Rundwanderung auf der Plose mit Dolomitenblick

Die Plose haben wir bis heute immer gemieden. Der Gebirgsstock Plose trägt dafür nicht die Verantwortung, es ist der Skizirkus der so manchen Berg im Sommer etwas „unschön“ aussehen lässt. Aber mittlerweile haben sich etliche Skiressorts für den Sommer etwas einfallen lassen. Natürlich können Sie ihren Berg im Sommer nicht zu einer ursprünglichen Wildnis zurück verwandeln, aber sie haben aus der Not eine Tugend gemacht und den Berg als Ausflugsziel für Wanderer, Mountainbiker und für Familien umfunktioniert. Achtung Ausflugsziel, nicht unbedingt Bergparadies für Wildnis-Wanderer und Bergtourengeher. Das Latemarium unter dem Latemar, der Kronplatz im Pustertal und auch die Plose, der Hausberg von Brixen, bieten mittlerweile ein umfangreiches Sommerprogramm. Ich finde das gut, denn so können die Ski-Berge, die im Sommer aufgrund ihrer unästhetischen Verbauung gemieden werden würden, einen sinnvollen Beitrag leisten, nicht nur indem sie vom Bergbesucher gewünschte Sommerattraktionen anbieten, sondern vielleicht auch um andere ursprünglichere Gegenden von den Massen an Bergausflugstouristen zu entlasten.

Heute wollen wir es riskieren und trotz Ski-Berg zum Sommerwandern auf die Plose. Es soll da eine 3-Gipfel-Tour geben.

Plose-Kabinenumlaufbahn

Aufstieg von st. Andrä über Brixen mit der Plose Kabinen-Umlaufseilbahn auf die Plose

Mit der Plose-Kabinenumlaufbahn geht es von 1.067 m auf 2.050 m hinauf. Unter uns brettern Mountaincarts zu Tale. Ehrlich gesagt, hätten wir gewusst, dass man von der Plose mit einem Dreirad-Co-Cart abfahren kann, da hätten wir uns am Ticketschalter der Seilbahn nur eine Auffahrt-Karte gekauft. Auch vom WoodyWalk, dem herrlichen Familienwanderweg, der von der Bergstation der Plose Liftanlage hinüber zur Rossalm führt und der tolle Spielstationen bietet, haben wir nichts gewusst. Hut ab, der Skiberg bietet was!

Vielleicht besser so, denn so sind wir nun wie geplant auf der deftigeren Drei-Gipfeltour unterwegs. Drei-Gipfel-Tour ist dabei vielleicht etwas hoch gegriffen, ich würde angesichts der begrasten „Gipfel“ Telegraph, Pfannspitz und Gabler eher von Drei-Hügel-Tour sprechen.

Zum Telegraph bzw. der Plosehütte

Bei der Bergstation der Plose Umlaufbahn – Spielplatz, Restaurant, Mountainbike-Looping

Vom Spielplatz an der Bergstation der Plosebahn konnten wir uns nur schwer trennen. Irgendwie scheinen die Kleinen Kletten an Händen und Füßen zu haben. Naja, jetzt haben wir es geschafft und schreiten zügigen Schrittes Richtung Plose Hütte empor.

Bagger vor Geisler Kulisse

Rosafarbenes Sommer- oder Besenheidekraut säumt den Weg. Das ist wunderschön anzusehen. Die Kinder interessiert das nicht, sie haben nur Augen für die großen Bagger, die an der Bergstation des Schönboden Sesselliftes stehen. Irgendwie auch nicht schlecht. Die moderne Bautechnik im Vordergrund die erdzeitlich alten Geislerspitzen im Hintergrund. Na, das hat doch was!

Die Sonne schickt sich an, Versteckspiel hinter den Wolken zu spielen. Hmm… eigentlich sollte das Wetter vormittags recht sonnig sein. Macht nix, das Wolkenschauspiel rund um die Peitlerkofel- und Geislergruppe ist recht interessant anzusehen.

Schönjöchl

Aufstieg auf das Schönjöchl

Den Hügel Schönjöchl umrunden die meisten Wanderer. Wir nicht, wir schreiten flott mitten hinauf. Das hat seinen Grund. Es gibt unter uns eine bestimmte kleine Dame, die hat zu viel Energie, die sie nicht nur in Schnattern auslebt. Ein deftiger zügiger Aufstieg, zeigt ihr schnell die Grenzen auf. Das muss natürlich die beste Ehefrau von allen machen, sie ist die fitteste unter uns.

