Törggelewanderung auf dem Keschtnweg von Klausen nach Feldthurns

Die aufgehende Sonne wirft ein Glitzern über das Wasser des Eisacks. Hoch über uns schaut vom „Heiligen Berg“ unser erstes Wanderziel, der Wallfahrtsort Kloster Säben zu uns herunter. Doch zuerst wollen wir ins Zentrum des Künstlerstädtchens Klausen hinein. Obwohl wir auf dem großen Parkplatz (Tagessatz 4 €) am Nordende des Städtchens geparkt haben und schnurstracks am rechten Ufer des Flusses in die Stadtmitte marschieren könnten, wechseln wir über die St. Kassian Brücke zum linken Ufer, schreiten über die Bahnhofstraße bis zur St. Andreas Brücke hinunter um dann wiederum auf die rechte Seite des Flusses zu wechseln. So erhaschen wir einen perspektivisch idealeren Blick auf die Hauptattraktion des Städtchens, das auf dem Felshügel über der Stadt thronende Kloster Säben, aber auch auf seine Pfarrkirche und die Burg Branzoll.

Kloster Säben

Das Städtchen Klausen

Jetzt stehen wir auf dem Hauptplatz, biegen links ab und schreiten durch die Unterstadt Gasse hinunter zum Tinneplatz, wo Bauern ihre Produkte anbieten. Obst, Gemüse, Fruchtaufstriche, Honig, Käse, Speck werden mit freundlichem Ansprechen an die Frau oder den Mann gebracht. Keine kommerziellen aufdringliche Marktschreier, nur einfache bodenständige Bauern. Das ist der Charme von Südtirol!

Wir steuern auf das Stadtcafè zu. Ein Tischchen in der Sonne, mit Blick auf den Bauernmarkt, ein Espresso, ein Cappuccino und zwei Croissants. Zu einer echten Genusstour gehört für uns Südtiroler ein italienisches Frühstück einfach dazu.

Ein Croissant und ein Espresso – ein kleines Frühstück

So gestärkt schreiten wir zuerst zwei Dutzend Schritte zurück, um dann links zwischen den Häusern den Aufgang zum Berg Kloster Säben zu finden. Er ist gut beschildert, sogar doppelt. Rechts prangert ein Schild „Säbener Aufgang“, links hat man sogar zusätzlich zum Wort „Säben“ ein Piktogramm mit zwei Spaziergänger und darunter „30 min“ aufgemalt.

Der Säbener Aufgang führt uns in eine mittelalterliche Häuserwelt. Die ehemalige Wasser Wiere wird an einer Informationstafel ausführlich beschrieben. Da steht:

Als Wiere bezeichnet man einen offenen Wasserlauf mitten durch Städte oder Siedlungen. Dieser Kanal diente verschiedenen Zwecken. Handwerker, die auf fließendes Wasser angewiesen waren (z.B. Schmiede, Gerber, Färber, Müller), hatten ihre Werkstätten entlang der Wiere eingerichtet, Frauen hatten eine Möglichkeit zum Wäschewaschen und nicht zuletzt war die Wiere auch die einfachste Möglichkeit der Entsorgung.

Die Klausner Wiere wurde vom Tinnebach gespeist. Sie floss durch die Gerbergasse und den Säbener Aufgang, unterquerte außerhalb des Bozner Tores die Stadtgasse und führte durch die Mühlgasse bis zum Eisack.

Als Klausen im Jahre 1879 die erste öffentliche Wasserleitung bekam, hatte die Wiere bald ausgedient.
Trotzdem bestimmte sie noch einige Jahrzehnte lang das Stadtbild. Fotos und Abbildungen belegen, dass sie im Bereich der Gerbergasse um 1900 noch bestanden hat, in der Mühlgasse sogar bis in de Zwanzigerjahre.

Das Wasser ist aber nur von der Oberfläche verschwunden, unter der Erde fließt es immer noch. In den letzten Jahren wurden einige Abschnitte der Wiere von Privatpersonen wieder instand gesetzt. Daher kann man in der Gerbergasse heute noch Wasser hören und teilweise sogar sehen.

Auch Säben, dem Kloster und Wallfahrtsort, ist eine Informationstafel gewidmet.

