»Mein« Wanderbuch

Ein Südtirol Wanderführer mit 20 Wohlfühlwegen zum Thema »Wandern für die Seele«

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Bergtour mit Kofelrasterseen, Plombodenseen, Zimtalersee, mehreren Gipfeln und Almen

Sieben Uhr dreißig. Wir stehen hoch über Kastelbell auf dem Parkplatz der Lokalität Freiberger Säge und wollen über die Latschinger Alm hinauf zu den Kofelraster Seen, weiter über den Muttegrub und den Rontscher Berg zu den Drei Plomboden Seen und zum Schluss über die Zirmtal Alm und den idyllischen Zirmtalsee zurück.

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Parkplatz Freiberger Säge

Obwohl Freiberger Säge ein Siedlungsgebiet vermuten lässt, ist es ein Parkplatz mitten im Wald. Wir sind von Kastelbell aus über eine schmale Straße zum Weiler Freiberg gefahren und dann über einen kurvenreichen Schotterweg zum Parkplatz. Zweimal mussten wir anhalten. Das Auto hat dermaßen gewackelt, dass es den Kofferraum als offen angezeigt hatte. Dem war zwar nicht so, aber scheinbar ist es dem Kofferraum Sensor aufgrund des holprigen Weges zu bunt geworden und er hat eine Verschnaufpause gebraucht.

Zur Latschinger Alm

Verschnaufpause brauchen der Andreas und ich keine. Wir steigen zügig den steilen Waldsteig Nr. 3 links des Schlumsbaches bis zur Latschinger Alm auf. Eingebettet in Alpenrosenfeldern und durchzogen vom Schlumsbach liegt sie jetzt um kurz nach 8.00 Uhr noch im Schatten. Der Aufstieg ist mit einer Stunde 20 Minuten ausgeschildert, wir benötigen aber nur circa 45 Minuten. Dieser Umstand und auch, dass der neue Fahrweg unter der Almhütte noch nicht in Karten eingezeichnet ist, missfällt dem Wirt. Verständlich! Der wandertechnische Aufstieg präsentiert sich länger als tatsächlich und die Auffahrt mit dem Mountainbike oder dem E-Bike scheint erst gar nicht möglich zu sein. Das ist für einen Almwirt, der auf Gäste wartet, gar nicht gut. Wir trinken einen Kaffee, ein Stutzen Wasser und ein Glas Rotwein und plaudern mit dem sympathischen Sarner Almpächter.

Von der Latschinger Alm zu den Koflerraster Seen

Nun, inzwischen hat sich die Sonne hinter der Bergkante hervorgeschoben, steht die nächste Etappe hinauf zu den Kofelrasterseen an. Während wir nun die Waldgrenze überwinden und in gerölliges Gelände kommen, mutmaße ich, dass sich der Sarner Almbetreiber wahrscheinlich zu weit von seinem Sarner-Dasein weggetraut hat und ihm jetzt hier in fernen Landen die nötige Vinschger Connection fehlt um Wegweiser zeittechnisch aktualisieren und den neuen Schotterweg beschildern und in den Karten eintragen zu lassen. Der Andreas schmunzelt. Er versteht, dass ich das mit einem wohlwollenden Augenzwinkern meine. Wir beide haben nämlich keine schlechten Erfahrungen mit den Sarnern.

Auch nach dem Sarner-Vinschger Diskurs plaudern wir fröhlich weiter. So vergeht die Aufstiegszeit wie im Flug und wir merken gar nicht, dass wir schon auf dem Rontscher Joch angekommen sind. Noch ein kurzer Blick hinunter auf Galsaun, das zur Gemeinde Kastelbell-Tschars gehört und auf die entfernten weißen Gipfel der Ötztaler Alpen, von denen vor allem der Similaun und die Hintere Schwärze hervorstechen, dann steigen wir die wenigen Meter in jene karge Senke ab, in der sich der Obere Kofelrastersee befindet. Der See wird im Volkmund auch Runder See genannt. Sein Wasserspiegel ist heute so tief, sodass er sich zweigeteilt präsentiert.

360° über den Kofelraster Seen
360° über den Kofelraster Seen

Sage um die Kofelraster Seen

Früher, als es wenige Talwege gab, da schritten die Talbewohner über Jöcher über die Berge um ins Nachbartal zu gelangen. An bestimmten Plätzen hielten sie inne und rasteten. So ein Rastplatz befand sich auch am Rontscher Joch, am Übergang zwischen dem Vinschgau und dem Ultental in der sogenannten Muegg-Grub. Dort hauste aber ein böser und tükischer Zwerg, der es vor allem auf junge Mädchen abgesehen hatte. Er versuchte sie immer wieder in eine Grube zu locken.

