»Mein« Wanderbuch

Ein Südtirol Wanderführer mit 20 Wohlfühlwegen zum Thema »Wandern für die Seele«

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Bergtour Paterkopf

Der Paterkopf ist der letzte Berg, der in Annas Hausbergliste noch fehlt. Das soll sich nun ändern. Wir fahren bis zum Berggasthaus Gummererhof auf 750 m ü. d. M. hoch. Nun kann unsere Cerva-Bergtour beginnen. „La Cerva“ ist die italienische Bezeichnung für den Paterkopf und den Flur rund herum, der sich von der Alm Roen bis zur Überetscher Hütte erstreckt. Die italienische Bezeichnung „Cerva“ hat sich im Laufe der Zeit in den Dialekt-Sprachgebrauch der Traminer eingeschlichen. Wobei die meisten jügeren Einheimischen damit mittlerweile eher nicht den Paterkopf, sondern die nur 600 m entferne Überetscher Hütte meinen. Der gemeine Traminer fragt seinen Schatz also nicht: „Gehen wir auf die Überetscher Hütte hinauf?“, sondern er fragt: „Gean mir af die Cerva aui?“.

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Blick von der Lugenfrisch auf Tramin.

Die echte „Cerva“ also der Paterkopf fristet bezüglich Besucher ein unscheinbares Dasein. Und das, obwohl er ein großes hölzernes Gipfelkreuz und einen schönen Lärchenwald trägt. Es ist dem Fehlen von Wegweisern und Markierungen geschuldet, dass sich nur wenige Wanderer hinaus auf seinen Gipfel verirren.

Start Gummerer Hof

Wir sind noch nicht so weit die unmarkierte Abzweigung zwischen Überetscher Hütte und Alm Roen suchen zu müssen. Wir sind gerade erst vom Gummerer Hof gestartet und müssen zuerst zu den Weißen Risen hinauf. Die weißen Steinlahnen haben ihren Namen von der mittelalterlichen weißen Haube „Rise“ geerbt. Als Kind dachte ich, dass sie „Weiße Riesen“ heißen. Das Wort „Rise“ kannte ich damals nicht. Heute weiß ich es besser.

Obwohl Spätoktober ist es recht warm. Ich komme ordentlich ins Schwitzen. Man hat mir sämtliche schwere Lasten aufgebürdet. Der Wandersteig Nr. 10 ist auch inmitten der Weißen Risen recht gut begehbar. Ich habe das Gefühl, dass er im Laufe der Zeit etwas besser ausgebaut wurde. Zumindest glaube ich mich erinnern zu können, dass er in meiner Bubenzeit viel gerölliger war. Kaum die Weißen Risen geschafft steht die erste Schwierig bevor. Es gilt die „Nase“ mittels einer Drahtseil gesicherten, circa 20 m langen, technisch unschwierigen, aber für Hasenfüßige nur in Begleitung eines gewissen Angstgefühls machbaren, Passage zu überwinden. Wir haben so einen Hasenfuß dabei und der bin nicht ich und ist auch nicht mein Töchterchen Anna.

Nach der Nase – die Bezeichnungen wird nur von Einheimischen genutzt, auf den Wanderkarte findet man sie nicht – geht es steil zur Lungenfrisch hinauf. Die Lungenfrisch ist ein markanter Felsvorsprung, der einerseits einen wunderbaren Tiefblick auf Tramin und andererseits einen traumhaften Ausblick auf Kaltern und den Kalterer See bietet. Anna kann sich noch an vor 3 Jahren erinnern. Damals ist sie als Vierjährige hier gewesen. Damals war es ihre erste „Cerva“ Tour.