Wegen seiner exponierten Lage war der Säbener Felsenhügel schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. In spätrömischer Zeit (ab 350 n. Chr.) entstand auf Säben der Sitz einer frühen christlichen Gemeinde, aus der sich später der Bischofssitz entwickelte (ab 570 bis kurz vor 100 n. Chr.).
Aus diesem Grunde wird Säben auch als „Wiege des Christentums“ oder als „Heiliger Berg“ Tirols bezeichnet.

Im Jahre 1686 wurde durch Matthias Jenner das heute noch bestehende Nonnenkloster (Benediktinerinnen) gegründet, das die religiöse Tradition weiter führt. Für die einheimische Bevölkerung ist Säben auch ein häufig besuchter Wallfahrtsort. Zugang nur zu Fuß in etwa 40 Minuten Gehzeit.

Öffnungszeiten:
Heilig-Kreuz-Kirche, Klosterkirche und Gnadenkapelle täglich vom Morgen bis zum Abend.

Der Herrgott weist uns den Weg hinauf zum Säbener Aufgang

Wir schreiten unter einem Herrgott hindurch eine traumhafte Steintreppe zur Burg Branzoll empor, weiter über einen gepflasterten Kreuzweg, zwei Serpentinen überwindend, zur Liebfrauenkirche und dann zum burgartigen Kloster empor. Was hier mit einem Satz so hingeknallt steht, würde eines kompletten Wanderberichtes würdig sein. Der Blick hinunter auf das Südtiroler Städtchen, der wunderbare Ausblick auf das Eisacktal Richtung Süden nach Villanders, die steilen Weinberge unter der Liebfrauenkirche, die Geschichte des Wallfahrtsortes – ganze Bände von Büchern könnten damit gefüllt werden.

Eine interessante Steintreppe geleitet uns die ersten Höhenmeter hinauf zur Burg Branzoll

Kloster Säben

Wir schauen uns die Liebfrauenkirche mit ihrem großen Vorhof an, werfen einen Blick hinein in die Kirche, blicken durch die Zinnenfenster der Ringmauer nach Klausen hinunter und nach Villanders hinüber, bevor wir auf einem gepflasterten Weg, west und nordseitig der imposanten, mit Zinnen bedachten, Ringmauer zum Kloster aufsteigen. Links reicht der Blick über Latzfons bis zur heute weiß angezuckerten Kassianspitz, bevor wir durch einen Felsentunnel ins Innere besagter Mauer, ins Herz des Benediktinerinnenklosters gelangen. Von den insgesamt vier Kirchen: Marienkapelle (Gnadenkapelle), Liebfrauenkirche, Klosterkirche und Heilig-Kreuz-Kirche ist letzte nicht nur die höchst gelegenste, sie ist auch die imposanteste und mit Erwägungen, die bis 600 nach Christi reichen, die geschichtsträchtigste. Das Beste für uns, sie kann im Unterschied zum Kloster (die Benediktinerinnen leben in Klausur) besichtigt werden. Herrlich!

In der Heilig-Kreuz-Kirche auf Kloster Säben

Auf einer Tafel mit 7 nummerierten Bildern stehen jeweils folgende Beschriftungen:

Die Heilig-Kreuz-Kirche

Um 600 entstand auf der Spitze des Berges im Bereich des heutigen Klosters die Heilig-Kreuz-Kirche als Doppelkirche.

Die Südkirche besaß Vorhalle und Treppe, im Altarbereich eine gemauerte Abschrankung und außerhalb im Osten in einem Zubau ein Taufbecken.

Im Atrium der Nordkirche fand man das Heiligengrab für Bischof Ingenuin (um 605).

Dieses wurde mit Marmorplatten verschlossen, darüber ein Aufbau mit Fresken errichtet. Über diesem Grab stand bis 1680 ein Altar, obwohl die Reliquien bereits im 10. Jahrhundert nach Brixen überführt worden waren.

Die Reliquienbehälter befanden sich im barocken Altar. Wahrscheinlich stammte er noch aus der Kirche im Weinberg. Ein weiterer Fund ist der karolingische Flechtwerkstein.

