Bergtour Gummerer Hof – Überetscher Hütte (Tscherba)

Die Überetscher Hütte hoch über Tramin wird im Volksmund "Tscherba" genannt.
Die Überetscher Hütte hoch über Tramin wird im Volksmund „Tscherba“ genannt.

Tap, tap, sechs Uhr in der Früh. Die beste Ehefrau von allen schickt sich an ihren täglichen Morgenlauf anzutreten. Ich raffe mich auf und fange sie gerade noch ab. „Ach, gean mr schnell af di Tscherba aui!“ Die Überetscher Hütte (im Volksmund „Tscherba“), ist die einzige Schutzhütte Tramins. Sie ist über mehrere Wanderwege zu erreichen. Vom Gummererhof aus startet der Steig Nr. 10 der über die Lungenfrisch, den Göller umkreisend und übers Taurisjoch bis zur Überetscher Hütte führt. Angeschrieben ist die Bergtour mit 3 Stunden. Aber jeder Traminer weiß, dass das nur für Sonntagswanderer und „Teitsche“ gilt. Da wir heute nur einen halben Tag fürs Wandern zur Verfügung haben, machen wir uns früh auf die Socken und starten um halb sieben Uhr in der Früh vom Gummererhof (750 m).

Schon jetzt ist es extrem heiß. Wir sind froh so früh gestartet zu sein. Der weiße Talus der „Weißen Riesen“, der vornehmlich aus großen, weißen Faust großen, kantigen Steinen besteht, verstärkt die Hitze um ein Vielfaches. So sind wir heilfroh, dass die kurze Drahtseilpassage bei der Lungenfrisch am oberen Ende der „Weißen Riesen“ bald erreicht ist.

Blick auf den goldenen Kalterer See am frühen Morgen
Blick auf den goldenen Kalterer See am frühen Morgen

Schattiger und vor allem auch gemütlicher geht es nun bis zur Göllerwiese weiter. Ein Brunnen versorgt den durstigen Wanderer mit herrlich kühlem Wasser. Ich versäume es nicht den 50 m Abstecher zum Aussichtspunkt (herrlicher Blick auf den Kalterer See) hinaus zu gehen.

Von der Göllerwiese geht es wiederum schattig und gemütlich, jetzt über den Steig Nr. 523, bis zum Taurisjoch (1.506 m) hinauf, wo wir auf den Taurisweg (Nr. 10A) treffen.

Über einen recht schmalen Pfad queren wir die teilweise begrasten Hänge unter dem Paterkopf und unter dem Gebiet „La Cerva“. Von daher kommt wahrscheinlich auch der volkstümliche Name der Überetscher Hütte. Das italienische „Cerva“ spricht man in Deutsch mit „Tscherba“ aus.

Vorbei an der Jägerhütte gelangen wir bald an der mit Drahtseil versicherten Stelle. Der Steig ist zwar ein normaler Wandersteig, kein Klettersteig, aber da das Gelände links steil und tief in den Höllentalbach hinunter fällt, hat man sich entschlossen auf Kniehöhe ein Drahtseil als Versicherung anzubringen.

Vor uns der Wasserfall, der den Beginn des letzten steileren Wegstücks markiert; die letzten 130 Höhenmeter liegen an. Nach gemütlichen 2 Stunden ist die „Cerva“ erreicht.

Überetscher Hütte

k. u. k. Fahne der Monarchie Österreich Ungarn
k. u. k. Fahne der Monarchie Österreich Ungarn

Ein schwarzer Adler auf gelben Hintergrund, nein ein Doppeladler auf schwarz-gelben Hintergrund weht uns entgegen. Was ist da los? Warum hat man die kaiserliche königliche Fahne der Donaumonarchie Österreich Ungarn gehisst?

Eine Werbeplane klärt auf: 100 Jahre Überetscher Hütte. Wir haben es tatsächlich geschaft ohne es zu wissen genau das 100jährige Jubiläum zu treffen. Super!

360° bei der Überetscher Hütte (Tscherba)
360° bei der Überetscher Hütte (Tscherba)

Der Wirt ist sichtlich nervös. Die Bar hat er kurzerhand zugesperrt und vertröstet uns auf später; dann werde er unten die Wiesenbar öffnen.

Die „Mandr“ des Traminer Egetmannvereins sind auch da. Sie sind zum Polenta kochen engagiert worden, müssen aber gleich wie wir mit durstigen Kehlen auf die Öffnung des Wiesenbudls warten.

Die beste Ehefrau von allem legt sich in die Sonne; ich warte. Um 10.00 Uhr wird dann trotzdem die Bar in der Hütte in Betrieb genommen. So kann ich mir einen Kaffee mit Strudel gönnen.

Leider müssen wir zu Mittag wieder zu Hause sein, so bleibt nicht die Zeit der Feldmesse zu lauschen.

