Rundwanderung Cinque Torri im Herz der Dolomiten

Die 5 Torri mit der imposanten Torre Grande sind beliebt bei Sport- und Alpinkletterer.
Die 5 Torri mit der imposanten Torre Grande sind beliebt bei Sport- und Alpinkletterer.

Das Herz des UNESCO Weltnaturerbe Dolomiten liegt nicht in Südtirol, vielmehr ist es über die drei Provinzen Südtirol, Trient und Belluno verteilt. Heute wollen wir außerhalb Südtirols wandern und dabei eines der bekanntesten Dolomiten Gebiete aufsuchen. Das Eldorado für Kletterer: das Dolomitengebiet rund um die Cinque Torri.

Betrachtet man eine Karte, dann befinden sich die „Cinque Torri“ (5 Türme), welche bei Sportkletterern weltweit bekannt sind, im Dolomiten-Dreieck Cortina d’Ampezzo (Belluno) – Corvara (Südtirol) – Alleghe (Belluno), wobei Cortina d’Ampezzo den nahesten Punkt darstellt.

Obwohl wir vorigen Winter zumindest teilweise (ich die Hälfte der Abende, die beste Ehefrau von allen nur einen einzigen Abend *g*) einen Kletterkurs in der Kletterhalle Tramin besucht hatten, wollen wir nicht zum Klettern, sondern zum Wandern. Der Kurs war zwar sehr interessant, hat uns aber darin bestärkt, dass Klettern wohl auch in Zukunft kein Anziehungsmagnet für uns beide werden wird. Toll, interessant, herausfordernd, aber uns beiden fehlt etwas sehr Wichtiges: die mentale Stärke!

Also auf geht es zum Wandern zu den 5 Torri. Das Grödner Joch, der Campolongopass und der Pordoipass sind aufgrund des Sellaronda Bike Days gesperrt, darum müssen wir über das Gadertal und den Valparolapass bis zum Falzaregopass fahren, um die Cinque Torri zu erreichen.

Bei dem Parkplatz des Sesselliftes Cinque Torri stellen wir unseren Wagen ab, überlegen kurz, ob wir die geplante Cinque Torri Rundwanderung im oder gegen den Uhrzeigersinn antreten sollen. Und entscheiden schnell: Gegen den Uhrzeigersinn.

Bei angenehmen, nicht zu heißen Temperaturen wandern wir über eine sumpfige Wiese, dann über einen nur leicht ansteigenden Steig mit Blick auf die Tofane, den 5 Türmen, unserem heutigen Ziel, entgegen.

Tofane und 5 Torri in den östlichen Dolomiten
Tofane und 5 Torri in den östlichen Dolomiten

Nach circa einer halben Stunde können wir die nicht sehr hohen, aber aufgrund ihrer Form und ihrer Lage sehr eindrucksvollen Türme erblicken.

Toll schauen sie aus, die 5 Torri, imposant vor allem die Torre Grande. Unverständlich, wie die senkrechten Felsentürme einfach so aus der Wiese sprießen. Man würde sich rund herum felsiges Gelände erwarten. Dem ist nicht so. Die 5 Türme stehen ziemlich einsam inmitten der grünen Landschaft. Erstaunlich!

Die Bergstation des Sesselliftes, der Wanderfaule von der Falzeregostraße herauf zum Rifugio Scoiattoli (2.255 m) bringt, verschandelt ein klein wenig das Panorama, aber trotzdem ein herrlicher Anblick: links die Tofane, in der Mitte die Cinque Torri, dahinter Monte Cristallo, Monte Antelao, Monte Pelmo…

Die Cinque Torri Umwanderung erweist sich als beliebte Familienwanderung für Italiener und englischsprachige Urlauber. Man merkt die Nähe zum beliebten Urlaubsort Cortina d’Ampezzo.

Vor den Cinque Torri (Fünf Türme) in den Ampezzaner Dolomiten
Vor den Cinque Torri (Fünf Türme) in den Ampezzaner Dolomiten

Nach einer Stunde Gehzeit stehen wir schon fast direkt vor den 5 Felsquadern (2.360 m) und haben keine merkliche sportliche Leistung hinter uns. Ehrlich gesagt, habe ich leicht reden, denn aufgrund einer Nervenentzündung in der linken Schulter, musste die beste Ehefrau von allen die volle Ausrüstung inklusive Proviant tragen *g*.

Hinter uns schlängelt sich eine Menschenschlange auf den recht flachen, aber felsigen Monte Nuvolau (2.574 m) hinauf. Wenn so viele Wanderer da rauf gehen, dann muss der Ausblick oben etwas Besonderes sein! Wir machen uns also auf zum Monte Nuvolau.