Ein Neubau der Heilig-Kreuz-Kirche erfolgte im 11. Jahrhundert als Vierpfeiler-Basilika mit flacher Decke. Um 1400 entstand der gotische Umbau mit Kreuzgratgewölbe und Fresken. Der heutige Baubestand stammt aus der Zeit um 1680.

Fast schon schweren Herzens lassen wir den wahrscheinlich älteste Wallfahrtsort Tirols hinter uns und steigen einen steilen gepflasterten Weg in eine Senke hinunter.

Blick hinunter auf den Eisack. Wir sehen das Nordende des Städtchens Klausen. Unter den steilen Weinhängen liegt der Stadtteil Leitach, der eher einem Dorf als einer Stadt gleicht. Im Hintergrund Richtung Osten schauen die Gipfel der Dolomiten hervor und im Norden sehen wir die Plose.

Tuckernd kommt uns ein Transporter entgegen. Das typische Arbeitsgefährt der Bergbauern Tirols, kann aufgrund seines tiefen Schwerpunktes, großen Radabstandes, oft Allradantriebs und reduzierten Gängen fast jedes Gelände überwinden. Das braucht es hier auch. Wir machen Platz. Ein hagerer Mann mittleren Alters, sein Gesicht gezeichnet von schwerer Bauernarbeit, trotzdem von freundlichem Gemüt, daneben eine Nonne, älter, im Vergleich zum Mannsbild, weiche Züge, lächeln uns freundlich an. Auf der Ladefläche Kübel gefüllt mit Nüssen und Kastanien. Ein herrliches Bild.

Am liebsten wäre ich die beiden sofort angesprungen und hätte ihnen einen Model-Release-Vertrag unter die Nase haltend um eine Unterschrift gebeten, damit ich sie von vorne ablichten dürfte. Sie hätten dafür nicht anhalten müssen, dass wäre sich alles, inklusive Foto, im Fahren ausgegangen, so langsam tuckerte der Transporter den Pflasterweg hinauf. Doch ich wollte sie nicht belästigen, auch hätte das die Atmosphäre des Augenblicks zerstört. Die hohe Kunst der Street Fotografie muss in heutigen Zeiten auf dem Altar des Datenschutzes und der zigtausend Regeln und Vorschriften geopfert werden. Einerseits schlecht, andererseits gut.

Der steile gepflasterte Weg hinauf zum Kloster ist Teil des Säbener Rundweges.

Ich begnüge mich mit einem Bild von hinten, das leider nichts von alledem wiedergibt. Nicht den Blick des Mannes, dessen Augen von kargem Leben und harter Arbeit erzählten, obgleich sein mildes Lächeln trotz alledem einer gewissen Zufriedenheit nicht entbehrte. Nicht das wohlwollende, freundliche Nicken der Ordensfrau mit den weichen Zügen, die obgleich auf gleicher Höhe neben dem Mann, auf einer Aura schwebte, die sie höher sitzend erscheinen ließ.

Nichts von alledem kann das Bild von hinten einfangen. Nur als Lesezeichen im Buche meiner Erinnerung kann es dienen, nicht mehr nicht weniger.

Ups, wo waren wir nochmal. Ach ja, beim Wandern.

Keschtnweg von Kloster Säben nach Feldthurns

Von Kloster Säben wandern wir nun über dem „Keschtnweg“ Richtung Feldthurns. Der Felshügel mit dem Kloster zwingt uns immer wieder den Blick zurück zu wenden.

Über die Senke – eigentlich ist es ein Sattel – führt eine Schotterstraße, die fast den Eindruck einer Brücke vermittelt. Rechts biegt die Säbner Promenade nach Klausen hinunter. Wir wandern jedoch gerade aus und folgen dem Wegweiser „Keschtnweg“ und somit dem asphaltierten Straßenverlauf bis zur Höfegruppe Pardell. Natürlich nicht ohne immer wieder auf das burgähnliche Kloster zu blicken.

