Den Mühlenweg in Aldein sind wir vor neun Jahren schon einmal gegangen. Damals noch mit Kinderwagen – und deshalb nur auf dem kinderwagentauglichen Abschnitt. Heute braucht Anna längst kein Transportmittel mehr, also darf es diesmal der gesamte Mühlenweg sein.
Wir starten am Hauptplatz von Aldein. Hier oben, auf dem kleinen Hügel, auf dem der Dorfkern thront, stehen die Pfarrkirche zur hl. Helena, der schöne Dorfgasthof Krone und das Dorfmuseum mit seiner umfangreichen Sammlung sakraler Gegenstände aus der Barock- und Rokokozeit. Ein großer Teil davon geht auf die Stiftung des Benefiziums des Thalhofes mit der Kapelle Maria Schnee im Tal zurück.

Dem Wegweiser „Mühlenweg“ folgend verlassen wir den Hauptplatz und wandern hinunter in Richtung Landesstraße. Keine Panik: Wir müssen ihr nicht entlangmarschieren. Stattdessen geht es hinunter zum Parkplatz neben der Feuerwehrhalle – den hätten wir natürlich auch gleich nutzen können. Hier überqueren wir die Landesstraße 72 und folgen nun endgültig dem Mühlenweg, Wanderweg Nr. 18.
Mitten durch saftige Bergwiesen wandern wir fast eben zum wunderschönen Bauernhof Altwidum hinüber. Das historische Gebäude aus dem Jahr 1521 diente bis Mitte des 16. Jahrhunderts als Pfarrhaus, also als Widum. Beeindruckend ist auch die mächtige, geschützte Sommerlinden-Gruppe am Hof: drei Linden, die im Laufe der Zeit zu einem einzigen gewaltigen Baumriesen zusammengewachsen sind.

Rechts am Hof vorbei folgen wir weiter dem Mühlenweg, der hier zugleich den schönen Namen Thalweg trägt. Es geht hinein in den Wald und anschließend ein Stück abwärts, bis wir den Aldeiner Bach queren.
Genau hier zweigt links der Weg zum Mühlenensemble hinunter – eigentlich unser Ziel. Doch ich habe die Sache falsch in Erinnerung. Vor neun Jahren sind wir nämlich vom Hof im Thal, nur rund 250 Meter weiter, zu den Mühlen hinuntergestiegen. Also marschieren wir auch heute am ersten Zugang vorbei.
Das entpuppt sich schnell als Glücksfall. Warum? Wolfgang überholt uns.
„Jo hoi, es a do?“
Wir: „Jo, a kloane Wanderrunde mochn.“
Er: „Mir gean lei schnell, dass mir nou wos zum Essen kriagn.“
Ich: „Wia, isch do epr a Fescht?“
Wir haben uns nämlich schon gewundert, warum heute so viele Leute hier unterwegs sind.
Aha! Damit wäre der ungewöhnliche Wanderverkehr erklärt.
Er: „Jo, ban Hof im Thal.“
Anna macht Freudensprünge! Ja, dann kann die mitgeschleppte Rucksackjause bleiben, wo sie ist, und wir können uns auf dem Fest etwas gönnen.
Und tatsächlich: Mühlenfestl.
Mühlenfest und Mühlenmuseum in Aldein
Unter dem Motto „Vom Korn zum Brot“ dreht sich hier tatsächlich alles darum, wie aus Getreide Brot wird.
Alle Mühlen des Aldeiner Mühlenmuseums sind geöffnet, dazu gibt es Führungen. Was für ein Glück für uns!
Im „Hof im Thal“ ist der historische Backofen angefeuert, und es gibt ofenfrisches Brot. Auch Polenta, Wurst und Pfifferlinge stehen zur Auswahl. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Voldeiner Tanzlmusi.
Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen und bestellen.
Es dauert nicht lange, da treffen wir schon den nächsten Bekannten. Peter setzt sich zu uns, wenig später auch Margareth.
Sie erzählt uns, dass die sakralen Ausstellungsstücke, von denen wir oben im Dorfmuseum gerade noch gelesen haben, einst auf dem Dachboden genau dieses Hauses lagerten – und zeigt auf den Hof im Thal.
Früher schlugen mehrere Söhne des Hofes den geistlichen Weg ein, und so hatte sich im Laufe der Zeit eine erstaunlich große und wertvolle Sammlung zusammengetragen.
Nach etwas Plauderei – und vor allem nachdem Anna die Warteschlange vor dem Backofen erfolgreich gemeistert hat und mit der Maximalausbeute von drei „Breatln“, also Brotfladen aus Sauerteig mit Roggenmehl, zurückkehrt – sind wir bestens versorgt.