Schnell merken wir, dass wir in der Menschenkolonne extrem langsam vorwärtskommen, so langsam, dass wir bald etwas genervt sind. Blinker raus und Überholmanöver gestartet. So geht es schon besser. Vor allem für mich, der ich heute ohne Rucksack unterwegs bin.

Fast ausschließlich Italiener und einige englischsprachige Wanderer sind hier unweit von Cortina d’Ampezzo unterwegs.

Vor der Schutzhütte Nuvolau auf dem Monte Nuvolau
Vor der Schutzhütte Nuvolau auf dem Monte Nuvolau

„Tirol, Tirol du bist mein Heimatland“ tönt uns Südtiroler Volksmusik entgegen. Etwas verwundert sind wir schon. Nur Italiener weit und breit, aber deutsche Tiroler Lieder aus dem Lautsprecher. Vor der Schutzhütte ein Tresen, hinter dem ein Alm-DJ mit Tirolerhut Würstl und Brat grillt und versucht jedem Vorbeilaufenden sein Angebot auf lustige Art und Weise mit viel Witz und Klamauk „anzudrehen“. Unweigerlich wird man an Après Ski erinnert, nur die Lieder gehen nicht ganz so sehr in Richtung Fetenhits, sondern mehr in die Richtung nostalgische Tiroler Lieder, Kaiserjägerzeit usw.

Der Ausblick rund um die Schutzhütte Nuvolau ist fantastisch. Wir befinden uns tatsächlich im Herzen des Weltnaturerbes Dolomiten.

Ich starte südlich bei der Marmolata und drehe mich dann im Uhrzeigersinn:

Auf dem Monte Nuvolau haben wir einen herrlichen Rundumblick. Die 5 Torri und Tofane im Norden, die Civetta und Marmolata im Süden sind nur einige wenge der bekannten Dolomiten Berge dieser Gegend.
Auf dem Monte Nuvolau haben wir einen herrlichen Rundumblick. Die 5 Torri und Tofane im Norden, die Civetta und Marmolata im Süden sind nur einige wenge der bekannten Dolomiten Berge dieser Gegend.
  • Marmolata / Marmolada (3.342 m)
  • Mesola
  • Rosengarten / Catinaccio
  • Col di Lana
  • Sass Pordoi
  • Piz Boè auf dem Sella
  • Pisciadù
  • Monte Averau im Vordergrund
  • Lagazuoi
  • Cunturines
  • Cima Fanis
  • Torre Fanis
  • Tofane di Rozes (3.225 m)
  • Tofane di Dentro
  • Tofane di Mezzo
  • Cinque Torri (im Vordergrund)
  • Croda Rossa d’Ampezzo (im Hintergrund)
  • Dürrenstein / Picco di Vallandro
  • Großglockner
  • Pomagagon
  • Monte Cristallo
  • Elfer / Cimo Undici
  • Zwöferkofel / Croda dei Toni
  • Cadini di Misurina
  • Cima Bagni
  • Croda de Ligonto
  • Punta Nera
  • Punta Sorapiss
  • Monte Antelao
  • Croda da Lago
  • Cima Ambrizzo
  • Becco di Mezzodè
  • Durano
  • Cima Formin
  • Monte Pelmo
  • Ra Gusela (Vordergrund)
  • Pelmetto
  • Costa dele Role
  • Cernera
  • Civetta
  • Aigner
  • Pala di San Martino
  • Sasso Bianco
  • Cimon della Pala
  • Mulaz
  • Monte Pore (Vordergrund)

Nach so viel visuellem Genuss, wende ich mich dem Kulinarischen zu. Ich riskiere es und bestelle Polenta mit Gulasch. Leider wird die Polenta – wie so oft in italienischen Landen – als Schnittpolenta und nicht wie wir Südtiroler es gewohnt sind, als vom Kochlöffel geworfener Haufen serviert. Ist aber trotzdem nicht schlecht, was man vom Wein nicht unbedingt sagen kann. Wer wie ich einen trockenen, kräftigen Südtiroler Lagrein schätzt, kann sich mit einem spritzigen Veneto Wein nur unschwer anfreunden.

So langsam haben wir genug vom Après Ski Feeling und gehen zügig zum Rifugio Scoiattoli und zur Torre Grande, dem größten Turm der Cinque Torri zurück. Hier bewundern wir die wagemutigen Kletterer, welche in Scharen wie die Ameisen die senkrechten Wände hoch kraxeln (klettern).

