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Altes Widum Söll

Wandern nach Söll: Ein Blick ins alte Widum

Anlässlich des Europäischen Tags des Denkmals finden heute in Tramin gleich zwei Führungen statt. Am Vormittag dreht sich alles um die Trockenmauern rund um Tramin, am Nachmittag um das alte Widum in Söll, das erst kürzlich saniert und teilweise wieder nutzbar gemacht wurde.

Die Führung in Söll beginnt um 14.00 Uhr. Das muss sich doch mit einer kurzen Mittagswanderrunde kombinieren lassen?

Natürlich!

Über den Geoweg zu den Porphyrfelsen

So kommt es, dass wir nun über den Traminer Geoweg am Höllentalbach entlang hinauf ins Rappental wandern. Dabei überholen wir zwei Mountainbiker. Ja, tatsächlich: Wir. Zu Fuß. Zwei Radfahrer.

Aber klar: Wer mit seinem Zweirad nicht über die Straße bei den „Drei Häusern“ hinauffährt, sondern meint, unbedingt über den Geoweg hochzumüssen, der darf eben auch schieben. Und schiebende Radfahrer können mit uns Wanderern natürlich nicht mithalten.

Hier auf dem Geoweg zwingt nicht nur der Pfad selbst, sondern auch die eine oder andere Stufe zum Absteigen und Schieben. Nach den Stufen allerdings geht es auf Asphalt weiter. Etwas unterhalb vom Psenner müssen wir die beiden Radfahrer deshalb wieder ziehen lassen. Aber nur, weil sie sich Strom zu Hilfe nehmen – und weil wir gleichzeitig beschließen, auf dem Asphalt zu bleiben, anstatt über den 10er-Steig beim Marterl den kürzesten Weg hinaufzunehmen.

Wir müssen nämlich einen Zeitplan einhalten. Sprich: Um Punkt 14.00 Uhr sollen wir bei der Kirche in Söll stehen. Und das bedeutet heute vor allem eines: langsam sein. Denn ich ahne bereits, dass die von der Alpenvereinaktiv-App veranschlagten 1 Stunde 45 Minuten vieeel zu großzügig bemessen sind.

Also schlendern wir mehr, als dass wir wandern, hinauf zum Zoggler Forstweg, biegen dort rechts ab und marschieren gemütlich über den Forstweg, Wanderweg 4B, Richtung Altenburg. Bis zum eigentlichen Siedlungskern gehen wir allerdings nicht. Rund 400 Meter nach dem Ende des Forstweges biegen wir rechts in den Seeberg ein und steuern die wunderbaren Porphyrfelsen am Altenburger Panoramaweg an.

Seeblick

Zeit für eine kurze Mittagspause – mit Blick auf Tramin und den Kalterer See. Die Porphyrfelsen sind übrigens nicht nur Aussichtskanzel, sondern auch ein kleiner, aber feiner Klettergarten.

Der AVS gibt die Schwierigkeiten mit 5a bis 6c an. Die meisten Routen bewegen sich im 5. Grad, im zweiten Sektor überwiegen die 6er. Auch die Bohrhakenabstände werden ausdrücklich als relativ eng beschrieben.

Naja. Für uns Nichtkletterer ist das zwar Chinesisch, aber vielleicht verstehst ja du das?

Nachdem das Brot verdrückt und der Apfel verspeist ist, bleiben uns noch 30 Minuten bis zum Beginn der Führung in Söll. So machen wir uns wieder auf den Weg. Direkt am Einstieg des Klettergartens vorbei steigen wir hinunter zum Römerweg und folgen dem Wandersteig weiter bis zur Feuerwehrhalle in Söll.

Die letzten Meter bis zur Kirche, dem Treffpunkt der Führung, müssen wir zwar auf Asphalt absolvieren, doch der Blick auf den schönen Arzenhof und über die prämierten Gewürztraminerlagen von Söll entschädigt dafür locker.

In Söll öffnen sich die Türen des alten Widums

Vor der St. Mauritius Kirche warten bereits zahlreiche Führungsteilnehmer, und es dauert nicht lange, da taucht auch schon unsere Führerin auf: die Traminer Architektin Marlene Roner.

