Wandern am Gardasee: Monte Baldo-Punta Telegrafo

Abendstimmung am Gardasee bei Malcesine unter dem Monte Baldo.
Abendstimmung am Gardasee bei Malcesine unter dem Monte Baldo.

Gespannt warten wir – der Andreas und ich – auf die Kabine der Malcesine – Monte Baldo Seilbahn. Sie soll nämlich ein einzigartiges Highlight sein, sich während der Fahrt drehen und somit dem Gardasee-Wanderer ein herrliches Rundumpanorama bieten.

Wir sind gerade erst in Malcesine am Gardasee angekommen und haben unser Auto unter der futuristischen Station der Seilbahn geparkt. Jetzt möchten wir hinauf auf den Monte Baldo (1.670 m) um dann, ohne viele Höhenmeter überwinden zu müssen, zur Punta Telegrafo (2.184 m) hinüber zu wandern.

Es stellt sich heraus, dass die Seilbahn Monte Baldo in zwei Abschnitte unterteilt ist. Die erste, riesige Seilbahn mit 1.512 m Länge und 463 m Höhenunterschied bringt uns von Malcesine hinauf zur Fraktion S. Michele und begeistert dabei mit Tiefblicken hinunter nach Malcesine und natürlich zum Gardasee. Dann heißt es umsteigen in die erwartete drehbare Panoramakabine der zweiten Seilbahn, welche uns mit 2.813 m Länge, 1.187 m Höhenunterschied und einer vollen 360° Drehung hinauf auf den Monte Baldo bringt

Insgesamt sind wir über die Strecke von 4.325 m Länge und 1.650 Höhenmeter 10 Minuten unterwegs, die kurze Wartezeit beim Umsteigen nicht mitgerechnet.
Leider ist es recht dunstig und somit die Sicht stark eingeschränkt, was uns den Panoramablick etwas vermiest.

Als kleine Entschädigung genehmigen wir uns in der architektonisch herausragenden, weil sehr futuristischen Bergstation der Monte Baldo-Seilbahn einen „Liscio“ (Espresso) bevor wir unsere Wanderung vom Monte Baldo zur Punta Telegrafo hoch über dem Ostufer des Gardasees antreten.

Der Wanderweg Nr. 651 (Alta Via del Monte Baldo) ist in meiner Kompass Wanderkarte breit und durchgehend, nur teilweise gestrichelt eingezeichnet, was theoretisch einem breiten Panoramaweg entsprechen sollte.

So ist es auch, zumindest zu Beginn. Der Wanderweg präsentiert sich zunächst breit und problemlos. Es dauert aber nicht lange bis dieser breite Weg endet und wir in einen mit Latschen umsäumten Steig eintreten, der uns mehr oder weniger am Berggrat entlang in südliche Richtung führt.

Links des Grats ist die Sicht gleich Null, rechts geht es einigermaßen. Der Grat bildet eine unsichtbare Grenze zwischen undurchsichtigem Nebel und halbwegs freier, aber durch Dunst eingeschränkter Sicht.

So wandern wir ohne Schwierigkeiten bis zur Cima delle Pozzette auf 2.130 m hinauf. Den Gardasee sehen wir dabei nicht, da es meist eher links des Bergkamms entlanggeht. Auf der Cima delle Pozzette haben es sich drei Wandergruppen gemütlich gemacht und verköstigen sich aus ihrem Rucksack.

Vor uns liegt ein leichter Abstieg und dann eine schwarze Nebelwand. Wir schicken uns an da hinunter zu gehen. Eine italienische Wanderin fragt uns, ob wir tatsächlich da in diesen Nebel rein wollen? Ich bejahe und gebe zurück, dass das sicherlich kein Problem sei, immerhin ist der Wanderweg ja auf meiner Kompasskarte als unschwerer Wandersteig eingezeichnet.

Der Nebel ist halb so schlimm wie er von oben ausgeschaut hat. Zumindest drei bis vier Meter haben wir Sicht, was das Wandern nicht wesentlich erschwert. Der Steig wird aber zunehmend ausgesetzter und schwieriger, an einigen Stellen sogar für Trittunsichere sehr gefährlich. Ich wundere mich etwas, denn normalerweise bin ich mit den Kompass Karten sehr zufrieden.