Der erste Bürger Tramins unter der kaiserlichen und königlichen Fahne der Österreichisch-Ungarischen Monarchie
Der erste Bürger Tramins unter der kaiserlichen und königlichen Fahne der Österreichisch-Ungarischen Monarchie

Während der erste Bürger Tramins eintrifft und sich unter der k. u. k. Fahne einen Überblick verschafft, brechen wir auf und verlassen die Cerva.

Recht zügig wandern wir den gleichen Weg zurück, treffen nur wenige Wanderer die zum Jubiläum auf Tramins einzige Schutzhütte hinauf wollen. Wahrscheinlich werden die meisten Festtagbesucher über die Mendel zur Überetscher Hütte hinaus wandern und somit den beschwerlichen Aufstieg von Tramin aus meiden.

Blick vom Göller auf den Lido Betrieb am Kalterer See
Blick vom Göller auf den Lido Betrieb am Kalterer See

Am Aussichtspunkt bei der Göllerwiese herrscht eine Affenhitze und schwüle Luft. Der Blick ist somit leider recht getrübt.

Weiter geht es leicht absteigend bis zur Lungenfrisch und dann über die Weißen Riesen zurück zum Gummererhof.

Eckdaten der Bergtour Gummerer Hof – Überetscher Hütte

  • Start: Gummerer Hof
  • Ziel: Überetscher Hütte
  • Tourenlänge: 11 km (hin und zurück)
  • Höhenleistung Aufstieg: 1.200 m
  • Höhenleistung Abstieg: 1.200 m
  • Gehzeit: 2 h
  • Wegnummer: 10, 523
  • Wegart: Waldweg, steil abfallender schmaler Wiesenpfad
  • Eigenschaft: 2 Passagen mit Drahtseil Versicherung, für Trittsichere und Schwindelfreie
  • Einkehrmöglichkeiten: Gummerer Hof, Überetscher Hütte
  • Unterkünfte für Ihren Wanderurlaub

GPS-Track der Bergtour Gummerer Hof – Überetscher Hütte

Fotos Wanderung Überetscher Hütte

 

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3 thoughts on “Bergtour Gummerer Hof – Überetscher Hütte (Tscherba)”

  1. Karl-Heinz Weller says:

    Hallo
    Da ihr hier recht fleißig wart, will ich es auch sein und eine Begebenheit von der Überetscherhütte und dem „Roen“ schildern.

    Zuerst einmal wieder Lob für die wunderschönen Bilder, vor allem die Panoramaaussichten der Ruheplätze und Aussichtspunkte ins Tal und ins Überetsch.
    Zur Überetscher Hütte und vor allem dem „Folgenden“ denke ich auch heute mit einem Abstand von mindestens 15 Jahren immer noch mit Schaudern zurück. Ich ging im Gegensatz zu Euch die Tour zunächst bequem vom Mendel aus.
    Es war ein heißer Sommertag und ich hatte nach dem Erwandern der netten „Enzianalm“ am Mendel und der auf „halben Weg“ liegenden „Halbweghütte“ schon lange die Überetscher Hütte auf dem Plan.

    Da ich mit Kumpels einige Zeit davor schon einmal vom Mendel dorthin gewandert war, wollte ich nun über die Überetscher Hütte auf den „Roen“ steigen. Ich sah in der Überetscher Hütte eine Ansichtskarte, in dem leicht bekleidete Schüler und mit kurzen Jeans bekleidete Personen in die Wand einstiegen und dachte dabei, was die können kann ich auch.
    War es der gleiche bärbeißige Wirt der Überetscher Hütte, den du Dietmar auch antrafst, kann zeitlich fast nicht sein. Auf jeden Fall gab er mir auf meine Frage ob es sich um einen schweren Kletter- oder Wandersteige handelt nur widerwillig Auskunft „Bist ja jung, konnst scho mocha“, oder so ähnlich.Mehr gab er mir nicht zur Auskunft, er war überhaupt wenig redselig!!!! Ich also alleine unterwegs, kaum Leute an der Hütte und durch meinen damaligen Wanderführer ?????? „Südtirol- Auto-und Wanderschuh “ inspiriert, diese Tour zu unternehmen stieg also alleine in den Wandersteig ein, der sich unweit der Hütte gleich als knackig erwies. In dem erwähnten Buch – ich war damals blutiger Amateur und hätte das fast mit dem Leben gebüsst – stand wörtlich: „Ein Wandersteig fürs erste Kennenlernen mit dem Eisen“. Ich dachte damit ist ein Drahtzeil gemeint. Kurze Rede, langer Sinn, irgendwie kletterte ich in der Wand an einer Kette fast senkrecht aufwärts und konnte nicht mehr zurück. Ein Absteigen ins Nichts nach unten wäre unmöglich gewesen, ich wäre sicherlich in den Tod gestürzt. Ich betete zu Gott, dass die Kette und das Seil bis zum Gipfel nicht aufhören mögen, was zum Glück auch der Fall war, sodass ich völlig erschöpft und nach Durchsteigen der Wand auch emotional völlig am Ende glücklich und mit Gottes Hilfe dort wohlbehalten anlangte. Tausend Schutzengel (so wie bei Dir Dietmar am Heilikreukofel) hatten mich beschützt.