Anna und ich sind auch nicht ganz ohne, wir können Schritt halten. Die übrigen haben keine Chance.

Auf dem Grashügel Schönjöchl angekommen überraschen uns zwei interessante Sitzbänke. Wir machen kurz Halt und wandern dann den Schönboden Hügel auf der gegenüberliegenden Flanke wieder runter, um dann abermals aufzusteigen zu müssen, dieses Mal zur Plose Hütte.

Telegraph

Die Plosehütte und der Plosekamm

Jetzt könnten wir auf den ersten Gipfel, den Telegraph, hinausmarschieren. Das ist nicht sehr verlockend, denn erstens müssten wir bzgl. der Rundwanderung einen Abstecher machen und zweites schaut der mit Sendemasten verbaute Hügel ästhetisch nicht sehr ansprechend aus. Wir schenken uns die 700 m hin und zurück und steigen entlang des Kammes des Plosestockes, auf dem Dolomiten Höhhenweg Nr. 2, hinab in die Lüsner Scharte, zwischen Telegraph und Pfannspitz, um dann auf der anderen Seite, auf dem Wanderweg Nr. 7 wiederum aufsteigen zu müssen. Das Wort Kamm suggeriert Schwierigkeiten und Ausgesetztheit, dem ist aber nicht so. Links fällt der Plosestock zwar steil ab, aber rechts läuft er, nicht sonderlich steil, über Wiesen aus.

Pfannspitz

Oberhalb der Pfannspitzhütte geht es hinauf auf die Große Pfannspitze und wenige Meter weiter zum Kreuz auf dem Pfannspitz. Mittagszeit! Natürlich nicht direkt am Kreuz. Das wäre Stress pur für Eltern von quirligen Kindern, wie es der Hannes eines ist. Lieber einige Meter zuvor, in den Wiesen, denn das Kreuz steht auf einem exponierten, nur zwei bis drei Meter breiten, Gipfel.

360° auf der Plose – Pfannspitze, Plose, Telegraph

Wir schauen etwas neidisch auf den Telegraph hinüber. Dort scheint die Sonne. Hier bei uns verdeckt eine Nebelwolke den Himmel. Überhaupt schaut das Wetter schlechter aus, als gedacht. Naja, die Temperatur ist angenehm, der Blick über die Hügel des Plosestockes interessant, im kompletten Kontrast zu den Dolomiten, wo wie erst letzte Woche waren.

Gabler

Aufstieg mit Drahseilder zum Großen Gabler

Nach dem Rucksackmahl geht es östlich abwärts, dann einem sehr schönen Pfad folgend, rund um den grünen Hügel „Kleiner Gabler“ und dann zur Schlüsselstelle der Rundwanderung. Der Aufstieg zum Großen Gabler (2.575 m) ist mit einem Drahtseil versichert. Das kling bedeutet gefährlicher als es ist, es ginge ohne weiteres, auch mit Kindern, ohne Drahtseil. Als Familien freundliche Ausflugsziel will man hier auf der Plose wahrscheinlich auf Nummer sicher gehen und entschärft Wanderpassagen, wo man woanders nicht im Traum daran denken würde ein Drahtseil zu spannen. Uns soll es recht sein.

Oha, was spüre ich da? Ein Regentropfen? Anna und ich geben Gas und schreiten flotten Schrittes am Drahtseil entlang hinauf zum Gipfelkreuz des Gabler empor. Leider bleibt es nicht bei einigen Tropfen. Es beginnt leicht zu nieseln. Normalerweise haben wir immer volle Regenausrüstung mit dabei. Genau heute liegt sie zu Hause.

Gewitter pur

Blick vom Gipfelkreuz des Gabler zur Peitlerkofelgruppe und den Geisler. Rechts die Biwak-Hütte.

Macht nichts, wir sind nicht aus Zucker! Blöd ist nur, dass Anna bei jedem einzelnen Donnergrollen zusammenzuckt und herzzerreißend jammert. Sie hat prinzipiell Angst vor Donner – auch zu Hause im Bett. Es regnet nun ordentlich. Hmm… bei der Biwak-Hütte dort drüben unterstehen oder lieber zügig, aber konzentriert absteigen? Ich entscheide mich für zweiteres. Alle anderen müssen folgen. Anna an der einen Hand, Lisa an der anderen, geht es querfeldein über eine mäßig steile Almwiese hinunter in Richtung Panoramarückweg. Anna hat Angst und will nur noch nach Hause. Ich überrede die singgewandte Lisa das Lied von „Liebe, liebe Sonne, komm ein bisschen runter …“ anzustimmen. Das hilft! Mit lautem Singen können wir Blitz und Donner fast überstimmen.

