Wir geben es zu: Nach Bad Kleinkirchheim sind wir heute eigentlich nur unterwegs, weil Anna dort eine Sommerrodelbahn – genauer gesagt eine Rollbobbahn – erwartet. „Kärntens modernste Rollbobbahn“, war in der Broschüre zu lesen. Das hat Anna natürlich schwer beeindruckt.
Aber wer Sommerrodeln will, muss sich das zuerst einmal verdienen. Eine Bergtour von Bad Kleinkirchheim hinauf auf den Wöllaner Nock erscheint uns für eine Bobfahrt dann doch etwas zu viel verlangt. Also lassen wir uns von der Kaiserburg-Umlaufbahn ganz bequem von 1.070 m auf 2.043 m bis knapp unter den gleichnamigen Berggipfel hinaufgleiten und schauen uns hier oben nach einer Wanderrunde um, die unsere Kondition heute nicht über Gebühr strapaziert.
Zuerst aber erkunden wir den Kaiserburg-Gipfel. Laut einer Sage soll sich unterhalb des Gipfels eine geheimnisvolle Höhle befinden. Darin gibt es zwei Tore: ein eisernes und ein goldenes. Wer das eiserne Tor durchschreitet, gelangt tief ins Innere des Berges zu unermesslichen Schätzen. Das goldene Tor hingegen führt unaufhaltsam in den Abgrund. Einst versuchte ein habgieriger Hirte sein Glück, wählte jedoch in der Dunkelheit das falsche Tor und stürzte in die Tiefe. Seit diesem Unglück sind beide Tore für immer im Fels verschwunden.
Aha! Wir müssen gar nicht erst nach den verschwundenen Toren suchen. Uns beeindruckt ohnehin ein ganz anderer Schatz – ein Naturschatz. Alpenrosen blühen hier in Hülle und Fülle. Herrlich!
Natürlich schreiten wir die paar Dutzend Meter zum hölzernen Gipfelkreuz hinauf und schauen uns um. Ein herrliches Panorama breitet sich vor uns aus: die Gerlitzen Alpe im Südosten, der Wöllaner Nock im Süden, Bad Kleinkirchheim im Nordosten – und im Nordwesten glitzert ein See. Zwar nur ein Speichersee, aber idyllisch schaut er trotzdem aus.
Und Wasser zieht Wanderer bekanntlich an. So marschieren wir wie selbstverständlich von der Kaiserburg durch ein wahres Blütenmeer aus Alpenrosen zum Speichersee hinüber.
Dabei lassen wir uns reichlich Zeit, denn so eine Alpenrosenpracht will schließlich genossen werden.

Am See angekommen, ist dieser schnell umrundet und schon das nächste leichte Wanderziel ausgemacht: der Wöllaner Nock. Mit seinen 2.145 Metern ist er gerade einmal gut 100 Meter höher als der Kaiserburg-Gipfel und damit für unsere heutigen Verhältnisse fast schon erschreckend schnell erklommen.
Na dann eben nochmals weiter. Wohin? Da vorne, da scheint es noch einen Gipfel zu geben. Passenderweise das Vordere Wöllaner Nock.
Wieder geht es recht angenehm und gemütlich durch die Alpenrosen. Eine wahre Blütenwanderung. Links unter uns ducken sich einige Almhütten in die Hänge, darunter die Stampferhütte und die Walderhütte. Wir bleiben jedoch oben auf der Wöllaner Alm und marschieren schnurstracks zum Vorderen Wöllaner Nock hinaus.
Überhaupt heißen hier in den Nockbergen auffallend viele Gipfel „Nock“. Wir finden: Das passt. Schließlich schauen die sanften, rundlichen Bergkuppen tatsächlich ein wenig wie Nocken aus.

Auch am Vorderen Wöllaner Nock halten wir uns nicht lange auf. Ein weiterer Abstieg Richtung Süden kommt für Anna natürlich nicht infrage. Schließlich will sie sich nicht noch weiter von der Rollbobbahn entfernen. 😉
Also marschieren wir zurück zum Wöllaner Nock und von dort dem nächsten Speichersee am Strohsack entgegen. Dabei begleitet uns streckenweise der Flow Country Trail, der von der Bergstation der Kaiserburgbahn ebenfalls in unsere Richtung hinunterzieht.
