Der markanteste Berg Kärntens und zugleich einer der höchsten Gipfel der westlichen Karawanken lacht uns von unserem Urlaubsdomizil entgegen. Markant und einer der höchsten – das klingt beeindruckend. Nicht so für einen (Süd-)Tiroler. Mit seinen 2.145 Metern ist der Mittagskogel nur unwesentlich höher als unser Hausberg, der Roen. Und der zählt im Vergleich zu Südtirols Bergen nun wirklich nicht zu den Großen.
Mich würde der Gipfel trotzdem reizen, weil Grenzberge irgendwie immer ein bisschen Abenteuer versprechen. Ein Bein in Österreich eines in Slowenien wäre schon cool.
Doch weil die beste Ehefrau von allen heute mit im Boot sitzt, sogar der Normalweg als anspruchsvolle Bergwanderung, die Trittsicherheit erfordert, gilt und wir es im Urlaub etwas gemütlicher angehen wollen, entscheiden wir uns gegen den Mittagskogel. Schließlich möchten wir am Abend auch noch in den Faaker See springen.
Also nehmen wir uns die deutlich kürzere Bergtour von Untergreuth hinauf zur Bertahütte, weiter zur Ferlacher Spitze und über die Roßalm zurück, vor. Laut Tourenplanung sind das zwar nur 16 Kilometer. Das Wort „nur“ bezieht sich allerdings ausschließlich auf die Kilometer, immer sind 1.600 Höhenmeter zu bezwingen.
Ok, das ist schon eine Ansage. Zum Mittagskogel wären noch einmal rund 400 Höhenmeter draufzulegen. Das wäre dann doch eine ziemlich deftige Tour geworden, die mit unserer Königsdisziplin der Tramin-Roen-Tour mithalten könnte.
Die Anfahrt führt uns von Dolintschach (Rosegg) zunächst Richtung Faaker See, dann nach Untergreuth und weiter bis zum Martinihof. Von hier geht es noch ein Stück bis zum Bauernhof Kofler, vor dem sich ein Wanderparkplatz befindet.
Aufstieg von Untergreuth zur Bertahütte
870 Meter ü. d. M., das ist die Startmarke am Parkplatz. Jetzt warten fast 1.600 Höhenmeter auf uns.
Wir dürfen zum Glück recht schattig den Steig Nr. 603 hinauf wandern. Bald queren wir den Worounitzabach und erreichen anschließend einen breiten Forstweg. Aussicht? Fehlanzeige. Nach insgesamt 2,5 Kilometern verlassen wir den breiten Weg zugunsten eines Waldsteigs und schneiden damit etliche Serpentinen ab. Dafür hat es der Steig aber bzgl. Neigung ordentlich in sich.
Das macht uns heute wenig aus. Endlich öffnet sich für einen kurzen Moment der Blick hinunter auf den Faaker See und auf Villach. Leider nur für zehn Schritte, dann geht es schon wieder durch dichten Wald empor.

Fast 4,5 Kilometer müssen erwandert werden bis wir auf 1.567 Metern ü. d. M. die Bertahütte erreichen. Die Hütte begeistert mit einem schönen Blick auf die Nordwand des Mittagskogels.

Anna möchte nun sofort einkehren. Mittagessen. Ich und die beste Ehefrau von allen wollen zuerst noch auf die Ferlacher Spitze. Denn wir wissen genau: Kehren wir jetzt ein, ist Anna anschließend unmöglich noch auf den Gipfel zu motivieren – und das ganz unabhängig davon, dass sie sich körperlich am leichtesten tut. Bei Anna entscheidet der Kopf. So braucht es einiges an Überredungskunst.
„Sein jo lei a poor Meter. Außerdem isch’s no viel z’friah für’s Mittogessn.“
Hilft wenig.
„I hon obr Hunger, Hunger!“, jammert Anna.
„Jetzt gian mir no schnell do aui, drnoch kearn mir zua. Und nor koasch dir epas aussuachn. Wos du willsch!“
Ferlacher Spitze mit Panorama auf Mittagskogel und Faaker See
Weil wir Erwachsenen einfach losmarschieren, bleibt Anna nichts anderes übrig, als widerwillig hinterherzuschreiten.