Unter uns eine Hütte. Das muss die private Gableralm sein. Zum Unterstehen gerade recht. Klitschnass erreichen wir den breiten Dolomiten Panoramaweg. Da beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Vereinzelte Hagelkörner prasseln zu Boden, während Anna, Lisa und ich als erste unter dem Vordach des Stalles der Gableralm Schutz suchen. Die beste Mami von allen kommt hinterher. Glücklicherweise lässt sich die Tür zum Stall öffnen und wir können in den großzügigen leeren Kuhstall der Gableralm eintreten. Der Bauer möge es uns verzeihen. Er sei damit getröstet, dass er einem kleinen vierjährigen, ängstlichen Mädchen ein wenig geholfen hat, ihre Gewitter-Angst zu überstehen.

Nach einigen Minuten kommen auch Uwe und Hannes und dann Irene. Mittlerweile hagelt es ordentlich. Zwar sind die Hagelkörner nicht groß, aber gepaart mit dem Starkregen ergibt sich schon eine recht deftige Wettermischung, bei der man nicht im freien unterwegs sein möchte.

Kleidertausch im Stall der Gableralm

Nur Anna, die beste Mami von allen oberhalb der Gürtellinie und der Inhalt meines, mit einem Regenschutz geschützten, Rucksackes sind trocken geblieben. Mit Ach und Krach und unorthodoxem Kleidertausch schaffen wir es die Kinder trocken zu legen. Die Erwachsenen müssen im Nassen stehen bleiben. Das ist nicht schlimm, denn der Stall schützt gut vor dem Wetter und es herrschen ertragbare Temperaturen.

Es schüttet und schüttet, donnert ab und zu. „I will Hoam, i gean nia mear – nia mear wondern!“, Anna ist fix und fertig. Allen anderen macht das Unwetter wenig aus. So verbringen wir eine halbe Stunde im Stall bis das Regenschauergeräusch langsam nachlässt und dann gänzlich aufhört.

Dolomiten Panoramaweg

Wegkreuz vor dem Peitlerkofel

Auf geht’s! Jetzt aber flott über den flachen und breiten Panoramaweg zurück zur Plose Seilbahn. Zuerst fast laufend, dann noch flott gehend, mit Hagelkörnern am Wegesrand, wandern wir Richtung Rossalm und Bergstation Plosebahn.

Die Regenfront zieht Richtung Süden. Rechts über uns reist die Wolkendecke auf und frisches Blau lacht vom Himmel. Das zaubert unserer Anna das Lachen zurück ins Gesicht. Ein großartiges Dolomitenpanorama zu unserer Linken vom Peitlerkofel über den Tullen bis hin zur Geislergruppe, begleitet uns während die Wetterfront immer weiter nach Süden und der blaue Himmel immer weiter über unsere Köpfe ziehen.

Blick über die Rossalm auf die Peitlerkofelgruppe und die Geislergruppe

Unter uns die Rossalm. Kinder tummeln sich auf den nassen Spielplatz der Alm. Leider übersehen wir die Abzweigung zum Familienwanderweg Woodywalk. Wahrscheinlich dem flotten Schritt geschuldet. Schade, denn plötzlich lacht uns die Sonne entgegen und so kommen wir bei herrlichem Sonnenschein, bei der Bergstation der Plosebahn an.

Es ist sogar noch Zeit ein zwei Runden durch den Spielplatz zu toben bevor das Wolkenloch über uns wieder zuzieht. Lieber trotzdem abfahren. Rein in die Kabinenumlaufbahn und runter nach St. Andrä, so schaffen wir es zeitgleich mit den ersten Regentropfen ins Auto.

Wow, ein Wanderabendteuer der besonderen Art.

„Anna geasch jetzt nia mehr mit wondern?“

„Na, i hon lei an Witz gmocht“, sie lächelt, die Wanderwelt ist wieder in Ordnung!

GPS-Track Drei-Hügel-Tour entlang des Plosestock-Kammes

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Keine Höhendaten
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Höhengewinn: Keine Daten
Höhenverlust: Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Plose und Dolomitenblick

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