Wir befinden uns nun hinter der Torre Grande unmittelbar vor dem Rifugio Cinque Torri. Die meisten Kletterer fahren bis hierher mit dem Auto, sodass sie nur 200 Meter Fußmarsch bis zur Wand der Torre Grande zurücklegen müssen. Ok, ich verstehe, Kletterer müssen ihre Kraft fürs Kraxeln sparen 😉

Ab der Schutzhütte Cinque Torri macht die Wiesenlandschaft einer Almrosen-Latschen-Landschaft Platz. Sehr schön und idyllisch. Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg überraschen uns. Wieder einmal – wie so oft wenn man in den Belluneser Dolomiten unterwegs ist – werden wir an die Grauen des Ersten Weltkrieges erinnert. Nachdem man uns auf der Alta Via Bepi Zac im Kriegsmuseum (eiförmiger, ausgehöhlter Felsen) mit extremen Bilder geschockt hatte, werden wir heute nur sehr behutsam mittels Informationstafeln zu den Waffen, den Stellungen und den Strategien darauf hingewiesen. Die Schützengräben aus Trockensteinmauern können nicht wirklich den Schrecken des vergangen Krieges transportieren, sie erinnern mich eher an idyllische Steinmauern wie sie bei vielen Rebanlagen genutzt werden…

In den Schützengräben ist das Wandern fast schon zu warm. Der leichte Luftzug strömt nämlich über uns hinweg, die Steinmauern strahlen gespeicherte Hitze ab. Als Familienwanderung mit Kindern sicherlich eine ideale Wandertour.

Die Schützengräben liegen hinter uns, wir müssen wenige 100 Meter einer asphaltierten Straße folgen bis wir leicht links wiederum in einen Steig einbiegen, der uns recht flach vorbei am Lago Bai di Dones bis zu unserem Ausgangspunkt, der Talstation des 5 Torri Sesselliftes, führt.

Wunderbare, extrem aussichtsreiche Wanderung. Sehr leicht auch für Familien geeignet. Eventuell kann man, wenn man mit kleineren Kindern unterwegs ist, den Abstecher zum Monte Nuvolau weglassen, dann könnte man die Wanderung schon fast als ausgedehnten Spaziergang bezeichnen.

GPS Daten Wanderung im Kletterparadies Cinque Torri

Fotos Cinque Torri

 

8 Gedanken zu „Rundwanderung Cinque Torri im Herz der Dolomiten“

  1. Günter Becker sagt:

    Hallo Dietmar,

    toller Bericht und Fotos. Ich war 2009 bei den 5 Türmen wandern.
    Eine sehr schöne Variante dieser Wanderung ist auch beim Abstieg vom Nuvolau zum Passo Giau abzusteigen und von dort gegen den Uhrzeigersinn quasi um den Nuvolau und Ra Gusela herum zu den 5 Türmen zurückzuwandern. Man wandert dort durch ein beeindruckende Blocklandschaft. Zeitmehraufwand ca. 2,5 Std.

    Gruß
    Günter

  2. Dietmar sagt:

    Hallo Günther,
    danke für den Tipp auch wenn er für uns zu spät kommt 😉 Aber vielleicht zieht es uns nochmals in diese schöne Dolomiten-Gegend. Beeindruckende Blocklandschaft klingt nämlich sehr interessant.
    Grüße
    Dietmar

  3. Karl-Heinz Weller sagt:

    Gutes neues Jahr ihr Beiden

    Verbunden mit den Wünschen auf beste Gesundheit und vor allem viel Glück und Beistand bei Euren tollen Touren und nicht mehr so gefährliche Situationen wie Du es in deiner Tour am Kreuzkofel erlebst hast, pass besser auf Dich auf!!!
    Habe heute deine Tour an den Cingue Torri durchgeklickt und komme nicht umhin dir dafür wieder ein großes Kompliment zu machen. Habe mir viel Zeit bei den 360 o Fotos gelassen, sehr beeindruckend. Da ich wie bereits mehrmals erwähnt vermutlich im Juni/Juli wieder im Pustertal wandern werde, ist diese Tour eine der Optionen von vielen die von Dir beschrieben sind.
    Auch die Cadini-Teil-Durchquerung (soll jedoch sehr schwierig und ausgesetzt sein) und Touren bei den Tofanen oder Laguizoi sind in der noch unbestimmten Planung. Irgendetwas davon werde ich mit Sicherheit machen, ganz fest in Planung ist der Knieberg am Kreuzubergpass, nachdem ich diese Tour im Juni 2011 wegen leichten Schneetreibens abbrechen musste.

