Bergtour von Proveis zum Hochwart

Auf dem Weg zum Hochwart treffen wandern wir über einen Erlebnisweg bis zur Kesselalm hinauf.
Auf dem Weg zum Hochwart wandern wir über einen Erlebnisweg bis zur Kesselalm hinauf.

Ob das Knie wohl mitmachen will nach der gestrigen Tortur am Punta Telegrafo über dem Gardasee? Schaut gut aus, nix zu merken. Also auf zum Wandern nach Proveis, einer der 4 deutschen Gemeinden am Deutschnonsberg. Auf den Hochwart, der den Deutschnonsberg vom Ultental trennt, wollen wir hinauf.

Von Proveis wandern wir zuerst zum Dorfteil Mazlaun, biegen dort leicht rechts ab und folgen dem steilen Wanderweg Nr. 11.

Bald merken wir, dass wir uns auf einem Naturerlebnis-Pfad befinden und zwar auf einem besonders schönen! Man hat entlang des Wanderweges keinen Aufwand gescheut: ein Kneipp-Wasser Parcours, verschiedene Zaunsysteme, ein Erzstollen, ja sogar eine funktionierende Miniaturmühle, dann geschnitzte Wellnessliegen neben einem Bach, verschiedene Glocken usw.

Selten einen so aufwendigen und greifbaren Erlebnisweg gesehen.

Bei der Unteren Kessel Alm (bewirtschaftet) müssen wir den Naturlehrpfad leider verlassen und biegen links in Richtung Bergkessel ab. Ein Fuhrweg bringt uns in Serpentinen zur Oberen Kessel Alm empor.

Ein kurzer Blick hinunter ins Tal, einen Schluck Brunnenwasser, dann verlassen wir die urige, nicht bewirtschaftete Kesselalm und folgen dem Steig Nr. 11 in den Kessel zwischen Mandlspitz, Reatspitz und Hochwart hinauf. Bis zum Mairbach führt der Steig noch über zwar steile, aber saftige Wiesen, wird dann aber zunehmend steiniger und führt schließlich über karge Böden, die ab und zu mit Blickfeldern durchsetzt sind, bis zum Endaufstieg, der Südflanke des Hochwart.

Diese erweist sich als extrem steil. Zwar steigen wir nur teilweise über Felsblöcke, denn es geht die meiste Zeit über einen Wiesenhang empor, der aber so extrem steil ist, dass man die Vorwärtsbewegung unmöglich wandern nennen kann.

Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal einen derart steilen Wiesenhang empor gestiegen sind.

Über uns sehen wir eine Wiesenkante, Gipfel ist aber keiner zu sehen.

Vor dem Gipfelkreuz des Hochwart zwischen Deutschnonsberg und Ultental
Vor dem Gipfelkreuz des Hochwart zwischen Deutschnonsberg und Ultental

Kaum haben wir aber die Kante erreicht, wird plötzlich der wenige Meter dahinter aufragende Gipfel des Hochwart sichtbar.

Der Hochwart überrascht mit Tiefblicken ins Ultental. Ich gehe einige Meter zum nördlichen Vorgipfel hinunter und kann dadurch sogar den Zogglerstausee tief im Ultental unten sehen. Hoch darüber erhebt sich das Hasenöhrl, der östlichste Gletscher des Stilfserjoch Nationalparks. Das Skigebiet Schwemmalm ist auch gut sichtbar.

Blick vom Hochwart hinunter ins Ultental mit Zoggler Stausee
Blick vom Hochwart hinunter ins Ultental mit Zoggler Stausee

Links blicke ich zur Seegruben Alm und rechts zur Walschseegruben Alm und Pfandla Alm runter.

Zurück zum Gipfelkreuz enttäuscht leider der Blick in Richtung Deutschnonsberg, da dieser stark Wolken verhangen ist. Ich versuche, mit dem Bilder schießen einen günstigen Moment abzuwarten, denn die Wolken sind recht flott unterwegs. Leider bringt das aber nicht so wirklich etwas.

