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Schloss Boymont

Drei-Burgen-Wanderung in Eppan mit Überraschungen

Die Drei-Burgen-Wanderung in Eppan gehen wir nicht zum ersten Mal. Darum erwarte ich mir heute auch nicht allzu viel Neues. Schließlich kennen wir die Runde inzwischen beinahe in- und auswendig. Doch wie sich herausstellen wird, haben selbst alte Bekannte manchmal noch Überraschungen auf Lager.

Wir parken kurz nach Schloss Korb auf dem relativ neuen Wiesenparkplatz der Gemeinde Eppan. Den gab es früher noch nicht. Er ist rappelvoll. Doch da entdeckt Anna eine Lücke. So eng, dass sich offenbar noch niemand hineingewagt hat. Ich bugsiere das Auto millimetergenau rückwärts hinein. Passt! Das Aussteigen wird zwar zur akrobatischen Herausforderung und meine beiden Parkplatznachbarn werden mich vermutlich zum Teufel wünschen, aber was soll’s? Irgendwo muss das Auto schließlich hin. Und ein anderer Parkplatz ist weit und breit nicht mehr frei.

Der Gang zum Parkautomaten gestaltet sich dafür umso erfreulicher. Das gute Stück ist offenbar defekt. Außer Betrieb! Na, wenn das kein Glücksfall ist! Da weit und breit kein anderer Automat in Sicht ist, werden wir uns die fünf Euro Tagesgebühr heute wohl sparen.

Zur Burgruine Boymont – der erste Aufstieg

Um etwas Abwechslung in unsere bisherigen Drei-Burgen-Runden zu bringen, wandern wir heute nicht gegen, sondern im Uhrzeigersinn. Das heißt, zuerst einmal hinauf zur Burgruine Boymont.

Die Triforien von Schloss Boymont
Die Triforien von Schloss Boymont

Kurz, aber deftig geht es bergauf. Wir schreiten durch das östliche Burgtor, halten uns im Innenhof schnurstracks rechts und erklimmen als Allererstes den Bergfried.

Klar, wenn man schon hier ist, möchte man auch ganz hinauf und die Aussicht auf Missian, St. Pauls, Girlan und St. Michael genießen. Unser Blick reicht über die Ortschaften Eppans hinweg bis nach Bozen, über dem sich das mächtige Schlernmassiv erhebt.

Wären wir heute etwas früher gestartet, könnten wir uns noch an einem blauen Himmel erfreuen. So müssen wir uns damit abfinden, dass die Sonne nun hinter einer Wolkendecke verschwindet.

Ausblick vom Bergfried von Schloss Boymont hinunter zu Schloss Korb und hinüber zu St. Pauls
Ausblick vom Bergfried von Schloss Boymont hinunter zu Schloss Korb und hinüber zu St. Pauls

Egal! Schließlich sind wir heute nicht in erster Linie wegen des schönen Wetters hier, sondern um unsere tägliche Mittagsrunde zu absolvieren. Ein bisschen sportliche Betätigung muss schließlich auch am Sonntag sein.

Darum steigen wir wieder ab, schauen uns kurz im heute gut besuchten Burghof um – Burgschenke inklusive – und machen uns anschließend über den Burgenweg auf zum Schloss Hocheppan.

Das ist das dritte Schloss im Bunde.

Das dritte? Moment mal, wo war denn das erste?

Das erste war Schloss Korb. Daran sind wir bereits bei der Anfahrt vorbeigefahren, außerdem haben wir es vom Bergfried der Burgruine Boymont aus erspäht. Besuchen konnten wir es allerdings nicht. Es befindet sich nämlich in Privatbesitz und beherbergt ein Vier-Sterne-Superior-Hotel.

Gut, mit einer Tischreservierung im Gourmetrestaurant Aurum wären wir durchaus hineingekommen. Allerdings hätten wir dann wohl eher die Speisekarte als die Schlossmauern studieren müssen.

Schloss Hocheppan und seine versteckten Schätze

Aber genug von Schloss Korb. Schließlich wartet mit Hocheppan noch die dritte Burg im Bunde auf uns. Und die gefällt mir persönlich am besten. Nicht nur wegen ihrer spektakulären Lage auf einem steil abfallenden Porphyrfelsen, sondern auch wegen ihrer etwas filigraneren Erscheinung im Vergleich zur wuchtigen Burgruine Boymont.