Der „Keschtnweg“ (=Kastanienweg) ist gut ausgeschildert, somit brauchen wir nur dem Wegweiser mit der Kastanie zu folgen. In Pardell geht es vorbei am Gasthaus Huber, dann rechts abbiegend, auf einem Wandersteig weiter. Ein typischer Holzzaun, der ohne Draht und Nägel auskommt, grenzt uns von Apfelwiesen ab. Anschließend treffen wir sie, die Namensgeber des Weges!

Kastanienigel liegen am Boden. Jetzt Anfang Oktober sind die Kastanien reif, wir könnten die braunen Früchte, die teilweise aus ihren Igeln fallen einfach aufheben. Doch es gilt hier wie überall: „Dem Bauer die Ernte, dem Wanderer die Landschaft“!

Eine verlockende Kastanie nebst ihrem Igelchen…

Ein Foto und weiter geht es im Zickzack hinauf auf einen mit Kastanienbäumen bewachsenen Hügel. Zuerst die Sonne im Gegenlicht, dann dreht der Weg und es öffnet sich die Sicht. Wow, Richtung Osten wird der Blick auf die Dolomitengipfel der Geislergruppe und Richtung Süden auf das Tal des „Törggelens“, auf das Eisacktal, frei.

Wow was für ein Tal dieses Eisacktal. Unten entlang des Eisacks schmal und rau, hier oben weit und freundlich!

Törggelen ist ein alter Brauch in Südtirol. Er beruht darauf, dass man im Spätherbst den neuen Wein verkostet hat. Heute ist das Törggelen vor allem eine Schlemmerei, bei der typischerweise Kastanien, Nüsse, Speck, Schlachtplatten mit Surfleisch, Sauerkraut, diversen Würsten und Knödeln und Krapfen serviert werden. Genau das ist unser Ansinnen. Wir wollen nach Feldthurns zum Mittags-Törggelen.

Der Buschenschank „Moar zu Viersch“ am Keschtnweg

Zuerst müssen wir noch mitten durch den urigen Hof Moar zu Viersch. Ein typischer Törggelehof, doch heute geschlossen.

Hinter dem Hof, auf einer Streuobstwiese, pflückt ein alter Bauer Äpfel vom Boden auf, die von noch älteren Apfelbäumen auf die Wiese gefallen sind. Dahinter biegt der Keschtnweg, auch gut beschildert, in eine Wiese ein. Rechts reicht der Blick weit hinein in das Villnößtal, einem Seitental des Eisacktales, an dessen Ende die Geislerspitzen emporwachsen. Weiter im Norden sehen wir den Hausberg der Brixner, die Plose.

Blick von der Streuobstwiese des Hofs „Moar zu Viersch“ Richtung Eingang Villnößteil mit den Geislerspitzen im Hintergrund

Der Keschtnweg führt uns nach dieser beeindruckenden Panoramasicht in ein Waldstück hinein, das wir flach, gerade aus wandernd durchqueren und so beim Hof „Weinbrenner“ aus dem Wald heraus treten. Ein Zettel weist darauf hin, dass wir Kastanien und Nüsse kaufen könnten. Der Kastanienweg führt nun mit dem Pilgerweg (Südtiroler Jakobsweg) und nach wenigen 100 m auch mit dem Panoramaweg zusammen.

Gemütlich unter einer mächtigen Kastanie rasten und den Ausblick zu den Dolomiten genießen

Eine gemütliche Bank unter einer mächtigen Kastanie lädt zum Rasten und Ausblick genießen ein. Die Villnößer Fraktion Teis blickt zu uns herüber. Wir hingegen können uns nicht des Blicks darüber hinweg, zu den Dolomitenspitzen der Geisler, erwehren.

Links sammeln zwei fleißige Bäuerinnen Kastanien ein. Wir erfragen, dass die sogenannten „Keschtn“ heuer besonders schön seien, aber dass sie in diesem Kastanienhain eigentlich immer schön groß seien, da es gute Bäume sind. Einen ganzen Sack haben die beiden Frauen bereits gefüllt.

Genau so stellt man sich den Keschtnweg vor. Kastanienbaumwiesen am Wegesrand, Bauern welche die reifen Früchte einsammeln und wir Wanderer, die diese einmalige Kulturlandschaft erwandern dürfen.