Obwohl uns bzgl. Höhenleistung nicht besonders viel abverlangt wird, kommen wir wegen des nur für Trittsichere geeigneten Steiges recht langsam voran. Theoretisch müssten wir an mehreren Bergspitzen vorbeikommen: Cima del Longino, Cima Valdritta, Punta Pettorina. Praktisch sehen wir leider überhaupt keine Spitzen. Ich bekomme Hunger. Da eine Wandergruppe, die wir eben gekreuzt haben, uns versichert hat, dass es bei der Punta Telegrafo eine Einkehrmöglichkeit gibt, kann ich den Andreas überreden, eine kurze Rast einzulegen und uns die zwei kleinen belegten Brote, die ich sicherheitshalber mitgebracht habe, als Überbrückung für unseren Zuckerspiegel zu teilen.

Wir essen mitten in den Latschen, umringt von dichtem Nebel und haben keine Ahnung wie der Weg weitergeht, geschweige denn, wie die Landschaft um uns herum aussieht.
Nach der Rast, steigen wir 5 Meter ab und stehen bald auf einem breiteren Panoramaweg. Dieser bringt uns vorbei an der Abzweigung mit dem Weg Nr. 5 , der zurück zur Mittelstation führen würde, recht gemütlich, breit und ungefährlich bis zur Punta del Telegrafo.

Auf der Punta Telegrafo hoch über dem Gardasee, den wir heute leider nicht sehen können.
Auf der Punta Telegrafo hoch über dem Gardasee, den wir heute leider nicht sehen können.

Leider ist die Sicht immer noch recht beschränkt. Ich begnüge mich mit einem Foto, welches mehr oder weniger nur das Gras auf der Telegrafenspitze zeigt und folge dann Andreas, der schon weiter hinunter gegangen ist, zur Schutzhütte „Rifugio Barana al Telegrafo“.

Ein Teller Pasta pro Kopf und eine halbe Rotwein, das muss reichen. Wir studieren noch die Karte, fragen den Wirt nach dem optimalen Rückweg, beschließen dann aber, trotzdem die ursprünglich geplante Tour zu absolvieren und den Abstieg über den Steig Nr. 654 hinunter zur Malga Zovel und dann weiter bis zum Gardasee anzutreten. Über 2.000 Höhenmeter im Abstieg liegen vor uns.

Abstieg heißt ja nicht Anstieg, darum denke ich mir nichts Schlimmes dabei, als wir vorbei an der Kapelle Santa Rosa in den Rückweg einsteigen. Der Steig ist nicht so steil wie gedacht und auch nicht gefährlich. Trotzdem schreckt mich ein Poltern hinter mir auf.

Ergebnis: der Andreas liegt am Boden, rafft sich aber sofort auf. Was bleibt, ist ein Riss in seiner Wanderhose und ein aufgeschlitzter, blutender Puls. Ein Blick in sein Gesicht verrät: ist nicht so schlimm, Glück gehabt. Wir wandern weiter dem Gardasee entgegen.
Einmal müssen wir entscheiden, ob wir eine Variante über die Forcellin Spitzen gehen wollen, aber da dieselbe zeitlich etwas länger ausfallen würde, entscheiden wir uns dagegen.

Der Abstieg zieht sich in die Länge. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis wir endlich wie geplant auf eine asphaltierte Straße kommen, der wir kurz bis zur Malga Zovel folgen. Bei der Zovel Alm haben wir die Qual der Wahl. Zwei Wege führen hinunter nach Sommavilla und Assenza. Wir entscheiden uns für den kürzeren, den Steig Nr. 654.

Dieser entpuppt sich als alter, mit Natursteinen gepflasterter Fuhrweg. Ich hasse solche Wege, da sie zum Wandern ungeschickt sind. Ich bin es gewöhnt, beim Abwärtsgehen intensiv die Wanderstöcke einzusetzen und jeden einzelnen Tritt mit den Trekkingstöcken stark abzufedern. Dies wird mir aufgrund des steinigen Weges ziemlich erschwert. Hilft nix, da müssen wir durch.