Zuerst erklärt uns Marlene, dass es heute durch das alte Widum geht – und dass so mancher darunter offenbar das alte Mesnerhaus direkt hinter der Kirche verstanden hat.

Ach! Mit „so mancher“ sind somit auch wir gemeint.

Wie wir nun erfahren, befindet sich das alte Widum gar nicht unmittelbar bei der Kirche, sondern rund 50 Meter weiter oben. Ursprünglich war es ein Bauernhaus, das im Laufe der Zeit von der Pfarre übernommen und zum Widum umfunktioniert wurde.

Erst kürzlich wurde das Gebäude mithilfe eines EU-Fonds saniert: einerseits, um es wieder sinnvoll nutzen zu können – eine neu ausgebaute Wohnung ist bereits vermietet –, andererseits, um das historische Gebäude zu erhalten und zumindest teilweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Genau das sei sogar eine Auflage der EU-Förderung.

Außer als Widum diente das Gebäude auch als Grundschule. Einige Klassen waren im Widum untergebracht, andere im Mesnerhaus.

Da deutet plötzlich jemand auf eine Dame und ruft: „Und do isch die Lehrerin!“

Tatsächlich steht mitten unter uns eine der letzten Lehrerinnen der Söller Schule. Anna fragt mich sofort, ob das die Lehrerin der Oma sei. Schließlich ist die Oma ja hier in Söll zur Schule gegangen.

Ich glaube eher nicht. Das würde sich vom Alter her nur mit gewaltigen Verrenkungen ausgehen.

Ab nun hat Anna allerdings bei jedem Wort, das die ehemalige Lehrerin von sich gibt, die Ohren gespitzt. Im Laufe der Führung wird sie noch herausfinden, dass es die Lehrerin von Onkel Franz war – also von meinem Onkel und ihrem Großonkel.

Vom Treffpunkt vor der Kirche führt uns Marlene nun ein Stück bergauf zum alten Widum. Der Zugang führt durch einen Hofeingang, über dem sich ein Rundbogen spannt, fast vollständig von Efeu verschluckt.

Ach, das ist also gar kein reiner Privathof? Hier darf man tatsächlich hindurch? Und hier führt außerdem ein eingetragener Kirchensteig vorbei? Was wir heute nicht alles erfahren!

Wohlgemerkt: Ein eingetragener Kirchensteig ist noch lange kein öffentlicher Wanderweg. Aber für Einheimische sollte so ein alter Weg zumindest genügend Rückendeckung bieten, um sich beim Queren der Grundstücke nicht gleich eine Schimpftirade vom Grundbesitzer einzufangen. Und falls doch: Man könnte ja behaupten, man sei auf dem Weg zur Kirche.

Zuerst schauen wir uns die Südseite des schönen bäuerlichen Weinhofs an. Dafür schlendern wir ein paar Dutzend Schritte in die Weinberge hinaus. So können wir das Widumsgebäude in seiner ganzen Ausdehnung erfassen.

Marlene erzählt uns dabei von der Sanierung. In diesem ersten Schritt ging es vor allem um die statische Sicherung des Gebäudes und um den Ausbau einer Wohnung. Bevor mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden konnte, mussten natürlich erst einmal die Räume leergeräumt werden. Dabei halfen zahlreiche Traminer mit und packten kräftig an.

Heute dürfen wir die Kellerräume und einen Raum im ersten Stock besichtigen. Die Wohnung natürlich nicht – die ist bereits vermietet. Und auch das beeindruckende Dachgeschoss bleibt uns leider verwehrt. Dort ist die Sanierung noch nicht abgeschlossen. Aus finanziellen Gründen musste dieser Teil auf einen zweiten Bauabschnitt verschoben werden.

Nach der Außenansicht geht es nun aber hinein. Genauer gesagt: unter die schönen Kellergewölbe.

Als ehemaliger Weinbauernhof kann das Widum natürlich mit prächtigen Naturkellern aufwarten, wie sie bei uns in der Gegend typisch sind. Hier wurde einst auch der Messwein eingekellert. Klar.

Für uns gibt es allerdings nur ein Gläschen Wasser. Den Messwein trinkt der Pfarrer wahrscheinlich lieber selber. Sehr schade!

