Monte Pelmo Umrundung

Der mächtige Monte Pelmo

Eine Rundwanderung um den Monte Pelmo steht heute auf dem Wanderprogramm. Der Dolomitenriese Pelmo, Thron der Götter, hat schon immer eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Eine Besteigung des massiven Dolomiten-3000er kommt für mich nicht in Frage. Klettern war nie das meine. Seit der Geburt von Anna merke ich, dass ich auch schon bei etwas exponierten Bergtour-Passagen immer mehr Schwierigkeiten im Sinne „muss ich nicht haben“ bekomme. Die im Italienischen sogenannten „sentieri attrezzati“ ausgenommen, sind für mich Bergtouren mit Kletterpassagen ein No-Go und Touren mit ausgesetzten Stellen und nur fußbreiter Gehfläche grenzwertig.

So bleibt mir zum Erleben des mächtigen Dolomitenklotzes nur die Umrundung. Eine kurze Recherche fördert zu Tage: der Aufstieg von den Campi di Rutorto bzw. der Venezia Hütte hinauf auf den Val d’Arcia Sattel ist steil und weißt am Fuß des unteren Felsturms von Forca Rossa einige schwierigere Passagen auf, die aber durch Drahtseile entschärft sind. Ok, das klingt machbar.

Anfahrt zum Staulanza Pass

Ich fahre mit dem Andreas über den Pellegrino Pass, durch die Vallada Agordina nach Alleghe. Unter der mächtigen Civetta https://www.diewanderer.it/bergtour-civetta-alleghe-see/ – auch ein Dolomiten 3.000er – geht es vorbei am Lago di Alleghe, dann rechts abbiegend hinauf nach Selva di Cadore und weiter bis zum Staulanza Sattel (1.773 m). Der Startpunkt der Rundwanderung ist damit erreicht.

Start der Rundwanderung um den Monte Pulmo

Wir beginnen die Umrundung, des von weiten, wie eine abgeschnitten Pyramide ausschauenden Monte Pelmo, gegen den Uhrzeiger. Die Wanderung führt uns auf dem antiken Weg „Triol die Cavai“ durch lichten Bergwald am Fuß des Pelmetto entlang. Der Pelmo schaut nach außen wie ein einziger massiver Pyrmaidenblock aus, besteht aber aus den beiden Hauptspitzen Pelmo 3.168 m und Pemetto 2.990 m.

Blick hinüber zu Civetta

Der Ausblick Richtung Südwesten auf die Civetta begeistert vor allem mich, weckt er doch Erinnerungen an die Bergtour auf die Civetta, die mir und dem Biest, mit dem ich verheiratet bin, als Auftakttour für den damaligen Dolomiten-Wanderurlaub gedient hat. Ich sehe direkt zum Wanderweg Nr. 556 hinüber, von dem ich damals vor 8 Jahren ein 360 Grad Foto gemacht hatte, dass die typische Form des Monte Pelmo sehr schön zeigt. Genau dieses Foto war es, dass mir diesen Berg nähergebracht hat. Es sollten 8 Jahre vergehen bis ich es nun endlich hierhergeschafft habe!

Weiter geht es teilweise auf Stegen – der Untergrund ist teilweise etwas matschig – bis zu einer Abzweigung. Hier könnten wir links abbiegen, um Dinosaurier Fußabdrücke zu bestaunen. 30 min steht auf dem Wegweiser. Mit Dinos haben wir nichts am Hut, so wandern wir unter der Fisura Steilwand Richtung Weidegebiet „Le Mandre“ weiter.

Weidewiesen Lach unter dem Monte Pelmo

Ich genieße das ruhige Wandern. Normalerweise bedeutet für mich Wandern einen Schnattermix aus Groß du Klein zu „ertragen“. Das hat schon so seine Vorteile. Wir haben sozusagen immer eine Bär- und Wolf-Verscheuch-Anlage mit dabei 😉 Der Andreas spricht nicht viel, somit spreche – wenn überhaupt – heute fast nur ich. Entspannung pur! Ich genieße auch, dass es den Andreas nicht sonderlich stört, wenn ich immer wieder mal anhalten will das eine oder andere Foto zu schießen.

