Blick auf Montiggl und die beiden Montiggler Seen

Wanderung vom Mendelpass zum Lawinenspitz

Einkaufen am Mendelpass macht Spaß.
Einkaufen am Mendelpass macht Spaß.

Eigentlich wollte ich einen Arbeitstag einlegen. Doch dann fragt die beste Mami von allen: „Wo fahren wir heute hin?“

Ein Sonntagsausflug ohne dass ich ihn erstreiten muss, das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Und außerdem beginnt ja heute unsere „Pseudourlaubswoche“. Da können wir ja auch mal zu tun als ob wir Wanderurlauber die im Mandlhof abgestiegen sind *g*. Flugs Kind und Kegel eingepackt und ab geht die Post, hinauf auf die Mendel.

Am Mendelpass (1.363 m ü. d. M.) herrscht Hochbetrieb. Die Parkplätze sind belegt, die Geschäfte haben geöffnet, überall Menschen. So geschäftig habe ich den Mendelpass schon lange nicht mehr erlebt.

Nach dem obligatorischen Blick entlang der Mendel-Standseilbahn hinunter nach Kaltern und nach dem Kauf einer blauen mit Edelweiß gemusterten Bandana, damit der besten Mami von allen nicht die Haare bleichen, spazieren wir zur Enzianhütte hinein. Bei den Kalterern und Traminer ist die Enzianhütte vor allem unter dem italienischen Namen Genzianella bekannten.

Obwohl wir uns auf einem Wanderweg befinden (Steig Nr. 500) müssen wir des Öfteren Autos Platz machen. Augenscheinlich will heute die halbe Welt zu ihren Mendelhütten.

Enzianhütte

Um 5 vor halb elf sind wir bei der Enzianhütte (1.450 m ü. d. M.). Die beste Mami von allen drängt weiter. Sie will zur Mendelkirche, der heiligen Messe lauschen. Das ist nicht unbedingt meine liebste Sonntagsbeschäftigung. Darum begleite ich meine beiden Frauen zur Kirche hinüber und kehre dann zurück, um mein Wochenendritual zu absolvieren.

Ein Kaffee und ein Glas Weißwein - die optimale Mischung.
Ein Kaffee und ein Glas Weißwein – die optimale Mischung.

Einen „Schwarzen“ und ein Glas Gewürztraminer. Der Paul, der Wirt der Enzianhütte, macht mir leider einen klitzekleinen Strich durch die Rechnung. Einen Kaffee hat er, aber mit Gewürztraminer kann er nicht dienen. Paul, Paul – wärst du ein Kalterer könnte ich dir das verzeihen, aber als Traminer!

Ich begnüge mich mit einem Glas „Weißn“, ich glaube es ist ein Sauvignon. Ist ok, aber „halt“ kein Gewürztraminer.

Egal, beim Kaffee, Glasl Weißn und Schreiben – viele meiner Wanderberichte entstehen genauso, also samstags oder sonntags in der Bar sitzend, Kaffee und Weißn schlürfend – sind die Gedanken zur Bestellung schnell verflogen.

Ein Selfie mit dem Tati
Ein Selfie mit dem Tati

Zeile um Zeile landen im Speicher des Smartphones. Selbstverständlich auch etliche Rechtschreibfehler. Geht mit der Displaytastatur eines Smartphones fast nicht anders. Inzwischen ist die Juniorchefin, die Julia, gekommen. Sie hat jetzt kurz vor Mittagsansturm noch kurz für einen Plausch Zeit. Dann schlägt die Uhr halb zwölf und meine beiden Frauen tauchen auf.

Tischmaniertauglich ist die Kleine noch nicht. Darum nehmen wir die traditionelle Tiroler Arbeitsteilung vor. Ich bleibe am Tisch sitzen, bestelle mir Knödel mit Gulasch, die beste Mami von allen darf hinter mir auf dem Rasen die Kleine füttern. Ja so macht man das in traditionellen Tiroler Familien *g*

Also die Knödel und das Gulasch – wau – vorzüglich! Paul, deine Frau hat dich gerettet. Wer so gute Knödel mit Gulasch zubereitet, der darf es sich auch mal leisten ohne Gewürztraminer dazu stehen 🙂

Golfwiesen

Nach Speis und Trank, muss die Kleine noch etwas Sport treiben, d.h. beschäftigt werden. Fürs Mittagsschläfchen ist es nämlich noch zu früh. So schlendern wir ohne Stress bis zu den Golfwiesen hinein, machen es uns neben einer heute unbewohnten Mendelhütte gemütlich und spielen mit der Kleinen.

Die beste Mami von allen: „Wia weit isch es bis zur Holbweghittn?“
Ich: „Viel zu weit mit dem Kinderwagen.“
Die beste Mami von allen: „Wenn es nicht mehr als 1,5 Stunden sind, dann geht das leicht.“

Ocha, mir schwant Böses. Die Retourkutsche für die traditionelle Mittagszeit-Arbeitsteilung kommt angerollt.

1,5 Stunden sind es von den Golfwiesen aus zwar bei weitem nicht, es geht eher in die Richtung 40 min/220 Höhenmeter, aber den Kinderwagen über die Skipiste zur Halbweghütte hinauf schieben, das ist trotzdem nicht ganz ohne.

Hilft nichts, ich muss mich fügen. Zumindest trägt die beste Mami von allen die Kleine in der Babybauchtrage. Gleichwohl, der leere Kinderwagen und der Rucksack mit der Babyverpflegung haben es auch ohne Lebendgewicht in sich. Die segnende Sonne und die ungewohnte Haltung beim Schieben machen den so noch nie beanspruchten Beinmuskelpartien Feuer unterm Hintern. Mein Gott, zu Hause arbeiten wäre einfacher.

