Wanderung / Spaziergang Tisens (St. Hippolyt Kirche) – Völlan – Lana (Brandiswaal)

25. April, Tag der Befreiung und Ende der faschistischen Diktatur in Italien. Was tun am Staatsfeiertag? Hinüber nach Auer zum beliebten Markusmarkt oder trotzdem lieber etwas für das körperliche und geistige Wohlgefühl tun?

Die Entscheidung ist zumindest für uns beide leicht. Wir ziehen einen schönen ausgedehnten Spaziergang durch die Flora Südtirols dem Trubel eines bekannten und schönen, aber schon häufiger erlebten Marktes vor. Das war vor einigen Jahren anders. Heute bedeutet wandern für uns beide Entspannung vom Alltagsstress, Südtirol mit Augen, Nasen und Ohren erleben und genießen und am Abend ein gutes Gefühl, etwas „getan“ zu haben.

Also wohin? Zu hoch hinaus geht noch nicht, wenn wir es angenehm warm haben wollen. So circa 700 Höhenmeter wären ideal. Schnell mal auf der Südtirol Karte schauen, wo wir noch nicht waren. Aha, Tisens und Völlan oberhalb von Lana, nicht weit weg von der Gampenpass-Straße, wäre nicht schlecht.

St. Hippolyt Kirchlein bei Tisens
St. Hippolyt Kirchlein bei Tisens

Also auf nach Tisens. Wir fahren über die Mebo nach Lana, weiter über die Gampenpassstraße, vorbei an der Abzweigung Völlan bis zur Abzweigung Tisens. Hundert Meter vor der Abzweigung könnten wir rechts auf einem Schotterparkplatz das Auto abstellen, aber wir fahren lieber bis nach Tisenes (links abbiegen) hinüber, um von dort unseren heutigen Spaziergang zu beginnen. Ich nenne diese Wanderung einfach mal Spaziergang, da nur circa 450 Höhenmeter vor uns liegen.

Um circa 9.30 Uhr beginnen wir unsere Wanderung am Dorfeingang von Tisens. Wir folgen der Beschilderung St. Hippolyth Kirchlein, wandern  in nördlicher Richtung. Die Wanderung führt uns entlang einer Nebenstraße, vorbei an blühende Apfelanlagen. Hier oben stehen die Apfelbäume noch in voller Blüte.

Ab und zu trifft man auch auf einen Birnbaum inmitten der Apfelfelder
Ab und zu trifft man auch auf einen Birnbaum inmitten der Apfelfelder

Nach 5 Minuten kommen wir bei der Pension, Ferienwohnungen und Jausenstation Liesy vorbei. Rechts neben der Jausenstation, schnell auf die große Panoramakarte geguckt und dann leicht links (rechts von der Jausenstation Liesy) dem Steig folgend, wandern wir in Richtung St. Hippolyt Kirchlein weiter. Es geht nun ein kleines Stück durch den Wald, anschließend entlang an in Blüte stehenden Obstanlagen.

Nach weiteren 10 Minuten überqueren wir die Gampenpassstraße und den oben angesprochenen Schotterparkplatz. Auch hier finden wir wieder eine große Panoramatafel. Eine Forststange versperrt den Autofahrern den Weg. Für uns Wanderer ist das natürlich kein Hindernis. Der Forststraße (Wegnummer 5) führt uns direkt zur Sankt Hippolyt Kirche. Sehr lichter Wald umsäumt unseren Weg. Es ist angenehm warm. Der Wald wird immer lichter, die Bäume niedriger. Scheinbar befinden wir uns auf sehr kargem Boden. Der Hügel den wir emporwandern schaut ziemlich ähnlich aus wie Castelfeder bei uns im Südtiroler Unterland. Eine fast mediterran anmutende Landschaft.

Nach insgesamt 30 Minuten und nur 100 Höhenmetern stehen wir vor der St. Hippolyt Kirche, die man auch vom Etschtal herauf gut sehen kann.

