Wanderung von Tramin über die Schmiedebene nach Graun und Penon

Wandern in Corona-Zeiten, das heißt Wandern mit Maske, mit Abstand und mit Vorsicht. Eigentlich kein Wandern, sondern mehr ein Spazieren, der körperlichen, aber auch geistigen Gesundheit wegen. Zurzeit heißt das direkt von zu Hause aus starten, denn heute herrscht in Italien immer noch der alles bestimmende Lockdown. Wir Südtiroler dürfen seit einigen Tagen aufgrund einer Verordnung des Landeshauptmannes endlich raus ins Freie. Aber nur zu Fuß, nur zusammen mit denen die unter einem Dach wohnen, dafür wie weit uns die Füße tragen. Hätte der Landeshauptmann gewusst, dass unsere Füße uns sehr sehr weit tragen, hätte er vielleicht eine Distanzregel festgeschrieben 😉

Wie auch immer. Mein alljährlicher Geburtstagsausflug muss also Virus bedingt, direkt von zu Hause aus, zu Fuß, starten. Wir setzen sicherheitsbedingt noch einen oben drauf und starten zu Mittag, weil wir um diese Uhrzeit am wenigsten Leute vermuten und marschieren über Steige, die nicht von den spazierenden Massen frequentiert werden.

Mit Corona-Maske auf dem steilen 6er Steig hinauf zur Zoggler Wiese.

6er-Steig Kaltenbrunn/Schwarzer Kopf

So geht es vom Kastelazweg über den steilen 6er-Steig hinauf zur Zoggler Wiese. Ich schnaube wie ein Ross. Die Maske ist schuld. Ich trage sie andauernd egal ob wir Menschen kreuzen oder nicht. Die Bestimmung fordert das zwar nur wenn man in die Nähe von Leuten kommt, doch ich habe für mich gemerkt, die Maske hilft auch gegen Pollenallergie. Mit Maske ist es für mich trotz Pollenhochsaison möglich Nies frei zu wandern. Perfekt.

Blick auf den Kastelaz Weinberg und Tramin
Richtung Norden reicht der Ausblick bis zum Kalterer See

Die Aussicht hinunter zum Kastelaz Hügel und hinein zum Kalterer See markiert circa die Hälfte des Steiges, sofern man nur das Teilstück Kastelazweg-Zoggler Wiese misst. Mittlerweile kennen wir fast jeden Stein dieses Wanderpfades. Es ist nicht das erste Mal, dass wir hier herauf wandern.

Anna voraus, ich hinterher und die beste Ehefrau von allen hinten drein. So sind wir schon öfters, vom Mandelhof aus gerechnet in 30 Minuten, heute gemütlich in 40 Minuten, zum Zoggler aufgestiegen.

Heute marschieren wir nicht nur gemütlicher, wir lassen auch den Zoggler rechts liegen und wandern den 6er Steig weiter, dem Wegweiser Kaltenbrunn folgend. Anna hat Hunger. Klar wir sind um Zwölf Uhr gestartet und nun ist es fast Ein Uhr. Ich vertröste sie.

„Gean mir no aui bis zur Schmiedebnd, zem essn mir nor.“

Das passt ihr überhaupt nicht. Sie beginnt zu raunzen. Doch der Tati kennt einen Trick. Reden, reden und nochmals reden. Anna kann man mit Quatschen recht einfach und vor allen sehr zuverlässig von fast allem abgelenkt werden, auch von Hunger.

„Woasch Anna, do geat‘s afn Schworzn Kopf aui.“

„Schun? Gean mir zem Heinz aui?“

„Na heint nit, weil sel isch volle weit und volle steil!“

„Jo obr i konn volle weit und volle steil!“

„Woasch deis Brekl van Zoggler bis zur Schmiedebnd aur isch es oanfochschte und“, mir geht fast die Luft aus, Wandern mit Maske und dann noch Reden, „am weanigschten steilste van gonzen Weg zum Schworzn Kopf. Drnoch muas man Koltnbrunn au, donn afn Grenzleger und nor afn Schworzen Kopf und ols isch volle steil!“

„Jo obr a ondrs Mol gean mir aui, weil i will aui und ich konn guat und i pock sel schun und i…“, Anna kann vieles. Sie kann zugegebenermaßen gut wandern und wenn sie selbst will dabei auch verbissen sein, sie kann aber auch sich selbst seeehr gut loben und vor allem kann sie reden wie ein Buch, auch während des Wanderns. Bei letzterem kann der Tati nur schwer mithalten.