Der Steig von der Bertahütte hinauf zur Ferlacher Spitze erweist sich als ordentlich steil. Zum Glück. Genau das macht ihn für Anna interessant, und so ist ihre gute Laune bald wieder zurück. Zügig steigen wir bergauf, überholen einen einsamen Wanderer und erreichen das Gipfelkreuz der Ferlacher Spitze deutlich unter der angegebenen Gehzeit.
Ich bestaune den markanten Mittagskogel, aber auch den unverhofften Tiefblick über die steil abfallende Nordflanke der Ferlacher Spitze. Selbstverständlich auch den Blick hinunter zum Faaker See. Der Abstecher hier herauf hat sich gelohnt. Und wie er sich gelohnt hat. Ohne ihn wäre die Bergtour eher arm an Aussichten geblieben. So genießen wir ein traumhaftes 360-Grad-Panorama, das von den Karawanken bis weit über den Wörthersee hinaus reicht. Toll!
Allzu lange halten wir uns allerdings nicht auf. Schließlich hat Anna Hunger. Für den Abstieg greife ich zu meinen Trekkingstöcken und Knieschonern. Zusätzlich darf es auch nicht schnell sein. Sicher ist sicher. Schnell hinunter wäre zwar schön, meine Menisken sehen das allerdings etwas anders. Der besten Ehefrau von allen ist das mehr als recht, denn der teilweise extrem steile Pfad kratzt bei ihr schon an der oberen Grenze dessen, was sie psychisch noch packt. So brauchen wir für den Abstieg fast länger als für den Aufstieg.
Einkehr in der Bertahütte
Um Viertel nach zwölf stehen wir wieder vor der Bertahütte. Diesmal darf Anna einkehren. Wie so oft auf Schutzhütten gibt es einfache, aber leckere Gerichte. Anna entscheidet sich für einen pikanten Palatschinken, ich für eine Brettljause. Auf gut Südtirolerisch: ein Omelett und eine Marende.
Allerdings nicht, ohne – auf Wunsch von Anna – vorher nachzufragen, ob der Palatschinken hoffentlich nicht zu scharf sei. Der Wirt schaut mich verdutzt an. Offensichtlich gibt es Sprachschwierigkeiten. Das ist eigentlich verwunderlich, schließlich liegen Südtirolerisch und Kärntnerisch gar nicht so weit auseinander.
„Pikant? Scharf? Peperoncino?“, versuche ich zu erklären.
Der Wirt versteht mich immer noch nicht und versucht es stattdessen mit einer Umschreibung: nicht süß, sondern pikant – also herzhaft, mit Schinken und Käse.
Ah! Ein normales Omelett mit Schinken und Käse nennt man in diesen Landen pikanter Palatschinken. Ich verstehe.
„Anna i glab nit, dass do Peperoncino drinen isch.“
Der Omelettn schmeckt, die Brettljause ebenfalls. Und die fällt erfreulich unknausrig aus, sodass sogar die beste Ehefrau von allen etwas mitnaschen kann. Sie isst auswärts nämlich aus Prinzip nie. Das führt regelmäßig zu Diskussionen: Anna und ich wollen einkehren, sie nicht. Und wer setzt sich am Ende meistens durch? Natürlich die strengste Ehefrau von allen. Jetzt im Urlaub hat sie allerdings die Spendierhosen an. Was für ein Glück.
Rundweg über die Roßalm zurück nach Untergreuth
Nach Speis und Trank machen wir uns wieder auf den Rückweg. Allerdings nicht auf dem gleichen Weg. Wir wollen über den Wanderweg Nr. 679 zur Roßalm und so eine schöne Rundwanderung absolvieren.
Nach der Bertahütte geht es zunächst ein paar Meter bergab, dann folgen wir links einem breiten Schotterweg, markiert mit der Nr. 679.
Schon bald eröffnet sich ein schöner Blick auf die östlich des Mittagskogels aufragenden Karawanken.
Plötzlich endet der Schotterweg. Ups! Ein Blick auf die digitale Karte zeigt das Malheur: Wir hätten bereits rund 200 Meter zuvor links auf einen schmalen Steig abbiegen sollen.