Und der hat es in sich: Mit rund 15,9 Kilometern soll er Europas längster Flow Country Trail sein. Mountainbiker können sich hier über Wellen, Steilkurven und Roller bis hinunter ins Tal treiben lassen.
Wir Wanderer dürfen natürlich den Flow Country Trail nicht betreten. Also nutzen wir den parallel verlaufenden breiten Wanderweg, passieren die Rossalmhütte und erreichen schließlich den Strohsack.
Dieses Ziel fällt im Vergleich zum vorherigen Speichersee allerdings etwas ernüchternd aus: eingezäunt und wenig einladend. Aber freilich, ein Speicherbecken ist kein Natursee. Und so ein mit Planen erschaffenes Becken birgt schließlich auch ein gewisses Risiko, hineinzurutschen und nicht mehr so einfach herauszukommen.

Also nehmen wir es gelassen und wandern wieder zurück. Noch einmal vorbei an der Rossalmhütte, dann steil hinauf zur Bergstation der Kaiserburgbahn.
Hunger!
Hier im Restaurant Kaiserburg einkehren oder doch lieber bis zur Mittelstation hinunterfahren und dort im Bergrestaurant Waldtratte einkehren? Wir entscheiden uns für Letzteres, schweben eine Etage tiefer und machen es uns auf der Terrasse der Waldtratte gemütlich.
Natürlich hat Anna dabei die Uhr ständig im Blick. Einkehren und sich aus einer Speisekarte etwas aussuchen zu dürfen, ist zwar genau ihres – aber die heiß ersehnte Rollbobfahrt will sie natürlich keinesfalls versäumen.
„Brauchst dir keine Sorgen zu machen, Anna. Das geht sich leicht aus!“
Ganz leicht sogar. Nach Speis und Trank geht es zunächst mit der Kabinenbahn hinunter zur Talstation der Kaiserburgbahn und dann schnurstracks zur Kasse der Rollbobbahn.
Lustige Fahrt mit der Rollbobbahn
Natürlich nicht für die beste Ehefrau von allen. Sie darf nicht mit. Jemand muss ja Fotos schießen, wie Anna den Berg hinunterflitzt. Ich kann nicht, denn ich will schließlich auch flitzen. Grins!

Nein, es hat natürlich einen ganz anderen Grund. Der Angsthase, der in ihr wohnt, ist ein mächtiges Wesen. Stark und dominant – genau wie der Kommandofeldwebel, mit dem er sich die Wohnung teilt! Schon erstaunlich, wer da alles in so einer besten Ehefrau von allen wohnt.
So haben nur Anna und ich das Vergnügen. 1,4 Kilometer, 26 Kurven und ein sieben Meter hoher Kreisel warten auf uns. Anna vorne, ich hinterher. Zunächst werden unsere Bobs noch ganz gemächlich nach oben gezogen.
Je näher ich zum Start der Abfahrt komme, desto mehr verringert sich plötzlich der Abstand zwischen meinem Bob und Annas Bob. Und zwar dermaßen, dass ich befürchte, gleich aufzufahren. Was ist denn da los?
Anna greift hektisch nach vorne, versucht irgendetwas zu erwischen und will sich schon abschnallen. Im letzten Moment kapiere ich, wo das Problem liegt: Sie weiß nicht, wie sie die Bremsen lösen soll.
„Nit ohschnolln! Lei die Hebel firi druckn!“
Erst als ich nur noch ungefähr drei Meter hinter ihr bin, hört sie mich, kapiert – und löst ihre Fahrt aus.
Da ich ihr nun so dicht auf den Fersen bin und ein paar Kilo mehr auf die Waage bringe als sie, denke ich mir, dass ich meinerseits die Hebel besser nicht allzu beherzt nach vorne drücken sollte. Schließlich will ich ihr nicht hinten drauffahren.