Schloss Hocheppan ist übrigens nicht nur die älteste, sondern historisch auch die bedeutendste der drei Burgen. Wobei es streng genommen sogar vier Bauwerke sind. Denn unterhalb von Hocheppan steht noch der Kreideturm, der vermutlich als vorgeschobene Befestigung beziehungsweise als Vorwerk der Hauptburg diente.

Auch architektonisch hat Hocheppan einiges zu bieten. Besonders auffällig ist der fünfeckige Bergfried, der sich innerhalb der Burganlage erhebt.

Das kunsthistorisch bedeutendste Schmuckstück versteckt sich allerdings an der südlichen Burgmauer: die Burgkapelle St. Katharina. Sie beherbergt außergewöhnlich gut erhaltene romanische Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert und trägt deshalb den klangvollen Beinamen „Sixtinische Kapelle der Alpen“.

Eine besondere Berühmtheit hat dabei das Fresko der sogenannten „Knödelesserin“ erlangt. Es gilt traditionell als älteste bildliche Darstellung von Tiroler Knödeln.

Allerdings haben Kunsthistoriker inzwischen Zweifel angemeldet. Bei den vermeintlichen Knödeln könnte es sich nämlich auch um goldene Kugeln handeln.

Tja, da haben wir Südtiroler womöglich jahrhundertelang eine Portion Knödel bewundert, die gar keine sind.

Doch jetzt kommt die eigentliche Überraschung: Die Tür der Burgkapelle steht offen! Tatsächlich! Obwohl wir schon mehrmals hier waren, haben wir noch nie einen Blick hineinwerfen können. Das müssen wir natürlich sofort nachholen.

Die kunsthistorisch bedeutenden Fresken in der St. Katharina Kapelle von Schloss Hocheppan
Die kunsthistorisch bedeutenden Fresken in der St. Katharina Kapelle von Schloss Hocheppan

Offenbar findet gerade eine Führung statt. So schauen wir nur kurz hinein und überlassen die Kapelle anschließend wieder den Besuchern, die andächtig den Ausführungen der Führerin lauschen.

Noch eine kleine Runde durch den Innenhof. Der ist heute rappelvoll. In jeder Ecke steht ein Tisch, dicht gedrängt sitzen Sonntagswanderer daran, die hier augenscheinlich ihr Mittagsmahl einnehmen.

Als wir schließlich gemütlich Richtung Burgtor schlendern, fällt uns eine Infotafel ins Auge:

Kunsthistorische Kapellenführung – 6,00 Euro.

Ups! Da hätten wir wohl gar nicht einfach so hineinschauen dürfen.

Naja, die Erinnerung zurückgeben geht schlecht. Und die Fotos von der Speicherkarte löschen? Nein, das bringe ich nun wirklich nicht übers Herz.

An der nördlichen Seite des Innenhofs werden Bögen verteilt. Auf Schloss Hocheppan kann man nämlich auch einen Bogenparcours bestreiten.

Den Innenhof verlassen wir nun, halten uns aber noch ein wenig im äußeren Burghof auf.

Der Kreideturm – eine unerwartete Entdeckung

Um 14.30 Uhr verabschieden wir uns endgültig von der Burg und machen uns auf dem hier teilweise betonierten Weg an den Abstieg Richtung Kreideturm.

Wir fragen uns, woher der Kreideturm eigentlich seinen Namen hat. Was hatte man denn im Mittelalter mit Kreide am Hut?

Kurz vor der Abzweigung zum Turm steht eine Infotafel. Sie klärt uns auf.

Der Name Kreideturm leitet sich vom mittelhochdeutschen Ausdruck „krayen“ ab, was so viel wie schreien oder rufen bedeutet. Der Turm diente als Wachturm und stand mit der darüberliegenden Burg Hocheppan in Verbindung.

Ach so! Mit Kreide hat der Kreideturm also rein gar nichts zu tun. Hier wurde früher nicht geschrieben, sondern geschrien!

Und weil wir heute offenbar auf Entdeckungstour sind, beschließen wir, gleich noch eine zweite Premiere dranzuhängen: Zum ersten Mal in unserer Drei-Burgen-Wanderkarriere wollen wir uns auch den Kreideturm aus der Nähe anschauen.

Also nichts wie hinüber und hinauf!