Göllerwiese und See Blick

Wir wandern weiter. Nach dem steilen, Schweiß treibenden Anstieg über die Weißen Risen auf die Lungenfrisch, fühlt sich nun der 10er Steig fast schon gemütlich an. So kommen wir, der Schweiß ist schon aufgetrocknet, auf der umwaldeten Göllerwiese an. Hier können wir unsere Wasserflasche auffüllen. Doch zuerst laufen Anna und ich die 50 m hinaus auf die Aussicht. Ein traumhaftes Herbstpanorama tut sich zu unseren Füßen auf. Von Kaltern über Bozen und den dahinter gelegenen Dolomiten bis zum türkis schimmernden Kalterer See reicht der Panoramablick. Die nicht immer beste Ehefrau von allen hat dafür nichts übrig. Sie warten bei der Göllerhütte auf uns.

Voriges Jahr im Februar sind wir von hier über den Göllersteig nach Altenburg abgestiegen. Das war eines dieser Erlebnisse, auf die wir in Zukunft verzichten können. Warum? Hier lesen: Rundtour Göller

Heute steigen wir nicht ab, sondern auf. Der 10er Steig ist bei der Göllerwiese im 523er Steig (=Göllersteig) gemündet. Wir schreiten seinem Verlauf folgend leicht ansteigend um den Göller herum bis zu einem Weiher mit Trinkwasserstelle. Von links kommt der Taurissteig herauf. Ihn nutzen viele Traminer, um vom Dorf über den kürzesten Weg auf die Cerva hinauf zu steigen.

Anna würde gerne angekommen sein. Ich vertröste sie damit, dass es nun nur noch wenige Meter aufwärts gehe, dann eine längere flache Passage komme. Dort sei dann die Jägerhütte auch Scharfegghütte genannt und anschließend eine Drahtseilpassage. Erst ab dem Wasserfall ginge es wieder steil nach oben. Aber das sei dann auch das letzte Stück, dann sei der Aufstieg zur Überetscher Hütte geschafft.

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Bald kommt die Drahtseil-Passage. Über uns ist der Mendelkamm zu sehen.

Anna freut sich auf die Drahtseilpassage. Nicht so meine bessere Hälfte, sie wird mit jedem Schritt nervöser. Bei der Scharfegghütte sitzen drei Männer. Wahrscheinlich gehören sie zu der Schaufel, den Rechen und der Hacke, die wir vor 2 min am Wegesrand liegen sahen. Ok, könnte natürlich auch umgekehrt sein. Traminer sind es keine, wahrscheinlich Kalterer. Komisch, das hier müsste eigentlich Traminer Gebiet sein. Darum wundert es mich etwas, dass Kalterer den Weg präparieren. Wahrscheinlich sind die Kalterer die Weghalter des Göllersteiges, anders kann ich es mir nicht erklären.

Wir grüßen und machen uns dann auf zur Querung des Steilhangs unter dem Paterkopf. Ich bin mir sicher, dass der Hang, als ich noch ein Bub war, mehr bewaldet war. Damals haben sich unsere Onkels nichts dabei gedacht uns Kinder allein hier entlang laufen zu lassen. Und das, obwohl es damals noch kein Drahtseil gab. Jetzt mit nur wenigen Bäumen offenbart das Gelände eine beeindruckende Steilheit. Anna darf nicht allein gehen. Auch nicht, wenn sie verspricht das angebrachte Drahtseil festzuhalten. Sie muss mir die Hand geben. Und ich wiederum lasse meine andere Hand stetig entlang des Stahlseils gleiten, sodass ich im Notfall blitzschnell zugreifen kann. Nicht falsch verstehen. Der 523er Steig weist keine technische Schwierigkeit auf, aber sicher ist sicher. Ich habe gerne die Kontrolle über die Sicherheit meines Töchterchens.

Über was ich leider keine Kontrolle habe, ist über die Sicherheit ihrer Erzeugerin. Die rennt voraus. Nein nicht, weil für sie die Passage ein Kinderspiel wäre, es ist umgekehrt! Sie will das Drahtseil so wie möglich schnell hinter sich bekommen. Meiner Meinung nach genau die falsche Taktik. Der Angst begegnet man besser langsam und bedacht als schnell und hastig. Zum Glück geht alles gut.

