Wanderung auf das Schwarzhorn

Etwas verwundert bin ich jetzt schon. Warum wohl steht das Schwarzhorn so eklatant im Schatten seines kleineren Bruders, des Weißhorn? Der circa einstündige Wanderpfad vom Jochgrimm über die Nordflanke hier herauf bis zur Spitze des Schwarzhorn auf 2.435 m war landschaftlich abwechslungsreicher und schöner als der Pfad, der zum Weißhorn hinauf führt. Um 6.10 Uhr sind wir vor dem Hotel Schwarzhorn gestartet, dann kurz über einen breiten Weg bis zu einem umzäunten Weiher gegangen, anschließend durch Almrosen und mannshohe Latschen steil empor gestiegen und zum Schluss über, wie soll ich sagen, gerölliges bis felsiges Porphyrgestein bis hier herauf gewandert.

Gipfelkreuz und Marienstatue am Schwarzhorn
Gipfelkreuz und Marienstatue am Schwarzhorn

Zu unserer Rechten hatten wir einen tollen Ausblick auf das Weißhorn. Zurückschauend konnten wir die sich im Gegenlicht befindlichen Silhouetten der bekannten Dolomitengebirgsgruppen: Lagorei, Latemar, Rosengarten und Schlern erblicken. Nasse Waden haben wir uns geholt. Nachts hatte es gewittert, der Pfad unten bei den Almrosen war recht eng, so dass wir durch das Almgestrüpp fast durchwaten mussten.

Wegen des nächtlichen Niederschlages hätte ich mit einer idealen Fernsicht gerechnet. Dem ist aber leider nicht so. Schade. Egal, trotzdem genieße ich es jetzt um 7.00 Uhr in der Früh hier am Gipfel des Schwarzhorns zu sein, um mich in aller Seelenruhe mit meiner 360° Fotografie-Arbeit beschäftigen zu können. Die beste Ehefrau von allen, hat sich, des Windes wegen, in einer Mulde verkrochen und hält eines ihrer Minuten-Schläfchen. Sie muss das, da sie meist nur 5 Stunden schläft.

360° auf dem Schwarzhorn: ein herrlicher Blick auf das Fleimstal
360° auf dem Schwarzhorn: ein herrlicher Blick auf das Fleimstal

So ganz so spitz, wie das Schwarzhorn von unserem Heimatdorf Tramin aus aussieht präsentiert es sich hier oben nicht. Ich muss sogar zwei 360° Fotos erstellen, um sämtliche Bergketten rundherum optimal abdecken zu können.

Ich versuche mal aufzuzählen. Natürlich beginne ich mit Tramin und dem Roen, die sich im Westen befinden, drehe mich dann gegen den Uhrzeiger: Mendelgebirge mit Roen, darunter Tramin, dahinter Ortler Gruppe, dann Brenta Dolomiten, im Süden Fragezeichen (kann ich leider nicht benennen), im Osten die Lagorai Gruppe mit dem Fleimstal darunter, nördlicher dann wieder Fragezeichen (schade), dann der Zanggen, der zerklüftete Latemar, der sagenumwobene Rosengarten, der Schlern, die Texelgruppe und dahinter die Ötztaler Alpen, das Weißhorn im Vordergrund an dessen Fuße sich das Skigebiet Jochgrimm befindet, dann wieder das Mendelgebirge mit Eppan und Kaltern.

360° am Schwarzhorn: Blick auf das Südtiroler Unterland
360° am Schwarzhorn: Blick auf das Südtiroler Unterland

Ich habe das Schwarzhorn unterschätzt. Als Aussichtsberg ist es dem Weißhorn überlegen. Wenn Letzteres an seiner Westflanke nicht das UNESCO Weltnaturerbe Geoparc Bletterbach aufweisen könnte, stünde das Schwarzhorn sicherlich nicht im Schatten seines großen Bruders.

