Von Tramin über Graun und dem Hirschbett nach Penon

„Anna, wilsch a Runde mitn Radl oder zu Fuaß mochn?“ Keine Antwort. Anna will beides nicht. Sie schaltet auf stumm. Anna kann stumm sein sehr lange durchhalten, länger als ihre Eltern Geduld aufbringen können. Darum entscheidet die beste Ehefrau von allen. Zu Fuß übers Grauner Loch nach Graun, hinunter über den Alten Grauner Weg, hinüber unter dem Klettergarten Morderplotta nach Hofstatt und über Hirschbett weiter nach Penon.

Gesagt getan? Nein so einfach ist das nicht. Zuerst müssen wir aus dem Jammertal heraus. Anna muss mit doppelter Elternpower aus dem Haus gezerrt und noch mühseliger, den steilen Aufstieg zum Kastelazweg, hinaufgezogen werden. Das ist nur mit einem Schraubstock-Klammergriff meinerseits und Ohrenklappen allerseits zu schaffen.

Grauner Lochweg

Erst oben auf dem Kastelazweg kann ich den Griff lockern, die Ohrenklappen können wir einige 100 m später öffnen. Dann ist die liebe Anna wiedergewonnen und es geht flotten Schrittes den Kastelatzweg bis zu seinem höchsten Punkt voran. Hier biegen wir rechts in den Grauner Lochweg hinauf.

Der Grauner Lochweg führt durch das Grauner Loch

Wir sind ausnahmsweise früh unterwegs. Für den Nachmittag ist Regen vorausgesagt. Den Grauner Lochweg schaffen wir, trotz recht schwüler Hitze, zügig. Ein kurzer Blick vom Felsen, der das Grauner Loch bildet, hinunter auf Tramin, ein mittelkurzer Ratscher mit einer Traminer Wandergruppe, weiter geht es aus dem Walde hinaus, durch die Grauner Kulturgüter, bis kurz vors Siedlungsgebiet. Kühe hocken kauend, mit gelangweiltem Ausdruck, auf einer Wiese. Schwarzweiße, braunweiße, graue, ohne Hörner, mit Hörner alles dabei.

Nostalgie in Graun

Vor dem Gemischtwaren-Laden Dibiasi im „Zentrum“ von Graun fallen Anna die mechanischen Automaten auf.

blank
Waren Automat in Graun

„Tati, Tati hosch 50 Cent!?“

Es gibt genau zwei Gründe, warum ich zustimme. Erstens übermannt mich beim Anblick der Drehautomaten Nostalgie und zweites will ich Anna nach der Beschenkung etwas unter die Nase reiben.

Anna nimmt die Münze, steckt sie in die Münzaufnahme des Automaten. „Stretch Monkey“ steht drauf. Anna sucht eine Taste. Vergeblich. Ich muss ihr erklären, dass bei so einem Automaten nicht eine Taste zu tippen ist, bei so einem Automaten muss mit Menschenkraft hantiert werden. Anna ist baff! Sowas hat sie noch nie gesehen.

Einmal, zweimal drehen. Klirr – die Münze fällt durch das Durchfallmünzprüfaggregat und schon rollt eine Plexiglaskugel mit undefiniertem Inhalt in das Ausgabefach. Cool!

Anna strahlt!

Ich: „Die Kugel müssen wir aber noch zulassen, sonst kann es sein, dass du den Inhalt verlierst, ok?“

Anna: „Aber darf ich sie halten? Bitte, bitte!“

Ich: „Ja“

Ich: „Siehst du Anna, man weiß nie was der Tag bringt. Hättest wir dich nicht gezwungen heraufzuwandern, hättest du jetzt nichts bekommen. Das nächste Mal bitte nicht so ein Geraunze veranstalten. Ok?“

Anna: „Jo lieber Tati, danke, danke!“

Nach dem Gasthaus Goldener Adler biegen wir links hinunter, Richtung Alter Grauner Weg.