    Daher Wanderer: Hände weg ohne Sicherung und Begleitung vom Überetscher Glettersteig. Die burschikose Wirtin von der Romeno Alm, bei der ich vom leicht zu gehenden Rückweg einkehrte, konnte bei meiner Erzählung über das Erlebte nur den Kopf schütteln über so viel Leichtsinn und schenkte mir gleich einen doppelten Schnaps ein, den ich auch damals sofort annahm.

    Dies meine Geschichte zum Thema Überetscher Hütte und Klettersteig. Ich glaube in meinen ganzen späteren Touren nie mehr so in Gefahr gewesen zu sein wie an diesem Tag.

    In diesem Sinne, Euch allen die ihr diese Seite lest, viele Engel bei Euren Touren und Euch Dietmar und bester Ehefrau von allen ein frohes
    Berg-Heil, Euer Charly

  2. Dietmar says:

    Hallo Charly,

    hmmm… ehrlich gesagt stufe ich – wie fast jeder Traminer – den Roen Klettersteig als ziemlich leicht ein. Soweit ich es in Erinnerung habe, maximal eine 3er Stelle. Kann aber gut sein, dass ich ihn unterschätze. Der Roen ist unser Hausberg und ich bin mit meinen Onkels schon als Bub öfters ohne Klettergurt und Co. da hochgeklettert. Aber wenn ich jetzt etwas genauer nachdenke – als Kind hat man viel weniger Angst. Als ich das letzte Mal da hoch gegangen bin, da war das schon etwas anders. Ich habe die beste Ehefrau von allen da regelrecht hinauf geschoben und zugleich einen 14 kg Rucksack mitgeschleppt. Damals war ich noch so fit, dass wir nur einen Rucksack nahmen und ich Fotoausrüstung, Stativ, Panoramakopf, Proviant und Kleidung alleine getragen hatte. Ich kann mich aber schon daran erinnern, dass es mir im Klettersteig drin zu viel wurde. Das Gewicht und vor allem weil die beste Ehefrau von allen an der einen 3er Stelle fast die Krise bekommen hätte und mich fast angesteckt hätte. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft. Ich habe Sie einfach an der einen technisch anspruchsvollen Stelle, die sie unmöglich geschafft hätte, hinauf geschoben.

    Ok, wenn ich jetzt nochmals so nachdenke, dann muss ich sagen: das Ganze war ein kompletter Wahnsinn. Der Roen Klettersteig ist zwar technisch nicht schwierig, aber schon recht ausgesetzt. Wer schwache Nerven hat und noch dazu keine Kletterausrüstung mit, der hat da nix verloren und sollte den Roen lieber von hinten besteigen 😉

    Ach ja: gestern durfte ich einen Dolomitenrundflug miterleben: https://www.diewanderer.it/dolomitenrundflug/
    Musst du unbedingt auch mal machen! Ist schlicht und einfach grandios! Schaue dir einfach das Video an!

    LG
    Dietmar

  3. Karl-Heinz Weller says:

    Nochmals Hallo

    Möglicherweise ist meine Schilderung infolge der langen vergangenen Zeit so „drastisch“ ausgefallen. Und noch heute weiß ich allerdings, dass ich tierisch Angst hatte, weil ich ja in der schwierigen Passage nicht wusste ob es noch „schwieriger“ wird und es war niemand da, der mir hätte helfen können, so wie du es bei Deiner damals besten Freundin getan hast. Und ich weiß auch noch, dass ich mir an dieser für mich schwierigen Passage nicht mehr getraute, zurückzusteigen, das ging aufgrund der Steilheit nicht mehr. Aber ich weiß, dass ich damals ( 15 Jahre jünger und aufgrund meines damaligen Lebenswandels nicht so fit wie heute) an der absoluten Grenze war, so was alleine zu machen.
    Da dürfte deine Einschätzung mit der Schwierigkeit der Tour durchaus stimmen, für mich war es damals ohne jegliche Sicherung und Erfahrung in einem solchen Gelände gefährlich, das mag für andere für diese Tour nicht gelten.

    Habe später schwierigere und längere Touren in Südtirols Bergen, auch dem Zillertal gemacht, aber glaube nie mehr so viel Angst gehabt wie bei dieser Tour.

    Deinen Dolomitenrundflug hebe ich mir zum Anschauen fürs Wochenende auf, will erstmals noch deine Touren im Val de Nicolo und Pfossental anschauen und evtl. kurz kommentieren, zunächst aber werde ich persönlich per Mail auf meinen Vinschgau Urlaub eingehen, wenns recht ist……..

    Liebe Grüße
    Charly

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