Rechts eine Statue des auferstehenden Christi. Eine nackte Statue. Im ersten Moment sind wir etwas verdutzt, doch dann erinnern wir uns, dass wir nicht nur auf dem Keschtnweg, sondern nun auch gleichzeitig auf dem Pilgerweg sind.

Den Wegweiser „Keschtnweg“ brauchen wir nicht. Die Kastanien rund ums uns markieren den Weg besser als jeder Wegweiser

Feldthurns liegt nun gerade vor uns. Wir müssen aufpassen, denn jetzt wollen wir nicht mehr entlang des Keschtnweg wandern, sondern gerade aus auf die Provinzstraße Feldthurns-Latzfons hinauf. Wir folgen ihr auf dem Gehsteig wenige Meter leicht abwärts bis zum Mühlbach, überqueren sie und wandern links entlang des Mühlbaches – der Pfad ist mit Wanderwegweiser beschildert aber etwas schwer erkennbar – hinauf zum Panoramaweg, um oben angekommen, rechts abbiegend, weiter bis zum Buschenschank Glangerhof zu gelangen.

Törggelen bein Buschenschank Glangerhof

Hirsche im Gehege des Glangerhofes

Der Törggelebetrieb der sich auf 1000 m ü. d. M. befindet, bietet neben einer schönen Panoramasicht auch einen Hirschpark mit 20-30 Hirschen und im 400 Jahre alten Bauernhaus Stuben mit Kreuzgewölbe und sogar ein eigenes Backhaus.

Andreas hat Hunger und studiert die Speisekarte des Buschenschankes und Törggelebetrieb „Glangerhof“. Er weiß noch nicht, dass er auch wenn das Essen auf dem Tisch steht, noch nicht sofort loslegen darf. Das ist der Nachteil, wenn man mit einem Fotografie Begeisterten unterwegs ist 😉

Das ist unser Mittagsziel. Wir lassen uns auf einem Tisch im Freien nieder und bestellen typische Törggelegerichte. Erdäpfelblattln mit Kraut, Schlachtplatte, Surfleisch mit Kraut, dazu einen Krug Rotwein. Als Unterlander sind wir etwas verwundert, dass nebst dem Krug zwei Henkelgläser und nicht zwei Stilgläser abgestellt werden. Nach entsprechender Nachfrage klärt uns die Kellnerin auf. Hier im Eisacktal trinkt man beim typischen Törggelen den Wein aus Kruggläsern, früher aus Ton heute aus Glas. Aha!

Surfleisch und Erdäpfelblattln mit Kraut typische Törggelegerichte

Wir lassen es uns schmecken. Es mundet köstlich. Als Nachschlag bestellen wir Eisacktaler Krapfen. Diese besondere Süßspeise erhält man auch anderorts in Südtirol, doch so gut wie hier in ihrem Kerntal sind sie nirgends! Lecker.

Die typischen Eisacktaler Krapfen gibt es mit den verschiedensten Füllungen. Mit Zwetschgenmarmelade, mit Marillenmarmelade, mit Kastanienfüllung oder mit Mohnfüllung. Schmecken tun sie alle!

Wein, Erdäpfelblattn (=gebackene Kartoffelteigblätter), Surffleisch, Kraut und Krapfen haben vortrefflich gemundet. Für eine typische Törggele Mahlzeit fehlen noch die gebratenen Kastanien. Wie auch anderorts üblich, bekommt man die hier am Glanderhof nach der Mittagszeit. Doch wir wollen uns den Kastanienhunger noch etwas aufsparen. Vielleicht kehren wir auf Rückweg noch wo anders ein. Wer weiß.

Nach Schnauders und dann hinunter nach Feldthurns

Nach so viel herrlichen Gaumenfreuden und zu guter Letzt einem Zirmschnaps sind wir gut gestärkt und nehmen den Wandernachmittag in Angriff. Sehr gemütlich spazieren wir nun auf Asphalt gerade aus über den Panoramaweg nach Schnauders hinüber. Die kleine Fraktion liegt etwas oberhalb von Feldthurns, inmitten von Wiesen und Mischwäldern. Auf einer Wiesenkuppe steht die Kirche, die dem Hl. Georg geweiht ist. Von hier aus haben wir wieder einen interessanten Weitblick.

