Lusern und der Zimbrische Phantasieweg

Zimbrische Phantasieweg in Lusern (it. Luserna) auf dem Hochplateau Lavarone
Zimbrische Phantasieweg in Lusern (it. Luserna) auf dem Hochplateau Lavarone

Ber da geat nå in naüge zimbar staige khint zo khenna di stördjela bo da, sidar långa zait atz Luzern, di laüt kontarn un bo da soin khent ausgelest un geschribet, vor hundart djar, von an pfaff. Nidar nå in staige soinda hültzrane tafln un drau soinda geschribet tökkla stördjela.

Was das hier im diewanderer Wanderblog zu suchen hat?
Probieren wir es so:

Il sentiero cimbro dell’immaginario rappresenta un piacevole viaggio alla scoperta dei racconti e delle legende cimbre. Grazie a opere di artisti locali e a pannelli illustrativi dislocato lungo il percorso, il visitatore potrà conoscere ed apprezzare i personaggi che la fantasia e la tradizione popolare hanno tramandato nel tempo.

Noch nicht verstanden?
Dann so:

Wer den zimbrischen Phantasiepfad betritt, begibt sich auf eine Entdeckungsreise durch die phantastische zimbrische Märchen- und Sagenwelt. Einheimische Künstler haben den Weg mit Tafeln illustriert, durch die sich der Besucher ein Bild über jene Gestalten und Geschehnisse machen kann, die sich in der volkstümlichen Tradition und Phantasie von Generation zu Generation übertragen haben.

Verwirrt?
Ist eigentlich ganz einfach. Wir befinden uns in Lusern, der Heimat der Zimbern im Trentino!

Hier auf der Hochebene von Lavarone, genauer gesagt an deren südlichem Ende, in der kleinen Gemeinde Lusern (it. Luserna), liegt die letzte der Sprachinseln des Zimbrischen, in der diese, aus dem Bairischen stammende Sprache, noch Alltagssprache der Menschen ist. Einst wurde das Zimbrische in 3 oberitalienischen Gebieten gesprochen den sogenannten 13 Gemeinden nördlich von Venedig, den 7 Gemeinden auf der Hochebene von Asiago und eben hier im Trentino auf der Hochebene von Lavarone und Folgaria. Die Zimbern selbst nennen sich Zimbarn oder Tzimbar und ihre Sprache ist dem Südtiroler Dialekt sehr ähnlich, das kann ich persönlich bestätigen.

Ich bin nämlich heute mit der beste Ehefrau von allen auf dem 5,5 Kilometer langen Zimbrischen Phantasiepfad unterwegs, der auf einer Vielzahl an Informationstafeln allerlei interessante Informationen liefert. Auf jeder Tafel ist eine kurze Geschichte zu einer überlieferten Kuriosität abgedruckt und zwar in italienischer, deutscher und – etwas verkürzt – auch in zimbrischer Sprache. Die beste Ehefrau von allen liest lieber auf Deutsch, ich auf Zimbrisch.

Interessiert? Weiterlesen!

Von Lusern spazieren wie recht gemütlich nach Osten. Ähnlich wie in Südtirol, oder besser gesagt in Gröden und im Gadertal, also in Ladinien, hält man es hier in Lusern dreisprachig, was eine politisch Ankündigung auf der Anschlagtafel am Dorfplatz von Lusern beweist.

Der Wegweiser ist mit „Sentiero Cimbro dell’immaginario / N°a in tritt von Sambinèlo“ beschriftet, was so viel wie Zimbrischer Fantasieweg heißen soll.
Alsbald führt uns der Weg an einer Felswand vorbei, dann erreichen wir die erste Station. Oder besser gesagt, die sechste. Scheinbar gehen wir den Zimbrischen Phantasie-Rundwanderweg genau entgegengesetzt der nummerierten Stationen. Die Tafel trägt die Aufschrift Frau Pertega. Na mal schauen, was uns erwartet.