Über den Col delle Crepe geht es hinüber zu den herrlichen etwas sumpfigen „Le Mandre“ Weiden. Der heutige Wetterbericht hat sonniges, niederschlagsfreies Wetter vorausgesagt. Hier inmitten der Dolomiten haben wir aber trotzdem meist eine Wolke über uns. Auf nur circa 1.900 m Meereshöhe wandernt, sind wir darüber heute recht froh. So können wir angenehm, ohne heiß oder kalt „anzulaufen“, wandern.

Blick auf den Monte Antelao

Wow, wer ist der da vorne? Der mächtige, pyramidenförmige, Dolomitenkönig Antelao blickt uns entgegen. Mit 3.264 m ist der Monte Antelao der höchste Berg der Ampezzaner Dolomiten und zweithöchste der Dolomiten überhaupt. König, denn der höchste Berg der Dolomiten ist eine weiße Gletscher-Königin, die Marmolata (3.343 m). Ich bin begeistert von der schönen Form den Antelaos. Auch da möchte ich mal hin. Mal sehen was das Leben so bringt. Einerseits wohnen wir direkt am westlichen Rand der Dolomiten und jeder Gipfel der weißen Berge wäre in nur wenigen Kilometern Luftlinie erreichbar, aber da eine Anfahrt nicht per Luftlinie zurückgelegt werden kann und man jedes Bergmassiv über Sattel und Pässe umrunden muss, artet so eine Anfahrt zum entfernten Rand der Dolomiten schon mal in zwei oder drei Stunden Autofahrt aus. Für mich wäre das kein Problem. Für die beste Mami von allen ein absolutes No-Go, das ich nicht immer – trotz diverser zurecht gelegter Strategien – überwinden kann.

Der Wanderwegnummer 472 folgend marschieren wir nun sicheren Schrittes unter einem interessanten Felsvorsprung, von den Einheimischen “Dambra” (Huf) genannt, hindurch.

„Schau hosch gsegen?“, der Andreas weist auf ein Wanderpärchen hin. Ungläubig schauen wir den Wanderern auf die Füße. „Zehenschlappi“ – wir können es kaum glauben! Kopfschüttelnd schreiten wir weiter, die Sandalenträger können natürlich in keinster Weise Schritt halten.

Rifugio Venezia und ein Panoramablick zum Niederknien

Panoramablick vom Rifugio Venezia zur Sorapis Gruppe und dem Monte Antelao

Links die imposanten südlichen Felswände des Pelmo, jene des Pelmetto haben wir hinunter uns gelassen. Rechts weidende Kühe, dann ein leichter Anstieg und schon stehen wir auf den Bergwiesen Campe de Rutorto. Die bewirtschaftetet Schutzhütte Rifugio Venezzia bietet einen grandiosen Dolomitenblick. Die Dolomitengraden Monte Cristallo, Sorapiss Gruppe, Marmarole und Monte Antelao (v. l. n. r) zwängen sich unseren begeisterten Blicken auf.

11 Uhr 20, zu früh fürs Mittagessen. Zu spät für einen Kaffee? Nein, ein Kaffee geht immer und weil uns beim Bestellen ein Apfelkuchen anlacht, nehmen wir den auch noch gerne mit.

11 Uhr 45, hmm jetzt hinauf auf den Val d’Arcia Sattel hinauf oder doch lieber zuerst etwas essen und den Rucksack erleichtern? Wir entscheiden uns für zweiteres und machen es uns auf den Wiesenrücken der Campe de Rutorto gemütlich. Das ist doppelt ideal, denn so können wir sowohl auf den Monte Cristallo, die Sorapiss Gruppe mit der Croda Marcora und den Monte Antelao in Richtung Osten als auch zur Civetta Richtung Westen blicken.