Hinter dem großen Kellerraum geht es einige Stufen hinunter in einen kleineren Keller, der vollständig unter der Erde liegt.

In einer Ecke erspäht Anna eine alte Schulbank, auf der eine mechanische Schreibmaschine steht. Die Schreibmaschine gehörte freilich nicht zur üblichen Ausstattung der Schüler, sondern vermutlich eher zum Inventar des Pfarrers. Die Schulbank selbst verrät ihren ursprünglichen Zweck jedenfalls eindeutig: In der Tischplatte sitzen noch die typischen Öffnungen für die Tintenfässchen.

Über eine steile Stiege geht es jetzt hinauf in den ersten Stock. Oben kommen wir in jenen Raum, der von außen als Erker hervortritt. Früher war dies ein typischer Durchgangsraum, der sich quer durch das Haus zog. Heute ist er abgetrennt.

Nein, nicht weil man bei der Sanierung kurzerhand eine Wand hineingezogen hätte. Bei einer solchen Restaurierung gelten strenge Auflagen des Denkmalschutzes – da ist mit lustigem Umbauen nicht viel. Im Gegenteil: Eine alte Solaranlage und die Ölheizung mussten sogar entfernt werden, um das Gebäude möglichst weit auf seinen früheren Zustand zurückzuführen.

Die Abtrennung dieses Raumes erfolgte schon viel früher, als hier eine Wohnung für den Pfarrer eingerichtet wurde. Von damals zeugt noch eine Feuerstelle in Form eines Kamins. Vermutlich befindet sich auf der anderen, für uns nicht sichtbaren Seite ein Kachelofen – ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, denn an dieser Stelle habe ich bei der Führung offenbar nicht aufmerksam genug zugehört.

Von hier würde es weiter hinauf ins Dachgeschoss gehen. Der Zugang bleibt uns leider verwehrt. Wie gesagt: Das Dachgeschoss wartet noch auf seine Sanierung.

Doch das alte Söller Widum ist noch aus einem ganz anderen Grund interessant: Hier wurde 1886 Max Sparer geboren, ein Südtiroler Maler und Grafiker, dessen Name mir leider wenig sagt.

Also ein kurzer Abstecher in die Kunstgeschichte.

Max Sparer wurde 1886 hier in Söll geboren – wie wir nun wissen, genau in jenem Haus, das heute als altes Widum bekannt ist. Als Maler und Grafiker widmete er sich vor allem der heimischen Landschaft und dem bäuerlichen Leben.

Nach seiner Ausbildung in Bozen besuchte er verschiedene Kunstkurse und erhielt unter anderem Unterricht bei Albin Egger-Lienz, Carl Moser und Karl Pferschy. Vieles brachte er sich allerdings selbst bei.

Besonders bekannt wurde Sparer für seine Farbholzschnitte. Seine Motive fand er praktisch vor der Haustür: Bauern bei der Arbeit, Südtiroler Brauchtum und immer wieder die Landschaft rund um die Montiggler Seen. Daneben entstanden Aquarelle und Ölbilder; einige seiner Holzschnitte wurden später sogar als Postkartenmotive verwendet.

1926 stellte er erstmals auf der Kunstbiennale des Tridentinischen Venetiens in Bozen aus und gehörte später zu den Gründungsmitgliedern des Südtiroler Künstlerbundes. Mit 45 Jahren zog er sich in das Schlössl am Großen Montiggler See zurück, wo er bis zu seinem Tod 1968 lebte.

Und Sparer konnte nicht nur mit Pinsel und Holzschnittmesser umgehen. Er galt auch als ausgezeichneter Zitherspieler und trat unter anderem an der Exlbühne in Innsbruck und im Batzenhäusl in Bozen auf.

Heute befinden sich seine Werke in verschiedenen Südtiroler Sammlungen. Und wir wissen jetzt außerdem: Seine Lebensgeschichte begann ausgerechnet hier im alten Söller Widum.

Auf den Spuren des alten Söller Kirchensteigs

Damit ist unsere Führung beendet. Anna und ich verabschieden uns von Marlene und beschließen, uns für den Rückweg nach Hause noch auf die Spuren des alten Kirchensteigs zu begeben. Schließlich wollen wir ein wenig in den Fußstapfen von Oma, Tanten und Onkeln wandeln.

