Die Tofane – markante Dolomitengipfel westlich von Cortina d’Ampezzo

Tofana di Mezzo - Ra Valles
Tofana di Mezzo - Ra Valles

Dolomiten Urlaub, fünfter Ferientag. Einen Dreitausender möchte ich heuer schon noch gerne in meinem Wanderblog eintragen. Darum haben wir schon seit Tagen unsere Cortina d’Ampezzo Kompass Wanderkarte konsultiert. Das Dreigestirn der Tofane: Tofana di Rozes (3.225 m), Tofana di Mezzo (3.244 m) und Tofana di Dentro (3.238 m) würde mit jedem seiner Gipfel einen Dreitausender bieten. Leider sind auf unserer Wanderkarte sehr viele Klettersteige eingezeichnet, was die beste Ehefrau von allen zu einem absoluten Veto veranlasst.

Hmmm… was machen? Es führt zwar sowohl auf die Tofana di Rozes als auch die auf Tofana di Mezzo ein Normalweg rauf, aber ob die mit der immer stärker werdenden Höhenangst der besten Ehefrau von allen vereinbar sind, ist sehr fraglich.

Da entdecke ich auf der Kompass Karte einen kleinen Bergsee. Der Lago di Ghedina wäre von Sexten aus nicht mal so weit weg: 48 km, 50 min Fahrtzeit.

Mal schauen: Also zuerst vom Lago di Ghedina recht flach hinüber bis zum Ristorante Pietofane (1.675 m), dann hinauf zur Mittelstation der Tofana di Mezzo Seilbahn und zum Schluss das letzte Stück mit der Seilbahn auf den Gipfel. Anschließend über die Wege Nr. 406 und 409 wieder herunter. Das wäre eine recht ordentliche Rundwanderung mit circa 20 Kilometer. Laut Kompasskarte kein Klettersteig, nur ein, zwei gepunktelte Teilstücke. Das wird wohl hoffentlich zu machen sein.

Auf geht es. Hinaus auf die Pustertaler Straße, hinein ins Höhlensteintal, vorbei am Toblacher See und am Dürrensee über Schluderbach bis kurz vor Cortina d’Ampezzo. Hier rechts dem Schild Lago di Ghedina folgend abbiegen. Die Straße entpuppt sich als enge und extrem löchrige, ich behaupte mal für ein Auto fast mörderische Straße. Immer wieder muss ich bis auf 10 km/h herunter bremsen und langsam bis zu 40 cm tiefe, Halb-Meter breite Löcher im Asphalt umfahren oder überfahren. Gewaltig! Ich frage mich die ganze Zeit, ob das überhaupt eine befahrbare Straße ist, aber Verbotsschild haben wir keines gesehen.

Am Lago di Ghedina zu Füßen der Tofane
Am Lago di Ghedina zu Füßen der Tofane

Das letzte Wegstück stiehlt uns also gehörig Zeit, aber wenigstens bringen wir unseren Wagen heil bis zum Ghedina See. Am idyllischen Waldsee finden wir ein ziemlich nobel aussehendes Restaurant vor, dessen Bedienstete im Frack herumlaufen und rund um den See Liegestühle platzieren. Wahrscheinlich haben wir es der frühen Stunde zu verdanken, dass es hier noch nicht von High Society Menschen wimmelt.

Nach der – vor allem für unsere Stoßdämpfer – eher aufregenden Anreise beginnt die eigentliche Tofane Tour für uns recht gemütlich. Nur mäßig ansteigend geht es durch den schattigen Wald. Nach wenigen Minuten erreichen wir den Weg Nr. 410, der uns flach bis zum Ristorante Pietofana hinüber führt. Das Skigebiet am Fuße der Tofana di Mezzo bietet dem Wanderer im Sommer zahlreiche Möglichkeiten entspannt um die bekannten Dolomitengipfel herum zu wandern, hinauf auf die Tofana di Mezzo allerdings, führt nur ein einziger Weg.