Natürlich wollen wir auch hier auf den Turm steigen. Doch wir umrunden das alte Gemäuer einmal vollständig und finden beim besten Willen keine Tür.

Seltsam. Ein Turm ohne Eingang?

Erst ein Blick nach oben löst das Rätsel. Ach, da ist sie ja! Vier bis fünf Meter über unseren Köpfen. Offenbar hatte man es im Mittelalter nicht besonders eilig, ungebetenen Besuch hereinzulassen. Vermutlich führte früher eine Leiter zum Eingang hinauf. Heute ist davon jedenfalls nichts mehr zu sehen.

Der Kreideturm
Der Kreideturm

Ohne den Kreideturm bestiegen zu haben, verabschieden wir uns von dem alten Gemäuer und marschieren über den Burgenweg hinunter zum kleinen Waldparkplatz. Den gab es schon früher, als noch nicht ganze Heerscharen von Wanderern die schöne Burgenrunde für sich entdeckt hatten. Damals reichte dieser bescheidene Parkplatz offenbar noch völlig aus. Heute braucht es zusätzlich einen ganzen Wiesenparkplatz. Und selbst der ist rappelvoll.

Zum Schluss folgen wir der Zufahrtsstraße des vParkplatzes, allerdings nicht auf dem Asphalt, sondern auf dem parallel verlaufenden Wandersteig, zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Und damit schließen wir zum – ja, zum wievielten Mal eigentlich? Ich weiß es schon gar nicht mehr – unsere Drei-Burgen-Rundwanderung ab.

Und siehe da: Selbst dieser alte Bekannte hat uns heute noch zwei Neuigkeiten beschert. Einen Blick ins Innere der St.-Katharina-Kapelle und einen Abstecher zum Kreideturm.

Wer hätte das gedacht!

Ganz zufrieden sind allerdings nicht alle. Zumindest die beste Ehefrau von allen hat etwas auszusetzen: Unsere Mittagsrunde ist ihr zu kurz geraten. Mindestens acht Kilometer hätten es schon sein müssen!

Anna sieht das naturgemäß ganz anders.

„Kurz ist gut!“

Wanderkarte mit GPS-Download: Drei-Burgen-Wanderung Eppan

 

Akt. Position: -km, -m
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50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)

Eckdaten der Tour

Drei-Burgen-Wanderung in Eppan mit Überraschungen

  • Dauer: 1:55 h
  • Distanz: 5,2 km
  • Bergauf: 331 m
  • Bergab: 334 m
Um welche Art von Tour handelt es sich?
Es handelt sich um eine Tour der Kategorie Themenwege, Wandern
In welcher Region befindet sich die Tour?
Die Tour befindet sich in der Region Etschtal
Um welche Bergkategorie handelt es sich? Auf welcher Höhe liegt die Tour?
Es handelt sich hierbei um einen Berg der 0er Kategorie. Der tiefste Punkt der Tour liegt auf 439 m über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt der Tour liegt auf 632 m über dem Meeresspiegel.
Wie lang ist die Strecke?
Die Tour ist 5,2 km lang.
Wie streng ist der Aufstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Es sind 2,4 Kilometer und 331 Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von 17,5 %.
Wie anspruchsvoll ist der Abstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Im Abstieg sind 2,7 Kilometer und 334 Höhenmeter zu bewältigen. Das entspricht einem durchschnittlichen Gefälle von 15,8 %.
Wie viel Zeit werde ich für die Tour brauchen?
Ein durchschnittlicher Wanderer benötigt für die reine Gehzeit ca. 2:25 Stunden, ein geübter Wanderer ca. 1:55 Stunden.
Dieser Wert kann individuell stark variieren. Siehe Gehzeitrechner.
Wie viele Kalorien werden bei der Tour verbrannt?
Bei der Wanderung werden ca. 712 kcal verbrannt.
Es ist zu beachten, dass die Berechnung des Kalorienverbrauchs auf Faustformeln und allerlei Annahmen beruht, z.B. Gewicht=75 kg, Kalorienverbrauchsvorgaben für Aufstieg, Abstieg, flach usw. und daher nur eine Schätzung und keine exakte Angabe liefert. Wenn du deinen Kalorienverbrauch selbst berechnen möchtest, dann schau dir diesen Kalorienrechner an.

Fotos der Drei-Burgen-Wanderung in Eppan

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