Ein „Breatl“ davon verdrücken wir gleich ganz ohne „Zuabus“. Bei so einem ofenfrischen Roggen-Sauerteigbrot braucht es schließlich nichts dazu. Das geht fast schon als Kuchen durch.
Dann machen wir uns voller Vorfreude hinunter zum Mühlenensemble. Und tatsächlich: Nicht nur schnatternde Mühlräder erwarten uns, auch die Mühlhäuschen stehen offen. Wow, cool!
Mir fällt auf, dass einige Mühlräder im Vergleich zu vor neun Jahren ziemlich neu ausschauen. Kein Zufall, erklärt uns einer der Schaumüller in der Thal-Mühle: Die alten Achsen waren durchgefault, auch die Schaufeln hatten ihre besten Zeiten längst hinter sich.

Dann dürfen wir zuschauen, wie das Getreide aus der Gosse durch den „Lafer“, einen großen Granitblock, seinen Weg ins Innere der Mühle nimmt – und unten als Mehl in einen Holzeimer rieselt.
Nach der Thal-Mühle treten wir in die Matzneller-Mühle ein. Hier befindet sich eine Kollermühle. Die Aldeiner sagen dazu „Rendl“.
Zwei senkrecht stehende, radförmige Mahlsteine laufen in einem Troch – ganz anders als bei klassischen Mühlsteinen, die horizontal übereinanderliegen.
Anna schaut auf den Inhalt und fragt, warum das Ganze gar nicht wie Mehl aussieht.
„Des isch Gerste“, erklärt der Müller.
Aha. Hier wird also gar nicht gemahlen. Die beiden Läufersteine reiben lediglich die Spelzen vom Korn, ohne die Gerste zu Mehl zu zerkleinern. Die Aldeiner nennen diesen Vorgang „rendeln“ – und die Kollermühle deshalb schlicht die „Rendl“.
Wieder etwas gelernt.
Weil die letzte Führung schon vorbei ist und zuvor oben in der Thal-Mühle das allerletzte Korn gemahlen wurde, beschleicht uns langsam ein Verdacht: Hoffentlich ist nicht gleich Feierabend und jemand dreht den Mühlen das Wasser ab.
„Abschalten“ wäre bei einer Wassermühle schließlich etwas zu modern formuliert.
Hier in der Rendl drehen sich die Läufersteine jedenfalls noch. Aber wer weiß, wie lange …
Darum machen wir uns auf zum dritten Mühlhäuschen. Wir folgen dem Wasserlauf und kommen zu einer Antriebsmühle, auch Werkmühle genannt. Hier setzt die Wasserkraft gleich zweierlei in Bewegung: den Hammer einer Schmiede und die Drechselbank einer Drechslerei.
„Hoi, Dietmar!“
Ich schaue verdutzt drein. Hinter der Drechselbank steht Walter und drechselt gerade ein Bein für einen Stuhl.
Er erklärt uns, dass er heute leider Buchenholz verwendet. Leider deshalb, weil es fürs Zuschauen nicht ganz ideal ist: Schöne lange Hobelspäne wirft das harte Holz keine. Stattdessen rieselt beim Drechseln hauptsächlich Holzmehl zu Boden.
Macht nichts. Interessant ist es trotzdem.
Ich frage, wie viel Kraft so eine Mühle eigentlich entwickelt und ob man sie theoretisch mit eigener Muskelkraft anhalten könne. Das wisse er auch nicht genau, meint Walter. Das eigentliche Problem liege ohnehin woanders: Die Treibriemen können schon einmal durchschleifen. Dann müsse man eventuell etwas Lörget auftragen.
Lörget?
Damit meint der Walter Lärchenharz, also das Gold der Lärche. Wieder so ein Wort, das wohl außerhalb Südtirols nicht allzu viele kennen dürften.
Während wir schauen, fragen und ratschen, läuft nicht nur die Drechselbank – auch die Zeit dreht munter ihre Runden. Eigentlich wollten wir heute neben all der Mühlenkunde auch noch eine richtige Wanderung absolvieren.
Mir schwant schon, dass wir heute – genau wie gestern – unsere Planung über den Haufen werfen müssen. Nur diesmal nicht verlängern, sondern kräftig verkürzen.
