Wunderschöne Bilder vor der Haustür – über Söll ins Höllental

Bei schönen Südtirol Bildern denkt man sofort an die Wander-Hotspots à la Drei Zinnen, Pragser Wildsee oder Geisler Spitzen. Ich muss zugeben, dass ich selbst oft nur diese Bilder im Kopf hatte. Das war aber vor Corona. In der schwierigen Zeit habe ich eines gelernt: das Nahe, das vor der Haustür Befindliche ist – sofern man ihm genug Aufmerksam schenkt – genau so schön und fotogen! Zugegeben, markante Bergspitzen und idyllische Bergseen strahlen eine magische Anziehungskraft auf Foto-Jäger aus, doch schaut man genau hin und schaut man öfters hin, dann erschließen sich auch an alltäglichen Orten wunderschöne Bilder.

Blick über die Weinberge nach Söll. Im Hintergrund die Leuchtenburg über dem Kalterer See.

So auch in unseren Heimatdorf. Die gepflegte Weinberg-Kulturlandschaft gepaart mit dem wilden Höllental reizt. Hatte ich noch vor diesem März fast keine Bilder des Traminer Höllentals in meinem Fotoarchiv, hat sich das nun explosionsartig geändert. Der täglichen Mittagsrunde sei Dank. Wir absolvieren diese Mittagstour immer exakt gleich: 6er Steig – Zogglerwiese, Zogglerstange und zurück durch das Rappental. Die beste Ehefrau von allen – eine andere habe ich nicht – will das genau so! Jeden Tag, der gleiche Weg, ja keine Variante!

Nach Söll

Nur gaaanz selten schaffe ich es ihr eine Variante abzuringen. Heute habe ich es geschafft. Es geht querfeldein durch die Weinberge, vorbei am Maratscherhof, nach Söll. So ganz in Ordnung ist das nicht, weil kein offizieller Wanderweg. Aber als Abkömmling vom Gummererhof und somit als „Quasi-Söller“ hat mir der Wimpissinger Manfred seinen Segen gegeben. Ob es meine Abstammung oder die Begeisterung für die herrliche Weinlandschaft war, weiß ich nicht; auf jeden Fall hatte er mit bei einem interessanten Gespräch erlaubt vorbei zu spazieren. Damals hatte er mir die Geschichte des Hofes erzählt. Sie steht auf einer Tafel, die an der Hauswand des Hofes hängt:

Maratscherhof

Dieses ehrwürdige Gebäude, an der Römerstraße gelegen, war bereits um 1280 einer der ältesten Höfe des Tiroler Landesfürsten MEINRAD II in Söll. Vom Jahre 1214-1780 nannte man diesen Besitz „GAGERSHOF“. Im 18. Jahrhundert wurde die Hofstelle vernachlässigt, glich einer Ruine „rätoromanisch Maratsch“ musste restauriert und ausgebaut werden, daher der heutige Name dieses Ansitzes „MARATSCHERHOF“. Im Jahre 1983 erwarb der Bürgermeister MANFRED WIMPISSINGER aus ANGATH in Nordtirol dieses Weingut, restaurierte es und baute neuerlich um.

Geoweg

Von Söll wandern wir den betonierten Altenburger Weg hinauf und marschieren dann über den Geoweg Tramin – hier oben ein relativ flacher Forstweg – bis zum Psenner Hof hinüber. Vom Psenner-Hof haben wir einen besonderen Ausblick auf den nördlichen Teil Tramins, der von der Mühlgasse, unter dem St. Jakob Kirchlein bis zur Weinstraße hinunter reicht. Dieser Anblick ist etwas ungewohnt, da das Wahrzeichen Tramins, der höchste gemauerte Kirchturm Tirols, der Traminer Pfarrkirchturm fehlt. Aufgrund des malerische St. Jakob Kirchleins und der darunter liegenden historischen Häuser in der Christian Schrott Gasse würde man meinen, dass das was wir von hier sehen ein komplettes Dorf, sprich gesamt Tramin sei. So ist es aber nicht, der größte Teil Tramins wird von hier oben durch den St. Jakob Hügel verdeckt.

