Von Segonzano nach Bedollo und zu den Erdpyramiden von Segonzano – Cembratal

wandern im Cembratal - Blick auf Faver
wandern im Cembratal – Blick auf Faver

An das Fleimstal schließt sich das weniger bekannte Cembratal an. Ein tiefes, bewaldetes Tal, mit urigen Dörfern, die sich mehr oder weniger alle auf gleicher Höhe, circa 600 bis 700 m ü. d. M., an die Hänge schmiegen. Die Bewohner der rechten Talseite können zu denen der linken Seite nicht kommen, keine Brücke verbindet das tiefe Tal, man muss sich schon entscheiden, ob man links oder rechts ins Cembratal einfährt.

Der Andreas und ich wollen heute nach Segonzano zum Wandern, um von dort eine gemütliche Wanderung inklusive Besichtigung der Piramidi di Segonzano, also der Erdpyramiden von Segonzano zu machen.
Darum fahren wir bei Molina di Fiemme in die orografisch linke Talseite (östliche Talseite) des Cembratales ein, passieren den See Lago di Stramentizzo und die Ortschaften Crepazzo, Pradel, Casatta, Piscine, Sover und Gaggio bis wir nach Segonzano gelangen.

Wir raten, wovon die Leute hier wohl leben mögen. Die Dörfer liegen nämlich allesamt inmitten von Wald, keine Wiesen, wo Kühe oder zumindest Schafe weiden könnten, im nördlichen und östlichen Teil keine Weinberge, wo Wein wachsen würde, an den teilweise maroden Häusern kann man erkennen, dass auch der Tourismus eher schwach entwickelt ist, so findet man hier auch keine Skipisten, keine bekannten Berggipfel.
Aber genau darin liegt der Reiz des Tales: kein, kein, kein, dafür ursprünglich, authentisch, malerisch…

In Segonzano angekommen, kehren wir auf einen „liscio“ in der Bar des Hotel alle Piramidi ein.
Hier hat man scheinbar eine Mords Freude, einige Brocken Deutsch sprechen zu können. Auch das zeugt wiederum von der Ursprünglichkeit des Tales. Die Alten haben von ihren Eltern wahrscheinlich noch etwas vom österreichischen Kaiserreich mitbekommen. Andererseits liegen das Altopiano di Piné und dahinter das Valle dei Mocheni, wo man noch heute einen altbayrischen Dialekt spricht, nicht weit von Segonzano entfernt.
Nach dem kurzen Schwarzen und dem Durchblättern diverser ital. Tageszeitungen brechen wir auf.

Ich habe auf das GPS Gerät eine Wanderung von den Piramidi di Segonzano über den Weiler Quaràs, weiter zur Wallfahrtskirche Santuario della Madonna dell’Aiuto geladen. Wir halten uns aber nicht an den vorgeschlagenen Ausgangspunkt und auch nicht an die vorgeschlagene Richtung und folgen sozusagen dem auf dem GPS eingezeichneten Rückweg hinauf zur Kirche von Segonzano.

Neben dem Weg eine Holzhackerin. Der Andreas kekst sie an: „Ma il marito è morto?“ ich laufe rot an, die Holzhackerin schaut verdutzt drein. „Si, perchè questo è un lavoro da uomini!“ Aha, daher weht der Wind. Die Holzhackerin entgegnet: „Ma a me piace questo lavoro.“

Es ist der Europäische Wanderweg Nr. 5 dem wir folgen.
Vorbei an der Friedhofskirche von Segonzano am oberen Dorfrand, immer der Markierung E5 folgend, geht es in den Wald. Der mit Natursteinen ausgelegten Saumpfad, wahrscheinlich eine antike „Mulattiera“, führt uns mäßig steigend bis zu einer Forstwegkreuzung. Wir haben den auf meinem GPS Gerät eingezeichneten Pfad etwas verfehlt und somit eine große Schleife abgekürzt. Aber besser so, denn der alte, teilweise mit Natursteinen gepflasterte Wanderweg war sicherlich schöner als eine langweilige Forststraße.

Nun heißt es entscheiden, ob wir zum Wallfahrtskirchlein Santuario della Madonna dell’Aiuto gehen wollen und somit links weiter wandern oder doch lieber dem Wegweiser Dosso di Segonzano folgen. Wir entscheiden und für Zweiteres und wandern rechts der Forststraße folgend bis zu einem Naturobservatorium (Observatorium faunistico). Von dort biegen wir wieder in einen Steig ein und wandern einige Höhenmeter hoch bis zur nächsten Forststraße.

Eine Familie beschäftigt sich mit Waldarbeiter, wir wandern am knurrenden Hund vorbei und stehen bald vor einem Holzschild Dosso di Segonzano. Da das Schild keinen Richtungspfeil aufweist, wir nicht so recht glauben können, den Dosso erreicht zu haben, der Pfad links in den Wald hoch eher wie ein Rehsteig, denn wie ein Wanderweg ausschaut, gehen wir noch ein paar hundert Meter weiter, bevor wir umkehren und trotzdem dem Rehsteig folgen.