Aufstieg zum Sattel Val d’Arcia

Drahtseilpassage nach dem ersten Sattel

12 Uhr 20, auf geht es! Der Aufstieg über den Richtung Südwesten ausgerichteten Schotterhang (Sentiero Flaibani, ein antiker Pfad der Gämsenjäger) bis hinauf auf den ersten Sattel ist zwar konditionell etwas fordernd, aber ohne größere geistige Schwierigkeiten zu meistern. Von diesem ersten Sattel können wir bereits einen ersten Blick Richtung Val d’Arcia Sattel erhaschen. Jetzt wird es ziemlich schwieriger und bzgl. Trittsicherheit anspruchsvoller. Die schwierigsten Passagen sind glücklicherweise mittels Drahtseile entschärft. Zwei Kinder, ich schätze 7 bis 10 Jahre kommen uns entgegen. Sie schicken sich an alleine die Drahtseilpassagen zu queren. Das kann ich nicht zulassen. „Meglio che aspettate i vostri gentori!“. Die Eltern kommen 20 m hinterher. Ich bin ganz fassungslos wie „cool“ so manche Eltern drauf sind.

Aus meiner sicht die Schlüsselstellen

Mein persönlicher Respekt gilt nicht diesen Passagen, denn wer das Drahtseil nicht loslässt, dem kann nichts passieren. Meine Ehrfurcht gilt zwei drei Stellen die einen hundertprozentig sicheren Auftritt, bei dem maximal nur ein Schuh platz hat, erfordern. Eigentlich hatte ich mir Sorgen um den Andreas gemacht. Jetzt merke ich, dass ich ihm zwar konditionell das Wasser reichen kann, aber bzgl. Trittsicherheit ist er mit haushoch überlegen! Wie eine alte gemächliche Dampflock schreitet er, ohne anzuhalten, wie auf Schienen, auch über die sehr rutschgefährlichen unversicherten Passagen dahin. Ich bin beeindruckt von so viel Kaltschnäuzigkeit. Ich für meinen Teil muss zwei drei Mal anhalten und Gedanken wie „Wenn dieser Tritt nicht 100%ig sitzt, dann ist es aus!“ verscheuchen.

Eigne Wanderer sind mit Hunden unterwegs. Mir ist schleierhaft wie die Vierbeiner die komplizierten Passagen meistern sollen, will mich aber nicht mit Zuschauen aufhalten, muss auf mich selbst achten.

Der steile Steig hinauf zum Val d’Arcia Sattel (im Bild Wanderer die abwärts unterwegs sind)

Den in den meisten Wanderberichten als extrem steilen – laut Höhenprofil circa 80% – und als konditionelle Herausforderung angepriesenen letzten Aufstieg zum Sattel, würde ich persönlich anders einschätzen. Konditionell kein Problem. Ok, er ist steil aber nur 300 Höhenmeter. Jeder Bergsteiger, sogar Wanderer würde darüber nur lachen. Was mich weniger zum Lachen bringt sind so einige Stellen, an denen der Steig keine ebene Auftrittsfläche bietet und somit extreme Rutschgefahr birgt. Da es hinter uns sicher in den Tot ginge ist dieser Anstieg schon mit nötigem Respekt zu sehen!

Hmm… angesichts der Wander- und Bergtouren, die ich schon absolviert habe und angesichts der Meinung von Andreas die Tour als unschwierig bezeichnet frage ich mich, ob ich mittlerweile für solche Bergtouren zu ängstlich geworden bin. Vielleicht ist es dem Vater sein geschuldet, ich weiß es nicht.

Auf dem Val d’Acia Sattel unter der Pelmo Spitze Forca Rossa

Auf jeden Fall erreichen wir den Val d’Arcia Sattel auf 2.474 m unter der Pelmo Spitze „Cime di Forca Rossa“ lebend. Das ist ja schon mal etwas 😉

Kurze Rast mit Blick nach links hinunter ins Val de Boite nach San Vito di Cadore, das am Fuße des heute mit einer Wolkenkrone versehenen mächtigen Monte Antelao liegt. Vor uns die imposante Felswand des Pelmo und rechts hinunter der geröllige Steig Nr. 480, der die Schotterhänge des Monte Pelmo quert.