Der Weg Nr. 407 ist der unsere und so wandern wir durch den Wald, der allmählich lichter wird, der Tofana entgegen. Urplötzlich endet der Wald. Wahrscheinlich eine wirtschaftliche Baumgrenze. Tatsächlich eine Skipiste, welche Wald und Felsgelände voneinander trennt. Wir müssen sie überqueren und anschließend bei sengender Hitze den nun felsigen Steig erklimmen.

Schon bald schwant mir Böses: Der Weg wird zunehmend gerölliger und gefährlicher. Und wie befürchtet wird die beste Ehefrau von allen langsam nervös.

Das weiße Dolomitgestein gibt eine starke Wiederhitze ab. Es ist extrem heiß. Immer wieder müssen wir angestrengt die Markierungen suchen, da der Felssteig praktisch unsichtbar ist. Ich vermisse meine Sonnenbrille, die im Fischleintal geblieben ist.

Auch akustisch macht sich der höher werdende Schwierigkeitsgrad der Bergtour bemerkbar. Nein, nicht weil mehr und mehr kleine Steine den Berg hinunter kollern, sondern weil die Beschwerden der besten Ehefrau von allen massiver werden.

So gefährlich ist das aber nun auch wieder nicht. Immerhin befinden wir uns ja auf einer Skipiste; einer Skipiste, die ich persönlich zwar nie im Leben befahren würde, aber immerhin auf einer Skipiste; einer tiefschwarzen Skipiste, die aus genau diesem Grund nicht einmal für den Weltcup taugt, aber es ist eine Piste, kein Klettersteig.

Einmal mehr muss ich einlenken und etwas anbieten. Ich versuche es mit: du musst nicht mit der Seilbahn bis zum Gipfel hinauf. Wenn du willst, kannst du bei der Mittelstation warten und ich fahre alleine auf die 3.000 Meter hinauf.

Das hilft ein wenig und das „i hoss bergsteign“ wird etwas weniger. Anmerkung des Autors: diese Aussage der besten Ehefrau von allen ist kein echtes Gefühl, nein falsch, echt ist es schon, es beschränkt sich aber zeitlich auf die wenigen Minuten, in denen sie Angst bekommt, auch wenn diese Angst an absoluten Maßstäben gemessen nicht gerechtfertigt scheinen mag.

Viele Höhenmeter sind es nicht mehr, die noch vor uns liegen. Bei 2.200 Höhenmeter stehen wir vor einer Kreuzung: rechts geht unser Rückweg hinauf, wir aber müssen zunächst nach links, um zur Mittelstation der Tofane Seilbahn zu gelangen.

An der Mittelstation der Tofane Seilbahn
An der Mittelstation der Tofane Seilbahn

Ohne weitere Hindernisse wandern wir in einer weiten Schleife über felsigen Untergrund bis zum Rifugio Ra Valles zur Mittelstation der Seilbahn. Die beste Ehefrau von allen hat damit ihr Ziel erreicht. Sie darf es sich auf der riesigen Panoramaterrasse des Rifugio Ra Valles, das mehr ein riesiges Restaurant als eine Schutzhütte ist, gemütlich machen.

Unterdessen fahre ich mit der Seilbahn hinauf zum Gipfel. Als einziger Fahrgast habe ich die Gelegenheit, mit dem Chauffeur zu plauschen. Er informiert mich darüber, dass es keine „via normale“, also keinen Normalweg auf den Gipfel der Tofana di Mezzo hinauf gibt, nur Klettersteige. Zugleich zeigt er mir zu unserer Linken wie Kletterer den Klettersteig von der Punta Anna zum Bus Tofane hinauf klettern. Mir wird schon vom bloßen Zuschauen fast übel.

Am Dolomitengipfel angekommen fühle ich mich erst mal überhaupt nicht wie in den Bergen. Ich habe zwar einen gewaltigen Blick in die Tiefe, aber Wolken bzw. Nebelschleier unterbinden eine umfassende Weitsicht. Dadurch wirkt vor all die Verbauung durch die Bergstation sehr intensiv auf mich.