Durch das Bigleidermoos zum Göllersee und zum Göllerspitz
So wandern wir zwar wie geplant auf dem Mühlenweg Richtung Biotop Bigleidermoos und Göllersee weiter, gedanklich verabschiede ich mich aber schon einmal von der ursprünglich geplanten Rundwanderung rund um Aldein.

Diesen Teil des Mühlenweges sind wir vor neun Jahren nicht gegangen. Umso überraschter sind wir heute, wie naturbelassen er ist – und wie sehr er sich vom oberen Abschnitt unterscheidet.
Wir kommen an zwei Wiesen vorbei, die wie grüne Inseln mitten im Wald liegen und sich ziemlich eindeutig nach Moor anfühlen. Wir merken es sofort in den Beinen: Die Wiesen sind weich wie Butter!
Der Wanderweg führt rechts daran vorbei.
Das auf meiner Wanderkarte eingezeichnete Biotop Bigleidermoos folgt allerdings erst etwas später. Und ausgerechnet hier im Bigleidermoos ist es alles andere als weich und moosig. Von Moorromantik keine Spur: Unter unseren Sohlen liegt glatt geschliffener Porphyrfelsen.
Auf meiner Karte sind zwar auch einige kleine Tümpel eingezeichnet, doch die entziehen sich offenbar unserem Blick. Wir bleiben jedenfalls auf dem Wanderweg und folgen weiter den Schildern Richtung Göllersee.
Ein Abstecher würde uns zum Hexenstein führen. Den schenken wir uns heute und marschieren schnurstracks auf den Göllersee zu.
Der Waldsee, der früher auch Rotwandsee genannt wurde, liegt auf ziemlich genau 1.000 Metern Höhe. Er ist rund 180 Meter lang und 50 Meter breit, die maximale Tiefe wird mit drei Metern angegeben. Obwohl das Wasser oliv- bis dunkelgrün schimmert und damit für Badegäste zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, weist der See laut amtlicher Klassifizierung eine ausgezeichnete Wasserqualität auf. Dem Sprung ins kühle Nass steht also nichts im Wege.
Wir sind heute allerdings nicht zum Baden hier. Vor neun Jahren war das anders. Damals sind wir extra zum Göllersee spaziert, um hineinzuhüpfen. Schlussendlich hatte aber nur ich den Mut dazu.
Heute würde sich auch Anna trauen. Hm, vielleicht. Aber zum Ausprobieren bleibt keine Zeit. Wir sind ja zum Wandern hier. Also lassen wir den Naturbadesee hinter uns und wandern auf dem Pfad Nr. 17 zum Göllerspitz hinaus.
Einmal teilt sich der Weg, wobei beide Varianten zum Göllerspitz führen. Wir halten uns rechts, denn den linken Pfad wollen wir für den Rückweg nehmen.
Ganz draußen am Göllerberg fällt das Gelände zwar nicht senkrecht, aber doch ziemlich ordentlich Richtung Branzoll ab.
Leider versperren Föhren den freien Blick hinunter ins Dorf und Richtung Bozen. Schade. Da tröstet selbst das Tischensemble zwischen den bemoosten Felsblöcken nur bedingt.
Naja. Wir machen nun eine beinahe 180-Grad-Wende und steigen – im Gegensatz zum zuvor forststraßenbreiten Weg – auf einem schmalen Steig bergauf. Das wundert mich ein wenig. Viel Berg kann hier oben eigentlich gar nicht mehr übrig sein.
Schlagartig wird der Pfad beschaulicher. Oben am Göllerspitz angekommen wartet wieder eine Bank. Und welch eine Überraschung: Vor uns öffnet sich ein herrlicher Blick auf den Mitterberg mit der Leuchtenburg und dem dahinter liegenden lieblichen Kalterer See.
Leider hat es die beste Ehefrau von allen eilig! Warum? Sie muss allerspätestens um 18.00 Uhr im Schwimmbad sein. Genau wie jeden Tag. Nein, Ausnahme gibt es keine. Eine Stunde Schwimmen muss sein. Punkt.
16.40 Uhr. Ups. Das geht sich nun überhaupt nicht mehr aus.
Zwei, drei Klicks – leider verhunse ich in der Eile die Fotos schärfemäßig –, dann wird während des Abstiegs der digitale Wanderplaner gezückt: Rundwanderung Aldein gestrichen. Rotwand-Aussicht gestrichen. Kürzester Weg zurück nach Aldein gefunden.
Wir schreiten flott dahin, wieder am Göllersee vorbei, und wandern auf dem 17er Steig noch einmal durch das Biotop Bigleidermoos. Viel Aufmerksamkeit schenken wir beiden diesmal allerdings nicht.
