Pfunderer Almen am Pfunderer Höhenweg

Auf der Letteralm im Pfunderer Tal.
Auf der Letteralm im Pfunderer Tal.

Das Pfunderer Tal, ein weißer Fleck auf unserer Wanderkarte. Außerdem wollten wir heuer den Pfunderer Höhenweg (6 Tages Tour von Sterzing nach Pfalzen) bewandern, aber irgendwie schaffen wir es nicht, uns die Zeit zu nehmen. Das sind die zwei Gründe, warum wir heute auf der Pustertaler Straße bei Niedervintl rechts abbiegen und vorbei am Dorf Weitental bis nach Pfunders fahren. Die Ferienregion und Almenregion Gitschberg Jochtal bietet hier dem interessierten Wanderer felsige Steige in die Pfunderer Berge oder grasige Pfade auf die umliegenden Almen. Für Wander-Urlauber hat der Tourismusverein die kostenlose Almencard ausgearbeitet, welche viele Inklusivleistungen enthält wie z.B. die Nutzung der Bergbahn Gitschberg, der Bergbahn Jochtal, der Seilbahn Mühlbach-Meransen, die Busfahrt von Mühlbach auf die Rodenecker Alm, Gipfeltour zur Panoramaplattform des Gitschberg, Höfewanderung im Pfunderertal usw.

Wir beide wollen heute nicht allzu hoch hinauf, des Wetterberichtes wegen. Darum nehmen wir mit einer Almwanderung vorlieb, welche uns von Pfunders zur Mitterhofer Alm, über den Pfunderer Höhenweg hinüber zu Gampilalm und über den Wandersteig Nr. 30 wieder herunter in die Talsohle des Pfunderer Tales bringen wird.

Der Wanderweg führt uns komischerweise der Beschilderung Sonnseite folgend (komisch, weil es sich um einen Osthang handelt, der erst ab dem späten Vormittag in der Sonne liegt) am Obergasser Hof vorbei entlang einer asphaltierten, aber kaum befahrenen Nebenstraße, nur mäßig ansteigend mit Ausblick gegen Norden zu den Zillertaler Alpen zur Grabspitz (3.063 m ü.d.M.) und gegen Süden in Richtung Weitental und Vintl, bis kurz nach dem Hauer Hof empor.

Nun biegen wir leicht links in einen Waldsteig ein und wandern wenige Minuten gemütlich dahin bis der Pfad zunehmend steiler wird und uns zum kraftzerrenden Steigen über Stock und Stein zwingt.

Schnaufend passieren wir abwechselnd schattigen Nadelwald und sonnige Lichtungen. Trotz wechselhaften Wetterberichtes meint es der Wettergott heute gut mit uns. Über dem Gitschberg Jochtal ein großes Sonnenloch, rund herum Wolken verhangener Himmel.
Eine größere Lichtung lädt fast zum Verweilen ein, da bemerke ich über uns ein Auto vorbei fahren. Scheinbar werden wir nun eine Straße queren. So ist es. Schon darauf eingestellt, der Zivilisation ins Auge blicken zu müssen, überrascht die kleine Almenstraße mit blumigen Magerwiesen rechts und links des Weges. Selten so viele duftende Wiesenblumen gesehen. Die beste Ehefrau von allen lässt es sich nicht nehmen, einen gewaltigen Strauß zu pflücken. Leider kommt sie dann auf die Idee, den Strauß an meinem Rucksack zu befestigen, was mir einen extrem blumigen Duft beschert und eine nicht so schöne allergische Reaktion hervorruft. Heuschnupfen lässt grüßen.

Auf der Letterzogel Alm ist trotz Sonntag ein Jungbauer mit dem Heuwenden beschäftigt. Handarbeit Fehlanzeige, mit Ohrschützern sitzt er gemütlich in der Kabine seines Mähtrac, während der angebaute Heukreisler die Arbeit macht, die ich in jungen Jahren auf dem Hof vom „Nen“, dem Gummererhof, mit dem Rechen erledigt habe.

Wellnessmassage auf den Pfunderer Almen
Wellnessmassage auf den Pfunderer Almen

Vor uns ein steiler Abschnitt Wiesenpfad. Schwitzend erklimmen wir zuerst die Krumalm und dann die Wellness-Alm Mitterhofer Alm. Wellness, weil hier augenscheinlich Wellness und Massagen für Rindviecher und auch für vorbeiwandernde beste Ehefrauen von allen *g* angeboten wird.

Zwischen Krummalm und Mitterhofer Alm am Pfunderer Höhenweg
Zwischen Krummalm und Mitterhofer Alm am Pfunderer Höhenweg

Ab der Mitterdorfer Alm, welche das Ende des Kröllgrabens markiert, der von Pfunders bis hier herauf reicht, sollten wir den kräftezehrenden Anstieg geschafft haben. Es geht nämlich, die Wiesenhänge querend, den Pfunderer Höhenweg entlang, in nördlicher Richtung der Grenze zwischen Südtirol und Nordtirol entgegen.

Ein besonders aussichtsreiches Plätzchen mit Blick hinunter ins Pfunderer Tal und hinüber auf den Gipfel des Grinth (2.620 m) lädt zum Verweilen ein. Wir haben Glück, die kürzlich aufgezogene Wolkendecke reißt wieder auf und strahlender Sonnenschein lässt während des Sonnenliegens die Furcht vor einem Sonnenbrand aufkommen.