Beim Rainer in Graun

Der Rainer steht am Wegesrand, vor einem blühenden Garten. In Kindheitstagen war er mein Nachbar. Damals hatten wir so einiges „angestellt“. Anna muss das nicht wissen. Heute sind wir beide seriöse Eltern. Ich spreche ihn auf den bunten Garten an. Er braucht einen Augenblick, bis er mich erkennt. Mein „Bergmensch-Bart“ ist schuld. Doch kaum erkannt sind wir schnell im Gespräch. Der Rainer lenkt vom Garten auf seinen Hühnerstall über. Er habe da was Besonderes. Anna dürfe das gerne anschauen. Tiere, egal welche, freuen Anna immer!

Truthähne stolzieren zwischen den Hennen herum. Sie sind noch jung, trotzdem, Truthähne sehen wir nicht alle Tage! Rainer zeigt und noch was anderes, kleine lustige Zierhühner. Anna darf ein Hühnchen mit Haube auf den Händen halten.

blank
Anna und das Zierhühnchen

Etwas zaghaft hält sie das Hühnchen zwei Dutzend Sekunden lang. Dann beginnt es zu flattern. Der Mut verlässt Anna, sie senkt die Hände zu Boden. Die Zierhenne ist entlassen.

Wir stehen mitten Hühnerstall. Er ist gut umzäunt, doch die Dachbedeckung hat Löcher.

„Und wia schaugs mit Wolf und Bär aus?“, frage ich Rainer.

„Koan Problem bis jetzt. Obr dr Hobicht isch schun amol do gwesen!“, entgegnet Rainer.

Der Habicht hat dem Rainer 4 Hühner genommen. Er ist durch ein Loch im Dach in den Stall eingedrungen, hat 3 Hühner ausgefressen und ein viertes stark verletzt. Weil der Habicht durch das Loch zwar reinkam, aber keine Chance hate sich dadurch wieder rauszuschwingen, war er gefangen. Der Rainer musste ihn aus dem Stall tragen. Der Rainer war immer schon mutig und hatte vor gar nichts Angst. So ist es für mich nicht verwunderlich, dass er auch bei mächtigen starken Greifvögeln keine Berührungsängste hat. Glück für seine Hühner. Wäre ich der Stallbesitzer gewesen, der Habicht würde wahrscheinlich immer noch drinstehen. An einen Habicht hätte ich mich nicht ran gewagt!

Die restlich verbliebenen Hühner waren nach dem Erlebnis in Schockstarre. Sie haben Wochen gebraucht, um sich zu erholen. Das waren Wochen ohne Eier! Ja so war das mit den Hühnern, dem Habicht und dem Rainer.

Wir verabschieden uns vom Rainer. Anna ist begeistert. Schon zwei Geschenke hat ihr diese Wanderung, vor der sie sich mit Händen und Füßen gewehrt hatte, beschert. Sie durfte am Automaten drehen und noch besser, sie durfte Truthähne sehen und sogar ein Zierhühnchen halten!

Alte Grauner Straße & Klettergarten

Die Alte Grauner Straße ist zurzeit für Fahrzeuge unpassierbar. An gleich zwei Stellen sind mächtige Steinlawinen abgegangen. Nun bedecken hüfthohe Steinquader und abgerissene Baumstämme die zwei Stellen. Es wird wahrscheinlich dauern, bis man sie wegräumt, vielleicht muss zuerst der Hang gesichert werden. Keine Ahnung. Vorsichtig kraxeln wird drüber.

blank
zu Fuß kein Problem…aber…

Auf Halbweg der Alten Grauner Straße, bei einer 180 Grad Kehre, wandern wir, die Straße verlassend, gerade aus in den Steig 2B hinein. Eine Kletterin kraxelt gesichert durch ihren Partner die Naturkletterwand zu unseren Rechten hoch. Das schaut für uns Guckende zwar interessant aus, doch der Reiz das nachzumachen kommt nicht mal ein klitzeklein wenig auf. Fußwege, Bergwege ja, Klettersteige oder Kletterwände nein danke!