Auf dem Hochwart der natürlichen Grenze zwischen Ultental und Deutschnonsberg.
Auf dem Hochwart der natürlichen Grenze zwischen Ultental und Deutschnonsberg.

Zumindest ist es nicht besonders kalt, so höre ich von der besten Ehefrau von allen kein Murren.

Nach einer deftigen Marende mit Südtiroler Speck und Vinschger Käse verlassen wir den 2.627 m hohen Hochwart in östlicher Richtung über den Steig Nr. 22.

Aua! Nicht einmal 5 Schritte gegangen, da meldet sich das gestern arg geschundene und heute – schmerzhaft spürbar – immer noch beleidigte Knie.

Mir schwant Böses. Die nächsten 5 Schritte bringen Gewissheit: Ich werde wohl die 1.300 Höhenmeter runter humpeln oder den Aiut Alpin anrufen müssen. Komisch, aufwärts habe ich überhaupt nix gemerkt und nun, kaum dass ich einen Schritt in Richtung Tal gemacht habe, geht’s rund.

Ich beiße die Zähne zusammen und reagiere mich bei der besten Ehefrau von allen mit Jammern ab. Zugegebenermaßen hilft das ein wenig.

Leider wird der Steig stetig ausgesetzter. Heute macht das zur Abwechslung mal mir etwas Angst. Eine gesicherte, ausgesetzte Passage, die aufgrund der nordseitigen Lage noch dazu ein Schneefeld trägt, ist zu überwinden. Ein richtiges Problem! Auf mein Knie ist kein Verlass, das klappt einfach zusammen, die beste Ehefrau von allen gleicht einer Kreidewand. Ich versuche, am Drahtseil entlang, eine Felsplatte, die den Füßen keine einzige trittsichere Stelle bietet, zu queren. Mir wird fast übel dabei. Das schafft die beste Ehefrau von allen unmöglich. Noch dazu befindet sich am Ende der Felsplatte ein Schneefeld, von welchem ich nur hoffen kann, dass es hält und nicht beim ersten Tritt durch die darunter liegende Rinne zu Tal stürzt. Irgendwie geht es trotzdem.

Der besten Ehefrau von allen gebe ich die Anweisung, zurück zu steigen und die Felsplatte nicht wie vorgesehen bei der Versicherung zu queren, sondern drüber herum zu steigen.

Wie so oft, wenn sie Angst hat, versucht sie, auf dem Hosenboden weiter zu rutschen. Es bedarf eines deftigen und groben Schreis meinerseits, dass sie sich gefälligst meinen Anweisungen folgend umdrehen solle und sich dann rückwärts, langsam, Tritt für Tritt, Griff für Griff weiterzubewegen habe. Mir ist unverständlich, warum sie in solchen Situationen das Hirn ausschaltet und eine Vorwärtstechnik wählt, bei der der kleinste Ausrutscher keine Chance auf Halt und damit in den Bergen den sicheren Tod bedeuten würde.

„Heb di, greif jo nit nochi, loss sie oanfoch folln“ diese, wiederum recht grob erteilte Anweisung ist Gold wert. Die Bergflasche fällt, die beste Ehefrau von allen greift glücklicherweise nicht nach. Ich bereite mich schon auf das Getöse der Aluminiumflasche vor, die bei ihrem Fall ins Tal immer wieder an die Felsen stößt, aber das einzige Geräusch bleibt ein dumpfes „blob“. Die Flasche steckt im Schneefeld. Glück gehabt!

Wir haben eine Unmenge Zeit verloren.

Die Schlüsselstellen liegen hinter uns.
Die Schlüsselstellen liegen hinter uns.

Die Schlüsselstelle der Bergtour ist zwar geschafft, aber es warten noch zwei, drei gesicherte Passagen auf uns, bis der Steig endlich weniger gefährlich wird und die beste Ehefrau von allen sich langsam entspannt und im Gesicht wieder etwas Farbe bekommt.