Dosso di Segonzano

Auf dem Dosso di Segonzano über Segonzano und dem Cembratal
Auf dem Dosso di Segonzano über Segonzano und dem Cembratal

Circa hundert Meter ziemlich steiler als bis jetzt erwandert, geht es in der Unsicherheit einen halbwegs guten Ausblick zu erwandern, hinauf auf den Dosso (1542 m).
Ein Kreuz mit zwei Glocken, ein Altar aus Phorphyrblöcken und vor allem eine künstlich erzeugte Lichtung die den Blick auf das Val di Cembra mit dem Dorf Faver, wo der Albrecht Dürer Weg vorbeiführt, und dem Hauptort Cembra mit der höchstgelegenen Weinkellerei Italiens freigibt und dahinter auch noch den Blick auf die Brenta Dolomiten zulässt, begeistern.

Blick auf Faver und Cembra im Cembratal. Im Hintergrund die Brentagruppe.
Blick auf Faver und Cembra im Cembratal. Im Hintergrund die Brentagruppe.

Der Andreas meint: „Di Kirch hot olm schun gwisst wo die scheanstn Platzln sein!“
Recht hat er. Kein schlechter Platz für eine Bergpredigt *g*
Ich habe zum Glück genug belegte Brote eingepackt, so halten wir es essend circa eine Stunde aus. Aushalten, weil recht kühl. Komischerweise nur hier auf dem Dosso heroben, einige Meter weiter unten war es angenehm warm.

Auf dem Hochmoor Piano Busa bei der Bait de la Busa.
Auf dem Hochmoor Piano Busa bei der Bait de la Busa.

Zum Abstieg vom Dosso di Segonzano benutzen wir einen anderen Steig und kommen wenige Meter nach dem Punkt, wo wir beim Aufstieg umgekehrt waren, auf der Forststraße heraus und was noch interessanter ist, wir kommen bei der Bait de la Busa die an einem idyllischen, herrlich grün-rot schimmernden Weiher liegt, heraus. Fabelhafte Farben sehr angenehme Temperaturen herrlich. Wir können es kaum fassen, welches Glück wir mit dem Aufs-Geradewohl-Wandern haben.

Eine halbe Stunde genießen wir unser Glück, dann wandern wir wenige hundert Meter zurück und biegen links in Richtung Bedollo ab.

Gemütlich schreiten wir vorbei an einer überdachten Kapelle „Capitel del Franzele“ bis zum Gasthof Baita Alpina Bellavista am oberen Dorfrand von Bedollo hinunter.
Super, so bleiben uns sogar ein Glas Wein, ein Kaffee und ein Strudel nicht verwehrt.
Das Beste an dem Gasthaus aber ist der Ausblick! Ohne es so richtig zu merken, sind wir nämlich vom Cembratal herüber ins Val di Pinè, ein wunderschönes Hochplateau, das auch Altopiano di Pinè genannt wird, mit seinen zwei von grünen Hügeln umringten Seen, Lago delle Piazze und Lago di Serraia, gekommen.

Erst jetzt wird mir so richtig bewusst, dass auch das Trentino wunderschöne Täler zu bieten hat. Leider spielt die Sonne nicht mehr so richtig mit, sie hat sich hinter eine Wolkendecke verzogen.
Wir sind schon beim Überlegen, die Wanderung umzuplanen und hinunter zu den Seen zu wandern, beschließen dann aber trotzdem über den Weiler Quàras zu den Erdpyramiden von Segonzano zu gehen.

Bedollo

Dafür schreiten wir zuerst hinunter ins Dorfzentrum von Bedollo. Durch enge, aber vorbildlich gepflasterte Gassen steigen wir zur Kirche ab und finden dann mehr oder weniger per Zufall den Einstieg zum hier sehr schlecht beschilderten Europäischen Wanderweg Nr. 5.

Der Steig ist hier recht abenteuerlich und wir sind uns überhaupt nicht sicher, ob wir über Privatgrund stapfen oder über einen offiziellen Wanderweg bis wir durch einen Hofdurchgang (Marteri) hindurch gehend dann trotzdem eine Markierung E5 sehen. Nun wandern wir wieder, wie schon so oft heute, entlang von Phorphyrsteinmauern, was für den nicht Geschichtskundigen ziemlich unverständlich ist. Die Steinmauern stehen nämlich nicht nur entlang des Steiges, sondern auch mitten im Wald. Wahrscheinlich war in früheren Zeiten hier fruchtbares Land oder zumindest Schafweiden. Heute hat der Wald die einst von Menschenhand bewirtschafteten Landstriche zurückerobert.