Besonders auf die Marein vom Vinschgau hatte es der Zwerg abgesehen. Die junge Schöne traf sich oft mit ihrem Liebsten aus dem Ultental bei der Koflrast. Damals gab es dort noch keine Seen. Dem Zwerg gelang es nicht das Mädchen abzufangen, da ihr Freund es immer bis zu den Almen begleitete, wo sich der Zwerg nicht hintraute.

In seinem Zorn schmiedete der Bösewicht einen perfiden Plan, um die beiden Liebenden zu vernichten. Er verbündete sich mit dem Riesen „Dieb“, der auch hier oben hauste. Als das junge Paar wieder einmal auf der Kofelrast war, befahl er dem einfältigen Riesen die Berge zu einem schmalen Grat zusammen zu schieben, sodass die beiden Liebenden abstürzten mussten. Der Riese drücke und schob. Dabei wurde aus der Tiefe der Berge Wasser heraufgepresst, sodass sich zwei Seen, die Kofelraster Seen, bildetet. Marein und ihr Liebhaber vielen hinein und ertranken.

Aber auch der Zwerg Muegg musste sein Leben lassen. Er wurde von Steinen, die vom Ronterscher Joch herabkollerten getroffen, daher der Name „Muegg-Grube“. Der durch Schieben und Drücken entstandene neue Berg bekam den Namen nach dem Riesen: „Hoher Dieb“. So war es damals, so entstanden die Koflraster Seen und der Berg Hoher Dieb.

Ich habe im Kopf, dass wir nun die deftigsten Höhenmeter hinter uns haben müssten, darum lassen wir uns für eine 30-minütige Fotopause nieder. Die beiden Seen, der Obere und der Untere Kofelrastersee, leuchten aus der alpinen Landschaft hervor. Blumen muss ich gezielt suchen. Es sind hier nur wenige vorhanden. Es ist die Heimat der Landkartenflechte. Sie ist hier die Königin und überzieht mit ihrem hellgrünen Gewand den grauen Felsenboden.

Obwohl wir nun über den Muttegrub zur Muttegrubspitze aufsteigen werden, lassen wir uns den kurzen Abstecher hinüber zum Unteren Kofelrastersee, auch Langer See, nicht entgehen. Ein Hund bellt. Ein einsamer Bergwanderer ruft ihm hinterher. Es dauert ein Weilchen bis der Hund verstummt und das Mensch-Tier Pärchen auf dem Steig, der zum Hohen Dieb hinauf führt, entschwindet. Das ist nicht unser Pfad. Wir wollen zum viel weniger bekannten aber um 6 Meter höheren Muttegrub hinauf.

Von den Kofelrasterseen zum Muttegrub

Der Aufstieg auf den Rontscher Berg, so wird die Berggruppe, dessen höchster Punkt der Muttegrub ist, genannt, ist strenger als gedacht. Immer diese verdammte Psyche! Wenn du denkst es ist nicht mehr weit und du dich schon auf das Erreichen des Ziels einstellst, der Weg sich dann aber trotzdem noch hinzieht, dann nagt das an der Einstellung und schlägt sich dadurch auch auf die Physis nieder.

In diesem Fall machen uns mehrere Umstände diesbzgl. zu schaffen. Wir haben den Aufstieg bis zu den Kofelrastersee fast auf dem kleinen Zeh geschafft und sind darum übermütig gewesen. Wir dachten an den Seen das Ärgste hinter uns zu haben. Der geröllige Steig Nr. 7 auf dem Grat hinauf zum Muttegrub präsentiert immer wieder eine Felsformation vor unseren Nasen, die den Gipfel vermuten lässt. Doch sobald erreicht stellen wir fest dahinter ist genau noch so eine gleiche Felsformation. Der Berg hält uns so vier bis fünfmal zum Narren, sodass wir, da wir schlussendlich tatsächlich den höchsten Punkt des Kammes, den Muttegrub, erreichen drei Kreuzeichen machen.