Auf dem Gipfel der Tofana di Mezzo
Auf dem Gipfel der Tofana di Mezzo

Das ändert sich schlagartig als ich einige Meter später – zuerst über eine Eisentreppe, dann über einen felsigen Steig und die letzten Meter schließlich auf allen Vieren über die Felsen hinweg – den wenig geräumigen Gipfel auf 3.244 m erreicht habe.

Leider hängt hier am Gipfel eine riesige Wolke, sodass auch eine Stunde warten nix bringt. Ich muss mich mit einem kleinen Sichtfenster gegen Nordwesten auf den Monte Cavallo und hinüber zur Fanesgruppe zufrieden geben.

Die Tofane in den Nördlichen Dolomiten
Die Tofane in den Nördlichen Dolomiten

Dabei lerne ich drei Italiener aus Turin kennen, welche schon gestern hier herauf wollten, die aber, weil die Seilbahn wetterbedingt gestern nicht fahren konnte, erst heute hier auf einem der höchsten Gipfel der Dolomiten stehen können. Morgen werden sie weiterreisen und zwar nach Zell am See. Das ruft in mir sofort eine Erinnerung wach: Die Erinnerung an 10 Tage Hochzeitsreise im Regen. Die drei Turiner sind nicht sehr begeistert, von meinem 10-tägigen Regenerlebnis in Zell am See zu hören, aber zumindest kann ich ihnen bestätigen, dass es in Zell am See und Umgebung sehr schön ist. Und wegen des Wetters… Na ja, vielleicht haben sie ja auch Glück.

Es hilft nichts, ich muss wieder runter zum Ra Valles auf 2.470 m. Schon nach wenigen Höhenmetern abwärts durchbricht die Kabine der Seilbahn die Wolkendecke und ein herrlicher Panoramablick eröffnet sich mir und den zahlreichen anderen Fahrgästen, die mehrheitlich Kletterer sind.

Ich lese die beste Ehefrau von allen auf der Panoramaterrasse des Ra Valles auf und möchte bald auf dem geplanten Wanderweg den Rückweg antreten. Sie nötigt mich aber, zuerst in der Bar zu fragen, ob der Steig Nr. 446 gefährlich sei, was der freundliche Italiener hinter dem Tresen nutzt, um seine Deutsch-Kenntnisse zu trainieren. Nicht gefährlich, kein Problem, was die beste Ehefrau von allen zumindest etwas beruhigt.

Zuerst müssen wir nun also wieder hinunter bis zur letzten Wegkreuzung, dann geht es circa 100 Höhenmeter leicht ausgesetzt hinauf. Und da sind sie schon wieder, die leichten Angstgefühle bei der besten Ehefrau von allen. Zum Glück ist dieses felsige Wegstück aber bald geschafft und wir stehen nun auf einem breiten Bergrücken. Völlig unproblematisch rund echt eben wandern wir jetzt in nordöstlicher Richtung weiter und halten uns – wie es uns der Barist empfohlen hat – eher links.

Über Cortina d'Ampezzo
Über Cortina d’Ampezzo

Bei Ra Zestes (2.420 m) kommen uns zwei Wanderer entgegen. Und mir bietet sich ein interessanter Aussichtspunkt für ein 360 Kugelpanoramafoto. Darum packe ich aus und beginne das Stativ mit dem Panoramakopf aufzubauen. Die beiden Wanderer bleiben interessiert stehen, schauen uns aus der Ferne zu und fragen dann auf Englisch, ob sie näher kommen dürfen. Das Gespräch beginnt etwas holprig, aber dann merken wir, dass es mit Italienisch besser geht. Die beiden sind aus der Gegend von Udine. Der eine ist wie ich Informatiker und so kommen wir ins Gespräch. Die beste Ehefrau von allen nutzt natürlich die Gelegenheit, nach der Gefährlichkeit des Weges zu fragen. Sie bekommt als Antwort: Ungefährlich, aber gut aufpassen, dass man nicht die Wegmarkierungen übersieht.