La Frau Pertega
In base alla tradizione a Luserna i bambini non vengono portati della cicogna, ma si vanno a prendere dalla Frau Pertega (nome che deriva dal gotico Bairhts che significa luminoso). Questa figura immaginaria abita nella „Loch von Uaschn“ in Località Obar Leitn , che si trova ad est del paese di Luserna. Il „Loch von Uaschn, è una grotta dove Frau Pertega custodisce i bambini non ancora nati in ammollo in piccoli tini. Ella è anche in grado di provocare temporali e, nel risciacquare i tini, produrre tuoni.
Quando una coppia desidera un bambino, si accorda con la levatrice dalla voce, esce dal suo antro, portando un bambino. La levatrice deve accettare il bambino che le viene affidato, si esso un maschietto o una femminuccia.

Nichts verstanden?

Di Frau Pertega
In khindar vo Lusern håmsen khött ke di Frau Pertega is gelebet durch kann „Üasan“ von Hungarbassar. Ben ’s hatta gehat zo borta a khin di komare is gånt aus anort in Krötz un hat gerüaft dar Frau Pertega umbrom si hat gehat di khindar nidar in vèssla pit holtz. Di Frau Pertega hat get dar komare ben a püable un ben a diarndle un si hat’s getragt da huam dar måmma bo da hat gepitet in an khinn.

Noch immer nicht?

Die Frau Pertega (wo man bei uns die Kinder holt)
Bei uns werden die Kinder nicht vom Storch gebracht, sondern bei der Frau Pertega (Berchta) geholt. Diese wohnt im „Loch von Uaschn“ in den Obarn Leitn. Das Loch von Uaschn (Mehrzahl von Uasch – Holzrinne) ist eine Höhle und da werden die Kinder in kleinen Fässern aufbewahrt. Wenn jemand ein Kind wünscht, so verständigt man sich mit der Frau, deren Aufgabe es ist, die Kinder zu holen. Diese geht dann (gewöhnlich in der Nacht) zum Loch von Uaschn. Auf dem Steige, der oberhalb der Höhle vorbeiführt, bleibt sie stehen und ruft hinunter. Die Frau Pertega, welche sie an der Stimme erkennt, steigt herauf und bringt ihr ein Kind. Die Frau muss nehmen, was ihr gebracht wird, sei’s ein Bübchen oder ein Mädchen.

Aha, hierher muss man also kommen, wenn man vom Storch bedient werden möchte. Dann nur schnell weiter.

Die Felswand liegt hinter uns, es geht nun durch einen Mischwald. Die Buchen haben noch nicht ausgetrieben, nur zaghafte Knospen zieren die Zweige.

Da ist auch schon die nächste (5.) Station:

Tüsele Marüsele
Un tempo viveva una piccola orfana di nome Tüsele Marüsele, che viveva di elemosina. Un giorno si addentrò nel bosco e arrivò alla casa della „cara nonna“, una donna malvagia e selvaggia. Entrò e chiese qualche cosa da mangiare, ma la „cara nonna“ approffitò per rinchiuderla in casa. A un certo punto Tüsele Marüsele si stufò di trovarsi imprigionata e cominciò a chiamare: „Cara nonna, aprimi: devo fare un bisognino!“
La „cara nonna“ cedette solo dopo parecchie insistenze, legò la bambina ad una fune e la calò fuori da una finestrella. Tüsele Marüsele, approffitando della situazione, riusì a liberarsi e, doppo aver appeso un pezzo di legno al suo posto, si dileguò.
La „cara nonna“, accortasi dell’iganno, si adirò e cominciò a cercare la bambina in un grande prato, dove il fieno era raccolta in mucchi. Ella rovesciò tutti i covoni, tranne il più piccolo sotto il quale si era nascosta Tüsele Marüsele.
Quando la „cara nonna“ rientrò a casa, la bambina spuntò di sotto al mucchio di fieno e correndo raggiunse il fiume. Qui si nascose sotto l’ampia veste di una delle lavandaie che si trovavano lì. La „cara nonna“, che nel Frattempo aveva raggiunto il fiume, chiese notizia della piccola Tüsele Marüsele. Le lavandaie risposero che la bambina aveva oltrepassato il fiume con un gran balzo. Ancora anche la „cara nonna“ provò a saltare, ma cadde in mezzo al fiume ed annegò.
Così Tüsele Marüsele uscì da sotto le gonne della lavandaia e caterellando disse: „Cara nonna, tu volevi divorarmi e invece sei andata a bere: bevi, bevi pure fino a riempirti la pancia!“
Tusele Marüsele, se ai nostri giorni non è gia morta, vive ancora.