Ich voraus, der Andreas hinten drein. Jeder Schritt ein Schlag auf die Knie. Der Weg ist zwar schön anzuschauen, aber meine Gelenke haben davon nix.

Olivenhain über Malcesine / Gardasee
Olivenhain über Malcesine / Gardasee

Endlich nach circa 3,5 Stunden Abstieg treten wir aus dem Wald heraus und befinden uns inmitten idyllischer Olivenhaine, die mit schönen Ferienhäuschen durchsetzt sind.

Der Weg ist nun eine sehr enge und extrem steile Straße, so eng und steil, dass ich persönlich es unmöglich wagen würde, da mit meinem Auto herauf zu fahren. Rechts und links der Straße Natursteinmauern. Ein Auto kommt uns entgegen. Hilfe, was machen. Keine Chance. Auto und wir haben nebeneinander nicht Platz. Zum Glück finden wir eine Nische und springen rein. Der Fiat Panda fährt ohne Probleme vorbei. Halten wäre fatal für seine Kupplung gewesen.

Mittlerweile hat mein Knie beschlossen zu streiken. Es will einfach nicht mehr, ich muss tatsächlich die letzten Höhenmeter rückwärtsgehend zurücklegen. Komischerweise geht das ohne Knieschmerzen.

Wieder kommt uns ein Auto entgegen, dieses Mal ein kleiner japanischer Geländewagen. Die Spiegel streifen rechts und links an der Steinmauer, wir trauen fast unseren Augen nicht. Wieder haben wir Glück und finden noch schnell eine Einfahrt, in die wir flüchten können. Der Geländewagen ist rund herum mit Blechschäden übersät. Kein Wunder bei so einem Weg.

Die Straße stiehlt den idyllischen Olivenhainen fast die Show. Trotz meiner Knieprobleme genieße ich die mediterrane Landschaft.

Vor uns liegt das Dörfchen Sommavilla. Nun heißt es nur noch entlang des Gardasee-Ostufers 6 km bis nach Malcesine zurück gehen. Die Uferpromenade ist natürlich flach, das macht meinem Knie keine Probleme, sodass ich wieder wie ein normaler Mensch vorwärts gehen kann.

Während die Sonne über den Gardasee Bergen untergeht wandern wir gemütlich circa eine Stunde lang zurück bis zum Parkplatz unter der Talstation der Monte Baldo Seilbahn in Malcesine.

Bei besserem Wetter wäre die Bergtour sicherlich ein wunderschönes Erlebnis geworden. So bleibt leider nur das letzte Stück durch die Olivenhaine in positiver Erinnerung. Der übrige Teil fällt erinnerungsmäßig meinem schmerzenden Knie und der Befürchtung, für längere Zeit am Wandern gehindert zu werden, zum Opfer.

GPS-Daten der Wanderung am Gardasee Monte Baldo-Punta Telegrafo

Fotos der Monte Baldo Wanderung

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5 thoughts on “Wandern am Gardasee: Monte Baldo-Punta Telegrafo”

  1. Melanie F. says:

    Ist diese Wanderung Ende Oktober noch durchführbar?
    Und kann man diese auch ohne Bergführer bewältigen?
    Viele Grüße
    Melanie

  2. Dietmar says:

    Hallo Melanie,

    ja, ich denke diese Wanderung könnte man sogar das ganze Jahr über durchführen sofern kein Schnee liegt. Das müsste man aber auf jeden Fall kurzfristig in Erfahrung zu bringen, da das in dieser Gegend sehr unterschiedlich ist. Auch denke ich, dass man sie auch ohne Bergführer machen kann, wenn man einigermaßen mit Wanderkarten und Wegweisern umgehen kann. Bedenke aber, dass ich diese Antwort aus meiner Sicht gebe. Theoretisch müsste ich nämlich sagen: hängt von dir und deinen Fähigkeiten 😉

    Ach ja, man müsste sich dann auch informieren ob die Seilbahn fährt, denn wenn man den Aufstieg dazu nehmen würde, wäre die Tour für einen Tag zu weit. Ist so schon mit 29 km eine sehr lange Wanderung. Vor allem der Abstieg ist ziemlich Knie aufreibend.

    Grüße
    Dietmar

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