wandern im Fersental – Bersntol – Valle dei Mòcheni

Wandern im Fersental (einheimisch: Bersntol, ital.: Valle dei Mòcheni), dass wollte ich immer schon mal. Obwohl im italienischen Trentino gelegen, hat sich dort eine deutsche Sprachinsel erhalten. Die Fersentaler Mundart soll auf das Mittelhochbairische zurückgehen. Ich wette die sprechen dort genau wie wir, an richtig’n Tiroler Dialekt! Wir werden es sehen bzw. hoffentlich auch hören.

wandern im Fersental (Bersntol, Valle dei Mòcheni)
wandern im Fersental (Bersntol, Valle dei Mòcheni)

Anfahrt: Trient, dann Richtung Valsugana, bei Pergine links ins Tal der Mòcheni hinein.

Wir bleiben auf der linken Talseite (orografisch rechts) und fahren bis zum Talschluss (1.514 m): Palai im Fersental (einheimisch: Palai en Bersntol, ital.: Palù del Fersina). Ein großer Parkplatz bietet Platz fürs Auto; eine übersichtliche Panoramatafel schlägt verschiedenen Wandertouren vor.

Auf gut Glück gehen wir den erstbesten Steig entlang bzw. folgen einfach der Beschilderung E5 (Europäischer Fernwanderweg).

Der Steig startet direkt hinter der Panoramatafel. Er führt uns zuerst durch den Wald empor, quert dann eine Straße, führt uns wenig später einige Meter diese Straße entlang, bevor er uns auf den eigentlichen Wanderweg der uns einmal links und einmal rechts des Fernsentaler Baches bis zum Erdemolo See hinauf bringen soll. Scheinbar haben wir eine vielbesuchte Wanderroute getroffen. Wir überholen vor allem italienische Familien.

Sehr aussichtsreich ist der Wanderweg nicht, aber landschaftlich schön. Leider spielt das Wetter nicht so recht mit, darum wandern wir recht zügig, ohne stehen zu bleiben, dem Erdemolo See entgegen.

Erdemolo See und Hütte

Nach 50 Minuten stehen wir am auf circa 2.010 m über dem Meeresspiegel vor dem Erdemolo See und der Erdemolo Hütte.

Was tun? Weitergehen oder Mittagspause halten? Mittelweile bedeckt eine ziemlich dichte Wolkendecke den Himmel und so entscheiden wir uns fürs Einkehren bzw. machen es uns vor der Hütte gemütlich. Das bedeutet vor allem: warm anziehen 😉

Die besten Ehefrau von allen übernimmt wieder einmal die Verköstigung, sprich das Bestellen.

„Und wie redn si do?“ „Walsch.“ „Nit, deitsch?“ „Na.“ „Wo, isch es Essn.“ „Sie bringts ausr.“

Es dauert nicht lang da kommt die Wirtin heraus und bring in „Plent mitn Golasch“. Sie merkt, dass wir Deutsch sprechen und schaltet in Null Komma Nix von Italienisch auf Hochdeutsch um, merkt dann, dass wir Dialekt sprechen und fragt uns, nachdem ich Ihr auf die Rechnung von 16 Euro, 20 Euro hingelegt hatte: „Hobs an Euro?“

„Dei red’t jo genau so wia mir, gel?“ „Jo, komplett gleich. Südtiroler Dialekt, worscheinlich sain sie sogor gleimr ba insrn Traminer Dialekt als mir ban Puschtrtoler Dialekt. Hetzig.“

Hier eine Gegenüberstellung Bersntolerisch-Traminerisch-Hochdeutsch:

Bersntolerisch:

„De echern van boaz“

An pauer ist gongen anaus en vèlt petn sai´ su´ za schaung benn der boaz raif ist. Benn de sai´ kemmen kan sai´ òcker, hom saa tschechen as a toal echern sai´ kahea plim ant a toal hom se puckt keing de eart. Der su´ hòt gamoa´t: An bellan schon as ist voter, as vil echern sai´ puckt en de dru´. Der voter hót oargarupft zboa echern: Schau de doin echern as puckt sai´, de sai´ schbar ont voll kourn ant en de sélln as schteá kahea hót s nicht drinn!

Südtirolerisch – Traminerisch:

„Woazn Earn“

A paur isch ausi gong’n afn sain Ockr mit sain bua, zum schaug’n ob dr woazn raif isch. Ols sie zum ocker kemmen sain, hobn si gsechn, dass a toal earn krot gstondn sein und a toal earn sich bis zur eart oi gepuckt hobn. Dr bua hot gmoant: a schean schodn votr, so viel earn sein gepuckt. Dr votr hot zwoa earn orzupft: schau dei earn dei gepuckt sain, di sem sain scheinbor vollr korn und de sebn wos krot stean zem isch nix drinn!

Hochdeutsch:

„Die Weizenähren“

Einmal ging ein Bauer mit seinem Sohn ins Feld, um nachzusehen, ob der Weizen reif ist. Als sie zum Acker kamen, sahen sie, dass einige Ähren noch aufrecht standen, während andere sich zur Erde geneigt hatten. Der Sohn sagte: Welcher Schaden, Vater! So viele Ähren sind zum Boden geneigt. Der Vater hat zwei Ähren gepflückt: sehe dir die Ähren an, die geneigt sind, sie sind schwer und voller Frucht, aber diejenigen, die aufrecht stehen, da ist nichts drin.

