Grenzwanderung durch Lärchenwälder zwischen Altrei und Carano

Altrei, ein verschlafenes, aber idyllisches Dörfchen am äußersten Südostsporn Südtirols ist Startpunkt für eine herbstliche Grenzwanderung. Mitten durch orangebrennende Lärchenwälder soll es gehen. Als Bewohner eines Weindorfes sind wir im Herbst gelbgoldene Weinberge gewöhnt, da bieten orangeleuchtende Lärchen eine willkommene Abwechslung.

Herbststimmung im Lärchenwald von Altrei
Herbststimmung im Lärchenwald von Altrei

Die beste Ehefrau von allen hatte Widerstand angekündigt. Altrei sei mit 1.200 m ü. d. M. viel zu hoch gelegen, da sei es für diese Jahreszeit viel zu kalt und sie wolle, nein sie fordere, die letzte Herbstsonne genießen zu dürfen und und und.

Ich wusste, dass ich mit Erklärungen à la: „Nein, so viel kühler als bei uns werde es in Altrei sicherlich nicht sein. Die Quecksilbersäule sinke pro 1.000 Höhenmeter nur um 6 Grad und bei Inversionswetterlage, könne es sogar umgekehrt, sprich oben in der Höhe wärmer als unten sein. Außerdem, da wir keinen Gipfel besteigen, sondern mitten durch Wald wandern werden, sei es sicherlich angebracht zu vermuten, dass es Wind still sein werde und ohne Wind sei Wandern mit Temperaturen um die 12 Grad sehr gut auszuhalten, nein sogar recht angenehm und und und.“

Ich wusste, dass ich mit solchen Argumenten nicht durchkommen würde, darum hatte ich mich für eine andere Strategie entschieden und sagte: „Schau, so wie es mit der Pandemie zurzeit aussieht, werden wir heute vielleicht unsere letzte Wanderung, außerhalb von Tramin, in diesem Jahr machen können“. Das hatte die beste Ehefrau von allen zum Denken veranlasst und sie hat, wenn auch nicht mit Begeisterung, endlich zugestimmt. Nun sind wir hier in Altrei und es ist wider ihr Erwarten angenehm warm.

Auf dem Sagenweg

Wir starten vom Parkplatz in der Prof.-Alois-Zwerger Straße am Nordeingang des Bergdorfes, marschieren, uns von Altrei entfernend, Richtung Norden, wenige Meter über die Landstraße über die wir angereist sind und finden zu unserer Linken den Beginn des Altreier Sagenweges. Dem gut markierten Steig folgen wir. Immer wieder erzählen uns Tafeln mit Sagen rund um den Ort, was sich in früheren Tagen in dieser Gegend zugetragen hat. Die Sagen sind recht kurz gehalten, sie sind von Altreier Kinder nacherzählt worden. So kann der Wanderer, ohne viel Zeit zu verlieren, sie entweder für sich alleine leise lesen oder seinem Nachwuchs laut vorlesen. Eine kleine bunte Hexe, augenscheinlich als Wegweiser gedacht, begleitet uns auf dem Sagenweg.

Eine kleine Hexe begleitet uns auf dem Altreier Sagenweg
Eine kleine Hexe begleitet uns auf dem Altreier Sagenweg

Über eine sumpfige Stelle führt ein kurzer Steg mit Geländer. Er markiert zugleich den Beginn der herrlichen Lärchenwälder. Gelborange Farben hüllen uns ein. Traumhaft! Im Vergleich zu den als Weidewiesen genutzten Lärchenwiesen am Salten, sind diese hier mehr als Lärchenwald den als -wiese zu bezeichnen. Die Bäume sind größer, archaischer, das Unterholz gleicht einem natürlichen Waldboden, nur hie und da sehen wir den Eingriff des Menschen, der herumliegende Zweige und Äste zu Haufen zusammengetragen hat, um dem Gras mehr Licht und somit freies Wachsen zu ermöglichen.

Ein Wegweiser, rechts Sportplatz, gerade aus Solaiolo (Nr. 14). Wir wandern gerade aus. Die Lärchen begleiten uns noch für einige 100 m. Ohne es zu merken passieren wir die Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino. Altrei ist eine Exklave, die einzige deutschsprachige Gemeinde im italienischen Fleimstal, umringt – außer von Truden – von italienischsprachigen Ortschaften. Verständlich, dass der Altrei-Wanderer darum schon mal ganz unbewusst einen Fuß auf Welschtirol setzt.