    Bis zu einem nächsten Mal, guten Start ins neue Jahr

    Es grüßt mit nunmehr
    Skiheil,
    Charly
    r

  4. Dietmar sagt:

    Und wieder vielen vielen Dank für den Kommentar!

    Cadini di Misurina, Tofane, Lagazuoi, Knieberg… da hast du dir viel vorgenommen 😉

    LG
    Dietmar

  5. Karl-Heinz Weller sagt:

    Hallo Dietmar und Deine beste Ehefrau

    Bin nun heil und mit ganz viel Dankbarkeit ´über schöne Wandererlebnisse im Hochpustertal und vor allem in den Dolomiten wieder in der Heimat wieder angelangt.
    Ich habe Eure Tour an den Cinque torri zum Anlass genommen, diese zum Teil nachzuwanderrn, weil mich deine Bilder im Bereich Cinque Torri/Nuvolau so begeistert haben. Leider hatte ich keine so tolle Fernsicht wie Du, die Tofane de Rozzes konnte ich nur in Ansätzen bewundern, der Gipfel war zumeist immer in den Wolken, schade denn er ist so ein beeindruckender Klotz.
    Immer mehr bin ich von der Gegend um Cortina begeistert, so wie auf dieser Wanderung den vom Giau -Pass sehr schwierig aussehenden Nuvolau.
    Im Gegensatz zu Euch startete ich bei bewölktem aber trockenem Wetter vom Giau-Pass links um Nuvolau, eigentlich ganz leicht und lohnend. Von der Scharte zwischen Averau und Nuvolau ist der Gipfel auch wie du in deinem Bereicht ausdrückst fast ein Spaziergang.
    Bei Unvorsichtigkeit wie bei mir am Dienstag vor einer Woche kann so eine Tour jedoch spannend und etwas nervenaufreibend werden, wenn man z.b. zur Averau-Scharte nicht den Fahrweg bis zur Hütte, sondern den zwar bezeichneten, aber steilen Wandersteig nimmt um etwas abzukürzen. Dieser Steig führt bis zur Forcella Nuvolau durch eine enge und steile Scharte, an deren Ende ein erdiger steiler Ausstieg aufs Plateau vor der Averau-Hütte führt. Da es am Tag vorher geregnet hatte, wurde dies ein ganz heikles Unternehmen, dass ich allein genießen durfte, als meine Schuhe immer wieder nach hinten wegrutschten und meine Stöcke sich fast bis zur Hälfte in den erdigen und losen Hang einbohrten und kaum Halt fanden.
    Irgendwann mehr recht als schlecht und auf allen Vieren gelang es mir dann doch auf die Hochfläche aufzusteigen, in dem Wissen wieder einmal eine scheinbar leichte Stelle zu leicht eingeschätzt zu haben und Glück und höheren Beistand gehabt zu haben.

    Ansonsten war mein Urlaub ein einziger Traum und ich werde immer mehr süchtig nach den Bergen und vor allem den Dolomiten, schweren Herzens fuhr ich nach herrlichen Touren u.a. auf den “ Knieberg“ im Hochpustertal, Die „Drei Zinnen mit langem Aufstieg übers Rienztal“, den“Burgstall an den Rotwandwiesen“, den „Gaisl-Höhenweg von der Plätzwiesen zur Rossalm“ (zum Teil gut ausgesetzt ), und leider dem Abbruch wegen Gewitter der „Gadinidurchschreitung von der Col de Varda Hütte zur Fonta-Savio-Hütte“ schweren Herzens nach Hause.
    Doch in em Falle der „Gadinidurchschreitung“ war der Abbruch der Tour einfach nur vernünftig, denn die Durchschreitung der Gadini-Scharten ist sehr lang und äußerst anspruchsvoll, da ich zudem oft alleine unterwegs bin, zog ich es vor, die Durchquerung noch einmal aufzuschieben, obwohl ich bereits an der 1. Scharte war, als es über dem Monte Cristallo gegenüber heftig zu grollen begann.
    Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, es ist nur sooo lange bis zum nächsten Südtirol-Urlaub.
    Doch durch Eure Tour im Bereich Cinque Torri wurde ich nun auf die Gegend um Cortina aufmerksam und habe mir bereits vorgenommen, auch nächstes Jahr dort einige zu unternehmen, es gibt dort so viele Tourenmöglichkeiten, ohne dass man Klettersteigerfahren sein muss.

    Mit diesem eigenen Urlaubsbericht grüsse ich Euch aus dem schwäbischen Wald

    Euer
    Charly

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