Nur noch wenige Leute im Tal sprechen Deutsch und noch weniger den richtigen Bersntoler Dialekt, erklärt uns die Wirtin. Schade sei das, jetzt wird zwar in den Schulen etwas Deutsch gelehrt, aber das ist dann Hochdeutsch und wird wohl nicht viel helfen die Bersntoler vom Aussterben zu beschützen.

Obwohl wir uns hier bei der Erdemodle Hütte richtig heimisch fühlen (hat wohl mit der Sprache zu tun), beschließen wird trotzdem weiter zu wandern. Ich studiere die Wanderkarte, die in der Hütte drin hängt und mache eine Rundwanderung aus: von hier, also vom Erdemolo See (2.010 m) bis zum Pizzo Alto (2.213 m) hinauf, weiter zum Monte del Lago (2.327 m), dann zum Conelle Pass und zum Sasso Rotto (2.310 m) und zum Schluss bis zur Cima Sette Selle (2.396 m) hinüber. Dann Abstieg über die Schutzhütte Sette Selle und zurück zum Parkplatz Palai im Fersental. Das müsste eigentlich gehen. Hoffentlich ist der Weg nicht zu gefährlich. Auf der Wanderkarte ist er punktiert eingezeichnet. Das Wetter schaut auch nicht gerade vielversprechend aus.

Wir wagen es trotzdem und steigen bis zum Pizzo Alto auf. Der See und die Hütte schauen von hier oben ziemlich kleiner aus.

Nun biegen wir links ab und folgen dem relativ schmalen Kamm in Richtung Nordosten. Der Wandersteig ist einem schwierigen Bergsteig gewichen. Er wäre sicherlich extrem aussichtreich, wenn nicht die dichte Wolkendecke den Blick versperren würde. Ein alpiner Bergsteig in der südlichen Lagorei Kette, den man unbedingt bei schöner Fernsicht beschreiten sollte! Schade.

Die Zeit verrinnt, trotz karger Aussicht, wie im Flug. Der Alpinweg ist nicht ganz ungefährlich und so müssen wir uns Schritt für Schritt konzentrieren und vergessen schnell wie lange wir schon unterwegs sind. Hinter dem Monte del Lago gehen wir wenige Meter in die falsche Richtung und stehen vor dem Nichts. Kein Problem, einfach umkehren.

Nachdem wir um den Monte del Lago herum gegangen sind und einige Höhenmeter vom Grat abgestiegen sind, wird der Steig ungefährlicher und so können wir zügiger in den grünen Kessel rund um den Conelle Pass hinein gehen.

Massenhaft Schafe weiden unter dem Conelle Joch. Wir halten uns nur für eine kurze Trinkpause auf und wandern den felsigen Steig unter dem Sasso Rotto (oder heißt er Sasso Rosso?) weiter in Richtung Sette Selle. Den Gipfel „Cima Sette Selle“ werden wir nicht erreichen, der Wanderweg führt gut 150 Höhenmeter darunter vorbei.

Sasso Rotto und Cima Sette Selle

Der Sasso Rotto kurz vor der Cima Sette Selle
Der Sasso Rotto kurz vor der Cima Sette Selle

Ziemlich zerklüftet und porös das Gestein. Wahrscheinlich heißt der Sasso Rotto tatsächlich Sasso Rotto und nicht Rosso. „Sasso Rotto“ heißt nämlich auf Deutsch: „Kaputter Stein“. Weil ich schon dabei bin: „Cima Sette Selle“, bedeutet „Gipfel Sieben Sattel“.

Unter uns sehen wir die Schutzhütte Sette Selle. Die Beschilderung meint: 1 Stunde. Glaube ich nicht. Nach 30 min zügigem Abstieg bestätigt sich meine Vermutung. Eine Stunde war übertrieben.

Schutzhütte Sette Selle

Ich will natürlich wieder unbedingt einkehren um nochmals etwas Bersntolerisch zu hören. Die italienische Wirtin spricht aber leider nur etwas Hochdeutsch, keinen Fersentaler Dialekt. Schade.

Ich bestelle mir ein „dolce al mirtillo“, einen Kuchen der mit riesigen Schwarzbeeren bedeckt ist. Klar, hier im Fersental befinden wir uns in einer Hochburg des Beerenanbaus. Die Riesen-Schwarzbeeren sind vorzüglich, das heißt nachbestellen!

Der Abstieg von der Schutzhütte Sette Selle ist wenig spektakulär, führt uns auf harten Untergrund, dann über weichen Fichtenwaldboden bis zu unserem Ausgangspunkt hinunter.

Das Ende der Bergtour am Rande des Fersentales ist erreicht.

Damit auch unser Auto etwas vom Ausflug hat, fahren wir über den Redebus Pass, durch das Cembra-Tal und Fleimstal nach Hause.

Ich behaupte mal, dass die heutige Tour eine wirklich aussichtsreiche Bergtour gewesen wäre, wenn das Wetter mitgespielt hätte. So haben wir leider nur eine magere Fotoausbeute mit nach Hause gebracht, aber vielleicht wiederholen wir diese (wahrscheinlich) sehr schöne Bergtour irgendwann mal…

GPS Tour wandern im Fernsental – Bersntol – Valle dei Mòcheni

Fotos Fersental – Bersntol – Valle dei Mòcheni

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