Auf dem Muttegrub

Oha, eine frische Prise ist leicht untertrieben. Den Aufstieg haben wir im Wandershirt bestritten. Nun ziehen wir zusätzlich Wanderhemd und Windstopper über. Trotzdem schlottern wir am ganzen Körper. Zuvor noch die Nase über den einsamen, wenn auch mächtigen, Steinmann gerümpft – wir hätten lieber ein Muttegrub-Gipfelkreuz gesehen – sind wir nun heilfroh, dass er da ist. Er bietet uns an genau jener Stelle, an der er eine stufe die als Sitzbank hervorragend geeignet ist, perfekten Schutz vor dem Vinschger Westwind. Der Schutz ist so perfekt, dass uns wohlig warm wird. Nur dürfen nur keinen Zeh aus dem Windschatten hinausstrecken.

Zwei fitte Wandrerinnen kommen vom Westen. Wir grüßen. Sie halten sich nicht auf. Zu windig, zu kalt, der Windschatten reicht nicht für viere.

Der Fernblick ist heute vorzüglich. Wir befinden uns in den Ortler-Alpen auf dem östlichen Ausläufer des Zufrittkamms. Im Westen markieren die Dolomiten ihr Herrschaftsgebiet, im Süden teilt der Ilmenkamm das Ultental vom Val di Rabbi, Richtung Westen sehen wir hinüber auf das Hasenöhrl aber auch hinauf in den Obervinschgau bis zur Sesvennagruppe, im Norden beschränken die Ötztaler Alpen den Vinschgau.

Trotzdem bin ich ein klein wenig enttäuscht. Mir persönlich ist zu wenig Vordergrund vorhanden. Der Talblick hinunter auf das Ultental fehlt, der Blick in den Vinschgau ist nur in den sehr weit entfernten Obervinschgau möglich. Ich habe so gar keinen Plan wie ich ein schönes Impressionsfoto schießen könnte. Gute Sachfotos kein Thema. So begnüge ich mich mit ein zwei Teleshoots.

Weiter geht es nun auf den sehr windigen Kamm hinüber zum Rontscher Berg. Der gibt zwar den Blick hinunter auf den Plumbodensee frei, auch können wir über denselben hinaus zu den beiden anschließend Gipfeln Drei-Hirten-Spitz und Naturnser Hochwart und in der Ferne zu den Dolomiten schauen, zusätzlich lässt sich im Vinschger Talgrund Partschins ausmachen, aber irgendwie haben wir nicht das Gefühl ein markiges Bergziel erreicht zu haben. Wahrscheinlich ist es wiederum dem Fehlen eines Gipfelkreuzes geschuldet, der gut gemeinte Eisenstumpf kann es einfach nicht ersetzen.

Wir grüßen eine Wandergruppe, die genau jetzt den Gipfel erreicht. Obwohl wir laut Rundwanderplanung am Plombodensee vorbei müssen und der sich genau unter uns befindet können wir mangels Steig nicht direkt hinunter. So steigen wir auf den Bergsteig Nr. 7 südwestlich vom Rontscher Berg ab. Nach einigen Abstiegsmetern müssen wir ein Blockfelsenfeld queren. Wir kommen dabei nur sehr langsam voran.

Es ist schon halb eins. Das ist heute deshalb relevant, weil wir um circa 16 Uhr in Kastelbell bei der Sportzone Schlums sein sollten. Anna ist dort bei dem Landesvolleyballtournier und wir wollen zumindest vor Ende der Veranstaltung vorbei schauen. Endlich ist das Feld mit den Blockfelsen geschafft. Wir müssten nun scharf links über den 7A Pfad zu den „Drei Seen“ abbiegen.

Doch wie es der Teufel haben will, sehen wir gerade aus, vor uns circa 800 Meter und nur wenige Höhenmeter aufwärts entfernt stehendes Gipfelkreuz. Ein Gipfelkreuz! Endlich!

Warum ich mich darüber so freue? Ganz einfach. Wo ein Gipfelkreuz steht, da besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass man einen guten Talblick haben könnte. Der Mensch stellt Gipfelkreuze nämlich nicht immer am höchsten Punkt eines Bergkammes auf, sondern dort wo man sie vom Tal aus gut sieht!

Ich kann nicht anders. Das Gipfelkreuz da vorne auf dem Peilstein muss mitgenommen werden, ganz egal, dass sich die Bergrundtour damit verlängert.

Auf dem Peilstein

Der Abstecher zahlt sich aus. Obwohl um 200 Höhenmeter tiefer als der Muttegrub haben wir vom Peilstein einen wunderbaren Tiefblick auf das Ultental. Wir können vom Pankrazer Stausee über den Zoggler Stausee bis ins hinterste Ultental hineinschauen bis dort, wo es sich in das Kirchbergtal und Weißbrunnertal aufteilt. Damit ist unser Gipfelerlebnis perfekt! Ich mag Aussichtsgipfel, die einen schönen Talblick ermöglichen. Berggipfelpanoramen ohne Täler finde ich eher langweilig.