Abstieg hinunter zum Staulanza Sattel

Auf dem Val d’Arcia Sattel mit Blick hinunter zum Abstieg

Genau da müssen wir nun runter. Zuerst nur mäßig steil, dann nachdem wir ein Geröllfeld durchquert haben, plötzlich sehr steil auf losem schottrigen Untergrund. Glücklicherweise sind wird nicht mit Sandalen, sondern mit ordentlichen Bergschuhen und Trekkingstöcken unterwegs. Wie auf Skiern rutschen wir recht flott den steilen Hang hinunter. Andere Bergtourengeher sind da etwas schwindliger unterwegs. Sie versuchen den wirklich sehr steilen Hang mit losen Schotteruntergrund hinunter zu gehen. Das schaut gewaltig unglücklich aus. Besser ist es Ski zu fahren.

Wir beide sind froh die Umrundung des Pelmo im Gegenuhrzeigersinn angegangen zu sein. Denn der Abstieg von der Forcella Val d’Arcia zum Rifugio Venezia ist abwärts ziemlich gefährlicher als aufwärts und der Aufstieg hier über den Schotterhang wäre bedeutend beschwerlicher, als die lustige Skifahrpartie. Goldrichtig also die Entscheidung, die Rundwanderung des Montze Pelmo gegen den Uhrzeiger zu absolvieren.

Grandioser Dolomitenblick hinüber zur Mamolata und dem Sellastock

Unter dem sehr losen Hang wird der Steig etwas weniger steil und auch etwas weniger lose. Ein Bremsversuch, zuerst haut es mich, dann den Andreas auf den Hosenboden. Resultat: eine kleine blutende Wunde an der Hand. Die sehr griffigen und vor allem schnittigen Steine haben uns aufgeschnitten. Naja, zumindest haben es unsere Wanderhosen ausgehalten und kommen ohne Loch davon. Haut wächst von alleine wieder zu, Wanderhosen nicht.

Das letzte Stück zurück zum Staulanza Pass ist recht flach. Es gibt zwei Möglichkeiten. Wir wählen den oberen Weg, der in Griffnähe zur Nordwand des Pelmo entlang führt. Eine Gruppe Kletterer hat ihre sportliche Aktivität gerade abgeschlossen. Sie sitzen plaudernd unter den noch von der Wand hängenden Seilen am Wegesrand.

Wenige Schritte weiter wechselt die steinige Landschaft zuerst in eine Latschen- und dann in eine Waldzone über. Nach 12,3 km und 885 Höhenmeter erreichen wir so den Ausgangspunkt der Rundwanderung um den Monte Pelmo.

Eingehüllt in Wolken der Monte Pelmo in den Dolomiten

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Rundwanderung um den Dolomitenberg Monte Pelmo aus meiner Sicht konditionell nicht allzu fordernd ist, aber bzgl. Sicherheit schon sehr sehr gute Trittsicherheit erfordert. Lohnenswert ist die Rundwanderung vor allem für Ihren Ausblick, nicht so sehr auf den Monte Pelmo, dafür ist man zu nahe an der Wand, dafür auf die Dolomitengipfel der Civetta, des Monte Antelao, der Marmarole, der Sorapisgruppe und des Monte Cristallo und nicht zu vergessen beim Abstiege auf den etwas weiter entfernten Sellastock. Auch ein Gletscherfeld der Marmolata kann man beim Abstieg ausmachen.

GPS-Track der Rundwanderung um den Monte Pelmo

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Keine Höhendaten
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Höhengewinn: Keine Daten
Höhenverlust: Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Umrundung Monte Pelmo

Und weil die Rundwanderung konditionell nicht allzu fordernd war, machen wir auf dem Pellegrino Pass halt und genießen dort bei Sonnenuntergang noch eine kurze Runde mit 7,5 km und 480 Höhenmetern. Ok, zugegeben die Jagd nach dem Sonnenuntergang in den Dolomiten spielt dabei auch eine Rolle, nicht nur die konditionelle Unterforderung 😉

Sonnenuntergangswanderung am San Pellegrino Pass

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2 thoughts on “Monte Pelmo Umrundung”

  1. Dietmar Mitterer-Zublasing says:

    Danke 🙂

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