Bergtour zum Becherhaus – wandern im Ridnauntal

Auf dem Dach der (unserer) Welt steht das Becherhaus. 3.195 m Meereshöhe, die höchst gelegene Schutzhütte Südtirols. Für jeden Südtiroler Wanderer eine Königstour, denn es gilt gute 1.800 Höhenmeter zu bezwingen, aufgeteilt auf eine Strecke von 13 Kilometern.

Becherhaus - jöchst gelegene Schutzhütte Südtirols
Becherhaus - höchst gelegene Schutzhütte Südtirols

Die meisten Becherhaus Besucher bestreiten am Samstag den Aufstieg, übernachten im Becherhaus (ital. Rifugio G. Biasi al Bicchiere) und treten am Sonntag den Abstieg an.

Die beste Ehefrau von allen wollte gestern arbeiten. Ich habe mir eine kurze Bergtour von Fennberg über den Sattelsteig zum Tresner Horn (Corno di Tres) gegönnt. Die Entscheidung, dass wir zur höchsten Schutzhütte Südtirols, zum Becherhaus, wollen ist erst gestern Abend um 22.30 gefallen.

Um 4 Uhr in der Früh sind wir aufgestanden, über die Brennerautobahn bis nach Sterzing gefahren, dort links ins Ridnauntal abgebogen und bis zum Talschluss, nach Maiern gefahren.

Gerade eben haben wir unser Auto direkt vor dem Bergbaumuseum Schneeberg abgestellt und nun stehen wir vor einem Wanderschild: 6 Stunden, 10 Minuten. Oha, irgendetwas scheint da mit meiner Planung nicht zu stimmen. Ich hatte nämlich laut trekking.suedtirol.info 4 Stunden ermittelt. Entweder ich habe bei der Planung einen falschen Startpunkt gesetzt oder die Rindnauner geben die Wanderzeit lieber etwas großzügig an… Wir hoffen natürlich letzteres…

Aglsbodenalm

Der Wandersteig Nr. 9 führt uns durch den Wald aber auf steinernem Untergrund, neben dem Ferner Bach zuerst zur Aglsbodenalm hinauf. Gestartet sind wir auf 1.400 m Meereshöhe, die Aglsbodenalm liegt auf 1.735 m Meershöhe. Die ersten 300 Höhenmeter sind also schon geschafft. Der Steig Nr. 9 führt uns circa 200 Meter rechts der Alm vorbei.

Grohmannhütte

Nun beginnt der erste relevante Anstieg. Wir müssen rechts des kaskadenartig herabstürmenden Bachlaufs in einigen Serpentinen bis zu den versteckten Hochweiden des Aglsboden hinauf.

Wieder 300 Höhenmeter geschafft. Das geht ja ruckzuck. Nun wandern wir entlang des Fernerbaches ziemlich flach in nordöstlicher Richtung.

Bis jetzt finden wir die Wanderung wenig anstrengend und sind darum recht flott unterwegs. Den einsamen Wanderer hinter uns, der uns schon von Beginn der Tour mit circa 100 Meter Abstand begleitet, können wir auf Distanz halten, bei den Aufstiegen sogar etwas abhängen. Ich habe aber bemerkt, dass er auf ebenen Stücken fast läuft. Eine kurze Trinkpause und schon hat er uns überholt.

Teplitzer Hütte

Vor uns steht die kleine Grohmannhütte (2.254 m) und 330 m darüber, scheinbar am Kamm oben, die viel größere Teplitzer Hütte (2.586 m). Da müssen wir jetzt rauf, schaut streng aus. Nach wenigen Minuten merken wir, dass der Aufstieg von der Grohmannhütte zur Teplitzer Hütte leichter ist als gedacht. Der Wandersteig führt nämlich nicht steil hinauf sondern und vielen kleinen Serpentinen stetig empor.

360 Foto vor der Teplitzerhütte
360 Foto vor der Teplitzerhütte
Die Teplitzer Hütte
Die Teplitzer Hütte

2,5 Stunden liegen hinter uns. Wir stehen hoch über dem Ferner Bach vor der Teplitzer Hütte (28 Betten, 50 Lager). Von hier aus könnte man mehrere Wanderungen unternehmen:

Gipfel und Wanderziele:

  • Westliche Feuersteine (3.250 m): 3 h
  • Aglsspitze (3.194 m): 2 h
  • Wilder Freiger (3.418 m): 5 h
  • Sonklarspitze (3.471 m): 5 ½ h
  • Botzer (3.250 m): 5 h
  • Pfurnsee: 3 ½ h
  • Magdeburger Hütte: 5 h
  • Nürnberger Hütte: 3 ½ h

Becher

Wir gönnen uns eine kurze Pause bevor wir in westlicher Richtung der Beschilderung Becherhaus, Nr. 9, folgen. Über teils glatt geschliffene Felsbänke, steinerne Stufen, Meter große Felsbrocken und seilgesicherte schmale Bachrinnen wandern wir nur wenige Höhenmeter überwindend bis zur Gletscherzunge am Fuße des Becherberges.