Zum Glück sind wir nun fast auf der Schmiedebene. Buchen säumen den Weg. Das Laub raschelt unter unseren Füßen, Vögel zwitschern, die Sonne glitzert durch die frischen gelbgrünen Blätter – und doch etwas stimmt nicht. Wir tragen eine Maske!

Schmiedebene

Der 6er Steig kreuzt einen Forstweg, den Traminer Höhenweg. Wir machen es uns einige Meter abseits des Weges, auf einem abgesägten Baumstumpf gemütlich.

Mit im Gepäck nicht nur ein Apfel auch eine Maske…

Mittagszeit im Wald. Ein belegtes Sauerteig Brot, dazu eine Gurke und ein Osterei, als Nachspeise ein Stück Strudel und einen Pink Lady Apfel. Das Geburtstagsmahl mundet.

Die Traminer Fraktion Söll und den Kalterer See können wir an einer Stelle mit etwas weniger dichten Waldbewuchs erblicken.
Die Traminer Fraktion Söll und den Kalterer See können wir an einer Stelle mit etwas weniger dichten Waldbewuchs erblicken.

Fast könnten wir in Glückseligkeit abdriften wäre da nicht diese verdammte Maske. Ständig erinnert sie uns ans Leid der Menschen, welche von der Corona-Pandemie hart getroffen wurden und noch werden. Ein trauriger Tag bei lachendem Sonnenschein.

Weiter geht es. Beim großen Stein biegen wir hinauf auf den Forstweg der von der Schmiedebene herunter kommt. Den steilen Anstieg haben wir nun hinter uns, jetzt dürfen wir leicht flach absteigend über den Traminer Höhenweg bis nach Graun hinunter marschieren.

Begleitet von Buschwindröschen rechts und links des Weges und ab und zu sogar von flächendeckendem Löwenzahn inmitten des Weges – der Natur scheint der Lockdown zu gefallen – geht es, einige Kehren durch einen Steig abkürzend, Richtung Graun.

Löwenzahl inmitten des Traminer Höhenweges.

Grüne krautige Blätter sprießen aus dem Boden.  Hmm könnten das Maiglöckchen sein? Wahrscheinlich. Leider fehlt noch traubenartige Blütenstand. Wir sind für die Maiglöckchen-Blüte noch etwas zu früh unterwegs.

Der Forstweg führt uns zum Lenzenhof. Der ist, wie zurzeit alle Gasthäuser im Lande, geschlossen. Wir wandern weiter, biegen beim Zeltplatz Graun links ab und spazieren den Buchenwald unterhalb Grauns entlang. Der Sitzkofelweg führt uns – wie sollte es anders sein – direkt zum Sitzkofel.

Der Sitzkofel in Graun (Kurtatsch)

Für die einen ist der Felsvorsprung Sitzkofel ein herrlicher Ausblickspunkt auf das Südtiroler Unterland und Kurtatsch, für die anderen ein fast mystischer Ort und für die nächsten eine Quelle der Bedrohung. Bei dem Felsspalt hinter dem Sitzkofel hat man nämlich innerhalb von 30 Jahren eine Verbreiterung um einen halben Meter festgestellt. Der 17 Meter hohe und 1350 Tonnen schwere Felskoloss könnte abbrechen und somit durch das Ortszentrum von Kurtatsch eine Schneise der Verwüstung ziehen. Im Jahre 1983 ist der Sitzkofel deshalb aufwendig an den Mutterfelsen fixiert worden, sodass er heute, im Vertrauen auf moderne Sicherungstechnik, beruhigt betreten werden kann.

Tiefblick auf Kurtatsch vom Sitzkofel aus gesehen.

Als Techniker habe ich dieses Vertrauen und wage den Blick in die Tiefe. Wow!

An der Grenze Waldhang und Grauner Kulturterrasse geht es nun hinüber zum „Groaßn Stoan“.

An der Grenze zwischen Kulturgrund und Wald auf dem Sitzkofelweg.

Der Groaße Stoan

Der Findlingsblock ist mit verwitterten, rätselhaften Felsgravuren versehen. Es ist ein Schalenstein aus Glimmerschiefer mit 53 eingefieften Schalen, die auf Opfer- und Kultzerimonien hindeuten. Abgebildet sind zwei Schiffe und ein Sonnenrad. Ob der „Groaße Stoan“ tatsächlich aus der Bronzezeit stammt und auch wo er genau gefunden wurde weiß man nicht so recht, trotzdem ist er ein Stück Geschichte und wird von so manchen Experten in einer Reihe mit den wichtigsten „Himmelssteine“ gereiht.