Irgendwie schaffe ich es trotzdem der besten Mami, mit der schlafenden Kleinen, hinterher zu hecheln. Ich fühle mich wie ein Sherpa; zum Glück ist die Mendelpiste nicht sehr lang.

Nach gefühlten 100 Liter Schwitzballastabwurf kommen wir endlich bei der Halbweghütte auf 1.685 m ü. d. M. an (360° Foto Halbweghütte). Ich bin schon fast in Unterzuckerung, darum will ich einkehren. Die beste Mami von allen wäre nicht die beste Mami von allen, wenn sie nicht dem Wohl der Kleinen die höchste Priorität beimessen würde. Unterzuckerung vom Tati ist da nebensächlich.

„Nein, nicht einkehren. Gehen wir noch einige Schritte, sodass die Anna noch etwas schlafen kann.“
„Grummel, grummel, ok aber nur bis zum Lawinenspitz.“

Nochmals 80 Höhenmeter, die einem Kinderwagen schiebenden Tati, dessen Gefährt zu allem Überfluss vorne mit recht kleine Räder bestückt ist und somit bei jedem Steinchen hängen bleibt, ordentlich zu schaffen machen. Uffa!

Geht nicht, gibt es aber selbstverständlich nicht. Unser Kinderwagen ist zwar nicht als Geländewagen konzipiert worden, dafür hat er hat als altgedientes Babyfuhrwerk der schon so einige Kilometer nicht nur auf flachen Spazierwegen auf dem Buckel hat, schon öfters praktisch bewiesen, dass er was aushält. Auch diese Wanderung meistert er – obwohl ich ihn recht grob malträtiere – mit Bravour.

Auf dem Lawinenspitz

Die letzten 50 Meter vor dem Lawinenspitz
Die letzten 50 Meter vor dem Lawinenspitz

Die letzten 50 Meter darf er dennoch nicht mit. Die beste Mami von allen will nicht ganz raus zur Lawinenspitze (1.653 m). Sie hat es nicht so mit scharf abfallenden Geländekanten und überwältigenden Tiefblicken.

Auch gut, so kann ich in aller Seelen Ruhe die Tiefblicke erkunden und muss mir nicht bei jedem Schritt nach vorne ihre Bedenken und Befürchtungen anhören.

Alleine bin ich nicht auf dem tollen Aussichtspunkt. Ein Bozner Wanderer erklärt seinen Kollegen: „Das da drüben ist der Lawinenspitz, dahinter der Roen.“ Ich will mich schon einmischen, denn er hat keine Ahnung. Der Lawinenspitz ist die Aussicht auf der wir stehen, das da drüben das ist der Göller und dort der mit dem Kreuz das ist der Paterkopf.

Ich lasse die unwissenden Wanderer bei ihrem Glauben und fotografiere weiter. Der Tiefblick ist grandios. Ich habe die beiden kleinen Micro Four Thirds Kameras und auch das Lumix 100-300 mm, welches sich an den MFT Kameras zum 200-600 mm mausert, mit. Eigentlich ideale Voraussetzungen für herrliche Luftaufnahmen des Kalterer- und Montiggler Sees und auch für das eine oder andere Spanner Foto. Leider ist der Tag nicht glasklar. Er ist fürs Wandern super, fürs Fotografieren über weite Distanzen jedoch etwas zu diesig. Den Fotos fehlt es an Kontrastumfang. Bildbearbeitungstechnisch lässt sich dennoch brauchbares rausholen. Der Blick aus der Vogelperspektive reicht so vom Penegal, über die beiden Montiggler Seen, Kaltern bis hinüber zum Freischwimmbad Tramin.

Rückweg

Tannenzapfen kosten - könnte ja sein, dass sie essbar sind.
Tannenzapfen kosten – könnte ja sein, dass sie essbar sind.

Es wird Zeit meine Mädels zu suchen. Von weiten höre ich einen Wanderer fragen: „Von wo kommt man mit dem Kinderwagen hier rauf?“ Aha, da drüben müssen sie sein. Im Schatten einer Fichte sitzt die Kleine und spielt mit drei Tannenzapfen.

„Hallo Anna!“
„Bä bä bä…“
„Isch di Anna a Oachkatzl?“
„Bä bä bä…“

Der Rückweg wird zur Rennfahrt. Ruhig im Kinderwagen sitzen, wenn man keinen Schlaf hat, das ist nämlich nicht drin; das würde zur Schreiorgie führen. Aber wenn der Tati richtig Gas gibt, das Gefährt im Laufschritt über den Schotterweg hottelt und bei jedem Schlagloch einen kleinen Hüpfer macht und wenn der Tati noch dazu brumm, brumm, brumm und piep, piep macht, dann ist Lachen angesagt.

So sind wir in Nullkommanichts bei der Halbweghütte und laufen anschließend, die Skipiste verschmähend, gerade aus, an den Mendelhütten der Kalterer und Traminer vorbei, bis zur Enzianhütte weiter.

Wieder kehren wir ein. Die Anna muss verköstigt werden und uns selbst gönnen wir ein Eis bevor wir zum Mendelpass hinaus spazieren.

Die Wanderung vom Mendelpass über die Enzian/Genzianella Hütte und die Halbweghütte bis zum Lawinenspitz ist eigentlich eine einfache Wanderung. Aber Achtung, wer mit dem Kinderwagen unterwegs ist, der muss sich auf Strapazen vorbereiten. Mit dem Kinder-Tragerucksack hingegen kein Problem, nur nicht vergessen den Kinderwagen dann im Auto zu lassen 😉

Gps-Datei der Wanderung zum Lawinenspitz

Weitere Fotos des Sonntagsausfluges Enzianhütte- Lawinenspitz

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