Nichts verstanden?

Tüsele Marusele
Vor zaitn ista gebest an armes khin, bo da hat gehat toat in vatar un di muatar on hat gehoast Tüsele Marüsele. Ditza khin is ummar gånt zo pèttla zoa nèt zo stèrba vo hungar. In an tage is gånt in pa balt un hat gevuntet’s haus vo dar „liam nona“, das bill baibe.
Is is in gånt zo vorsa eppas z’èssa, un da „liabe nona“ hat’s ingesperrt in soi haüsele. ‚S Tüsele Marüsel is khent süas un saur zo stiana ingesperrt un asò hat’s gerüaft dar „liam nona“ un hat khött „Liaba nona, tüamar offe!“ Un da „liabe nona“ hat khött: „Ziage pan pentle‘, ’s geat offe!“

Noch immer nicht?

Tüsele Marüsele
Es war einmal ein kleines Waisenmädchen namens Tüsele Marüsele, das von Almosen lebte.
Eines Tages drang es tief ins Innere des Waldes ein und kam zum Haus der „lieben Großmutter“, einer bösen und primitiven Frau. Es trat ein und fragte, ob es etwas zu essen bekäme, aber die „liebe Großmutter“ nützte die Gelegenheit und schloss das Mädchen im Haus ein. Nach einiger Zeit hatte es das Mädchen satt, eingeschlossen zu sein und fing an zu rufen: „Liebe Großmutter, öffne mir: ich habe ein kleines Bedürfnis!“ Nach langem, eindringlichen Rufen gab die „liebe Großmutter“ endlich nach, band das Mädchen an einen langen Strick und seilte es durch ein kleines Fenster ab. Tüsele Marüsele ließ sich diese günstige Gelegenheit nicht entgehen, es gelang ihr, sich von dem Seil zu befreien und nachdem sie an ihrer Stelle ein Holzstück am Seilende befestigt hatte, verschwand sie.
Als die „liebe Großmutter“ diese Täuschung bemerkte, wurde sie sehr böse und begann das Mädchen auf einer weiten Wiese, wo das Heu in großen Haufen aufgesammelt war, zu suchen. Sie drehte alle Heuhaufen um, außer dem kleinsten, unter dem sich Tüsele Marüsele versteckt hatte.
Als die „liebe Großmutter“ ins Haus zurückgekehrt war, schlüpfte das Mädchen unter dem Heuhaufen hervor und lief schnell zum Fluss. Hier versteckte sie sich unter den weiten Röcken einer Wäscherin, die dort ihre Wäsche wusch. Die „liebe Großmutter“, die inzwischen auch am Flusse angelangt war, fragte nach der kleinen Tüsele Marüsele. Die Wäscherinnen antworteten, dass das Mädchen mit einem großen Sprung den Fluss überquert hätte. Also versuchte auch die „liebe Großmutter“ zu springen, aber sie fiel mitten in den Fluss und ertrank.
Tüsele Marüsele schlüpfte unter den Röcken der Wäscherin hervor und trällerte: „Liebe Großmutter, du wolltest mich verschlingen, jetzt musst du also trinken: trink, trink, bis dein Bauch voll ist!“
Tüsele Marüsele, wenn sie nicht gestorben ist, so lebt sie heute noch.

