Bergwanderung von Bresimo zum Monte Pin im Val di Non

Blick vom Monte Pin über Bresimo ins Val di Non mit dem dem Santa Giustina Stausee
Blick vom Monte Pin über Bresimo ins Val di Non mit dem Santa Giustina Stausee

Das Jahr ist ja schon etwas fortgeschritten; zumindest aus Sicht der Wanderer. Darum zieht es uns heute nicht in den kalten Norden. Lieber bleiben wir im Süden. Ich konnte mich gestern noch nicht zwischen dem Monte Pin in der Maddalene Gruppe bei Bresimo (in der Nähe von Cles im Nonstal) und dem Val di Rabbi, einem Seitental des Val di Sole entscheiden. Heute scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel, da ist mir eine Talwanderung zu schade. Es muss also nochmal ein Gipfel sein, das Ziel der Wandertour ist somit fixiert: Monte Pin (2.420 m).

Von Tramin ausgehend entscheide ich mich dieses Mal gegen die Weinstraße und fahre über die Autobahn bis nach St. Michele all’Adige. Dort verlassen wir die A22 und folgen der Beschilderung ins Nonstal. Ein neuer, längerer Tunnel dient als Umfahrung für Mezzocorona und Mezzolombardo.

Das Nonstal, das Val di Non, ist fast flächendeckend mit Apfelbäumen bedeckt. Von hier kommt der bekannte Melinda-Apfel. Über den Damm des Stausees Santa Giustina wechseln wir auf dessen linke Seite, fahren anschließend durch Cles, den Hauptort des unteren Val di Non, hindurch, um dann am Eingang des Val di Sole in Richtung Livo, dann nach Preghena und schließlich nach Bresimo zu fahren.

Das Auto vor dem Friedhof abgestellt, den Kofferraum geöffnet, die beste Ehefrau von allen bekommt einen Riesenschreck, beginnt dann aber zu lachen. Mir dagegen vergeht das Lachen. Sie hat nämlich statt meiner aktuellen Bergschuhe die alten, ausrangierten Bergschuhe mit Null-Profil auf den Sohlen eingepackt!

Grrr, das wird nun ein Spaß werden: Ungewohnte Schuhe und dann auch noch gänzlich ohne Profil.

Bresimo ist ein kleiner, beschaulicher, fast schon zu ruhiger Ort. Nach Rückfrage bei zwei Einheimischen und dem Hinweis „ma é impegnativo!“ (ist anstrengend) finden wir den Einstieg in den Wandersteig Nr. 131, der uns die 1.200 Höhenmeter zum Aussichtsberg Monte Pin hinauf bringen soll.

Das „impegnativo“ war nicht gelogen.

Recht steil wandern wir wenig aussichtsreich zuerst über einen Betonweg, der dann in einen Schotterweg übergeht, bis zur Anhöge Stavel auf 1.720 m hinauf.

Hier sehen wir leicht rechts, hoch über uns einen Gipfel, sind uns aber nicht sicher, ob das der Monte Pin ist.

Flacher geht es nun in westlicher Richtung ein Rinnsaal überquerend, wo unsere Wasserflasche nachgefüllt wird, vorbei an einem Gehege, wahrscheinlich für Schafe, anschließend über einen eingezäunten Weg bis zur Alm Malga Borca empor.

Die Borca Alm wird augenscheinlich neu erbaut. Mich wundert es etwas, dass man sich entschlossen hat, einen großen Stall zu errichten. Scheinbar will man hier echte Almwirtschaft betreiben und kein Tourismuszentrum errichten.

Wir sind etwas unschlüssig, ob wir nun dem Schotter-Fahrweg links der Alm folgen müssen oder ob anderswo unser geplanter Steig weitergeht. Nach kurzem Suchen finden wir rechts der Alm eine Markierung und folgen dem Steig.

Nach der Malga Borca vor dem Endspurt zum Monte Pin.
Nach der Malga Borca vor dem Endspurt zum Monte Pin.