Das Becherhaus blickt uns vom Gipfel des Becherberges entgegen. Wir müssen nur noch die Gletscherzunge queren und dann den Becherberg erklimmen. Zuerst aber mal ein Schock: Becherhaus 1 h steht auf einem roten Wanderschild. Vier Stunden sind wir nun schon unterwegs. Eigentlich wollten wir nach dieser Zeit schon oben sein. Mit meiner Planung stimmt scheinbar effektiv was nicht.

Es ist sehr warm, der Schnee und das Eis schmelzen. Unter der Gletscherzunge läuft hörbar ordentlich Wasser den Berg hinunter. Die Gletscherquerung erfordert etwas Vorsicht, ist aber harmlos. Teilweise stapfen wir durch Schnee, teilweise auf Eis und ein zweimal stecken wir bis zum Knöchel im Wasser.

Nun beginnt der seilgesicherte Aufstieg hoch zum Becherhaus. Auf circa Halbweg eine Kreuzung. Links geht es über den Gletscher zur Müllerhütte (3.150 m), rechts steil empor zum Becherhaus.

Der Aufstieg mit leichter Blockkletterei ist sehr gut gesichert. Die großen kantigen Felsbrocken bieten guten Halt. Meist würde man sogar ohne Drahtseil auskommen.

Drei Mädels, die bei der Teplitzer Hütte gestartet sind, steigen hinter uns hoch. Mir macht das Stufen steigen ziemlich zu schaffen. Ich war wieder mal zu faul, die Wanderstöcke einzupacken und so muss ich deren viere in einer Hand halten und mich mit der verbliebenen einen Hand sichern. Die beste Ehefrau von allen ist scheinbar noch erschöpfter. Sie will immer wieder etwas rasten. Es hilft nichts, wir werden die drei Mädels wohl vorbei lassen müssen…

Ich finde den Becherfelsen zwar insgesamt nicht so extrem wie er uns öfters von Kollegen geschildert wurde, aber nach 4 Stunden zügiger Wanderung sind wir doch etwas fertig.

Becherhaus

10.50 Uhr, nach 4,5 Stunden Wanderung plus einer halben Stunde Pause stehen wir vor der Becherhütte.

Es ist vollbracht! 13 km und 1.800 Höhenmeter liegen hinter uns. Wir stehen inmitten der Stubaier Alpen auf 3.195 m ü. d. M. Trotz Gletscher ist es angenehm warm, der Himmel ist blau, fast wolkenlos. Wir sind froh, so früh gestartet zu sein.

Übeltalferner

Der Übeltalferner befindet sich in den Stubaier Alpen und erstreckt sich über eine Fläche von 7,5 km². Er ist somit der größte Gletscher sowohl der Stubaier Alpen als auch des Landes Südtirol. Der Gletscher schiebt sich auf der Südtiroler Seite des Gebirgsmassivs in Richtung Ridnauntal. Leider verlor der Gletscher in den letzten Jahren ziemlich an Länge und Volumen.

Die beste Ehefrau von allen legt sich vor dem Becherhaus auf einer Bank in die Sonne und ich fotografiere.

Vor dem Becherhaus
Vor dem Becherhaus
Becherhaus Südseite
Becherhaus Südseite
Hinter dem Becherhaus
Hinter dem Becherhaus
An der Ostseite des Becherhauses
An der Ostseite des Becherhauses

Die Gipfel in dieser Gegend kenne ich leider nicht so genau. Ich schätze mal beginnend von der unter uns liegenden Gletscherzunge des Übeltalferner v.ln.r.: Hofmannspitze, darunter Gletscher des Übeltalferner, Sonklarspitze, Pfaffenschneide, Zuckerhütl, Wilder Pfaff (Talschluss, Grenze Italien-Österreich), Wilder Freiger, darunter der Hängende Ferner (Gletscher), Westlicher Feuerstein, Aglsspitze, Ridnauntal.

Die Müllerhütte liegt in westlicher Richtung nur unwesentlich tiefer auf 3.150 m direkt im Übeltalferner Gletscher. Mich wundert es, wie zwei Hütten so nahe beieinander finanziell überleben können.

So vergeht eine Stunde.

Dann wollen wir etwas essen, suchen uns einen Tisch und bestellen Spiegelei mit Speck, Mineralwasser und ein Viertel Roten.

„Du bisch obr schun a Traminer?“ Habe ich mir fast gedacht, dass mir das Gesicht am Nebentisch irgendwie bekannt vorkommt.

Da steigt man 100 km entfernt von zu Hause auf die höchste Schutzhütte Südtirols hinauf und wenn trifft man? Einen Traminer!

