Über den Traminer Höhenweg von Graun zum Gummerer Hof

Den Traminer Höhenweg sollte man von Tramin ausgehend bestreiten. Doch bestreiten trifft es auf den Punkt, denn dafür müsste man über die „Turmheach“ den steilen 6er Steig bewältigen. Es gilt über 300 m steil hinaufzusteigen. Dazu haben wir heute ausnahmsweise keine Lust. Wir machen es uns einfach und fahren mit dem Auto nach Graun. Zeittechnisch gewinnen wir dadurch nichts, denn in der gleichen Zeit hätten wir die „Turmheach“ erklimmen können, doch sparen wir so Energie. Nur unsere Körper eigene Energie, Umwelt technisch haben leisten wir uns natürlich einen Fauxpas. Um denselben durch eine gute Tat etwas zu mildern, fahren machen wir einen kurzen Abstecher nach Penon und nehmen die Oma mit.

So starten wir nun zu viert in Graun, an dessen nördlichen Ende, kurz vor dem Gasthaus Lenzenhof.

Der Traminer Höhenweg verlässt Richtung Norden schnell das Siedlungsgebiet und stellt uns am Beginn eines Forstweges vor die Wahl. Rechts oder links? Wir halten uns links und wandern gemütlich den Forstweg (Wanderweg Nr. 4) leicht ansteigend Richtung Schmiedebene hinauf.

Maiglöckchen

Ich freue mich schon auf die Maiglöckchen, die hier am Wegesrand oftmals blühen. Voriges Jahr sind wir 2 Wochen früher in dieser Gegend gewesen. Damals haben wir uns gedacht, so circa Anfang bis Mitte Mai müsste man die weißen Blüten der Giftpflanze des Jahres 2014, aus der Familie der Spargelgewächse, sehen können.

Denkste, weit gefehlt! Wahrscheinlich ist es dem langen kalten Winter geschuldet, dass von einem traubenförmigen Blütenstand mit 5 bis 10 Blüten nicht viel zu entdecken ist. Ich muss schon froh sein, einzelne noch geschlossene Glöckchen zu finden. Naja, hier herauf ist es ja nicht weit, vielleicht kommen wir in ein zwei Wochen wieder.

Gemütlich bringt uns der Forstweg durch den mit schönen Buchen durchzogenen Mischwald. Zwei Serpentinen kürzen wir mit einem Steig, an dem besonders viele krautige Maiglöckchen wachsen, ab. So geht es recht gemütlich, „Oma like“ bis zur Unteren Schmiedebene, leicht zu erkennen durch einen kleinen Weiher mit Trinkwasserstelle. Hier halten wir uns rechts und folgen somit dem Wegweiser „Traminer Höhenweg“ der uns zuerst nur wenige Meter leicht abwärts wandernd, zu einem großen Felsblock unter dem eine Sitzbank fast Regenschutz findet, bringt.

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Hier müssen wir rechts hinunter biegen, dem Wegweiser Traminer Höhenweg folgen

Rechts zwischen den lichten Waldbestand schaut ab und zu der Gummerer Hof herauf, das Ziel unserer Rundwanderung und gleichzeitig die Heimat der Söller Uroma. Bei einem geschlägerten Eck wird der Blick plötzlich frei. Herrlich die Sicht über die in den Wald eingelagerten Söller Höfe und das Tal des Höllentalbach hinunter nach Tramin im Südtiroler Unterland.

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Blick durch das Höllental hinunter auf Tramin und das Südtiroler Unterland

Von der gegenüberliegenden Talseite blicken uns weiße Bergkuppen entgegen. Sie sind von den Dolomitengranden Schlern, Rosengartengruppe, Latemar und von den beiden Fleimstaler Zwillingsbergen Weißhorn und Schwarzhorn.

Der breite Forstweg geht jetzt in einen Steig über. Es gilt nun die zwei Arme des Höllentalbaches den Weißenbach und den Schmidbach zu überqueren und anschließend den Höllentalbach selbst. Die Passagen sind zwar unschwierig, doch an einigen Stellen geht es recht tief ins jeweilige Bachbett hinunter.