Nun passieren wir einen Fichtenwald, folgen wieder einem Wegweiser Solaiolo und treten alsdann bei einer Baumaufzucht aus dem Wald heraus. Wir wandern nun auf der Straße bis nach Solaiolo, einer Fraktion von Carano (mittlerweile Ville di Fiemme), weiter. Das liegt zwar nicht direkt auf der geplanten Wanderroute, aber ich will einen Blick auf die aus wenigen Häusern bestehende Streusiedlung werfen und mehr als 200 m ist der kurze Abstecher eh nicht.

Kirche in Solaiolo

Zwischen gelbfarbenen Birken und Ahorne lugt das Kirchlein „Cuore Immacolato a Solaiolo“ hervor. Wir haben genug gesehen und kehren um. Zurück bis fast zur Baumaufzucht und dann hinaus auf die Landstraße LS 79. Wir müssen derselben nun folgen. Wegweiser mit der Bezeichnung Fraulalm und Dorfner Rast (Nr. 13) bezeugen, dass wir auf dem rechten Weg sind.

Zur Dorfner Rast

Glücklicherweise dürfen wir die Landstraße nach wenigen 100 m, nach rechts abbiegend, verlassen. Darauf hingewiesen werden wir wiederum mit den gleichen Wegweisern wie zuvor. Aber dieses Mal überrascht uns ein am Pfahl der Wanderschilder angebrachtes Schild „Naturdenkmal Larice di Confine„. Mit viel Vorfreude auf ein Lärchen-Naturdenkmal, wandern wir nun Richtung Süden. Schnell werden die Lärchen häufiger, der Waldboden lichter und mit Gras überzogen. Genau was wir wollten! Eine Mischung aus Lärchenwald und Lärchenwiesen streichelt unserer Wanderseele!

Mit viel Sonne durch den Lärchenwald

Der weiche Waldsteig ist flach und wir könnten theoretisch den Wanderspaziergang in vollen Zügen genießen. Wäre da nicht der böse, kleine Teufel mit dem Bocksturrschädel.

„Hunger, hunger!“, schreit er und zerreißt akustisch die makellose Waldidylle.
„Anna, lei nou zwo Minuten, do vorn, wo die Wies onfong, bleibm mir stean und essn.“
„Na, jetzt, i hon Hunger, Hunger!“, schreit der Miniteufel, stampft zornig mit seinen Bocksklauen und bleibt an Ort und Stelle wie festgenagelt stehen.
Mir beginnt das Blut zu kochen: „Zwo Minuten, lei zwoa Minuten, wo sein schun zwoa Minuten!“

Die beste Mami von allen wäre nicht die beste Mami von allen, wenn sie nicht merken würde, dass etwas anders ist. Sie weiß, der Tati gibt normalerweise nach, denn der Tati hasst es den Teufel hinterher zu zerren, der Tati liebt es mit dem Goldengel dahin zu wandeln. Dafür opfert er gerne wichtige Erziehungsprinzipien. Doch heute scheint der Tati geneigt zu sein, eine andere Strategie, eine alte, archaische Strategie, eine längst überholte Strategie ausgraben zu wollen. Darauf will sie es nicht ankommen lassen und so zerrt sie den bocksturren, schimpfenden Höllengesellen die wenigen 100 m weiter und schon stehen wir vor einer teilweise sumpfigen Lichtung, der Dorfner Rast. Richtung Süden wird der Blick frei auf die weißen Gipfel der Lagorai. Wir lassen uns unter einer mächtigen Lärche nieder und packen die Rucksäcke aus. So viel Herrlichkeit tut dem Teufel gar nicht gut. Er wird still und endlich schleicht er sich still und heimlich von dannen und überlässt das Feld dem Goldengel.

Auf der Dorfner Rast

Nach Speis und Trank und um einiges leichteren Rucksäcken, wandern wir weiter, durchschreiten die sumpfige Magerwiese und treffen auf die gut sichtbare Grenze zwischen Welsch- und Deutsch-Tirol. Kein Grenzstein, sondern eine markige Baum-Silhouette, durch ihre Form klar als Besonderheit erkennbar, nähert sich uns. Ich muss Abstand halten, wie sollte ich sonst einen so mächtigen Baumriesen digital einfangen. Meine beiden Mädels marschierend direkt auf dem Stamm zu.