Es hilft nichts – wir müssen zurück. Nur dank Alpenvereinaktiv ist die Abzweigung schnell gefunden. Ein Wegweiser fehlt hier nämlich.
Komischerweise zwingt uns der Steig nun wieder bergauf. Bald wird auch klar, warum: Wir müssen einen extrem steilen Schuttkegel queren, und das ist nur ganz oben möglich.

Die nur 150 Meter breite Querung entpuppt sich als problematisch. Sehr problematisch. Nein, nicht wegen Anna. Nicht wegen mir. Sondern weil die ängstlichste Ehefrau von allen das tobsüchtige Monster heraufbeschwört, mit dem ich gelegentlich verheiratet bin.
Dabei besteht die Querung in Wahrheit nur aus nur drei wirklich kritischen Passagen – und selbst die sind jeweils nur zwei oder drei Schritte lang. Trotzdem stellt mich das Ganze vor eine ordentliche Herausforderung. Vor keine technische, sondern vielmehr vor eine psychologische.
Es ist nämlich gar nicht so einfach, ein ängstlich tobendes Monster anzuleiten. Vor allem dann nicht, wenn es so überhaupt nicht zuhören will. Die Schritte werden nicht so gesetzt, wie ich sie erkläre. Rückwärts über die schwierigen Stellen? Niemals. Lieber auf dem Hosenboden hinunterrutschen, sich selbst verrückt machen und dabei jede Konzentration verlieren. Eine Mammutaufgabe für mich.
Zum Glück hat Anna offenbar andere Gene geerbt. Eins, zwei, drei – schon ist sie drüben und wartet ganz entspannt auf uns.
Irgendwann gelingt es mir dann doch, das tobende Monster zu besänftigen und die ängstlichste Ehefrau von allen mit viel Geduld sicher über die drei kritischen Passagen zu lotsen.
Geschafft. Die Querung liegt hinter uns.
Jetzt schnell das Thema wechseln. Das klappt. Zwar geht es nun sehr steil bergab, doch der Weg verläuft durch Wald und ohne Tiefblicke. Das macht ihn unproblematisch.
Wir queren einen Forstweg, bleiben aber auf dem schmalen Steig Nr. 679, der inzwischen nicht mehr ganz so steil ist. Dafür wachsen plötzlich hüft- bis schulterhohe Stauden rund um den Pfad, dazwischen immer wieder Brennnesseln.

Jetzt bekommt der nächste weibliche Begleiter ein Problemchen. Anna ist, was Dornen oder Brennnesseln betrifft, wie die Prinzessin auf der Erbse. Nicht einmal der Hauch einer Pflanze, die auch nur entfernt nach Brennnessel aussieht, darf sie berühren. Die nächste Geduldsprobe bahnt sich an.
Ich steige langsam voraus, Anna und die beste Ehefrau von allen hinterher. Obwohl ich wirklich im Schneckentempo bergabgehe, bleiben die beiden schon bald weit hinter mir zurück.
Offenbar wird aus jedem Grashalm, der es wagt, den Wanderweg auch nur anzuschauen, eine mittlere Naturkatastrophe.
So dauert es eine ganze Weile, bis wir schließlich die offenen Wiesen der Roßalm mit der Slowenischen Alpenvereinshütte erreichen.

Die Hütte ist zwar nicht bewirtschaftet, doch unterhalb davon, mitten im hohen Gras, sprudelt Wasser aus einem Brunnen. Perfekt. Wir füllen unsere Wasserflaschen auf.
Unterhalb der Roßalm biegen wir links ab und folgen dem Steig Nr. 24. Plötzlich müssen wir noch einmal eine etwas weggebrochene, heikle Stelle queren. Im Vergleich zur Querung unter der Ferlacher Spitze ist das allerdings ein Pappenstiel – auch wenn die ängstlichste Ehefrau von allen selbst hier wieder etwas Hilfe benötigt. Wenigstens diesmal ohne Monsteralarm.
„Jetzt werden wir die ganzen gefährlichen Stellen wohl hoffentlich hinter uns haben, oder?“, fragt sie mich.
„Keine Ahnung. Auf meiner Karte sind keine markiert“, antworte ich.