Das gelingt zugegebenermaßen mehr schlecht als recht.

Eine Weinbergzeile hinunter: Zaun. Zwei Zeilen wieder hinauf: Mauer. Unser historischer Spürsinn erweist sich als ausbaufähig. Irgendwie schaffen wir es am Ende trotzdem bis zum Maratscherhof und über die Drei Häuser zurück zum Schloss Rechtenthal und schließlich nach Hause zum Mandlhof.

Ob wir dabei tatsächlich auf dem alten Kirchensteig unterwegs waren? Keine Ahnung.

Und weil dieses Stück kein offizieller Wanderweg ist, zeichne ich in der Karte unten für den Rückweg lieber den offiziellen Traminer Naturlehrpfad ein.

Zum Schluss noch ein großes Dankeschön an Marlene für die interessante Führung und an all jene, die mitgeholfen haben, dieses Stück Söller Kulturgut zu erhalten und wieder mit Leben zu füllen.

Wanderkarte mit GPS-Download: Tramin–Söll

Akt. Position: -km, -m
↓ download GPX

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)

Eckdaten der Tour

Wandern nach Söll: Ein Blick ins alte Widum

  • Dauer: 2:50 h
  • Distanz: 8,3 km
  • Bergauf: 415 m
  • Bergab: 417 m
Um welche Art von Tour handelt es sich?
Es handelt sich um eine Tour der Kategorie Themenwege, Wandern
In welcher Region befindet sich die Tour?
Die Tour befindet sich in der Region Etschtal
Um welche Bergkategorie handelt es sich? Auf welcher Höhe liegt die Tour?
Es handelt sich hierbei um einen Berg der 0er Kategorie. Der tiefste Punkt der Tour liegt auf 308 m über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt der Tour liegt auf 675 m über dem Meeresspiegel.
Wie lang ist die Strecke?
Die Tour ist 8,3 km lang.
Wie streng ist der Aufstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Es sind 4,0 Kilometer und 415 Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von 11,1 %.
Wie anspruchsvoll ist der Abstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Im Abstieg sind 4,2 Kilometer und 417 Höhenmeter zu bewältigen. Das entspricht einem durchschnittlichen Gefälle von 10,6 %.
Wie viel Zeit werde ich für die Tour brauchen?
Ein durchschnittlicher Wanderer benötigt für die reine Gehzeit ca. 3:15 Stunden, ein geübter Wanderer ca. 2:50 Stunden.
Dieser Wert kann individuell stark variieren. Siehe Gehzeitrechner.
Wie viele Kalorien werden bei der Tour verbrannt?
Bei der Wanderung werden ca. 1.028 kcal verbrannt.
Es ist zu beachten, dass die Berechnung des Kalorienverbrauchs auf Faustformeln und allerlei Annahmen beruht, z.B. Gewicht=75 kg, Kalorienverbrauchsvorgaben für Aufstieg, Abstieg, flach usw. und daher nur eine Schätzung und keine exakte Angabe liefert. Wenn du deinen Kalorienverbrauch selbst berechnen möchtest, dann schau dir diesen Kalorienrechner an.
Gibt es interessante Wegpunkte?

Ja, es gibt interessante Wegpunkte. Hier ist eine Liste:

  • Altes WidumHöhe: 448 m ü. d. M.GPS: 46.359795, 11.240666
  • Kirche, Anbetungsort1Höhe: 435 m ü. d. M.GPS: 46.359708, 11.241868Kirche, Anbetungsort 39040, Tramin an der Weinstraße - Termeno sulla Strada del Vino, Bolzano - Bozen, ITA
  • Mandlhof (Gasthaus)Höhe: 343 m ü. d. M.GPS: 46.346447, 11.238477Mandlhof (Gasthaus) Mühlgasse - Via Molini 58 39040, Tramin an der Weinstraße - Termeno sulla Strada del Vino, Bolzano - Bozen, ITA
  • Söll - SellaHöhe: 435 m ü. d. M.GPS: 46.360073, 11.242361

Fotos der Wanderung von Tramin nach Söll

 

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