Sonnenaufgang am Roen-Blick zu den Dolomiten

Sonnenaufgang auf dem Roen: Dolomitenblick

Sonnenaufgang Roen
Sonnenaufgang Roen

Den Sonnenaufgang auf dem Traminer Hausberg, dem Roen einfangen, dieses hohe Ziel habe ich mir gesteckt. Keine leichtes Unterfangen, wenn man die heurigen Wetterverhältnisse Revue passieren lässt.

„Anstrengender Steig mit leichtem Rucksack oder leichter Wanderweg und schwerer Rucksack?“ Der Andreas ist für die zweite Lösung. Mir persönlich ist die auch lieber, den so kann ich 12 kg Ausrüstung mitnehmen 🙂

Bereits mittags habe ich zwei Schlafplätze in der Überetscherhütte reserviert. Recht gemütlich wandern wir vom Mendelpass, von den Golfwiesen, über die Skipiste zur Halbweghütte hinauf. Damit ist für heute die maximale Steigung schon geschafft. Der Wanderweg, der im Winter zur beliebten Schneeschuhwanderstrecke wird, führt uns bis zur Alm Roen und dann links haltend weiter bis zur Überetscher Hütte.

Überetscher Hütte

Nachtaufnahme Überetscher Hütte
Nachtaufnahme Überetscher Hütte

Der Wirt hat schon den Tisch fürs Abendessen gedeckt. Wir speisen, trinken und vertreiben uns die Zeit mit Stichwatten und Trischetten. Beides sind typische Südtiroler Kartenspiele, wobei Trischettn schon fast vom Aussterben bedroht ist. Habe zwar in jungen Jahren mit der Urnena oft Trischetten gespielt, aber das ist lange her und meine grauen Zellen erinnern sich nicht so recht an die Regeln. Zum Glück hatte ich vor 5 Jahren die Idee die Trischetten-Regeln mittels Blog und der Hilfe einiger Kommentarschreiber zu ergründen. Somit hilft uns jetzt diesuedtiroler.it aus der Patsche.

Um circa 22.30 Uhr geht es ab ins Bettenlager, hinauf in den ersten Stock. Kaum eine halbe Stunde im Bett, bricht ein Wolkenbruch über uns herein. Sapperlot – denke ich mir und bete, dass die Gewitterzelle hinwegziehe. Nach circa einer Stunde werde ich von dem da oben erhört. Im Gegenzug wird mir eine Folter auferlegt. Auf dem Rücken liegend, starre ich die ganze Nacht an die Decke. Ich weiß mir so langsam nicht mehr zu helfen. Sogar beide Zeigefinger in den Ohren bringen keine Abhilfe. Das Schnarchen meiner Bettlagergenossen ist nicht zu überhören. Keine Chance! Einschlafen ist nicht drin. Normalerweise würde ich in so einem Fall das iPad in die Hand nehmen und mir ein zwei Lernvideos reinziehen. Das Sandmännchen lässt dann selten lange auf sich warten. Weil ich den Schlafraum nicht mit dem mit dem Tablet erhellen will, geht das heute nicht. WLAN ist natürlich auch nicht vorhanden. So bleibt mir nichts anderes übrig als die Nacht mit Wachbleiben und Warten zu verbringen. Ich spiele schon mit dem Gedanken das Bettenlager mit der Bank unten im Gastlokal einzutauschen. Da ich aber das laute Knarzen der Holztreppe noch in den Ohren habe und meine Schlafgemach-Kumpanen nicht aufwecken will, harre ich lieber aus.

Die phosphoreszierenden Zeiger der Armbanduhr wollen nicht so recht vom Fleck. Eine lange Nacht.

Endlich steht der große Zeiger auf Neun und der kleine fast auf dem Vierer. Ich wecke den Andreas. Wir schleichen uns wie die Diebe hinunter ins Gastlokal. Es kracht und knarzt; die beste Alarmanlage die sich der Hüttenwirt nur wünschen kann.

Aufstieg

Um circa 4:15 Uhr verlassen wir die Schutzhütte und marschieren mit Stirnlampen bewaffnet zur Alm Roen hinaus. Über uns sehe ich die Sterne. Schaut also recht verheißungsvoll aus. Trotzdem ist laut Südtiroler Wetterbericht die Wetterlage für ein Vorhaben, wie unseres, recht riskant.

Von der Alm Roen führt ein breiter, neu hergerichteter, Schotterweg bis in die baumlose Zone hinauf. Der 12 kg Fotorucksack drückt gewaltig auf die Schultern. Es war ein Fehler den Bergrucksack mit den Fotorucksack zu tauschen. Der Schwerpunkt des Fotorucksackes liegt viel zu weit vom Körper entfernt, sodass die Schulterblätter einem sehr ungewohnten Druck nach hinten ausgesetzt werden. Glücklicherweise kommen wir unserem Ziel immer näher.