Anna freut sich, weil ihr der abschüssige Wandersteig Spaß gemacht hat, und ihre Mami freut sich, weil er nun hinter uns liegt.

Der Wasserfall – viel Wasser kommt heute nicht herunter – leitet den letzten steilen Anstieg ein. Wir steigen mit der Vorfreude bald oben bei der Überetscher Hütte anzukommen flott auf.

Und schon steht sie da, Tramins höchste Hütte. Einmal rund herum, einkehren ist heute nicht geplant.

Wir wandern den breiten Schotterweg mit der Wandermarkierung Nr. 500 Richtung Roen Alm hinaus und blicken dabei stetig nach rechts. Irgendwo muss ein Pfad zum Gipfelkreuz des Paterkopfes abzweigen. Markiert ist er nicht, darum gilt es zu Schauen wie ein Luchs.

Auf dem Paterkopf

In einer langgezogenen Linkskurve sehen wir wie rechts eine Traktorspur in den Wald hinauf zweigt. Das muss der Pfad sein. Wir folgen ihm und kommen so zuerst zum Kleinen Paterkopf (Aussichtskanzel mit Sitzgelegenheit) und dann durch einen Lärchenwald hinaus bis zum riesigen hölzernen Gipfelkreuz des Paterkopfes (ital.: La Cerva).

360° über dem Paterkopf mit Blick auf Tramin und Kalterer See
360° über dem Paterkopf mit Blick auf Tramin und Kalterer See
360° Blick vom Paterkopf (einer von Tramins Hausbergen)
360° Blick vom Paterkopf (einer von Tramins Hausbergen)

Obwohl der 1.856 m hohe Gipfel aufgrund des dahinter um 260 m höher aufragenden Roen einen niedrigen Eindruck macht, gehört er trotzdem zu den höheren Gipfeln des Mendelkammes.

Reizvoll ist nicht nur die Aussicht hinunter auf das Überetsch-Unterland mit dem Kalterer See als Eyecatcher und den Dolomiten als Krone, sondern auch das jetzt im Herbst goldorange leuchtende recht flache Lärchenwäldchen.

Für uns Traminer stellt letzteres einen starken Kontrast dar zu dem, was wir von der „Tscherba“ (=Cerva in Dialekt=Paterkopf in Hochdeutsch) jeden Tag sehen. Für uns schaut der Paterkopf nämlich zwar bewaldet aber, extrem steil und schroff aus. Das sind seine zwei Gesichter. Richtung Osten und Süden steil und schroff Richtung Norden und Osten flach und lieblich.

Wir nutzen die großen massiven Tische und Bänke unter den Lärchen für die Mittagsjause. Da wir unsere Brote in den Mund stecken schreckt die mittlerweile wieder beste Ehefrau von allen auf: „Blöd, dass wir das Abo Plus von Anna vergessen haben. Sonst müssten wir nicht den gleichen Steig zurück. Wir könnten hinaus zum Mendelpass wandern und dann mit der Mendelbahn nach Kaltern hinunterfahren!“

Anna und ich grinsen. Wir wissen genau, warum die beste Mami von allen nicht den gleichen Steig runter will: zu viel Drahtseil! Wir wissen auch genau, warum sie hin und her gerissen ist: Mendelbahn bezahlen, wenn zuhause das Abo liegt, das wurmt sie. Wir grinsen noch viel mehr, weil wir wissen, dass wir nun Mendelbahn fahren dürfen. Ihre Angst vorm Drahtseil wird siegen!

Hinaus auf den Mendelpass

So werfen wir um 14.15 Uhr noch eine Tiefblick auf Tramin hinunter, einen zweiten hinauf zum Roen und machen uns auf zum Mendel Pass.