Von der Gampilalm dringt Volksmusik herüber. Da muss es ein Fest geben. Ausgeruht, den Magen voller Südtiroler Vinschgerlen, Speck, Käse und Tomaten aus einem Traminer Garten 😉 brechen wir auf, der vermeintlich sehr nahen Gampil Alm entgegen. Es dauert nicht lang bis der Pfunderer Höhenweg sein wahres Gesicht zeigt. Wir müssen vorbei an der Gruipa Alm, hinein in den Holzergraben, dann hinunter zum Falzoarer Graben, hinauf zur Hauer Hütte und zum Schluss die Kuhscharte bezwingen.

Wandern auf dem Pfunderer Höhenweg
Wandern auf dem Pfunderer Höhenweg

Nix mit „komod durch die Gegend wandern“. Die Botanik rund um den Pfunderer Höhenweg passt sich dem feuchter werdenden Boden an. Wasser liebende Gräser wachsen hier bis zu einem Meter hoch, sodass sie unsere Ellbogen streifen.

Vor der Hauer Hütte hören wir wieder einmal einen pfeifenden Gesellen. Leider lassen er und das unzureichende Teleobjektiv es nicht zu, ihn aus der Nähe abzulichten. Bis auf circa 40 m komme ich ran, dann verschwindet das Murmeltier in seinem Bau.
Der letzte kurze Anstieg hinauf zur Kuhscharte (2.173 m), rechts der Riegler (2.225 m), fordert nochmals ordentlichen Krafteinsatz, doch dann ist es geschafft. Heute werden wir nur noch bergab wandern.

Unterwegs im Pfunderer Tal
Unterwegs im Pfunderer Tal

Der Pfunderer Höhenweg biegt nun rechts in Richtung Eisbruggtal, Eisbruggalm, Edelrauthütte und Hochfeiler (mit 3.510 m der höchste Berg der Zillertaler Alpen) ab, wobei man aber den Hochfeiler nicht sehen kann, nur die südlicheren Bergspitzen von rechts nach links: Napfspitz, Niederer Weißzint, Gschirn, Roteck, Dannelspitze, Rotes Beil, Weisswand, Fasnacht. Da drüben ginge die 6 Tagestour Pfunderer Höhenweg vorbei. Wir sind heute nur ein mickriges, kleines Stück in entgegengesetzter Richtung gewandert, wenn man den Pfunderer Höhenweg von Sterzing zum Heimatort unseres Landeshauptmannes Luis Durnwalder, also nach Pfalzen sieht. Wir wären dann auf der Etappe Tag 5, welche von der Edelrauthütte (Eisbruggjochhütte) zur Tiefrastenhütte führt, gewesen.

Bei der Gampilalm angekommen, entscheiden wir uns, einzukehren. Ein gutmütiger Stier unter muhenden Kühen, der sich von den Gästen gerne streicheln lässt, schaut uns über einen Holzzaun neugierig zu, wie wir bei einem Hefeweizen (ja, ich mache heute mal eine Ausnahme) und einem Mineralwasser uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.

Bald heißt es Abschied nehmen. Die Suche nach dem Einstieg in den Steig Nr. 30 will trotz GPS nicht so recht gelingen. Kann ja nicht die Schotterstraße sein, oder? Wir sind gerade beim Suchen, da landet plötzlich der Rettungshubschrauber. Gras fliegt durch die Luft, die Rotorblätter machen den entsprechenden Lärm dazu.

Wir beide halten uns nicht auf, steigen lieber zwischen Wald und Wiese einen extrem steilen Steig (wahrscheinlich wohl eher eine Böschung und kein Steig) ab bis wir die Serpentinenreiche Schotterstraße erreichen. Von hier biegt der nun markierte, reguläre Waldsteig rechts ab. Durch recht dichten Wald geht es bis kurz vor den Hinteregger Hof hinunter, wo wir wiederum auf die Straße treffen. Dieser müssen wir nun einige Serpentinen lang folgen, was den Rückweg ziemlich verlängert. Das letzte Straßenstück wird zum Glück wieder durch einen Waldpfad Nr. 30 abgekürzt, der zugleich ein Kreuzgang ist. Wir steigen etwa bei Bildstock Nr. 7 ein und folgen dem Kreuzgang in absteigender Richtung bis zur Kapelle Eggerstöckl. Von hier geht es noch bis zum Dorfer Hof hinunter und dann über den Dorfrundweg (Straße) am Obergasser Hof vorbei bis zu unserem Ausgangspunkt.

Das war heute eine botanisch sehr interessante Wanderung. Selten so viele Blumen gesehen. Was noch in Erinnerung geblieben ist: eine extrem hohe Anzahl an Ameisenhaufen und Waldkühen (Kühe, welche es sich im dichten Wald gemütlich gemacht haben). Drei, vier Wochen früher wäre wegen der Blumenpracht noch optimaler gewesen, aber auch so konnten wir die Pfunderer Almen und die Pfunderer Bergwelt entlang des Pfunderer Höhenweges, auch wegen des uns gut gesinnten Wettergottes, richtig genießen.

GPS Daten Pfunderer Almen

Impressionen vom Wandern am Pfunderer Höhenweg

3 Gedanken zu „Pfunderer Almen am Pfunderer Höhenweg“

  1. georg sagt:

    Eine wunderschöne Gegend! Leider (oder zum Glück) wenig bekannt. Was mir besonders gefällt ist die Ruhe (ganz im Gegensatz zum Dolomitengebiet).
    Den Pfunderer Höhenweg kann ich nur empfehlen, ich habe ihn mal in den 90ern gemacht, 6 Tage abseits der Zivilization!

  2. Dietmar sagt:

    Hallo Georg, da hast du ganz Recht. Genau die Ruhe abseits vom Dolomiten Trubel ist der Reiz der Pfunderer Gegend. Wir haben auf unserer kurzen Rundwanderung nicht einen einzigen Mitwanderer angetroffen.

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