Blick hinüber zu den Geislerspitzen vom Kirchhügel in Schnauders aus

Schnauders markiert den weitest entfernten Punkt unserer Rundwanderung. Ab hier beginnt unser Rückweg, darum biegen wir hinunter nach Feldthurns. Zuerst geht es über eine enge Straße abwärts zum Thalerhof, dann mitten durch eine heute frisch gemähte Wiese auf die Oberdorfstraße. Hätten uns Wanderwegweiser nicht bestärkt richtig zu sein, hätten uns nicht getraut durch die Wiese zu wandern, denn der Pfad war nicht erkennbar.

Der Wanderweg führt direkt duch die Wiese unter dem Thaler Hof

Nun schreiten wir zur Kreuzung mit der Dorfstraße hinunter und treffen dort auf Schloss Feldthurns Velthurns. Das Renaissance-Bauwerk kann besichtigt werden. Wir lassen uns das nicht entgehen, treten durch den Schlosshof ein, zahlen an der Kasse 5 € pro Person und besichtigen die 3 Stockwerke.

Schloss Velthurns Feldthurns, ich habe noch nie eine so wunderschöne Vertäfelung gestehen

Nebst allerlei Statuen und Gemälden beeindruckt uns vor allem die grandiose Vertäfelung der Wände, aber auch die Rosetten an den Kassettendecken. Das Lichterspiel durch die Wabenfenster und ein besonderer Blick durch ein Fesnter zum nördlichsten Dolomitengipfel, dem Peitlerkofel, ist für mich als Fotobegeisterter grandios.

Blick aus dem Schloss Velthurns Feldthurns zum Peitlerkofel

Der Gerichtssaal mit seinen Gemälden von Großen der Antike, alle mit einem abgehakten Kopf in der Hand, macht einen beängstigenden Eindruck.

Die Fresken im Gerichtssaal des Schlosses

Über den Weinwanderweg zum Hieng Hof

Nach Schloss Feldthurns wandern wir mitten durch das Dorf Richtung Süden. Die Wegweiser zeigen sowohl Keschtnweg als auch Panoramaweg an. Am Ende des Dorfes verlassen wir die nun leicht nach rechts hinauf kurvende Dorfstraße, indem wir gerade aus, vorbei am St. Antonius Kirchlein, den Keschtnweg weiter wandern. Nach 300 Metern biegt der rechts hinauf. Wir müssen uns aber links halten und vorbei an der Einkehrmöglichkeit Radoar, einem Weinhof mit Hofladen und Buschenschank, nach Pedratz hinunter marschieren.

Wäre Anna heute mit, die Schafe hier wären ihr Highlight!

Schafe weiden unter dem Hof. Zu unserer Linken ergibt sich ein schönes Bild auf den Eingang des Villnößtales mit den Dolomitenspitzen der Geisler dahinter.

Blick hinüber nach Villnöß mit den Dolomitengipfel der Geislergruppe im Hintergrund

Bei der Häusergruppe Pedratz biegen wir, dem Wegweiser Leitach folgend, rechts ab und wandern parallel zum Eisacktal Richtung Süden. Der Ausblick ist so fesselnd, dass wir vor lauter Begeisterung die Wanderabzweigung „Leitach“ nach dem Oberhemberg Hof verpassen und so in einer Sackgasse beim Rittnerhof laden. Macht nichts, einfach umkehren und die verpasste Abzweigung hinunter nach Leitach nehmen.

Je weiter wir absteigen umso mehr wird die Kulturlandschaft von Weinbau geprägt.

In einer 180 Grad Kurve dürfen wir dem Straßenverlauf nicht folgen, sondern müssen gerade aus, dem Wegweiser Weinwanderweg, der uns zuerst leicht ansteigend in den Wald, dann ein Bachbett querend, weiter durch Wald und dann ab dem Hof Rauchegger in schöne steile, nach Osten hängende Weinberglagen bringt.