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Der wilde Weißenbach mit den Kalkwänden des Schwarzen Kopfes

Wenige Meter über der Hütte „Klapf“ (Privathütte) kommen wir auf einen weißen Schotterweg. Er ist der Klapf Trinkwasserquelle geschuldet. Damals hat man den herrlichen Steig zu einem LKW tauglichen Forstweg verschandelt. Leider, denn der Steig war einmalig, führte er doch durch ganz besondere Vegetation. Aufgrund der Sonnen exponierten Lage und der kargen, trockenen Böden unter den weißen Steinlahnen „Weiße Risen“ herrscht hier ein extrawarmes trockenes Klima, an das sich die Vegetation anpassen musste. Ok, das Klima ist geblieben, aber es ist auf einem breiten Schotterweg nicht dasselbe wie auf einem Fuß breiten Steig!

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mittlerweile ein breiter Schotterweg, das Wegstück zwischen dem „Klapf“ und dem Kalterer Höhenweg

Kurz bevor der Traminer Höhenweg stillschweigend in den Kalterer Höhenweg übergeht, biegen wir rechts in einen Steig ein. Es ist das letzte verbliebene Stück des „Klapf-Steiges“ meiner Kindheitserinnerungen. Umso mehr freut es mich Anna von früher zu erzählen, als ich als Bub mit dem Nen oder mit den Tanten und Onkeln sehr oft, fast jeden Sonntag, vom Gummererhof über diesen Steig zum Klapf wandern durfte. Ich erzähle ihr wie es genau hier, wo wir nun stehen, früher eine Mulde gegeben hat. Als Kinder sind wir dann immer mit vieeel Anlauf runter gerannt, um auf der anderen Seite, mit dem so aufgenommenen Schwung, fast mühelos rauf zu kommen. Auf dieses eine Stück haben wir uns immer wie die Schneekönige gefreut. Auch erzähle ich ihr vom Nen, der als Bergbauer sich als Forstarbeiter etwas dazu verdient hat und darum oft drüben bei der Schmiedebene war. Der Nen hatte damals oft ganztags im Wald gearbeitet, oft zusammen mit dem Wiesler Paul, der allerhand Geschichten kannte. Da es sich nicht ausgezahlt hat zu Mittag heimzugehen, haben die beiden oft ihr Mittagessen in der Forsthütte der Schmiedebene gekocht. Manchmal bin ich als Bub vom Gummererhof allein bis zur Schmiedebene gelaufen, weil ich sie besuchen wollte oder weil es neben der Hütte ein größeres Areal gab, das geschlägert war und darum unzählige wilde Himbeeren gewachsen sind, die ich natürlich pflücken wollte. Mmm waren die lecker!

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Traminer Höhenweg kurz vor dem 10er Steig, der zum Gummererhof hinunter führt

Anna kann nicht verstehen, warum ich als Bub so weit und noch dazu einen so gefährlichen Steig alleine gehen durfte, wenn sie doch keine zwei Schritte ohne die Argusaugen ihrer Mutter im Nacken, machen darf! Ich antworte nicht, ich spüre das Schnauben der besten Ehefrau von allem im Rücken 😉

Am Gummerer Hof

Mittlerweile sind auf den 10er Weg angelangt. Er führt uns zum Gummerer Hof hinunter. In der Magerwiese oberhalb des Hofes wackeln verblühten Osterglöckchen (Kuhschellen) im Wind. Anna interessiert das wenig, sie rennt zu Urnena hinunter. Leider ist die Urnena – wir nennen unsere Uroma so – nicht zuhause und das Gasthaus ist auch leer. Es macht Corona bedingt erst nächste Woche auf.

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Das Berggasthaus Gummerer Hof ist erreicht

Egal, wir haben genug Rucksackessen mit. Während Anna die Schaukel und das Kinderhaus, das aus einem ausgedienten Weinfass gefertigt ist, ausprobiert, machen wir Erwachsene es uns auf der Gäste leeren Terrasse gemütlich.