Dem „Groaßen Stoan“ haben die Grauner eine Infotafel und sogar eine Überdachung spendiert.

Über den Grauner Weg und Hofstatt nach Penon (Kurtatsch)

Blick nach Penon

Über den alten Graunerweg, der heute zugleich ein Kreuzgang ist, steigen wir bis zur Kletterwand Marderplatte (Mordrplotta) ab. Der alte Weg wird nur noch von wenigen Einheimischen befahren. Entsprechend ist er aus der Perspektive der Autofahrer etwas mitgenommen. Sieht man ihn sich aus dem Blickwinkel des Wanderers oder der Natur an, dann muss man sagen er blüht so richtig goldig auf.

Auf dem alten Grauner Weg
Auf dem alten Grauner Weg

Am Fuße der Kletterwand führt uns der Steig 2B über den Kurtatscher Bach hinüber nach Hofstatt.

Leichtfüßig über den Kurtatscher Bach

Bis nach Penon geht es jetzt über Asphalt. Blütenblätter fliegen durch die Luft. Die Apfelbäume entlang des Weges sind hier oben vegetativ etwas hinterher.

Am Dorfplatz von Penon endlich der Brunnen mit fließendem Trinkwasser. Anna hat schon seit Graun Durst. Jetzt können wir die Wasserflasche auffüllen.

Die Kirche zum Hl. Nikolaus schaut uns entgegen. Menschenmassen sind keine unterwegs. Ein zwei spazierende Familien haben wir vor 10 Minuten gekreuzt. Alle hatten Masken dabei, alle haben, so wie wir, den angebrachten Abstand eingehalten.

Da ist sie wieder die unfeine Erinnerung…

Rückweg von Penon nach Tramin

Von Penon geht es nun über den steilen Kofelweg bis zum burgartige Ansitz Voldersberg aus dem 16. Jahrhundert, dann über Kofel im Tal hinüber zur Penoner Straße und weiter nach Rain hinunter. Weinberge prägen das Landschaftsbild.

Kurtatscher Weinberge

Zum Leidwesen von Anna müssen wir nun einige Höhenmeter wieder hinauf, nach „Könighof“ und dann über den Panoramaweg Mariahilf hinunter nach Kurtatsch wandern zu können.

Jetzt müssen wir nur noch über den Kastelazweg nach Hause.  Blühende Rosskastanienbäume, Goldregen von Bohnenbäumen und blühendes Seifenkraut färben den grünen Weg weiß, gelb und rot ein. Nach fast 20 km haben wir es geschafft, trotz Maske, dafür über Umwege von Tramin nach Penon und zurück.

wandern mit Maske
Goldregen vom Bohnenbaum

Mit gemischten Gefühlen überschreiten wir die Schwelle zu unserer Lockdown-Behausung. Ein Plus auf unser Konto der körperlichen und geistigen Gesundheit können wir zwar verbuchen, aber eine komplette Auszeit von Corona-Gedanken war der Marsch freilich nicht. Vielleicht auch gut so. Vergessen ist kein guter Schutzschild!

Verlauf Wanderung von Tramin nach Penon über die Schmiedebene

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Höhengewinn: Keine Daten
Höhenverlust: Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos 6er Steig, Traminer Höhenweg, Graun

 

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2 Kommentare über “Wanderung von Tramin über die Schmiedebene nach Graun und Penon”

  1. Karl-Heinz Weller says:

    Ach lieber Dietmar, so schön wieder auch hier von dir zu hören und sehen.

    Freut mich das für Euch, dass Ihr wieder in die Natur dürft und uns schöne Bilder bereitet. Das ist doch mal ein gutes Zeichen ich habe mich riesig gefreut als ich nur auf Verdacht mal deine Seite geöffnet habe und diese neuen Bilder gesehen habe.

    Alles Gute und beste Gesundheit weiterhin, meine persönlichen Gedanken habe ich ja schon gestern privat per Mail mitgeteilt.

    Liebe Grüße
    Charly

  2. Dietmar Mitterer-Zublasing says:

    Danke dir Charly,

    ja wir dürfen wieder 🙂

    Lg
    Dietmar

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