St. Hippolyt Kirche Geschichte

Das Kirchlein St. Hippolyt wird 1286 erstamls urkundlich erwähnt, wie alt es wirklich ist, ist aber ungewiss. Wahrscheinlich wurde es auf den Resten alter vorchristlicher Kultstätten gebaut. Auch die Langobardenburg Tesena, von der der Name des Ortes Tisens abgeleitet ist, könnte als Vorgänger der Kirche in Frage kommen. Paulus erwähnt in seiner „Vita Langobardorum“ den Namen Tesena und ein Heiligtum, welches dem Heiligen Hippolytus geweiht war, am Hügel (Bühel) von Tesena. Heute besteht noch das Messnerhaus unterhalb der Kirche und natürlich die Kirche selbst, die man bis weit ins Etschtal sehen kann.

360° Foto St. Hippolyt Kirche und Ausblick auf Meran und das Etschtal

360° Foto St. Hippolyt Hügel bei Tisens mit Sicht auf das Etschtal (Lana, Meran, Dorf Tirol, Schenna, Burgstall, Garagzon)
360° Foto St. Hippolyt Hügel bei Tisens mit Sicht auf das Etschtal (Lana, Meran, Dorf Tirol, Schenna, Burgstall, Garagzon)

Unter uns sehen wir die Leonburg, leicht links Lana, dahinter die Kurstadt Meran und abermals dahinter Dorf Tirol und Schenna, sowie den Eingang zum Passeiertal. Auf der anderen Seite des Etschtales am Fuße des Hochplateaus Meran 2000, Hafling, Vöran, Mölten, Jenesien befinden sich Burgstall und Gargazon.

Nun führt uns ein schöner Steig über felsige Treppen an der Nordflanke des Hügels in den Wald hinunter. Wir wandern durch dichten Mischwald in Richtung Völlan. An einer Wegkreuzung verlassen wir den Weg Nr. 5, biegen links in Richtung Untermoar, Obermoar und Völlan ab. Zuerst bewandern wir den Steig Nr. 7, dann den Wandersteig Nr. 8, der uns durch bewirtschaftete Felder, vorbei am Gasthaus Obertalmühle bis ins Zentrum des kleinen Dorfes Völlan bringt. Von hier aus kann man die Laugenspitze sehen, die wir im totalen Nebel und bei einem „mords“ (=starkem) Wind im vergangen Jahr bestiegen haben.

kurz vor Völlan
Kurz vor Völlan

Wir gehen nun entlang der Gampenpass-Straße in Richtung Lana, vorbei an der Mayenburg und biegen hinter dem Turmwirt, gegenüber des 4 Sterne Superior Hotels Waldhof (ein architektonisch ziemlich auffallendes Hotel) rechts ab. Nun befinden wir uns auf einer Nebenstraße, die uns durch Felder hinunter bis zur Gampenpass-Straße führt.

Wir gehen die 100 Meter nördlich bis zur St. Georgen Kirche hinüber und schauen uns die Kirche und die Aussicht an, dann kehren wir um und wandern wenige Meter die Gampenpassstraße entlang abwärts, bevor wir den Einstieg in den Steig Nr. 1 finden, der uns durch den Wald hinunter bis zum Brandiswaalweg in Lana führt.

Hier waren wir schon mal vor einigen Jahren, als wir von Marling über den Brandis-Waal bis hierher spaziert sind. Wenige Meter weiter vorne müsste sich das Restaurant Waalrast befinden. Tatsächlich da ist es.

Restaurant Waalrast

Wir lassen uns auf der großen sonnigen Terrasse des Restaurants Waalrast der Fam. Unterholzner nieder. Ich habe natürlich Hunger. Die beste Freundin von allen weniger. Ich bestelle: Schweinsmedaillons mit Spargel, Bozener Sauce und Kartoffeln, sie einen gemischten Salat. Das Essen ist vorzüglich! Die Medaillons perfekt auf den Punkt gebraten, der Spargel kein bisschen holzig, sondern weich und sehr geschmackig, die Kartoffeln genau richtig durch und die Bozner Sauce (obwohl ich kein Fan bin) cremig ohne Klumpen.

Golfplatz Meran Lana – Gutshof Brandis

Nach dem Mittagessen im Restaurant Waalrast wandern wir in südlicher Richtung weiter bis zum Brandisweg Nr. 13 und sehen ein großes Schild: Golfclup Lana – Gutshof Brandis. Habe gar nicht gewusst, dass Lana einen Golfplatz besitzt.