Der Mischwald geht so langsam in einen Nadelwald über, obwohl wir nur sehr wenige Höhenmeter absolvieren.

Tafel 4 des Zimbrischen Rundweges zu fotografieren, haben wir glatt irgendwie verpasst. Wahrscheinlich wegen der schönen Frühblüher ringsum.

Vereinzelte Schneeglöckchen sprießen im Unterholz. Plötzlich eine Wiese. Krokusse haben hier ihre Heimat gefunden. Ein klein wenig Schnee liegt noch an einigen schattigen Plätzchen.

Nach der Wiese geht es weiter durch Nadelwald bis zum Wegweiser Malga Campo. Hier biegen wir links ab und wandern weiter bis zur 3. Station, dem Basilisk.

Drache am zimbrischen Phantasieweg
Drache am zimbrischen Phantasieweg

Il Basilisco
Per tenere i bambini tranquilli vicino alle case del paese le nonne di Luserna raccontavano che spesso nelle zone sassose e dai „coveli“ (grotte naturali molto comuni nella zona per l’origine calcarea delle rocce) pteva apparire il „basilisco“, enorme drago che sputava fuoco e fiamme, con il corpo ricoperto di squame di colore verdastro e che spesso cambiavano colore.

Nichts verstanden?

Dar Basilisco
Zoa zo halta di khindar nåmp huam, di none håmen khött ke assa gean bait von lånt mangsa seng in Basilisko.
Dar Basilisko is a vich bo da spaibet vaür un soin laip is allar grümma.

Noch immer nicht?

Der Basilisk
Um die Kinder daran zu hindern, sich vom Dorf zu entfernen, erzählten ihnen die Großmütter von Lusern, dass sich in den steinigen Gegenden und in den „covoli“ (Kalksteingrotten, die für diese Gegend typisch sind), der „Basilisk“ zeigen könnte, ein riesiger, feuerspeiender Drache; sein Körper sei mit grünen Schuppen bedeckt, die ihre Farbe beliebig wechseln könnten.

Dann plötzlich ein See, der aber in einer Mulde liegend nicht so recht viel Sonne sieht und heute somit noch von Schnee bedeckt ist.

Die 2. Station ist die mit dem freundlichen Bär.

Il giovane che lancio il bastone all’orso
Tanti anni or sono, alcuni uomini di Luserna stavano ricostruendo delle „casare“ (edifici attigui alla malga che ospitano i pastori) vicino al Bisele (zona a nord-est di Luserna).
Un mattina stavanno andando al lavoro; nel gruppo si trovava un giovane di vent’anni, che camminava avanti agli altri cantando e zufolando. I compagni, a un certo punto, gli gridarono „Cristiano, stai attento, l’orso si avvicina!“; ma egli non sentì e proseguì cantando. Ad un ulteriore richiamo, anche lui si accorse dell’orso, ma invece da spaventarsi, andò verso l’animale pensando di poterlo catturare e trattenere con la sola forza delle braccia fino all’arrivo dei compagni armati di scure.
Quando orso e ragazzo furono uno in fronte all’altro si guardarono, dopo di che l’animale si allontanò salendo lungo un ripido pendio. Cristiano allora prese un legno e lo lanciò colpendo l’orso alle zampe posteriori. L’animale si voltò, fisso il giovane e poi proseguì la sua salita giungendo in cima al dosso; quando lo superò, tornò sui suoi passi e si fermò a guardare il giovane verso il basso. Per tre volte ripetè questo gioco, poi prese deciso la via del bosco e cominciò a ruggire così forte da far tremare i boschi circostanti. Solo a quel punto il giovane, che prima non aveva avuto paura, si rese conto di che cosa fosse un orso.

Nichts verstanden?