Und so kommt es dann auch. Die Wanderung über den Bergrücken ist gemütlich und ungefährlich, aber wir müssen dauernd mit Adleraugen nach den Wegmarkierungen Ausschau halten.

Vor dem Ende des Bergrückens biegen wir rechts in einen nun deutlich sichtbaren Steig (Nr. 406) ein. Dieser bringt uns steil über den grasbedeckten Berghang, dann durch lichten Wald bis zum Wanderweg 409 hinunter. Nun noch einige 100 Meter in südöstlicher Richtung und schließlich hinunter zum Lago di Ghedina: Die Tofane-Rundwanderung ist geschafft und ich habe endlich einen 3.000er mehr in unserer, nein, in meiner Sammlung.

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GPS Daten der Rundwanderung Tofane

Fotografien aus den Dolomiten rund um die Tofana di Mezzo

 

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9 thoughts on “Die Tofane – markante Dolomitengipfel westlich von Cortina d’Ampezzo”

  1. Brigitta Lowka says:

    Mit Interesse lese ich die Wanderberichte von Dietmar und der „besten Ehefrau von allen“. Super Fotos und die Berichte locken einen nach Südtirol!
    Kann mir Dietmar vielleicht eine Frage beantworten zu m Meraner Höphenweg. Mit Freunden ist er für nächsten Frühsommer geplant. Mein Problem („die zweitbeste Ehefrau von allen“ :), ich habe Höhenangst, bin nicht schwindelfrei und dann auch nicht mehr „trittsicher“. Wie ist das in Verbindung mit dem Meraner Höhenweg zu beurteilen?
    Ich wäre für eine Antwort sehr dankbar!
    Brigitta

  2. Dietmar says:

    Hallo Brigitta,
    ich finde die Verbindung zwischen Hochmut und Leiteralm (das ist der angesprochene Teil des Meraner Höhenweges) technisch unproblematisch, weil der Weg immer mindestens 1,5 Meter breit ist. Tiefblicke gibt es aber schon und wer Amgst hat wird sich nicht unbedingt wohl fühlen, aber die Gefahr eines Absturzes besteht meiner Meinung nach nicht, wenn man konzentriert wandert und immer schön bei der Bergseite bleibt. Diese Vorgehensweise würde sogar einen Sturz verzeihen. Am besten den Wanderbericht Muthöfe anschauen, die Fotos Nr. 3 und 4 zeigen recht gut den Weg. Wer aber aus lauter Höhenangst beim Gehen komplett blockiert wird, der sollte es lieber lassen.

    Grüße
    Dietmar

  3. Karl-Heinz Weller says:

    Hallo Dietmar

    Die wunderschön bebilderte Tour zu einem der markantesten Gipfel machen mir Lust auf nächstes Jahr. Großes Kompliment für die Einstellung dieser Tour.
    Mal sehen, ob ich diese Tour in meinem Wanderplan der Dolomiten aufnehmen und durchführen kann, hoffe dass ich bessere Sicht als Du sie am Gipfel hattest.

    Freue mich darauf in den nächsten Wochen in deinen neu eingestellten Touren zu stöbern und mir auch wieder neue Anregungen zu holen.
    Das Wanderjahr 2012 sollte am besten 100 Urlaubstage (davon 90 Schönwettertage) haben, damit ich wenigstens einen kleinen Teil meiner Wanderpläne vor allem im Hochpustertal, Ampezzaner Dolomiten durchführen kann.

    Bis bald
    Karl-Heinz

  4. Dietmar says:

    Hallo Karl-Heinz,

    ja für Hochpustertal und Ampezzaner Dolomiten bräuchte es wirklich 100 Urlaubtage. Besser noch 10 x 100 Urlaubstage. Die Dolomitengipfel rund um Cortina sind einfach gewaltig ich würde auch am liebsten sofort wieder dahin fahren und habe schon jetzt Sehnsucht nach dem Sommer…

    Güße
    Dietmar

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