Dass ich persönlich eine Markierung gar nicht für nötig halten würde, weil die heiklen Stellen aus meiner Sicht längst nicht so extrem sind, wie die beste Ehefrau von allen meint, tue ich lieber nicht kund.
Die beste Ehefrau von allen hat Glück. Ab hier geht es auf einem gemütlichen Forstweg weiter, der uns zunächst zum Sticker – augenscheinlich einem Gasthaus – und anschließend zum Buschenschank Ischnighof führt.
Nun fehlen nur noch ein paar Hundert Meter auf Asphalt bis hinauf zu unserem Parkplatz beim Kofler. Damit schließt sich die Runde zur Bertahütte und zur Ferlacher Spitze.
Geschafft.
Faaker See, wir kommen! Nach 16 Kilometern und fast 1.600 Höhenmetern dürfte sich der Faaker See heute seine Abkühlung redlich verdient haben. Oder wir uns seine.
GPS-Karte und GPX-Download zur Wanderung auf die Ferlacher Spitze
Akt. Position: -km, -m
↓ download GPX
Eckdaten der Tour
Bergtour zur Bertahütte am Mittagskogel und zur Ferlacher Spitze
- Dauer: 5:35 h
- Distanz: 12,8 km
- Bergauf: 1.072 m
- Bergab: 1.072 m
Um welche Art von Tour handelt es sich?
In welcher Region befindet sich die Tour?
Um welche Bergkategorie handelt es sich? Auf welcher Höhe liegt die Tour?
Wie lang ist die Strecke?
Wie streng ist der Aufstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Wie anspruchsvoll ist der Abstieg (Länge, Höhenmeter, Steigung)?
Wie viel Zeit werde ich für die Tour brauchen?
Dieser Wert kann individuell stark variieren. Siehe Gehzeitrechner.
Wie viele Kalorien werden bei der Tour verbrannt?
Es ist zu beachten, dass die Berechnung des Kalorienverbrauchs auf Faustformeln und allerlei Annahmen beruht, z.B. Gewicht=75 kg, Kalorienverbrauchsvorgaben für Aufstieg, Abstieg, flach usw. und daher nur eine Schätzung und keine exakte Angabe liefert. Wenn du deinen Kalorienverbrauch selbst berechnen möchtest, dann schau dir diesen Kalorienrechner an.
Gibt es interessante Wegpunkte?
Ja, es gibt interessante Wegpunkte. Hier ist eine Liste:
- Bertahütte 1527mHöhe: 1.523 m ü. d. M.GPS: 46.518259, 13.960490
- Buschenschenke Ischnighof Regional Regional RestaurantHöhe: 770 m ü. d. M.GPS: 46.546154, 13.944182Buschenschenke Ischnighof Regional Regional Restaurant Ischnighof 6 9584, Finkenstein Am Faaker See, Bezirk Villach-Land, AUT
- Drinking WaterHöhe: 1.077 m ü. d. M.GPS: 46.531005, 13.980703
- Ferlacher Spitze / Kamnica 1742mHöhe: 1.720 m ü. d. M.GPS: 46.521370, 13.964202
- Gasthof Sticker Regional Regional RestaurantHöhe: 836 m ü. d. M.GPS: 46.541219, 13.961542Gasthof Sticker Regional Regional Restaurant 9584, Finkenstein Am Faaker See, Bezirk Villach-Land, AUT
- KopeinHöhe: 837 m ü. d. M.GPS: 46.541519, 13.961070
- ParkplatzHöhe: 817 m ü. d. M.GPS: 46.542828, 13.941586Carpark 9584, Finkenstein Am Faaker See, Bezirk Villach-Land, AUT
- Rossalmhütte / Koca Na Blešceci 1084m Wilderness_HutHöhe: 1.081 m ü. d. M.GPS: 46.530662, 13.980553Rossalmhütte / Koca Na Blešceci 1084m Wilderness_Hut Kopein 9584, Finkenstein Am Faaker See, Bezirk Villach-Land, AUT
Fotos der Wanderung zur Ferlacher Spitze und Bertahütte





