Dar pua bo da nå hat gedjukht in akhsl stekh in per
…In an morgan soinsa augestånt zo giana zo arbata. A djungar pua in de zbuansekh djar is gånt vorånahì singane un visplane. Di åndarn håmen någehoket: „Krist, schau, da khint dar per, da khint dar per!“ Er hat nèt gehöart uni s gånt singane vürsnen. Di åndarn håm bidar geschriget. Denna hattaren gesek er o: dar is lai gånt zo bölla vången in per zbischnen in arm un haltnen zo paita bo da zuar rivan di åndarn pit’n an pail zo töata in per…

Noch immer nicht?

Der Junge, der dem Bären einen Stock nachwarf
Vor vielen Jahren bauten einige Männer aus Lusern in der Nähe des Bisele (ein Gebiet nordöstlich von Lusern), kleine Hütten, wieder auf, die sich auf dem angrenzenden Almgebiet befanden und als Unterkunft für die Schäfer dienten.
Eines morgens, als sie zur Arbeit gingen, befand sich in der Gruppe auch ein junger, zwanzigjähriger Mann, der singend und pfeifend allen voran einhermarschierte. Nach einiger Zeit rief ihm jemand zu: „Christian, pass auf, der Bär kommt näher!“ Aber er hörte nichts und ging singend weiter. Nach einem nochmaligen Zuruf bemerkte auch er den Bären aber anstatt zu erschrecken, ging er auf den Bären zu und dachte er könne ihn fangen und ihn nur mit der Kraft seiner Arme bis zum Eintreffen seiner Freunde festhalten, die mit Beilen bewaffnet waren.
Als der Bär und der Junge sich gegenüberstanden, blickten sie sich an, dann entfernte sich der Bär und kletterte einen steilen Hügel hinauf. Christian griff zu einem Stock, warf ihn dem Bären nach und traf ihn auf die Hinterpfoten. Der Bär drehte sich um, fixierte den Jungen und kletterte dann weiter seinen Hügel hinauf, bis zur Spitze; oben angelangt, machte er kehrt, blieb stehen und schaute zu dem Jungen hinunter.
Dieses Spiel wiederholte der Bär drei Mal, dann schlug er entschieden den Weg in den Wald ein, wobei er so laut brüllte, dass die umliegenden Wälder erzitterten.

Nach wenigen Metern erreichen wir eine Forststraße. Um dem Zimbrischen Phantasieweg zu folgen, müssten wir links abbiegen, aber die Wegweiser mit der Aufschrift Festung machen neugierig. Laut GPS nur 200 m Luftlinie. Der Abstecher wird von der besten Ehefrau von allen genehmigt.

Untere Festung Lustern – Vorposten Oberwiesen

Untere Festung Lusern - Vorposten Oberwiesen - Werk Lusern
Untere Festung Lusern - Vorposten Oberwiesen - Werk Lusern

Zuerst erreichen wir die untere Festung, den Vorposten Oberwiesen, einen Bunker aus dem ersten Weltkrieg. Mit Moos überwachsen ist er heute fast idyllisch anzusehen. Nach vorne eine Überraschung: Das Gelände fällt steil nach Lusern ab. Aha, die ideale Festung für schießwütige Soldaten.

Schade, dass heute das Wetter nicht so recht mitspielen will, der Ausblick auf das zimbrische Dorf Lusern und den dahinter gelagerten Bergen wäre sicherlich noch viel schöner.

Festung Lusern

Festung Lusern
Festung Lusern

Circa 200 m vom Vorposten Oberwiesen (Werl Lusern) entfernt, liegt die obere Festung, die Festung Lusern. Ein gewaltiger Bunker von einer Größenordnung wie ich persönlich noch keinen gesehen habe (in Franzensfeste war ich noch nie).

Die Festung ist mit Leitern und Stegen versehen, sodass der interessierte Wanderer auch einen Blick in die dunklen Gänge und Räume aber auch aufs „Dach“ des Bunkers werfen kann.