Die Steinmauern führen uns durch das Val Brutta bis zum nur eine Handvoll Häuser und zwei, drei Schwarzbeerplantagen umfassenden Weiler Quàras. Auf einem der Häuser eine Aufschrift „Strada per Bedollo“. Aha, darum die Steinmauer entlang des Steiges. Der Steig war scheinbar mal eine Straße, besser gesagt ein alter Saumpfad, Mulattiera sagen die Italiener.

Quaras

Der Weiler Quàras liegt mitten im Wald in einer Gegend, in die sich augenscheinlich nur wenige Touristen oder Wanderer verirren. Gasthaus, Einkehrmöglichkeit Fehlanzeige, dafür fallen uns dauernd Schilder mit der Beschriftung „Proprietà Privata“ auf.
Scheinbar will man alles dafür tun, dass der verschlafene Ort noch sehr lange verschlafen bleibt.
Die Zufahrtsstraße zum Weiler ist zugleich unser Weg, um zu den Erdpyramiden zu kommen.

Nach circa einem Kilometern schaue ich zufällig nach links und sehe eine Pyramide ohne Hut. Ich bin maßlos enttäuscht! Das kann doch nicht alles sein. Ein Foto und weiter geht’s. Aahhh, der nächste Blick dieses Mal mit Beschilderung Piramidi di Segonzano gruppo 3, ist schon bedeutend besser und lässt an die Rittner Erdpyramiden denken. Dieses Mal drei, vier Fotos bevor wir die Straße weiter schreiten. Und dann – ein Wegweiser Piramidi di Segonzano und der Hinweis Ticket.

Piramidi di Segonzano

Piramidi di Terra di Segonzano

Dieser Hinweis würde zwar die beste Ehefrau von allen abhalten, aber die ist ja heute nicht mit. Links den Steig hinunter und schon tut sich eine ganz andere Welt auf. Über Holzstufen steigen wir ab und können sodann ein großes Erdpyramidengebiet von nächster Nähe erkunden. Teilweise können wir die erdigen Gesellen fast berühren. Man könnte sogar in Versuchung kommen den einen oder anderen „Hut“ vom Erdmann zu stoßen. Einige Aussichtsplattformen sind mit Verbotsschildern und dem Hinweis „lavori di manutazione straordinari“ versehen. Wir können aber trotzdem alles anschauen und digital festhalten. Im Vergleich zu den Rittner Erdpyramiden erstrecken sich die Piramidi di Terra di Segonzano über ein größeres Gebiet und sind auf drei Gruppen aufgeteilt, die durch Besucherwege gut erschlossen sind.

Erdpyramiden von Segonzano inkl. Blick auf das Kirchlein von Segonzano
Erdpyramiden von Segonzano inkl. Blick auf das Kirchlein von Segonzano

Selbstverständlich müssen alle drei Gruppen zur Besichtigung herhalten, obwohl der Andreas einen leichten Anflug von Beste Ehefrau von allen Allüren gezeigt hat und nach der ersten Gruppe meinte, ach jetzt haben wir schon genug gesehen. Ich musste ihn daran drinnen „Drhoam sterbn di Leit“ um ihn zur weiteren Besichtigung zu überreden.

Piramidi di Terra gruppo 3
Piramidi di Terra gruppo 3

So langsam müssen wir nun aber doch weiter. Am unteren Ende des Besichtigungsweges hinter einem Parkplatz der an die Hauptstraße grenzt, treffen wir dann trotzdem auf ein Tickethäuschen. Der Ticketverkäufer macht aber keine Anstalten, von den aus dem Inneren der Anlage kommenden Besuchern ein Ticket zu verlangen. Glück gehabt, oder müssen hier prinzipiell nur die zahlen, die mit dem Auto bis vor die Pyramiden fahren?

Blöderweise sind wir einige Höhenmeter zu tief abgestiegen und müssen nun wieder hinauf auf den Hügel von Segonzano. Einige Meter entlang der Straße dann biegen wir rechts in die Weinberge ein und steigen auf gut Glück bis nach Segonzano auf.

Das Glück bleibt auf unserer Seite, wir werden mit süßen Trauben, Feigen und einem herrlichen Blick ins Cembratal belohnt und kommen direkt am E5 kurz vor dem Haus der Holzhackerin heraus.

Nicht nur wir verlassen nun das beschauliche Cembratal, auch die Sonne macht es uns gleich. So kommen wir noch in den Genuss der Goldenen Stunde, die die idyllischen Cembratal Dörfer in herrlichem, goldenem Licht aufleuchten lässt

Eine schöne Wanderung im Trentino mit vielen Überraschungen, da teilweise ungeplant, liegt nun hinter uns.

GPS Daten der Wanderung Segonzano – Bedollo – Erdpyramiden

Fotos vom Cembratal, Altopiano di Pinè und den Erdpyramiden

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