Am Peilstein über St. Walburg im Ultental
Am Peilstein über St. Walburg im Ultental

Vom Peilstein müssen wir zurück zur Abzweigung mit dem 7A. Von hier steigen wir zuerst 100 m ab, um dann zu den „Drei Seen“ aufsteigen zu können. Es sind dies der südliche Plombodensee, der kleine Plombodensee und der Plombodensee.

Plombodenseen

Der Bergpfad 7A mündet ziemlich genau an der tiefsten Stelle dieses Abschnittes im Steig Nr. 8. jetzt steigen wir zum südlichen Plombodensee auf. Ein herrlicher See mit einem wunderbaren Auslauf. Der Blick über den Wasserspiegel verfängt sich in den Dolomiten, und zwar in der Rosengartenspitze. Schade, dass wir es heute etwas eilig haben. Eine weite Rast habe ich mit dem Abstecher zum Peilstein verspielt. So müssen eine Handvoll Fotos über den Wasserspiegel müssen reichen.

Weiter führt uns der 8er Steig hinauf auf den zweiten See. Es ist der größte der drei Plombodenseen. Auch hier halten wir uns gezwungener Maßen nicht auf. Den kleinen Plombodensee bekommen wir nicht zu Gesicht. Wahrscheinlich versteckt er sich hinter einem Hügel.

Es fehlen ab dem großen Plombodensee wenige Höhenmeter bis wir den höchsten Punkt des Rückweges unweit des Beilstoan erreichen. Und urplötzlich ist er da der Tiefblick hinunter in den Vinschgau. Wir stehen schräg oberhalb von Naturns, können hinunter auf Schloss Juval sehen und sogar bis hinein nach St. Katharinaberg im Schnalstal. Herrlich!

Zur Zimtalalm und dem Zirmtalersee

Der Abstieg zum Zirmtalersee – ja genau diese Bergrundwanderung bietet dreimal Seeerlebnis – ist ein Genuss! Bald wird die karge Landschaft grüner. Vereinzelte junge Lärchen und Alpenrosensträucher säumen den Pfad.

Von unten glitzert der von Nadelbäumen umringte Zirmtalersee zu uns herauf. Der Wirt der Latschinger Alm hat uns angekündigt, dass der Zirmer See und die Zirmer Alm sehr beliebte Wanderziele seien. So sind wir gespannt wie sich Alm und See von der Nähe präsentieren. Doch zuerst dürfen wir die sumpfige Zirmboden-Landschaft genießen. Herrlich, wir sind begeistert!

Bei der Zirmtal Alm angekommen würden wir am liebsten einkehren. Hier sich nieder setzten, bei einem Glas Rotwein oder gerne auch bei einem kühlen Blonden auf den Sonnenuntergang warten. Was gebe es Schöneres. Leider geht es sich heute nicht aus. Es ist sogar so, dass wir richtig Gas geben müssen um den Zeitplan einhalten zu können.

So bleibt uns nichts anderes übrig als den idyllischen Zirmtal See im vorbei gegen fotografisch mitzunehmen und unsere Wandergeschwindigkeit zu erhöhen.

Über die Marzoner Alm zurück zum Parkplatz Alte Säge

Jetzt schlägt die Stunde des Andreas‘. Der Aufstieg hat mir trotz 10 kg Rucksack nicht viel ausgemacht, aber der Abstieg, der macht mir ordentlich zu schaffen. Ich bin zwar flott unterwegs, aber ich merke, wie ich so langsam auf dem Zahnfleisch trete, während dem Andreas nix anzusehen ist.

Flott, teilweise sehr flott, steigen wir durch dichter werdenden Nadelwald bis zur Marzoner Alm ab.

Marzoner Alm
Marzoner Alm

Ich bin heilfroh, dass wir die wiederum zur Einkehr verlockende Hütte erreichen. Einkehren dürfen wir zwar nicht aber ab jetzt verspricht der Weg wenig steil zu sein. Wir können dadurch die Wandergeschwindigkeit nochmals steigern und erreichen mit nur wenig Verspätung unseren Ausgangspunkt beim Parkplatz „Alte Säge“.

Wanderkarte mit Wanderverlauf und GPS-Track

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 distance (km) elevation (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Differenz max/min: Keine Daten
Höhengewinn (~): Keine Daten
Höhenverlust (~): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Bilder Kofelrasterseen, Peilstein, Plombodenseen, Zirmtalersee

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