Abstige vom Hochwart. Blick ins Ultental und auf den Deutschnonsberg.
Abstige vom Hochwart. Blick ins Ultental und auf den Deutschnonsberg.

Ich schaue auf das GPS-Gerät. Ups, laut Navigationssystem befinden wir uns in etwa auf der Hälfte der Rundwanderung oder besser gesagt der Rund-Bergtour.

Keine schönen Aussichten. Wir kommen nämlich mit meiner Humpeltechnik extrem langsam voran. Ob wir es noch bei Tageslicht schaffen werden?

Der Detuschnonsberg (Alta Val di Non)
Der Detuschnonsberg (Alta Val di Non)

Über einen grasigen Hang steigen wir einige Höhenmeter ab, dann geht es in östlicher Richtung nur wenige Höhenmeter verlierend weiter. In einem felsigen Kessel kommen wir leicht vom markierten Weg ab, sehen aber dafür ein Murmeltier.

Nach dem Kessel müssen wir konzentriert nach den ziemlich verblassten Markierungen suchen, kommen dabei immer wieder etwas vom Weg ab, finden aber auch immer wieder zurück.

Endlich können wir die Obere Alm sehen. Da müssen wir noch hinunter. Ich beiße wieder die Zähne zusammen.

Ab der Oberen Alm geht es entlang eines idyllischen Bächleins über eine Wiese bis zur Clazneralm (Malga Cloz). Hier könnten wir rechts über den Erlebnisweg zur Kesselalm zurückkehren, wandern aber geradeaus zuerst über Wiesen, später durch den Wald bis zu einer Hütte hinunter.

Hier biegen wir links ab und kommen zu einem Hinweisschild Laugenspitze, dem wir natürlich nicht folgen. Wir wandern lieber in entgegengesetzter Richtung über einen Fuhrweg nach Proveis. Links von uns liegt die Straße mit dem Hofmahdjoch-Tunnel, die Proveis und den Deutschnonsberg mit dem Ultental verbindet.

Mittlerweile befinden wir uns auf einer kleinen Nebenstraße, die uns, den Pescarabach querend, durch den Ortsteil Mazlaun bis zum Startpunkt des Erlebnisweges führt, wo sich unsere Bergtour zur Rundwanderung schließt.

Nun heißt es nur noch bis zurück zum Auto kurz vor dem Ortseingang von Proveis zu wandern und meine Tortur hat ein Ende. 1,5 mal so viel Zeit wie für den Aufstieg auf den Hochwart ist verstrichen bis wir das Auto endlich erreichen.

Insgesamt eine schöne, aussichtsreiche Bergtour, die von allem etwas bietet: einen tollen Erlebnisweg, eine ordentliche Bergtour, einen bei gutem Wetter wunderbaren Ausblick, ursprüngliche Almen und einen Steig abseits vom Massentourismus. Nur mit angeschlagenen Knien ist diese Bergtour nicht zu empfehlen.

GPS-Daten der Hochwart Bergtour

Fotos von der Rundwanderung am Deutschnonsberg

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4 thoughts on “Bergtour von Proveis zum Hochwart”

  1. Karl-Heinz Weller says:

    Hallo Ihr Beiden
    Ich schon wieder….., doch Eure neu eingestellten Touren lassen mich immer wieder stöbern wenn es die Zeit zuläßt, nun zu diesem aussrichtsreichen und herrlichen Gipfel nur kurz diese Eindrücke.
    War vor einigen Jahren aus dem Ultental auf den Hochwart gestiegen, auch da war der Grad vor dem eigentlichen Gipfel etwas ausgesetzt und mit absoluter Vorsicht zu genießen. Doch die Tour vom Zogglerstausee zum Hochwart (ohne Rundweg) ist ebenfalls sehr schön, abwechslungsreich und man hat immer wieder wunderbare Ausblick auf diesen Stausee.