Ich stehe bereits oben, da kommt die beste Ehefrau von allen die Stiegen rauf, was mich etwas wundert, denn normalerweise steigt sie auf keine Leitern rauf und Kriegsfestungen interessieren sie schon gar nicht. Dieser Ort ist Teil des Friedensweges, dessen östlicher Teil der vom Stilvser Joch (2757 m) bis zur Mamolada (3343 m) führt. Aha, daher weht der Wind. Was mit Kirchen, Kapellen oder Sakralem zu tun hat interessiert die beste Ehefrau von allen viel mehr.

Festung Luserna - Werk Lusern
Festung Luserna - Werk Lusern

Der Friedensweg zieht sich vom Stilfser Joch bis zur Marmolada hin und läuft der Frontlinie des Ersten Weltkrieges entlang durch das südliche Grenzgebiet des Trentino.
Dabei berührt er Stätten, die sowohl unter geschichtlichem als auch unter landschaftlichem Gesichtspunkt von großer Bedeutung sind.
Der Friedensweg, an dem zahllose, wieder aufgefundene Kriegsbauten wie Straßen, Schützengräben, Barackenlager und Pfade liegen, soll zur Zusammenarbeit und zur Verbrüderung aller Menschen und Völker dienen.

Nachmittags sind wir zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, darum können wir nicht viel Zeit vertrödeln.

Malga Campo

Malga Campo
Malga Campo

Also zurück zum Zimbrischen Phantasiepfad und dann die wenigen 100 m weiter bis zur Malga Campo. Kurz auf einen Kaffe einkehren, das lasse ich mir nicht nehmen. Weniger des Kaffes wegen, mehr um das Innere der Campo Alm in Ruhe anzuschauen zu können.

Der Wirt der Campo Alm ist sympathisch und freundlich, der Kaffee sehr gut.

Von der Malga Campo wandern wir über eine große, teilweise mit Krokussen übersäte Wiese westwärts, in den Wald hinein. Der ist bald durchquert und wir gelangen wiederum auf eine freie Wiesenfläche, circa 100 m über dem Dörfchen Luserna. Hier hat man einigen Bauwilligen ein neues Häuschen bewilligt, was verständlich ist, um der Abwanderung entgegenzuwirken.

Hier treffen wir auch auf unsere letzte – die eigentlich erste – Station des Zimbrischen Rundwanderweges.

Sanbinelo
a) Un giorno di fitta nebbia una donna decise di andare a far legna nella zona dei Löchar (bosco del Comune). Tutti le avevano sconsigliato di recarsi in quel luogo, perché era molto facile da perdersi, ma ella non ascoltò nessuno e partì egualmente.
Quando fu nel bosco tagliò la legna, la caricò sulle spalle, quando improvvisamente vide un omino vestito di rosso che le fece segno di seguirlo mostrando di volerla guidare. La donna lo seguì per un giorno intero, addentrandosi sempre più nel bosco e perdendo la cognizione del tempo e dello spazio.
Il giorno dopo la gente del paese andò a cercarla e alla fine la trovò ai „Trogoli del Predsondo“, ancora col scarico sulle spalle. Ella raccontò l’accaduto e quelli conclusero: „Se è così, hai seguito i passi di Sanbinelo.“
b) Tanti anni fa un uomo di Luserna chiamato Nokh andò in cerca di funghi alle „Fratte del Camp“. La sera non rientrò a casa, dove lo aspettavano. I familiari pensarono che si fosse riparato da qualche parte per passare la notte, ma anche il giorno dopo non tornò. Allora fecero suonare la campana affinché molta gente andasse a cercarlo. Lo trovarono alla malga Gazo, in stato confusionale vicino ad una pozza. Quella pozza è ancora oggi chiamata „la pozza di Nokh“ e la gente dice che anch’egli abbia seguito i passi del Sanbinelo.

