Wallfahrt von Graun nach San Romedio

Eine Wallfahrt, zu Fuß, so wie früher, das wäre mal was Schönes. Diesen Wunsch hatte die Mutter der besten Freundin von allen. Kein Problem, ihr Wunsch soll erfüllt werden. Das Ziel ist schnell gefunden: die Wallfahrtskirche von San Romedio im Trentino.

Graun - San Romedio

Von Graun oberhalb Kurtatsch müsste das eigentlich zu Fuß zu schaffen sein. Früher sind die Grauner ja auch übers Grauner Joch gestiegen um mit den Italienern im Nonstal (Val di Non) regen Handel zu treiben. Scheinbar hat man Schnaps verkauft, der im Val di Non Mangelware war. Wenn früher die Menschen mit 30 bis 40 Liter Schnaps bis nach Coredo, Sanzeno oder Romeno gewandert sind, dann werden wir mit unseren Leichtrücksäcken das wohl hoffentlich auch schaffen.

Wir starten in Allerhergottsfrüh bei der Forststange auf dem Forstweg oberhalb von Graun auf 980 m ü. d. M. Zuerst marschieren wir der Forststraße entlang in Serpentinen in Richtung Grauner Joch hoch. Ab und zu kürzen wir den Forstweg über einen Steig ab, kehren aber immer wieder auf den Forstweg zurück.

Alter Grauner Jochweg

Nach circa einer guten Stunde nicht allzu anstrengender Wanderung sehen wir zu unseren Rechten ein Schild mit dem Hinweis „Alter Grauner Jochweg„. Das Hinweisschild weist uns einen ziemlich steilen Steig, der uns zum höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung, nein Wallfahrt, führen soll.

Abkürzen und steil empor steigen oder lieber gemütlich den Forstweg entlang marschieren? Hmm…, gute Frage. Da wir bereits eine Stunde auf dem Forstweg verbracht haben und vor allem da wir vermuten, dass der Steig den Forstweg wiederum nur kurz verlässt um kurz darauf wieder in den Fortweg zu münden, beschließen wir den Steig in Angriff zu nehmen.

Ganz so richtig war unsere Überlegung leider nicht. Der Steig erweist sich als sehr steil und führt uns nicht auf den Forstweg zurück. Die Mutter der besten Freundin von allen schlägt sich aber trotzdem tapfer.

Rasten, weiter wandern, rasten weiter wandern, nach knappen 2 Stunden kommen wir am Grauner Joch auf 1.800 m an.

Wieder eine kurze Rast auf einer Bank. Nun stellt sich uns die Frage ob wir nach links in Richtung Kuhleger und St. Barbara oder nach Rechts in Richtung „Verbrenntes Egg“, Schwarzer Kopf, Roen müssen. Da das „Verbrenntes Egg“ einen herrlichen Ausblick bietet gehen wir nach Rechts. So ganz stimmt das eigentlich nicht. Auf einer Wallfahrt sollte man nicht schwindeln. Wir gehen nach rechts, weil wir es einfach nicht besser wissen.

Die Wallfahrt erweist sich als „echte“ Wallfahrt mit vielen Entbehrungen. Am „Verbrennten Egg“ angekommen versperrt uns leider eine undurchsichtige Nebelwand die Sicht auf das Südtiroler Unterland. Schade, schade aber eine Wallfahrt sollte ja nicht eine Genußerlebnis werden oder?

Circa 50 m nach dem „Verbrennten Egg“ kommen wir wieder an einer Wegkreuzung vorbei. Dieses Mal ist klar, wir müssen links abbiegen in Richtung „Vecchia Malga di Coredo“ hinunter.

Der Weg ist zwar recht breit, man könnte ihn mit einem Geländefahrzeug sogar befahren, aber er ist auch recht steinig, sodass wie bei jedem Schritt aufpassen müssen.

Bei der „Vecchia Malga di Coredo“ fragen wir sicherheitshalber den Wirt nach dem richtigen Weg nach San Romedio. Dieser vergewissert sich, dass wir wirklich die Wallfahrtkirche San Romedio meinen und eröffnet uns dann, dass der Weg sehr sehr lang sein. Schöne Aussichten…

Wir wandern nun rechts an der Vecchia Malga di Coredo vorbei den Hohlweg hinunter. Nach einer halben Ewigkeit wird der Weg flacher und präsentiert sich nun als guter leicht zu begehender Forstweg, der uns  durch den Wald an dem Wildbach San Romedio entlang in Richtung San Romedio führt. Der Wirt hatte Recht. Der Weg zieht sich in die Länge und da er eher langweilig ohne viel Abwechslung ist, beschleicht uns das Gefühl schon Stunden über Stunden unterwegs zu sein.

Einmal kreuzt eine Gämse unseren Pfad. Als sie uns sieht nimmt sie sofort Reißaus und klättert mit gewaltigen Sprüngen eine für uns fast senkrecht anmutende Wand empor.