Comune di Anterivo – Gemeinde Altrei
ALBERO MONUMENTALE – NATURDENKMAL
‚LARICE di CONFINE‘
Altezza – hòhe: 34 m
circonferenza – durchmesser: 4,60 m
Anna di nascita-erste erwàhnung-stimato-vermutlich: 1798
Valle di Fiemme-Fleimstal

Das krauderwelschige Schild, das jeglicher Rechtschreibung entbehrt, liegt am Boden. Wir fragen uns, ob der Fehlerteufel es auf dem Gewissen hat. Naja, die wichtigsten Eckdaten können wir auch trotz ungünstiger Deutsch-Italienisch Mischung und Rechtschreibschwächen erfassen und der mächtigen Grenz-Lärche ist die Rechtschreibung der Menschen wahrscheinlich egal.

Die große Lärche an der Grenze zwischen Südtirol (Deutsch-Tirol) und Trentino (Welsch-Tirol)

Zur Fraulalm und zum Schönblick

Nun wieder auf deutschem Boden, wandern wir genüsslich unter unseren Lieblingsnadelbäumen, uns an den weißroten Markierungen (Nr. 13) orientierend, gen Südwesten und biegen bei dem Wegweiser „Fraulalm “ rechts ab. Es dauert nicht lange bis wir sie erreichen. Die Fraulalm ist nicht bewirtschaftet. Uns ist das egal, wir haben volle Mägen.

Von der Fraulalm über den Wandersteig Nr. 7 nach Altrei

Leicht oberhalb des Alm-Zufahrtweges, geht es nun auf einem grasigen Steig (Nr. 7) nach Altrei. Nach 200 m zeigt ein Wanderschild das verlockende Wort „Schönblick“ an. Richtungsmäßig passt er zwar nicht mit jenem mit der Bezeichnung „Altrei“ überein, doch einen „Schönblick“ können wir uns selbstverständlich nicht entgehen lassen und so marschieren wir links des rechten Weges hinauf auf einen Hügel.

Ein großes Holzkreuz, eine Bank und der versprochene Ausblick erwarten uns. Getrübt wird der Schönblick ein klein wenig von Fichten, die einen Teil des Dorfes Altrei verdecken. Den Lärchen hätte ich das verziehen, aber den schnöden Fichten nicht unbedingt.

Wer nun nicht Querfeldein hinunter auf den Alm-Zufahrtsweg will, der muss zurück zum Wegweiser und dann dem Schild mit der Bezeichnung Altrei folgen, der aber auch schlussendlich im Almzufahrtsweg mündet.

Der Weg, der zur Fraulalm führt

Nach Guggal

Auf dem Almweg geht es nun hinaus ins Siedlungsgebiet. Nach einem ersten Hof biegen wir scharf links ab und folgen der asphaltierten Straße nach Guggal. Wir hätten etwas früher links in den Wanderweg Nr. 13 einbiegen können, um das gleiche Ziel zu erreichen, aber die Abzweigung haben wir übersehen. Das macht nichts, denn über die wenig befahrene Straße, haben wir keinen schlechten Ausblick.

Auf geht es nach Guggal

Im Altreier Viertel Guggal gibt es für Slowfood-Liebhaber eine exzellente Einkehrmöglichkeit. Das „Südtiroler Gasthaus“ Kürbishof. Wir können das bezeugen, haben wir doch hier unser Hochzeitsessen genossen. Die Erinnerung daran lässt uns heute noch das Wasser im Mund zusammen laufen!

Nun schreiten wir einen gepflasterten, etwas steilen Weg (Nr. 8) hinunter zum Kugelbach, der Guggal vom Kerndorf mit einem tiefen Einschnitt trennt. Das heißt es geht auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinauf. Macht nichts, nein wir sind sogar froh, denn bis jetzt haben wir keine relevanten Höhenmeter absolviert, ein wenig Höhenleistung tut uns gut.

