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Die Kalterer Seerundtour – diesmal wirklich am Wasser

Herrliches Wetter. Da wollen wir an den See. Eine Kalterer Seerundwanderung der etwas anderen Art wartet auf uns. Wir wollen heute zwar wie so oft um den Kalterer See, aber dieses Mal ganz nahe am Wasser. Am besten so nahe, dass wir das kühle Nass greifen können. Geht das am Kalterer See? Ja, das geht!

Hmm – wird eine Stunde ausreichen? Wir wissen es nicht. Ok, dann auf jeden Fall eine Stunde und eventuell verlängern. Der sympathische Bursche an der Kassa meint: „Kein Problem.“

Kassa wie was? Muss man zahlen, wenn man auf den Kalterer Seerundweg will? Wir schon!

Denn wir beherrschen das mit dem Über-das-Wasser-Gehen noch nicht ganz so gut. Darum müssen wir uns wohl oder übel ein Tretboot ausleihen. So ist das eben, wenn man ein normaler Sterblicher ist.

Anna auf dem Wasser, im Hintergrund Tramin, das Dorf südlich des Kalterer Sees.
Anna auf dem Wasser, im Hintergrund Tramin, das Dorf südlich des Kalterer Sees.

Ein Boot mit Sessel und Rutsche oder lieber eines ohne Rutsche, aber dafür mit Liegestühlen? Ein kurzer Sitztest bringt uns schnell zur Erkenntnis: mit Liegestühlen.

Anna will die linke Seite. Mir ist das egal. Erst viel später wird mir klar, warum: Auf der linken Seite befindet sich der Ruderhebel.

Anna will natürlich den Gang übers Wasser steuern! Mir soll es recht sein. Denn Anna denkt nicht weit genug. Da gibt es den einen, der übers Wasser ging. Aber heute sitzt der Vater persönlich daneben im Liegestuhl.

So darf Anna lenken, muss aber haargenau meinen Anweisungen folgen. Das klappt nur bedingt. Das mit dem Folgen würde funktionieren, aber bei der technischen Umsetzung hapert es dann doch etwas.

Anna muss erst lernen, ein Tretboot richtig zu lenken. Vorausschauendes Antizipieren ist wichtig. So eine Tretbootlenkung reagiert träge. Ja, genau so träge wie ein Volk, das man lenken möchte. Sie merkt bald: Es ist nicht leicht.

Ich: „Weiter nach links, bis zu dem Haubentaucher da vorne!“

Anna reißt den Hebel nach links. Erst auf Höhe des Haubentauchers steuert sie wieder dagegen. Das ist natürlich zu spät. Es treibt uns viel zu weit nach links. Jesus!

Aber ok, ich bin anspruchsvoll.

Zuerst muss das Boot millimetergenau zwischen zwei Tothölzern hindurchgesteuert werden. Danach ist eine exakte Linie Schwimmer–Traminer St.-Jakob-Kirchlein einzuhalten. Anschließend wird rücklinks unter den hängenden Zweigen einer Trauerweide eingeparkt.

Auch Stand-Up-Paddler sind unterwegs auf dem Kalterer See!
Auch Stand-Up-Paddler sind unterwegs auf dem Kalterer See!

So wandeln wir über den See der Herrgottskinder – Eingeweihte wissen, dass dieser Ausdruck diesmal tatsächlich keine Pointe oder Metapher ist – im Uhrzeigersinn, das rettende Ufer stets in Griffweite.

Doch wie es der Teufel will, wartet bald Sodom und Gomorra auf uns nichtsahnende.

Der eine huldigt nackt auf seinem Board dem Sonnengott Helios. Zwei Frauen, immerhin nur oben ohne, verlieren sich küssend ineinander. Wenn die Herrgottskinder oben im Dorf das wüssten.

Anna und ich haben für solche Sachen natürlich kein Auge. Tochter und Vater haben sich einzig und allein der Jagd nach dem Schönen verschrieben: Tramin mit Schwimmer im Vordergrund, Naturidylle mit Kaltern im Hintergrund, Haubentaucher direkt vor unseren Nasen …

Die eine Stunde ist längst vorbei und noch immer treten wir irgendwo gegenüber des Auslaufhafens über den Kalterer See dahin. Schließlich will einer herrlichen Schöpfung auch die gebührende Zeit geschenkt werden.

Anna, im Hintergrund die Lido Betriebe von St. Josef am See und in der Ferne das Dorf Kaltern.
Anna, im Hintergrund die Lido Betriebe von St. Josef am See und in der Ferne das Dorf Kaltern.

Gäbe es da nicht die Eine. Die Eine aus dem Geschlecht der alten Götter. Jene, die über allem und allen steht: die Urgöttin Gaia. Oder auch: die mächtigste Ehefrau von allen.

Heute nicht persönlich zugegen, doch trotzdem immer dabei. Mit klopfendem Herzen wagen wir den Anruf.

Kling, kling …

Genehmigt!

Puh, das war knapp.“

So dürfen wir weiter den See der Kalterer – der aber zugleich auch ein klein wenig unser See ist, weil wir Traminer ebenfalls an ihn angrenzen – erkunden und Gottes traumhafter Schöpfung huldigen.

Doch selbst über Titanen, alten Göttern, neuen Göttern und Herrgottskindern herrscht noch eine Gewalt: die Zeit!

Auch diese zweite Stunde vergeht wie ein kurzer Atemzug der Götter. Und so parken wir um Punkt 12.00 Uhr unser Tretboot wieder an seiner zugedachten Anlegestelle am Westufer des Kalterer Sees und freuen uns, eine Runde im Paradies gedreht – oder besser gesagt: getreten – zu haben.

Kalterer See Runde auf dem Wasser

Akt. Position: -km, -m
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50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)

Fotos Kalterer See

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