Die Wallfahrtskirche San Romedio

Endlich nach circa 5,5 Stunden kommen wir bei dem kleinen Kloster San Romedio an. Ein imposantes Bauwerk, das auf einem Felsgrat abseits menschlicher Siedlungen errichtet wurde. Der Namensgeber ist der Heilige Romedius, wahrscheinlich ein Tiroler aus der Nähe von Innsbruck, der an der Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert gelebt hatte. Scheinbar hatte der Einsiedler immer einen Bären dabei, sodass er heute auch oft als der Heilige mit dem Bären bezeichnet wird und oft auf einem Bären reitend dargestellt wird.

Wallfahrtskirche San Romedio

Seit 1948 wird das Kloster von den Franziskanern geführt. Direkt am Kloster befindet sich ein Bärengehege. Nun da ich das Bärengehege sehe kann ich mich an meine Kindertage erinnern. Ich war schon mal hier und habe mit meiner Familie den tollen Bär bestaunt! Aha, darum kam mir das Kloster so bekannt vor.

Seit 2007 soll nun laut Wikipedia die Bärin Jurka (die Mutter des Problembären JJ1) hier leben. Ob das auch stimmt, kann ich leider nicht sagen, da wir keinen Bären sehen.

Kreuzgang Wallfahrtskirche San Romedio

Aber nun zur Wallfahrtskirche. Wir steigen über 131 steile Stein-Stufen empor zu burgähnlichen Kirche. Im Inneren befinden mehrere Kirchen auf 3 Stockwerken aufgeteilt und ein imposanter Kreuzgang der mit manngroßen geschnitzten Figuren die den Kreuzgang Christi anschaulich und beeindruckend darstellen.

  • Kirche dell’Addolorata (erbaut nach dem Krieg 1915-18)
  • Kirche San Giorgio (erbaut im Jahre 1489)
  • Kirche San Michele (erbaut im Jahre 1514)
  • Hauptkirche San Romedio (erbaut im Jahre 1536)
  • Alte Kirche (wurde als erste erbaut, enthält die Urne mit den Reliquien des Heiligen Romedius)

Die Kirchen sind nicht nur für einen gläubigen Katholiken wunderschön. Die beste Freundin von allen nutzt natürlich die Gelegenheit eine Kerze anzuzünden.

Ganz oben unter dem Dach gibt es einen imposanten Ausblickspunkt der den Blick in die Tiefe frei gibt und eindrucksvoll unter Beweis stellt wie gewaltig dieses Bauwerk auf Besucher, die von der Zufahrtsstraße her kommen, wirken muss.

Die Zufahrt ist allerdings nicht mit dem eigenen Auto möglich. Mann muss einen Schuttle-Dienst nutzen, der die Besucher durch die enge Schlucht bis ins Kloster fährt.

Hier schließe ich nun den Wanderbericht – nein Wallfahrtsbericht mit dem Schlusswort: eher langweilige Wanderung, wenn der Nebel die schöne Sicht auf das Südtiroler Unterland versperrt, aber wunderschöne Wallfahrtskirche die auch Nicht-Gläubige unbedingt anschauen sollten. Also wehr einen langen Marsch nicht scheut und eine bessere Wetterprognose als wir in Aussicht hat, der sollte die Wallfahrt irgendwann einmal in seinem Leben machen.

Foto-Impressionen Wallfahrt Graun – Einsiedelei Kloster San Romedo

Die Wallfahrt nach San Romedio

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8 thoughts on “Wallfahrt von Graun nach San Romedio”

  1. Florian Lindner says:

    Mit einer gunt zusammengewürfelten Gruppe werde ich am Mittwoch zur „San Romedio“ Wallfahrt von Kurtatsch aus starten. Eurer beschriebenen Tour (August 2008) werde ich nicht ganz folgen. Es gibt nähmlich eine Abwechslungsreichere Trasse, die über den Corno di Tres führt und schwungvoll das Kloster nach ca. 4 Stunden erreicht.

    Grüße Florian

  2. admin says:

    Meinst du den Steig Nr. 7 von Penon (Kurtatsch) zum Sattel, dann hinüber zum Treser Horn weiter bis San Romedio? Hmm… ob das in 4 Stunden zu schaffen ist, wäre ich mir nicht so sicher oder kennst du die Tour bereits?

    Unsere Tour wäre sicherlich in gut 4 Stunden zu schaffen gewesen, wir waren teilweise sehr langsam unterwegs. Aber du hast vollkommen Recht, ich denke dass jede andere Tour als unsere schwungvoller sein wird. Unsere war nämlich ab den Grauner Joch ziemlich monoton, wenig abwechslungsreich…

    P.S. Schneeschuhe nicht vergessen? Am Mittwoch werdet Ihr sie brauchen (siehe Wetter Südtirol)!

  3. Florian Lindner says:

    Tschuldigung, habe diese Zeilen gerade vernommen. Wir werden am 04.01.2009 wieder starten. Am 17.01.2009 startet die CAI Sektion von Neumarkt nach San Romedio und am 25.01.2009 der AVS von Kurtatsch. Ich kann Ihnen einige Fotos zusenden. Wir werden an den „Bus di Spin“ vorbeiwandern und diese geologische Vertiefung näher betrachten.

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