Die Eisacktaler Weine wachsen auf lockeren, mineral- und nährstoffreichen Böden, die durch Moränenablagerungen, Verwitterungsschutt und Humusbildung Brixner Quarzphyllit, ein kalkarmes Festgestein, entstanden sind. Das Klima ist eher trocken mit viel Sonnenschein mit großem Tag-Nacht Unterschied bzgl. der Temperaturen. Die Weine wachsen bis auf circa 800 m Meereshöhe hinauf, meist auf Terrassen, welche die steilen Hänge queren.

Soviel zum Terroir der Eisachtaler Weine.

Auf dem Weinwanderweg am Osthang des Eisacktales

Wir folgen nun auf Feldwegen dem Weinwanderweg, genießen die zu dieser Jahreszeit tief stehende Sonne und könnten mit Gott und der Welt zufrieden sein. Doch insgeheim hoffen wir auf eine weitere Einkehrmöglichkeit zu treffen, um unsere Gelüste auf gebratene Kastanien stillen zu können.

Von begrünten Feldwegen wechseln wir uns links haltend – immer dem Wegweiser Weinwanderweg folgend – auf Asphalt, wandern 100 m weiter und werden beglückt vom wunderbaren Anblick des Heiligen Berges mit Kloster Säben darauf. Da ist es also wieder unser erstes Wanderziel! Eingehüllt in warmes Gegenlicht, umrahmt von goldenen Weinberglaub. Herrlich!

Das ist es wieder „unser“ Kloster Säben

Links lädt eine Bank mit Tisch zum Rasten, zum Innehalten und zum Aussicht genießen ein. Hätten wir Rucksackverpflegung mit, wir würden hier genüsslich auspacken und den warmen Spätnachmittag auskosten. Da wir das nicht haben zieht es uns weiter, gerade aus schnurgerade bis wir in einer 180 Grad Kurve, uns der Kurve nicht fügend, gerade aus schreitend direkt auf dem Hieng Hof stoßen.

Törggele Nachspeise am Hieng Hof

Krapfen mit Klosterblick vom Törggelebetrieb und Buschenschank Hieng Hof aus
Der Herbst ist auch im Eisacktal angekommen

Ein Buschenschank mit Aussicht par excellence und für uns heute besonders interessant, denn der Törggelebetrieb verfügt nicht nur über eine traditionelle Stube, sondern auch über Sitzplätze im Freien. Hier lässt es sich so richtig genießen. Mit gebratenen Kastanien kann man uns leider nicht dienen, doch dafür gibt es köstliche Eisacktaler Krapfen. Das süße Gepäck schmeckt uns so gut, dass wir sogar einen Nachschlag bestellen. Krapfen, ein Gläschen Wein, ein Ausblick wie im Bilderbuch, genug Zeit im Gepäck – mein Gott wie schön ist doch das Leben für diejenigen die es auszukosten wissen.

Eisacktaler Krapfen und Wein, das passt!

Gerne würden wir bis zum Sonnenuntergang sitzen bleiben, doch wir nehmen die letzten Sonnenstrahlen lieber mit auf den abenteuerlichen Abstieg.

Man sieht es auf dem Foto nicht so recht, aber das Seil mit den Knoten, das ist tatsächlich notwendig!

Abenteuerlich, den der Steig hinunter nach Klausen, führt durch einen steilen Weinberg. Der ist so steil, dass die umsichtigen Weghalter ein mit Knoten versehenes Seil gespannt haben, an dem wir Wanderer uns festhalten können, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Krass! Nicht falsch verstehen, der Abschnitt ist keine Kletterpassage, die Passage durch den steilen Weinberg ist sogar betoniert, aber sie ist schlicht und einfach sehr steil.

Sonnenuntergang in den Eisacktaler Weinbergen neben Kloster Säben

Der Weinberg ist geschafft. Nun geht es durch ein Waldstück hinunter nach Leitach. Hier biegen wir rechts ab und marschieren nach einigen Meter mittels Unterführung unter der Staatsstraße SS 12 hindurch, weiter entlang des Eisacks zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem großen Parkplatz in Klausen.

GPS-Track Törggelwanderung auf dem Keschtnweg von Klausen über Kloster Säben nach Feldthurns

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Höhengewinn: Keine Daten
Höhenverlust: Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Kloster Säben, Keschtnweg, Törggelen, Schloss Feldthurns

 

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