Der Sonnenaufgang

Morgenröte hoch über Tramin
Morgenröte hoch über Tramin

17:20 Uhr: wir stehen auf dem Roen. Der erste Blick: GRANDIOS! Mein Herz klopft, eine Gänsehaut überzieht meinen Körper, ich freue mich wie ein Schneekönig!

Das könnte heute der Tag der Tage werden. Unter uns eine Wolkendecke, über uns eine Wolkendecke, linker Hand über dem Penegal eine Wolkendecke, ABER gerade aus, vor uns in Richtung Südtiroler Dolomiten freie Sicht. Das könnte tatsächlich was werden. Sonne du gehörst heute mir.

Dolomiten-Panorama

Nebeldecke in den Dolomiten
Nebeldecke in den Dolomiten

Die südlichsten Dolomitengipfel Weiß- und Schwarzhorn stechen durch die Wolkendecke empor. Leicht links dahinter streckt der zerklüftete Latemar seine Finger in Richtung Himmel empor. Links des Latemar, eine Ebene dahinter, das müsste die Königin der Dolomiten, die Marmolata sein. Genau dort ist die Morgenröte am stärksten. Weiter gegen den Uhrzeiger sehen wir das Wahrzeichen Südtirols, den herrlichen Rosengarten wie er fließend im Schlern ausläuft. Dahinter sind die Geislerspitzen auszumachen. Ein Dolomiten-Silhouetten-Panorama per excellence!

Sonnenaufgang

Laut Internetrecherche sollte die Sonne um exakt 6.45 Uhr aufgehen. Fast genauso ist es. Wie erwartet erstrahlt zuerst der höchste Gipfel Südtirols, der Ortler, in goldenen Farben. Dann dauert es nicht lange bis eine gleißende Kugel sich rechts am Hang der Königin der Dolomiten, der Marmolata emporhangelt. Meine 5 Aufnahmegeräte geraten an ihre technische Grenzen. Der Dynamikumfang dieses Momentes ist schlichtweg nicht einzufangen.

Die Kombination aus menschlichem Auge, gepaart mit den Möglichkeiten unseres Gehirns, ist den heutigen Geräten meilenweit voraus. Die Gänsehaut wächst und wächst. Und im Moment des Abklingens der Spannung, versteckt sich das Sonnengestirn urplötzlich hinter einer Wolkenschwade.

Video Sonnenaufgang

Wird sie nochmals kommen? Natürlich, Glückskinder wie wird sind erleben wir einen Dreifachsonnenaufgang. Nach dem Sonnenaufgang neben der Marmolada versteckt sie sich zweimal kurz hinter einer Wolkenschwade um dann mit farbiger Macht das Wolkenmeer wiederum in ein Lichterspiel zu tauchen. Schlicht und einfach grandios.

360° Rundumblick Roen
360° Rundumblick Roen

Ich könnte hier noch Stunden stehen, aber dem Andreas wird es langsam zu bunt. Ein 360 Grad Zylinderpanoramafoto zum Ende der Goldenen Stunde geht sich noch aus, dann verlassen wir den wunderschönen Aussichtsgipfel Roen in Richtung Malga Roen.

Rückweg

Malga Roen
Malga Roen

Das Gastlokal der Malga Roen wird zurzeit umgebaut. Darum hat die dahinter befindliche Almwirtschaft vorübergehend den Ausschank übernommen. Trotz der frühen Stunde macht man uns einen Kaffee. Während wir den „kurzen Schwarzen“ schlürfen schweift mein Blick zwischen der sonnenbeschienenen Kapelle und den in entgegengesetzter Richtung liegend Brenta Dolomiten hin und her.

Der Rückweg zum Mendelpass ist recht gemütlich. Bei der Halbweghütte biegen wir dieses Mal nicht links ab, wir wollen lieber gerade aus bis zur Enzianhütte-Genzianella hinein. Für noch einen Kaffee und ein Stück Strudel hätte ich noch ein Plätzchen frei, in meinem Magen.

So verbringen wir einen ruhigen Vormittag und schaffen es bis 10.30 Uhr zurück in den Talboden, in unser Heimatdorf Tramin an der Weinstraße.