Richtige Entscheidung. Wir gelangen zur verfallenen Borca Alm, wandern weiter und kommen zu einer Anhöhe, die einen recht passablen Ausblick bietet. Vor uns sehen wir ein anderes Wanderpaar das wahrscheinlich vom Weg Nr. 131B kommt. Weit kann es nicht mehr sein.

Der Endspurt führt uns zuerst in Serpentinen über einen Grashang empor und dann flach zum begrünten Gipfel hinüber.

Blick vom Monte Pin zum St. Giustina Stausee im Nonstal. Im Hintergrund hinter dem Mendelgebirge die Dolomiten.
Blick vom Monte Pin zum St. Giustina Stausee im Nonstal. Im Hintergrund hinter dem Mendelgebirge die Dolomiten.

Wir sind nicht allein. Eine italienische Familie ist nicht so sehr mit der herrlichen Aussicht auf das Nonstal, die Brentagruppe, die Ortlergruppe, die Berge südlich des Ultentales, den Hochwart und die Laugenspitze und in der Ferne die Dolomiten beschäftigt, sondern mehr mit sich selbst, wobei ein Familienmitglied wie ein Wasserfall lautstark, fast schon unfein plaudert.

Die kleine Kapelle am Monte Pin im Valle di Bresimo ein Paralleltal vom Val di Sole.
Die kleine Kapelle am Monte Pin im Valle di Bresimo, einem Paralleltal vom Val di Sole.

Vor dem Gipfelkreuz steht eine kleine Kapelle, die nicht nur die Jungfrau Maria beherbergt, sondern auch das Gipfelbuch.

Ich bin höchst erfreut, dass es angenehm warm ist und dass die beste Ehefrau von allen in einer leichten Mulde ein weiches Plätzchen für ein Mittagsschläfchen gefunden hat. Das verschafft mir die Zeit, abzuwarten bis sich die Sonne, welche zur Zeit über dem Nonstal steht, etwas weiter in Richtung Brenta Dolomiten bewegt, sodass ich das Nonstal mit dem Stausee Santa Giustina nicht im Gegenlicht fotografieren muss.

Die italienische Seite der Bergwelt des Nationalparks Stilfser Joch rund um den Ortler.
Die italienische Seite der Bergwelt des Nationalparks Stilfser Joch rund um den Ortler.

Die herrliche Panoramaaussicht und das wunderbare Wetter halten uns ungewöhnlich lang am Gipfel des Monte Pin. Für uns besonders interessant ist der Blick hinüber zum Deutschnonsberg und dem Hochwart, den wir erst letzten Sonntag bestiegen haben. Heute trübt kein Wölkchen die Sicht. Herrlich. Ich kann mich nicht entscheiden was schöner ist: die bekannten Dolomiten im Osten, die im Gegenlicht liegende Brenta Gruppe, die Gletscher des Cevedale und der Ortlergruppe im Westen oder die markanten Felsformationen der nahen Ultner Berge im Norden.

Um 14:45 Uhr reiße ich mich vom Bergpanorama los, wir treten den Abstieg über den Ostgrat des Monte Pin an.

Wenige Höhenmeter später stehen wir und noch ein weiterer Wanderer ziemlich unschlüssig vor einer Abzweigung. Der markierte Weg verläuft nach links aber wir müssten laut Wanderkarte theoretisch dem grasigen Grat folgend in östlicher Richtung zur Alm Malga Stablei runter gehen. Der Steig ist aber sogar mit dem Fernglas des unschlüssigen Wanderers nicht auszumachen und kann fast nur erahnt werden. Da ich das Gelände als nicht besonders gefährlich einstufe, beschließen wir, es zu wagen und dem Grat zu folgen.

Nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch. Ab und zu wird der scheinbar aufgelassene Steig im Gras sichtbar, um sogleich wieder im leicht angedörrten Gras zu entschwinden.