Golfclub Gutshof Brandis - Golf Club Lana, Meran, Südtirol
Golfclub Gutshof Brandis – Golf Club Lana, Meran, Südtirol

Während die Golfer ihre Bälle über den Golfplatz schlagen und rollen, wandern wir beide gerade aus weiter dem Wanderweg Nr. 5A folgend unter der Brandis Ruine vorbei. Der Wanderweg ist zugleich ein Kreuzgang und somit können wir ein klein wenig abschätzen, wie weit es noch sein wird. Kapelle römisch eins, Kapelle römisch zwei, Kapelle römisch drei usw. „Wie viel Stationen hat ein Kreuzgang?“ „Zwölf oder Vierzehn?“ „Vierzehn natürlich“, muss ich ganz verwundert, die jede Woche in die Kirche gehende beste Freundin von allen, aufklären.

Vor uns schaut eine Familie über eine Mauer gebannt links abseits des Weges hinunter. Was wird da wohl Interessantes zu sehen sein. Aha, da befinden sich Tiere in einem Gehege. Das sind ja echte Hirsche! Wau, habe noch nie Hirsche in freier Wildbahn gesehen. Ok, das gilt auch nicht, denn obwohl das Gehege sich mitten im Wald befindet und sehr groß ist, ist es immer noch ein Gehege und darum nix mit freier Wildbahn.

Hirsche in einem Gehege unweit vom Golfclub Gutshof Brandis
Hirsche in einem Gehege unweit vom Golfclub Gutshof Brandis

Der männliche Hirsch nennt ein Harem von circa 7 Hirschkühen sein eigen und sitzt ganz unbekümmert, total ohne Scheu, auch dann noch am Boden, als ich mich mit meiner Kamera ziemlich dem Gitter des Geheges nähere. Der ist scheinbar neugierige Zweibeiner gewohnt.

Weiter geht unsere Wanderung die circa 450 Höhenmeter, etwas oberhalb der Leonburg, hoch bis hinauf nach Tisens. Bei der Jausenstation Liesy schließt sich unsere Rundwanderung. Nun sind es nur noch 5 min bis nach Tisens wo wir unser Auto abgestellt haben.

Eine sehr schöne und vor allem abwechslungsreiche Wanderung. Wir sind teils durch Obstwiesen, teils durch Wald gewandert, haben Kirchen und Burgen gesehen, sind an einem Waalweg und einem Golfplatz vorbeigekommen und haben sogar das erste Mal Hirsche gesichtet.

Die Wanderung Tisens-Völlan-Lana-Tisens ist vor allem im Frühjahr und Herbst zu empfehlen, da sie mit circa 700 m Meereshöhe dafür die optimale Wandertemperatur bietet.

Fotoeindrücke Spaziergang Tisens (St. Hippolyt Kirche), Völlan, Lana (St. Hippolyt Kirche)

Karte Wanderung Tisens (St. Hippolyt Kirche), Völlan, Lana (St. Hippolyt Kirche)

6 Gedanken zu „Wanderung / Spaziergang Tisens (St. Hippolyt Kirche) – Völlan – Lana (Brandiswaal)“

  1. Hans-Peter sagt:

    Hallo Dietmar!

    Dein Eintrag und die perfekten Daten zur Wanderung Tisens – Völlan – Lana haben mir sehr gefallen. Besonders beeindruckt hat mich aber der nette Schreibstil und die daraus zu lesende Freude am Wandern und die Liebe zu Südtirol.
    Danke für den tollen Tipp!
    Hab ihn nur durch Zufall im WEB entdeckt.
    Wünsche Dir und Deiner Lieben noch viele schöne Ausflüge
    Herzlichst
    Hans-Peter

  2. Dietmar sagt:

    Hallo Hans-Peter,

    ein sehr netter Kommentar. Freut mich ungemein, dass mein Schriebstiel (obwohl ich selbst kein Texter, sondern ein Techniker bin) ankommt. Ich möchte das Ganze etwas persönlich halten, denn reine Wanderinformationen findet man im Web haufenweise. Dein Kommentar bestärkt mich in meiner Entscheidnung. Danke dir.

  3. Robert sagt:

    Ja, die Hippolytus Church hat eine unglaublich tolle Lage!

  4. Dietmar sagt:

    Danke, auch für den tollen Link zur Partnachklamm!

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