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Die herbstlichen Wiesen der Roen Alm

Nach nur 15 Minuten erreichen wir die vor wenigen Jahren renovierte Roen Alm. Von hier sind wir vor 4 Jahren hinauf auf den Roen gestartet. Damals war Anna noch eine Mini-Maus. Zwar war sie schon damals fit, aber sie hatte natürlich viel kürzere Beine. Heute mit um 4 Jahre längeren „Haxn“ können wir flotten Schrittes hinaus zur Halbweghütte schreiten. Hier füllen wir unsere Wasserflasche auf und marschieren dann zur „Mendel“ hinaus. Mit Mendel ist für uns vor allem jenes Gebiet des Mendelpasses gemeint, auf dem die unzähligen, meist hölzernen, Ferienhütten der Kalterer und Traminer stehen.

Wir wundern uns, dass viele der zahlreichen Hütten renoviert bzw. neu erbaut wurden. So mancher schwindlige „Bretterschupfen“ von früher erstrahlt nun in stolzer massiver Holzbalkenpracht. An einer Stelle stehen sogar mehrere gleiche Luxushütten, die an willige Mendelurlauber vermietet werden.

Die Bergstation der Mendelbahn ist erreicht. Doch vor der Abfahrt wollen meine beiden Mädels noch auf Shoppingtour. Die Geschäfte am Pass bieten eine große Auswahl an Wanderbekleidung und Wanderschuhen zu sehr Konkurrenz fähigen Preisen.

Ich bin kein Fan von Shopping bummeln, ich genieße lieber die letzten Sonnenstrahlen bei einem fruchtig-würziges Weizen-Mendelbier. Ich um ein Bier, meine beiden Mädels um jeweils ein Paar Schuhe, ein Paar Wandersocken, eine Regenjacke und eine Handtasche reicher schreiten wir rüber zur Mendelbahn.

Abfahrt mit der Mendelbahn

Eigentlich könnten wir am Kalterer Höhenweg aussteigen und über denselben zurück zum Gummererhof wandern. Der Schaffner klärt uns jedoch auf. Auf Anfrage kann die Mendelbahn zwar beim Kalterer Höhenweg stehen bleiben, aber nur für Fahrgäste, die aufwärts unterwegs sind. So fahren wir mit der treppenförmigen Bahn 2,37 km teilweise mit einem Gefälle von 67 % hinunter in den Kalterer Ortsteil St. Anton hinunter. In nur 12 Minuten schaffen wir 850 Höhenmeter und gelangen an den tiefsten Punkt unserer heutigen Rundwanderung.

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Abfahrt vom Mendelpass mit der Mendelstandseilbahn hinunter nach St. Anton (Kaltern)

Die Bahnfahrt war lustig. Anna klebte förmlich auf der Vorderscheibe. Ihr hat die steile Abfahrt Spaß gemacht.

Nun müssen wir nur noch zurück zum Gummererhof. „Nur“ ist dabei etwas untertrieben. Es stehen uns zwar nur 220 Höhenmeter aber dafür immerhin noch 8 Kilometer bevor. Zügig schreiten wir zuerst über Asphalt bis zum Hochseilgarten „Abenteuerpark Kaltern“, dann recht flachen 11er Steig bis nach Altenburg.

Es ist bereits finster geworden. Auf der Altenburger Straße brauchen wir noch kein künstlicher Licht, aber da wir in den Forstweg (Wandermarkierung Nr. 4B) eintreten besteht Anna auf die Smartphone-Taschenlampe. Sie mag keine Dunkelheit. Auch nichts Nachts. Sogar beim Einschlafen besteht sie immer darauf das volle Licht eingeschaltet zu haben. Ich wäre lieber ohne Taschenlampe gewandert. Mir gefällt durch die Nacht mit Restlicht des Mondes und der Sterne zu spazieren. Aber Angs hat uns heute schon einmal geleitet, so soll es auch dieses Mal sein.

Irgendwann nach 19.00 Uhr ist dann das Auto am Gummerer Hof erreicht und die Rundwanderung Gummerer-Paterkopf-Mendel-St. Anton-Gummerer absolviert.

Karte mit GPS-Track Gummerer-Paterkopf-Mendel-Kaltern-Gummerer

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 distance (km) elevation (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Differenz max/min: Keine Daten
Höhengewinn (~): Keine Daten
Höhenverlust (~): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

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