Zum Burgstall

Das Dorf schon in Griffweite biegen wir beim ersten Gebäude links ab und entfernen uns über den Steig Nr. 9, indem wir bis fast zu den Karnatscherhöfen absteigen, vom Zentrum. Der teilweise mit Natursteinen gepflasterte Feldweg führt uns am Rand von Wiesen bis zu einem Wegweiser mit der Bezeichnung „Burgstall“ hinunter. Wir folgen ihm nach rechts, wandern zuerst flach, dann etwas ansteigend zum bewaldeten Felskopf Burgstall hinauf.

unterhalb von Altrei hinauf zum Burgstall

Auf einer Informationstafel steht, dass die hier befindliche klimabegünstigte Hochfläche oberhalb des Fleimstales schon in prähistorischer Zeiten den Menschen einen günstigen Siedlungsplatz geboten hat, dass der markanteste Punkt dieser Mittelgebirgsterrasse der zehn Meter hohe Burgstall (1.191 m) ist. Er besteht aus Fleimser Porphyr und stürzt zur Avisioschlucht ab. Dann folgt eine Erklärung über die geschichtliche Bedeutung des Bugstalls.

Blick hinunter auf den Avisio, hinüber auf den südlichsten Ort des Fleimstales Capriana und weiter ins Cembratal
Blick hinunter auf den Avisio, hinüber auf den südlichsten Ort des Fleimstales Capriana und weiter ins Cembratal

Für uns ist der Burgstall als Aussichtswarte auf das Fleimstal interessant. Der Blick reicht vom Fleimstal weit hinunter ins Cembratal. Vor allem auf das 580 Seelendorf Capriana können wir sehr gut hinübersehen, aber auch die Trientner Bergwelt erschließt sich uns von der Bergkette der Lagorai bis hinunter zu den Gardaseebergen. Von den Lagorai Gipfel sehen wir den Cimon di Val Moena, den Cimon di Busa Grana, die Pale di Buse, den Dosso di Segonzano, von den Gardaseebergen den Monte Bondono. Rechts reicht der Blick hinauf auf das Trudner Horn. Unten in der Talmitte fließt der Torrente Avisio seinem Ziel, der Etsch, entgegen.

Zurück ins Zentrum von Altrei

Die Sonne weiß nicht so recht, ob sie zwischen den Wolken nochmals kurz hervorlugen soll. Wir wollen nicht darauf warten, wandern nun direkt auf die Kirche von Altrei zu. Das verschlafene Bergdörfchen zählt nicht ganz 400 Einwohner. Das es als Enklave die einzige deutschsprachige Gemeinde im italienischsprachigen Fleimstal ist, hebt es sich von normalen Südtirolern Bergdörfern etwas ab und hat, wenn man mit den Menschen spricht, einen besonderen Reiz. Der leichte krauderwelschige Dialekt ist recht lustig anzuhören.

Besonders stolz sind die Altreier auf Ihren Kaffee. Der stammt von der Altreier „Kaffebohne“ einer Pflanze, die zwar so heißt, aber in Wirklichkeit weder Kaffee noch Bohne, sondern eine Lupine ist. Seit Alters her haben die Altreier aus den behaarten blauen Lupinien ein Gemisch aus Lupine mit Gerste, Weizen oder Feigen hergestellt und als Kaffeeersatz mit dem Namen „„Voltruier Kaffee“ (=Altreier Kaffee) getrunken. Nach Jahrzehnten der Vergessenheit wiederentdeckt, bauen die Bauern des Bergdorfes die blaue Lupinie, aus denen nicht nur der Altreier Kaffe, sondern auch eine Medizin für Kühe, ein Altreier Bier, Schokolade mit Altreier Kaffee, Schnaps mit der blauen Blume und ein blumiger Käse hergestellt wird, nun wieder an.

Altrei

Wir finden heute leider keine Möglichkeit, das eine oder andere Altreier Lupinien Produkt zu verlosten. Schade. So marschieren wir vorbei an der Pfarrkirche St. Katharina durch das Zentrum des Dorfes bis an das Nordende und schließen die Altreier Rundwanderung, mit einem Ausrutscher ins italienische Carano -heute zusammen mit anderen Gemeinden zur neuen Gemeinde Ville di Fiemme fusioniert – ab.

GPX Daten Herbstrundwanderung durch Lärchenwälder in Altrei

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Höhengewinn: Keine Daten
Höhenverlust: Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Rundwanderung durch Lärchenwälder in Altrei

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