Richtig gedacht! Nur aus einem ganz anderen Grund als erwartet: Nicht Anna zwingt mich zum Bremsen, sondern die Geschwindigkeit selbst. Während ich immer fester an den Bremshebeln ziehe, saust Anna davon und hängt mich in null Komma nichts ab!
Wer beherbergt hier jetzt eigentlich den Angsthasen?
Vor allem eine Stelle, an der es abrupt wie bei einer Achterbahn in die Tiefe geht, bewegt mich zu einem ordentlichen Bremseinsatz.
Und so kommt es, dass Anna längst lachend unten steht, während ich noch meine Runde im Kreisel drehe.
Wer hätte das gedacht?
So, die Wanderung ist für heute abgehakt. Nun geht es, wie fast jeden Tag in diesem Urlaub, zur Abkühlung an einen der zahlreichen Kärntner Seen. Heute ist der Ossiacher See an der Reihe.
Wanderkarte und GPS-Download der Wöllaner-Nock-Wanderung
Akt. Position: -km, -m
↓ download GPX
Eckdaten der Tour
Wandern auf den Wöllaner Nock bei Bad Kleinkirchheim
- Dauer: 3:15 h
- Distanz: 9,7 km
- Bergauf: 446 m
- Bergab: 450 m
Um welche Art von Tour handelt es sich?
In welcher Region befindet sich die Tour?
Um welche Bergkategorie handelt es sich? Auf welcher Höhe liegt die Tour?
Wie lang ist die Strecke?
Wie streng ist der Aufstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Wie anspruchsvoll ist der Abstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Wie viel Zeit werde ich für die Tour brauchen?
Dieser Wert kann individuell stark variieren. Siehe Gehzeitrechner.
Wie viele Kalorien werden bei der Tour verbrannt?
Es ist zu beachten, dass die Berechnung des Kalorienverbrauchs auf Faustformeln und allerlei Annahmen beruht, z.B. Gewicht=75 kg, Kalorienverbrauchsvorgaben für Aufstieg, Abstieg, flach usw. und daher nur eine Schätzung und keine exakte Angabe liefert. Wenn du deinen Kalorienverbrauch selbst berechnen möchtest, dann schau dir diesen Kalorienrechner an.
Gibt es interessante Wegpunkte?
Ja, es gibt interessante Wegpunkte. Hier ist eine Liste:
- Bergrestaurant WaldtratteHöhe: 1.362 m ü. d. M.GPS: 46.800191, 13.807068Bergrestaurant Waldtratte Open Mo-Su,Ph 09:00-16:30 Regional Regional Restaurant Kleinkirchheim 1 9546, Bad Kleinkirchheim, Bezirk Spittal An Der Drau, AUT
- Kaiserburg 2055mHöhe: 2.043 m ü. d. M.GPS: 46.784184, 13.827796
- Kaiserburgbahn Bergstation 2043mHöhe: 2.036 m ü. d. M.GPS: 46.783497, 13.826723
- RestaurantHöhe: 2.033 m ü. d. M.GPS: 46.783454, 13.826466Restaurant 9546, Bad Kleinkirchheim, Bezirk Spittal An Der Drau, AUT
- Rossalmhütte 1915mHöhe: 1.892 m ü. d. M.GPS: 46.786823, 13.816702
- Speichersee KaiserburgHöhe: 1.999 m ü. d. M.GPS: 46.788647, 13.831444
- Speichersee StrohsackHöhe: 1.903 m ü. d. M.GPS: 46.789720, 13.801124
- Strohsack 1908mHöhe: 1.902 m ü. d. M.GPS: 46.789441, 13.801789
- Vorderer Wöllaner Nock 2090mHöhe: 2.083 m ü. d. M.GPS: 46.768820, 13.834383
- Wöllaner Nock 2145mHöhe: 2.141 m ü. d. M.GPS: 46.776717, 13.828547
Fotos der Wanderung auf den Wöllaner Nock




