Mir fällt ein Guckloch durch die Äste des umgebenden Waldes auf. Mit dem Telezoom kann ich das Bild ordentlich heranholen. Ach, da ist der große Felsbrocken, der erst kürzlich vom Weißenbach abgegangen ist. Wie so oft schießen mir dieselben Gedanken durch den Kopf. Wildbachverbauung ist zwar nicht schön, aber trotzdem bin ich als Betroffener heilfroh, dass es sie gibt.

über dem Gummerer Hof
360° über dem Gummerer Hof

Nach dem Rucksackessen erkunden Anna und ich den Hof fotografisch. Nicht weil wir ihn nicht kennen würden, nein der Fotografie wegen. Jetzt Anfang Mai bettet er sich besonders schön im frischen Grün der Wälder und Weinberge ein. Der Hof hat seit meinen Kindheitstagen eine ziemliche Veränderung durchgemacht. Früher gab es hier nur wenig Weinberge. Es gab nur der „Großn Schroat“ und den „Kloanen Schroat“, der große Rest waren Wiesen für Kühe. Es gab derlei zwei. Die mir Angst einflößende, weil wilde, Linda und die gutmütige Nelli. Als Bub habe ich sie manchmal über die Sommermonate gehütet. Heute müsste ich sie durch die Weinberge treiben, auf der letzten übrig gebliebenen Magerwiese würden sie sicherlich nicht genug Gras finden.

Rückweg über den Zogglerweg

Wir haben noch ein schönes Stück Wanderweg vor uns. Darum verabschieden wir uns vom Berggasthaus Gummerer Hof. Für mich ist es wahrscheinlich das erste Mal, dass ich mich hier von keinem Menschen, nur vom Hof mit der dahinterliegende steilen Bergwand Roen-Schwarzer Kopf verabschiede. Das ist ungewohnt, doch in einer Woche wird auch am Gummerer Hof wieder Leben einkehren und es werden dann wieder Radfahrer und Wanderer verköstigt werden.

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Der Gummerer Hof und die imposante Felswand des Schwarzen Kopfes schauen uns nach…

Zügigen Schrittes wandern wir nun über den Forstweg Zogglerweg zur Zogglerwiese. Der Zogglerweg wird in den offiziellen Wanderführern auch Traminer Höhenweg genannt. Mir kommt das etwas ungewohnt vor, denn ich haben als Höhenweg nur den oberen Weg, der über die Schmiedebene führt im Kopf. Bei der Zogglerwiese, der Name Zoggler kommt von einem alte verfallen Hof den es hier gab, steht eine Forsthütte. Einen Trinkwasserbrunnen gibt es da natürlich auch.

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Gemütlich über den Zogglerweg udn Traminer Höhenweg zurück nach Graun. Die Strecke ist bei Radfahrern sehr beliebt.

Wir gehen zur Hütte hinüber, sind heute nicht die einzigen hier. Sogar zwei Trudner, den Georg und die Monika vom Melcherhof es hier her verschlagen. Ich  plaudern mit ihnen über dies und das, übers E-Bike, über Bergbauernhöfe und die Viehhaltung. Nicht dass ich darin Experte wäre, aber der Georg schon, er betreibt in Truden noch einen echten Bauernhof mit echtem Vieh. Im Südtirol findet man solche Bauernhöfe zwar viele, aber im Süden Südtirols sind sie nicht allzu viel gesät.

Nach dem Kurzaufenthalt am Zoggler marschieren wir weiter. Die zwei Serpentinen, die der Zogglerweg macht, kürzen wir mit einem Steig, der an der Ruine des verfallenen Zogglerhofes vorbei führt, ab, bevor wir wieder auf den Forstweg treffen und nur mäßig an an Höhe gewinnend bis nach Graun zurück wandern.

GPS-Track der Rundwanderung Traminer Höhenweg – Gummerer Hof

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 distance (km) elevation (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Differenz max/min: Keine Daten
Höhengewinn (~): Keine Daten
Höhenverlust (~): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Traminer Höhenweg – Gummerer Hof

 

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