Nichts verstanden?

Dar Sanbinelo
a) In an tage ista gebest dikh dar nebl. A baibe is gånt na holtz in sèl tage in in de „Lòchar“ (Kamoubalt). In as ’s is gebest in balt, hat’s en gemacht ’s holtz un denna hat’s augenump di karge…
…Ben ’s hat khött bas ’s issen vür-khent di laüt håm khöt: „Ja, alora pisto gebest in di tritt von Sanbinelo.“
b) …dar arm Nòkh is gånt in di Frattn‘ von Kamp na schbemm.
Sa håmen gevuntet au in Gazo nåmp in ‚ar hülbe allar insemenirt, un da sèl hülbe trak no haüt in nåm „di hülbe von Nòkh“, un di laüt khön ke dar sèl o is gebest in di tritt von Sanbinèlo…

Noch immer nicht?

Der Sanbinelo
a) An einem Tag, an dem dichter Nebel herrschte, entschied sich eine Frau aus dem Dorf in die Gegend der „Löchar“ (Gemeindewald) zu gehen, um Holz zu sammeln. Alle rieten ihr davon ab, dort konnte man sich leicht verlieren, sagten die Leute, aber sie hörte auf niemanden und machte sich auf den Weg. Im Walde angekommen, hackte sie das Holz und lud es sich auf die Schultern; plötzlich sah sie ein kleines, rot gekleidetes Männchen, das ihr Zeichen machte, ihm zu folgen, es würde sie führen. Tatsächlich folgte ihm die Frau einen ganzen Tag lang und drang immer tiefer in die Wälder ein; sie verlor jeden Begriff von Zeit und Ort. Am nächsten Tag machten sich die Leute auf, um sie zu suchen und fanden sie endlich bei den „Trogoli del Predsono“, noch mit ihrer Last auf den Schultern. Sie erzählte, was geschehen war und man zog den Schluss daraus, dass sie, wenn dies so war, „der Spur des Sanbinelo“ gefolgt sein musste.
b) Vor vielen Jahren ging ein Mann aus Lusern namens Nokh auf Schwammerlsuche zum „Fratte del Camp“. Man erwartete ihn abends zu Hause, aber er kam nicht. Seine Familie dachte, dass er wahrscheinlich irgendwo im Walde Schutz gesucht hatte, um zu übernachten. Aber auch am nächsten Tag kam er nicht nach Hause. Also läutete man die Glocken, damit sich viele Menschen auf den Weg machten, um ihn suchen. Sie fanden ihn auf der Gazo-Alm, neben einem Teich, in verwirrtem Zustand. Dieser Teich wird heute noch der „Teich des Nokh“ genannt und die Leute erzählen sich, dass er den Spuren des Sanbinelo gefolgt sei.

Zurück ins zimbrische Dorf Lusern
Zurück ins zimbrische Dorf Lusern

Vorbei an einer Marienkapelle steigen wir nun ins Dorf bis zum Museum im Dokumentationszentrum Lusern (Centro Documentazione Luserna) hinunter.

Jetzt erst erkenne ich, dass das vorbildlich restaurierte Haus das Museum ist und nicht ein x-beliebiges Privathaus. Am Dorfplatz von Lusern endet das zimbrische Erlebnis. Leider hatten wir keine Gelegenheit das Zimbrische live zu hören, aber schriftlich konnten wir uns an den zahlreichen Infotafeln erfreuen und uns wundern wir ähnlich die zimbrische Sprache dem Südtiroler Dialekt zu sein scheint. Unweigerlich fragen wir uns, wie lange diese ursprüngliche Sprache in der heutigen, modernen Zeit noch überleben wird.

Hoffentlich noch sehr lange, sodass die Magie der Vielfalt in den Alpen erhalten bleibt.

GPS-Daten Rundwanderung Lusern

Fotografien vom Zimbrischen Phantasieweg und den Festungen Lusern

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