Das nördliche Tramin mit dem St. Jakob Hügel und dem gleichnamigen Kirchlein

10er Steig

Wir steigen nun über den 10er-Steig ab. Wie oft bin ich diesen Steig schon gegangen? Wahrscheinlich unzählige Male, teilweise sogar barfuß. Das ist lange her. Damals war ich noch ein Lederhosen tragender Bub, der mit seinen Geschwistern zur Nena, hinauf marschiert ist. Der 10er Steig ruft bei mir Erinnerungen hervor. Ich und mein Bruder wird waren damals Lederhosen Träger. Heute würde man sagen cool. Wir fanden das damals gar nicht cool! Wir hatten nämlich keine anderen Hosen. Nur eine kurze Lederhose für den Sommer und eine Knickerbocker-Lederhose für den Winter. Das hieß dann immer und ewig die gleiche Lederhose tragen. Im Sommer oft barfuß. Ich weiß nicht was es war. Wenig Geld, Geiz, Brauchtum? Naja, so war das eben… Heute würde ich barfuß keine 10 Meter weit kommen, aber eine Lederhose würde ich toll finden. So ändern sich die Zeiten…

Blick vom 10er-Steig hinunter in Höllental und weiter bis zum Auffangbecken des Höllentalbaches

Der 10er Steig bietet an einer Stelle einen interessanten Ausblick auf das Höllental. Für Geologen sind die gut sichtbaren Schichten der Felswände interessant. Am Fuße dokumentieren Bellerophon-Schichten, benannt nach den ausgestorbenen Bellerophon-Schnecken aus dem Paläozoikum und der frühen Untertrias, das langsame Vorrücken des Meeres in jener Zeit. Gut abgegrenzt darüber liegt eine circa 10 m mächtige, aus kleinen gelblichen Kalkkügelchen bestehende, Tesero-Oolith Schicht und dann darüber ohne genau Grenzziehungsmöglichkeit Werfener Schichten, welche durch wiederholte Überflutungen durch das Tethysmeer entstanden sind. Von diesen Felswänden – unten auf dem Geoweg kann der interessierte Geologe die Schichten genauer bewundern – reicht der Blick entlang des Wildbaches über den Kastelaz-Hügel bis hinunter in das Auffangbecken des Höllentalbaches.

Laubbäume bestimmen die Flora rund um den Steig. Die frischgrünen Blätter leuchten mit Annas Lachen um die Wette. Wir steigen flotten Schrittes ab.

mitten durch frisches Grün

Rappental

Der Steig mündet in der asphaltierten Straße, die durch das Rappental hinunter zum Schloss Rechtenthal führt. Die beste Ehefrau von allen gibt Gas. Sie läuft nach Hause, während ich mit Anna gemütlich den Geoweg hinunter spaziere. Warum sie läuft? Die beste Ehefrau von allen trägt diesen Titel nicht nur, weil ich keine andere habe, sondern auch ein klein wenig zurecht. Sie will – aus freien Stücken! – das Mittagessen fertig auf den Tisch haben, wenn Ehemann und Tochter über die Türschwelle treten. Ja so gut geht es uns beiden 🙂

Wehende Tiroler Fahne – ein dankbares Fotomotiv

Eine gehisste Tiroler Fahne weht in den Weinbergen oberhalb des Moser-Hofes. Anna möchte von der Fahne Fotos machen. Das darf sie natürlich. Klick, klick und weil wir schon mitten in den Weinbergen stehen, laufen wir einmal die Rebzeilen hinein und wieder heraus.

Nun geht es wie so oft hinunter bis zum Bach, bis zur Schutzmauer. Der Höllentalbach trägt seinen Namen nämlich auch zurecht. Normalerweise ist er ein recht zahmer gemütlicher Geselle, aber er kann auch so richtig höllisch werden. So geschehen im Jahre 1986. Damals hat der höllische Bach der Kellerei Tramin und dem Freischwimmbad Tramin den Garaus gemacht.

Eine Sitzgelegenheit am Wegesrand

Doch bleiben wir lieber bei den schönen Bildern. Ich watschle lieber hinter dem blonden Mädl mit dem Blumenkleid hinterher und fange einige schöne Heimatdorf Bilder ein:

 

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