Beim Gasthaus Schönblick treffen wir auf die Landesstraße 72, folgen ihr zurück nach Aldein, steigen hinauf zur Kirche und zum Hauptplatz und beenden damit unsere Mühlenweg-Erkundung.
Eigentlich müssten wir jetzt darüber nachdenken, was für ein Glück wir heute hatten: völlig ungeplant mitten in ein Fest geraten und das gesamte Mühlenensemble auch noch in Aktion erlebt zu haben. Tun wir aber nicht.
Es gibt Wichtigeres. Um 18.00 Uhr müssen wir in Tramin im Schwimmbad sein.
P.S.: Zwei saulangsame Camper machen mir auf der Heimfahrt einen Strich durch die Rechnung. Um 18.03 Uhr kommen wir auf dem Parkplatz des Traminer Schwimmbades an. Drei Minuten zu spät. Jetzt wird’s aber ein Donnerwetter geben!
Karte und GPS-Download Mühlenweg Aldein
Akt. Position: -km, -m
↓ download GPX
Eckdaten der Tour
Mühlenweg in Aldein: Wandern zu Mühlen und zum Göllersee
- Dauer: 3:05 h
- Distanz: 10,3 km
- Bergauf: 296 m
- Bergab: 296 m
Um welche Art von Tour handelt es sich?
In welcher Region befindet sich die Tour?
Um welche Bergkategorie handelt es sich? Auf welcher Höhe liegt die Tour?
Wie lang ist die Strecke?
Wie streng ist der Aufstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Wie anspruchsvoll ist der Abstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Wie viel Zeit werde ich für die Tour brauchen?
Dieser Wert kann individuell stark variieren. Siehe Gehzeitrechner.
Wie viele Kalorien werden bei der Tour verbrannt?
Es ist zu beachten, dass die Berechnung des Kalorienverbrauchs auf Faustformeln und allerlei Annahmen beruht, z.B. Gewicht=75 kg, Kalorienverbrauchsvorgaben für Aufstieg, Abstieg, flach usw. und daher nur eine Schätzung und keine exakte Angabe liefert. Wenn du deinen Kalorienverbrauch selbst berechnen möchtest, dann schau dir diesen Kalorienrechner an.
Gibt es interessante Wegpunkte?
Ja, es gibt interessante Wegpunkte. Hier ist eine Liste:
- Altwidum - Maso Widum (Bauernhof)Höhe: 1.202 m ü. d. M.GPS: 46.372626, 11.354477
- Biotop Bigleidermoos - Biotopo Bigleidermoos (Naturschutzgebiet)Höhe: 1.136 m ü. d. M.GPS: 46.370673, 11.342204
- Dorfmuseum Aldein - Museo civico Aldino (Museum)Höhe: 1.200 m ü. d. M.GPS: 46.368377, 11.354005Dorfmuseum Aldein - Museo civico Aldino (Museum) 39040, Aldein - Aldino, Bolzano - Bozen, ITA
- Gasthaus Schönblick (Bar)Höhe: 1.184 m ü. d. M.GPS: 46.367347, 11.347375Gasthaus Schönblick (Bar) 39040, Aldein - Aldino, Bolzano - Bozen, ITA
- Göller Spitz (1091)Höhe: 1.084 m ü. d. M.GPS: 46.385479, 11.327291
- Göllersee - Lago del Colle (See, Teich)Höhe: 1.097 m ü. d. M.GPS: 46.376059, 11.336732
- Im Thal - Maso Thal (Bauernhof)Höhe: 1.176 m ü. d. M.GPS: 46.378119, 11.357439
- Krone (Restaurant)Höhe: 1.200 m ü. d. M.GPS: 46.368098, 11.354434Krone (Restaurant) 39040, Aldein - Aldino, Bolzano - Bozen, ITA
- Mühlen Ensemble AldeinHöhe: 1.180 m ü. d. M.GPS: 46.377390, 11.359013
- ParkenHöhe: 1.200 m ü. d. M.GPS: 46.367519, 11.354220
- Pfarrkirche Aldein - Chiesa parrochiale Aldino (Kirche, Anbetungsort)Höhe: 1.200 m ü. d. M.GPS: 46.368613, 11.354284Pfarrkirche Aldein - Chiesa parrochiale Aldino (Kirche, Anbetungsort) 39040, Aldein - Aldino, Bolzano - Bozen, ITA
Fotos vom Mühlenweg Aldein und Göllersee











