blank
Klettergarten Morderplotta

Der schöne Waldsteig 2B bringt uns an einen alten Kalkofen vorbei. Dergleichen sieht man in dieser Gegend öfters. Klar, der Mendelkamm zählt zu den Kalkalpen, da ist es nicht verwunderlich, dass wir auf Kalkgestein und auch auf Kalköfen treffen.

blank
Kalkofen

Bei Hofstatt, einem Weiler der Kurtatscher Fraktion Penon, kommen wir aus dem Wald heraus, durchqueren Weinberge, wandern entlang der Grauner Straße bis zum Riedhof, biegen hier links ab, Richtung Penon.

Hirschbett

Bald weist ein Wegweiser „Hirschbett Nr. 2“ von der Straße nach rechts in den Wald hinauf.

Anna ist nicht begeistert. Sie will ohne Umwege direkt nach Penon. Wir müssen sie daran erinnern, man weiß nie was der Tag bringt, vielleicht eine Überraschung, einen Automaten, ein Zierhuhn – und außerdem ist der Weg über Hirschbett sogar eine Abkürzung! Ok, das ist ein wenig geflunkert. Aber der Zweck heiligt die Mittel! Das stimmt zwar nicht, doch die Angst vor Annas Geschrei ist für uns Eltern viel größer als die Angst vor dem Fegefeuer, weil wir gegen das achte Gebot verstoßen haben.

blank
Fußweg mit Grasmittelstreifen

Der Schotterweg mit grünem Grasmittelstreifen schlängelt sich in zwei Kehren in die Penoner Waldwelt hinauf. Nach den beiden Kehren im Wald passieren wir einen Weinberg und treten dann wieder in den Mischwald hinein. Eine Lichtung, dann den Torgglerbach queren – er ist hier nur ein Rinnsaal – weiter etwas ansteigend hinauf zu einem schönen Buchenwald. Hier treffen wir auf den Forstweg Schutzplatzegg und folgen ihm bis zur Forsthütte und dem Brandschutzweiher Hirschbett auf 1.771 m ü. d. M.

blank
Fußweg mit Grasmittelstreifen

Obwohl ein Wanderwegweiser mit der Aufschrift Penon hinunter in Richtung des Weges, über den wir gekommen sind, ein anderer hinauf nach nach Fennhals und Oberfennberg zeigt und keiner in die Richtung des nur leicht abfallenden in südlicher Richtung verlaufenden Forstweges, folgen wir trotzdem denselben. Schlussendlich ist die beste Ehefrau von allen hier aufgewachsen und kennt sich aus! Ein Fehler wie sich bald herausstellt. Der Forstweg Hirschbett endet in Sackgasse, zwar bei einer Lichtung, aber eine Sachgasse!

blank
Markierung

Hmm… umkehren? Wir haben Glück, nur ein Dutzend Schritt zurück und wie sehen im Stamm einer Föhre einen eingeritzten, rot lackierten Pfeil. Eine Art Steig für Einheimische, also kein offizieller Wanderweg, doch immerhin ein von Menschenhand gekennzeichneter Pfad. Wir folgen ihm (im Gps Track unten werde ich den offiziellen Wanderweg einzeichnen).

blank
Kurtatsch & Penon

Er bring uns über einen „Rehsteig“, zuerst auf Laub, dann auf Gras bis zu den obersten Kulturgütern von Penon. Hier treffen wir auf den offiziellen Steig, den Römerweg, dem wir mit Blick auf Kurtatsch und Penon hinunter bis nach Hinterpenon folgen. Wie immer kehren wir bei der Oma ein.

Den Rückweg nach Tramin bestreitet wir über Kofelweg, Kofel im Tal, Rain, Könighof, Mariahilf und den Kastelazweg.

GPS-Track Tramin-Graun-Penon-Tramin

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 distance (km) elevation (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Differenz max/min: Keine Daten
Höhengewinn (~): Keine Daten
Höhenverlust (~): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Graun und Penon

Hoteltipps für Ihren Wanderurlaub in Südtirol

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.