Abstieg querfeldein vom Monte Pin. Blick auf den St. Giustina Stausee und auf Rumo im obersten Teil vom Val di Non.
Abstieg querfeldein vom Monte Pin. Blick auf den St. Giustina Stausee und auf Rumo im obersten Teil vom Val di Non.

Ich vermisse meine zu Hause vergessenen, gut besohlten Bergschuhe. Die alten mittlerweile mit Spikes versehenen Bergschuhe leisten nur katastrophale Dienste. Ich rutsche nicht nur einmal aus und habe Mühe aufgrund der Steilheit des Hanges die Rutschpartie zu stoppen.

Da hat die beste Ehefrau von allen die ideale Bergtour ausgesucht, um meine Bergschuhe zu vergessen. Als ob sie es extra gemacht hätte. Auf einem normalen Steig wäre das kein großes Problem gewesen, aber ohne Profil über einen extrem steilen, teilweise exponierten und mit dürrem Gras bewachsenen Hang zu schreiten ist ein eher schwieriges Unterfangen.

Immer wieder stehen wir vor der Entscheidung links oder rechts. Für Nachwanderer sei gesagt: Wir befinden uns sicherlich nicht auf einem aktuellen Wandersteig, aber ab und zu kann man erkennen, dass das früher mal ein Steig gewesen sein muss.

Eine Rehkuh pirscht mit Vollgas den Hang herauf. Neidisch schauen wir ihr zu wie schnell sie unterwegs ist.

Querfeldein oder besser gesagt querhangrunter suchen wir immer wieder die günstigste Möglichkeit um zur Stablei Alm zu kommen.

Mittlerweile geben einige Bäume etwas Sicherheit, trotzdem ist es nicht ganz einfach, einen möglichen Abstieg zu finden. Mal sind wir sicher, einen Steig unter unseren Füßen zu sehen, mal glauben wir, uns hoffnungslos verirrt zu haben. Irgendwie schaffen wir es trotzdem. Vor uns ein Fuhrweg. Der Einstieg über die Böschung gibt uns die Gewissheit, keinen offiziellen Wanderweg beschritten zu haben.

Die Malga Stablei liegt wenige Meter hinter uns, wir haben sie nicht gekreuzt.
Der Fuhrweg endet urplötzlich, wir müssen nun über einen markierten Steig weiter. Es ist nicht immer ganz leicht, den richtigen Weg nach Bresimo zurück zu finden, mal geht es über einen Waldsteig, mal ein Stück über einen Fuhrweg der urplötzlich unverständlicherweise mitten im Wald endet. Ich habe Durst. Leider sind unsere Wasserreserven auf dem Nullstand angekommen. Ein Rauschen lässt mich aufhorchen. Die Überquerung eines Baches schenkt mir die Gelegenheit, die Wasserflaschen aufzufüllen.

Festung Castel Altaguardia
Festung Castel Altaguardia

Auf einem Forstweg wandern wir nun bis zur Ruine der Festung Altaguardia. Ich muss da natürlich rein und mir die Burg anschauen. Dieselbe überrascht mit einem perfekten Ausblick auf das Nonstal mit dem Lago di Santa Giustina, der hier in der Nähe von Cles seit 1951 den Noce zu einem imposanten See aufstaut.

Super.

Von der Festung Altaguardia führt uns ein Erlebnisweg bis nach Bresimo zurück.

Nach 16 km kommen wir bei unserem Ausgangspunkt, dem Friedhof in Bresimo an. Zahlreiche mächtige Birnenbäume, die kleine grüne Birnen tragen, hat man hier angepflanzt. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die abgeerntet werden. Wahrscheinlich ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen.

Mit tolle Eindrücken im Gepäck durchqueren wir das Nonstal und fahren über Fondo und die Mendel heim nach Tramin im Südtiroler Unterland.

GPS-Daten Bergtour von Bresimo zum Monte Pin

Fotos Val di Non Monte Pin

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