Den einen oder anderen Leser wird es nun etwas belustigen, das ich mich so begeistert über das Schwarzhorn äußere, wenn die weltbekannten Gipfel der Dolomiten zum Greifen nah sind. Diesen Lesern sei erklärt, dass das Schwarzhorn genau wie das Weißhorn und der Roen zu unseren Hausbergen gehören. Der Roen, weil wir an dessen Fuße wohnen, das Weißhorn und das Schwarzhorn, weil die beiden direkt in unserem Terrassen-Frühstücksblickfeld liegen (auch wenn man umgekehrt von hier oben unsere Terrasse nicht sehen kann; da fehlen mir leider die Adleraugen).

Es ist also die Liebe zum Bekannten. Ich erinnere mich, wie wir einmal bei einigen Urlaubsgästen, die wir bei einer Dolomitenwanderung getroffen hatten, eher abschätzige Bemerkungen über das Weiß- und Schwarzhorn vernehmen mussten. Ok, markant und bekannt wie die berühmten Nachbarn sind diese beiden südlichsten Hörner der Dolomiten nicht, aber dafür sind sie bezüglich ihrer Silhouette richtig typische Berge wie man sie als Kind gezeichnet hat – Pyramidenform eben! Außerdem sind sie zwei wunderbare Aussichtsberge. Wenn ich am Schlern oben stehe, kann ich denselben nicht so toll betrachten. Besser ist es, auf einem Nachbarberg zu stehen.

„Nimm die Keksln mit. Gean mir zu di Geas oi. Schaugn ob si gluschtig sein.“ Gesagt getan und schon sind wir beide umringt von neugierigen, streng riechenden Hornträgern.
“So longsom wearts Zeit, gean mr?“ “Jo.”

Wie immer haben wir uns für eine Rundwanderung entschieden und so wandern wir an der steilen bewiesten Ostflanke des Schwarzhorns leicht absteigend in südlicher Richtung dem Kugeljoch entgegen.
Der Pfad ist eine knöcheltiefe Furche im Wiesenhang und führt uns zuerst recht flach zu einem leichten Vorsprung mit toller Aussicht auf das Fleimstal und dann etwas steiler in südlicher Richtung über einen Wiesenhang bis zur Zone der Almrosen hinunter.

„Do miasets theoretisch rechts oi gean. Sigsch tu ebes?“ „Na.“ „Hmmm… des do entn, sel kant der Weg sein.“ Tatsächlich, wir müssen nun einen zuerst ziemlich versteckten, nicht leicht ausmachbaren, nicht markierten Pfad durch Almrosen und Latschen hinunter, der aber schnell einem breiteren, gerölligen Lochweg weicht, folgen. Schaut fast aus wie ein ausgetrocknetes, ausgefurchtes Bachbett. Ein interessanter Abstieg. „Zum Glick miasn mir do nit aui gean, ha?“ „Jo sel hon i mir a krot gedenkt.“ Das Bachbett ist nämlich steil, erdig und geröllig. Der Aufstieg wäre somit ziemlich anstrengend.

Eigentlich müssten wir die Höhenmeter schon alle abgestiegen sein. Kaum gedacht, sehen wir rechts ein flachen Waldpfad der in Richtung Jochgrimm abzweigt. Der Pfad entpuppt sich als märchenhafter Spazierweg, mit lichtem Wald, Almrosen, die im Gegensatz zu denen beim Auf- und Abstieg noch in frischer Blüte stehen, saftigem Gras, nassen Wurzeln über die man leicht stolpern kann… Der Rückweg zum Jochgrimm wird zum Spaziergang mit lockerem Geplaudere.

„Stean Almrosen unter Naturschutz?“ „I woas es nit, obr i glab nit, sein jo Staudn, die si obn ban Hirzer direkt ohockn.“ Ich erinnere mich wie unsere Hirzer-Bekanntschaft gesagt hatte, dass die Bauern im Hirzergebiet Almrosen abhaken müssen, da sie sonst die Almwiesen komplett verdrängen würden.

Wir spazieren gemütlich und zufrieden zurück zum Jochgrimm und sind froh uns trotz mehrerer Arbeits-Vorhaben an diesem Sonntag, trotzdem für eine Wanderung entschieden zu haben.

Die Rundwanderung über das Schwarzhorn ist recht kurz und kann jedem Trittsicheren wärmstens empfohlen werden.

GPS Tour wandern zum Schwarzhorn

Fotos Rundwanderung Schwarzhorn

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