Eckdaten der Sonnenaufgangswanderung:

  • Start: Golf Wiesen am Mendelpass
  • Ziel: Roen (2.116 m)
  • Tourenlänge: 16,8 km
  • Höhenleistung Aufstieg: 893 m
  • Höhenleistung Abstieg: 893 m
  • Wegnummer: 500
  • Eigenschaft: einfach, für Jedermann machbar
  • Einkehrmöglichkeiten: Halbweghütte, Malga Roen, Überetscher Hütte, Genzianella Hütte (Enzianhütte)

GPS-Daten Mendel-Überetscher Hütte – Roen

Fotos Sonnenaufgang Roen

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8 thoughts on “Sonnenaufgang auf dem Roen: Dolomitenblick”

  1. Helmut says:

    Hallo ! Super Kompliment, sehr schoen : bringsch mir immer ein Stueck Heimat zu mir.
    Lg. Helmut aus Suedamerica

  2. Dietmar says:

    Danke dir Helmut, freut mich, dass es dir gefällt.

    Grüße
    Dietmar

  3. Hallo Dietmar
    hab erst kürzlich diesen Beitrag gesehen und dein Video sicherlich schon 5x angesehen und jedesmal bekomme ich eine Gänsehaut – es ist einfach unbeschreiblich und gewaltig. Beneide dich direkt um dieses Erlebnis und würde gerne auch einmal so einen Sonnenaufgang miterleben.
    GLG Siglinde

  4. Dietmar says:

    Ja Siglinde, das war wirklich total bearig! Kann ich nur jedem raten, es auch mal zu versuchen. Muss ja nicht der gleiche Berg sein. Ich muss aber auch dazusagen, dass wir natürlich unverschämtes Glück hatten. Denn Wolken drunter (schaug eoanfoch cool aus), Wolken driber (sehr wichtigen wegen der Morgenröte) und mitten drin wo die Sonne aufgeat freie Sicht, den Tog muass man ersch mol treffen.

    Fürs einfangen sein donn Timelapse (Zeitrafferaufnahmen) ideal, denn die tollen Wolkenspiele sein ba statische Fotos nit gonz so cool…

    LG
    Dietmar

  5. Karl-Heinz Weller (Charly) says:

    Hey Dietmar

    Kam in den letzten Wochen nur kurz dazu bei Dir „reinzuschnuppern“. Doch deinen Sonnenaufgangsblog habe ich sehr vielen Bekannten gezeigt, weil er sooooooo wunderschön ist. Die waren alle total begeistert so sie es halt mit den Bergen halten ……..

    Da ich ja eine ganz andere Begegnung mit dem “ Monte Roen“ über den Klettersteig wie schon an anderer Stelle beschrieben hatte, daher kein so wie gewohnt größerer Beitrag, sondern einfach nur
    – wunder, – wunderschön – grandios, ganz großes Kino.
    Schön dass du Dir deine aufgrund der Familie knappe Zeit freimachen konntest, so was vergisst man nicht oder? .

    Ganz liebe Grüße und einigermaßen ruhige Vorweihnachtszeit, mehr von mir gibts beim „Latzfonser Kreuz“, da war ich natürlich auch schon …………

    Übrigens habe ich in Grobplanung ein ähnliches Erlebnis vor:
    „Im Reich der Fanes“ in der Nähe der Lavarellahütte oder Faneshütte mit dortiger Übernachtung am Kreuzkofelmassiv einen solchen Sonnenuntergang erleben wäre toll, Übernachten werde ich auf der Fanes in den nächsten 1 oder 2 Jahren auf jeden Fall mal, das wird sicherlich toll ….

    Also bis zum nächsten Eintrag bei Latzfons
    Berg heil
    von Charly

  6. Dietmar says:

    Hallo Charly,

    vielen dank für deinen Kommentar. Leider bin ich etwas spät mit der Antwort aber in den letzten 2 Wochen gab es bei uns Wichtigeres: unsere Tochter ist geboren udn hält uns jetzt etwas auf Trap. Da muss ich nun etwas abspecken mit Blog schreiben 😉

    Lg
    Dietmar

  7. Karl-Heinz Weller (Charly) says:

    Ja hey Dietmar

    Herzliche Glückwünsche für Dich und die gesamte Familie, ich freu mich richtig für Dich, super, ich hoffe Ihr seid alle (vor allem deine beste Frau und der Nachwuchs) gesund und könnt die Vorweihnachtszeit genießen,
    alles Gute dazu — > ankommen — > nichts passt momentan besser zur Adventszeit als so ein „angekommenes kleines Kind“ oder?

    Ist doch klar, dass du momentan wenig Zeit hast.
    Als wir hören uns demnächst online vom „Latzfonser Kreuz“

    Charly

  8. Dietmar says:

    Genau so ist es, das schönste Vorweihnachtsgeschenk 🙂

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