 ging an der Töll ein Wasserkraftwerk in Betrieb. Seitdem fließt das Wasser auf den ersten 800 Metern unterirdisch durch den Berg. Der alte Waal ist aber noch zu sehen. Früher waren an dem Kanal bis zu drei Waaler beschäftigt. Sie mussten dafür sorgen, dass das Wasser nie ausblieb. Ihr Alarmsystem funktioniert noch heute: Ein an einem Wasserrad befestigter Hammer schlägt bei jeder Umdrehung auf eine Schelle. Bleibt der regelmäßige Klang der Schelle aus, bedeutete das: Kein Wasser mehr. In diesem Fall machten sich die Waaler schnell auf den Weg, um nach der Ursache zu suchen. Für die Nacht und bei Gewittern stand ihnen eine dieser Waalerhütten zur Verfügung.

Einige 100 m nach dem Gasthaus Schönblick macht der Waalweg eine Linksbiegung und läuft alsdann in den Wald hinein. Kurz darauf muss er den Eggbach überwinden. Wir marschieren dabei über eine schmale Brücke und Stege entlang. Der Wasserlauf ist hier nicht mehr zu sehen.

Nun drängt sich Algund mit seinem wie eine Messerklinge in den Himmel ragenden Kirchturm der Neuen St. Josef Kirche in unser Blickfeld. Im Hintergrund markiert die Mutspitz den Anfang der Texelgruppe. Ich bin mit diesem Anblick zufrieden und genehmige Anna die lang ersehnte Umkehr.

Nicht weil sie nach Hause möchte, nein weil sie endlich ihr Schiffchen zu Wasser lassen möchte!

Für den Rückweg bekomme ich von der besten Tochter von allen eine wichtige Aufgabe zugesprochen. Sie braucht einen Schiffslotsen, der vorausläuft und ihr zuruft, wenn das Wassergefährt aus seinem nassen Element gehoben werden muss, weil Gefahr bestünde, dass es eine unterirdische Wasserlaufpassage nicht meistern könne. Sie hat nämlich schon genau darum eine Yacht verloren.

Weil ich als Lotse versage verliert sie bald auch das zweite Schiff, ein schlankes Schnellboot. Nun kommt das dritte, ein mächtiger Dampfer zum Zuge.

Da der Lotse mittlerweile gelernt hat und der Kapitän vor jedem „Höllenschlund“ schnell reagiert schafft es der Dampfer bis zurück zu unserem Ausgangspunkt und darf als Belohnung mit nach Hause.

Eine wunderschöne Wanderung, eigentlich eher ein Spaziergang ist damit zu Ende. Wir sind froh den Frühlingsnachmittag perfekt genutzt zu haben und können die blütenreiche Frühlingswanderung jedem egal ob Jung oder Alt mit oder ohne Kinder wärmsten empfehlen. Am Weg gibt es viele Einkehrmöglichkeiten z.B. Leiten Schenke, Eggbauer, Traudis Imbiss, Gasthof Waalheim, Waldschenke, Aqualis, Gasthaus Schönblick.

Karte mit Verlauf Waalweg und GPX-Track

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 distance (km) elevation (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Differenz max/min: Keine Daten
Höhengewinn (~): Keine Daten
Höhenverlust (~): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Tschermser- und Marlinger Waalweg

 

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2 Kommentare über “Frühlingswanderung am Marlinger Waalweg”

  1. Bettina says:

    Oh, wie schön, ich liebe Meran und die Waalwege! Dazu das traumhafte Frühlingsgrün und die Apfelblüte, das macht solche Sehnsucht nach dem wunderbaren Südtirol. Ihr könnt Euch wirklich glücklich schätzen, dort zu leben! Danke fürs Mitnehmen!

  2. Dietmar Mitterer-Zublasing says:

    Hallo Bettina, gerne geschehen 🙂

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