    Ich hatte das Glück absolutes Traumwetter an einem herrlichen Junitag zu haben und den Gipfel mit einem längeren Aufenthalt genießen zu können. Der Rückweg über die so glaube ich urige Seebalm (oder ähnlich) allerdings auf gleichem Weg war daher ungleich einfacher, als Euer beschwerlicher und mit vielen Tücken versehener Weg nach Proveis.

    Eine ruhige Vorweihnachtszeit und viel Spaß bei den nun sicherlich beginnenden Schneeschuhwanderungen wünscht Euch

    Karl-Heinz

  2. Dietmar says:

    Ja die sogenannten „leichten“ Dreitausender sind für viele Sonntagsgeher ein Magnet. Wobei ich bzgl. „Angst im Gepäck“ selbst nicht zu große Töne spucken darf, da die beste Ehefrau von allen die immer mit einpackt, sobald es auch nur ein klizekleinwenig ausgesetz wird…

    Hallo Karl-Heinz,
    so langsam verstehe ich, dass ich es mit einem absoluten Südtirol Kenner zu tun habe. Für nächstes Jahr muss ich mir vornehmen einige extravagante Touren zu machen, sodass auch Südtirol Kenner wie tu was Neues finden 😉
    Andererseits sieht man mit deinen Kommentaren schön wie viele verschieden Aufstiegsmöglichkeiten es für die Südtiroler Berggipfel gibt.
    Vielen vielen Dank für die tollen Kommentare!

    Ich wünsche dir auch eine schöne Weihnachtszeit.

    Man „liest“ sich

    Dietmar

  3. Karl-Heinz Weller says:

    Auch vielen Dank

    Ich habe ja bisher nur Kommentare zu den Touren abgegeben, die ich so wie Ihr, oder teilweise absolviert habe.
    Habe noch einige Eurer Touren noch gar nicht aufgemacht, zum Beispiel die Touren am Gardasee oder südlichen Trentino, wo ich aber schon bei Affenhitze und ohne was vom Gardasee zu sehen in Richtung Monte Telegraph unterwegs war, dann abbrechen musste, weil sich schnell Gewitter aus dem Süden näherten.

    Daher werde ich über die hoffentlich ruhigen Weihnachtsfeiertage weiterhin in Euren Touren stöpern und die eine oder andere Tour, welche ich selbst wie Ihr begangen habe weiterhin mit Kommentaren zu eigenen Erlebnissen versehen.

    Freue mich schon auf Südtirol 2012, habe heute morgen in Toblach gebucht und freue mich schon jetzt auf hoffentlich gesunde und schöne Tage im Juni/Juli 2012 und wünsche Dir vor allem mit deinen zuletzt auftretenden körperlichen Problemen gute Besserung, schöne Vorweihnachtstage und viel Spaß bei Euren Schneetouren und Planungen für das nächste Jahr.

    Gruß
    Charly

    P.S: Frage: Wart ihr schon auf den Fanes-Almen, (Lavarella und Fanes Alm) vielleicht habe ich es in Eurer Liste übersehen, bin da ganz zufällig in diesem Jahr in die Hochzeitsvorbereitungen zu Markus Lanz‘ Hochzeit im Rautal bei Pederü gestolpert. Die Alm selbst ist ein Traum, auch ohne wandertechnische Highlights ein absolutes Muss an Naturerlebnissen!

    Nun aber endgültig genug, ich muss morgen früh arbeiten

    Charly

  4. Dietmar says:

    Hallo Charly,

    nein auf der Fanes Alm waren wir tatsächlich noch nie nur in der Nähe: Badia – Kreuzkofel. Das war dann aber ein Schlüsselerlebnis für mich. Einfach mal lesen 😉
    Fanes gehört sicherlich auf meine Möchte-ich-mal-machen Liste, aber prinzipiell gehe ich beim Aussuchen von Touren eher so vor, dass ich auf meine Wanderkarte mit den bereits absolvierten Touren schaue und versuche einen leeren Fleck zu finden…

    Grüße
    Dietmar

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