Abschied vom Becherhaus

12.45 Uhr, der Abstieg steht bevor. Auf Anraten des Traminers steigen wir über die Nordflanke des Becherberges bis zum Gletscher hinunter und stapfen westlich des Becherberges durch den Schnee bis zur Abzweigung Becherhaus – Müllerhütte. So haben wir zumindest eine Minirundwanderung um den Becherberg gemacht.

Nun steigen wir sehr langsam, die Knie schonend bis zur Gletscherzunge hinunter und wandern dann den Wanderweg zuerst zur Teplitzer Hütte zurück, dann zur Grohmannhütte hinunter und weiter bis zur Aglsbodenalm, wo wir wieder ein kleine Variante machen und über den Wanderweg Nr. 8 durch die Alm hindurch gehen.

Das letzte Stück des Weges geht es wieder auf dem Wanderweg Nr. 9 entlang des Fernerbaches bis zur Bergbauwelt in Maiern hinunter.

Ein, zwei Fotos der Bergbaugerätschaften, dann verlassen wir das Ridnauntal und sind schon ein wenig stolz, die Becherhaus-Tour an einem Tag absolviert zu haben.

Becherhaus

  • Italienischer Name: Rifugio Bicchiere
  • Besonderes: höchsgelegene Schutzhütte Südtirols
  • Öffnungszeiten: 01. Juli 2010 bis zwischen 15. und 25. September (je nach Wetterverhältnisse)
  • Telefon: 0039 – 0472 – 656377
  • Website: www.becherhaus.com

GPS Daten Bergtour Maiern – Becherhaus

Bilder Becherhaus

Weitwinkel Fotos Bergtour Becherhaus

Alternative Becherhaus Tour

Flosse ist vom Pflerschtal aus zum Becherhaus gewandert. Das ist dann aber eine Gletschertour!

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9 thoughts on “Bergtour zum Becherhaus – wandern im Ridnauntal”

  1. Ich kann nur eines sagen: Respekt und Gratulation
    Siglinde

  2. Ach, und etwas habe ich noch vergessen: wie immer traumhafte Fotos

  3. flosse says:

    Hallo!
    Super-Tour und Mega-Bilder! Das Becherhaus ist die Strapazen wert!
    Ich war vor 2 Wochen oben: http://www.bergportal.com/gebiet/stubaier-alpen/2010/wanderung-von-pflerschtal-zum-becherhaus/
    LG
    Florian

  4. Dietmar says:

    Danke dir Siglinde. Wir sind effektiv ein wenig stolz, denn man hat uns im Vorfeld immer wieder gesagt: aui und oi in gleichn Tog sel isch lei ebas fir gonz Hortgesottene. So ganz so schwierig war es dann aber trotzdem nicht…

  5. Dietmar says:

    @Flosse
    Da bin ich aber froh, dass wir vorige Woche und nicht vor zwei Wohen waren. Bei dir war das Wetter scheinbar nicht so toll…

    Ich füge mal einen Link zu deiner Tour ein (unter den Weitwinkelbildern) und setzte einen Trackback…

  6. Karl-Heinz Weller says:

    Hallo zusammen

    Wieder vielen Dank für die tolle erlebnisreiche Beschreibung und die noch schöneren Bilder der Tour, ganz wunderbar gelungen! In dieser Ecke war ich zum Wandern noch nicht, doch durch diese Tourbeschreibung werde ich diese Tour in den nächsten Jahren mit Sicherheit mal in meine Planung aufnehmen.
    War ja eine großartige Leistung ( 1800 hm) von Euch beiden, bei mir ist zumeist bei einer Tagestour bei 1400 oder 1500 hm Schluß.

    Bis bald
    Charly

  7. Alexandra Weißleder says:

    Hallo Dietmar, wenn wir Freitag Abend auf Samstag nahe dem Ausgangspunkt dieser Tour übernachten wollen, welches wäre der Ort wo ich nach Unterkünften suchen sollte?
    Danke für einen kleinen Tipp,

    Herzliche Grüße
    Alexandra

  8. Dietmar says:

    Hallo Alexandra, wir sind in Maiern im Ridnauntal bei der Bergbauwelt gestartet. Am besten Ihr sucht irgendetwas im Ridnauntal (Orte: Ridnaun oder Mareit). Wenn Ihr im Tal nichts findet müsst Ihr auf die nächste Stadt (Sterzing) ausweichen. Wenn Ihr etwas gefunden habt, dann könnt ihr über die Karte hier im Blog schauen wie weit das dann vom Startpunkt der Tour weg ist. Einfach die Karte am Ende dieses Wanderberichtes mit dem Vierpfeilsymbol (im rechten oberen Eck der Karte) vergrößern. Dann kannst du das genau studieren.

    Viel Spaß beim Wandern!

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