Wanderung Vigiljoch und Gaulschlucht

Die Gaulschlucht bei Lana
Die Gaulschlucht bei Lana

Ein Tipp aus „Südtiroler Spazierwege und Promenaden“ von Hanspaul Menara: die Gaulschlucht bei Lana. Länge 3 km, Höhendifferenz 0 m. Das geht natürlich nicht, darum kombinieren wir noch eine Wanderung dazu: rauf aufs Vigiljoch. Das sind dann stolze 1.400 Höhenmeter.

Das Auto stellen wir beim Parkplatz der Vigiljoch-Seilbahn (circa 300 m ü.d.M.) ab. Der ist zwar eigentlich nur für Fahrgäste gedacht, aber da wir vorhaben mit der Seilbahn hinunter zu fahren, haben wir kein schlechtes Gewissen.

Jetzt heißt es, den Einstieg in die Gaulschlucht zu finden. Wir wandern die Straße entlang in südlicher Richtung, biegen dann bei einem braunen Wanderschild rechts ab und steigen zwischen den Häusern in Richtung Ultner Straße empor, die wir alsbald überqueren. Ich wundere mich etwas, denn laut Hanspaul Menara sollten wir, um in die Gaulschlucht zu gelangen, praktisch keine Höhenmeter machen. Komisch.

Nachdem wir nochmals die Straße überquert haben sehen wir ein Hinweisschild Gaulpromenade und Braunsberg Promenade. Wir sind also richtig.

Nun beginnt der Wanderweg Nr. 34 aber ziemlich steil zu werden. Nach einer halben Stunde schaue ich mal genauer auf das GPS Gerät. Eia! Komplett falsch, wir sind praktisch schon einige Höhenmeter über der Gaulschlucht, haben also die Abzweigung verpasst.

Was nun, runter und die bereits absolvierten Höhenmeter doppelt machen? Nein, kommt nicht in Frage. Es wird umgeplant: zuerst aufs Vigiljoch und dann am Abend in die Gaulschlucht hinein.

Die Sonne brennt vom Himmel, der Anstieg über die kleine asphaltierte Straße ist steil und sehr streng. Wir kommen richtig ins Schwitzen und werden bei jedem Schritt daran erinnert, dass wir den ganzen Winter über das Wandern vernachlässigt haben.

Nach 2,6 km kommen wir beim Urlaub auf dem Bauernhof Betrieb Außereggmannhof vorbei und erreichen bei Kilometer 3,2 das Gasthaus Greitwies. Ein idyllisches Plätzchen, das zum Einkehren „gluschtig“ macht. Lieber schnell weiter wandern, sonst vergeht uns noch die Lust auf den weiteren Aufstieg.

Der Wanderweg Nr. 34 führt uns jetzt recht steil durch den Wald empor. Die Puste geht uns aus. Wir müssen des Öfteren eine kurze Pause einlegen.

Fast am Ende unserer Kräfte erreichen wir bei Kilometer 4,5 einige Häuser und dann bei Kilometer 4,8 die Bergstation der Pawigl-Seilbahn auf 1.190 m ü.d.M.

Triefend nassgeschwitzt sind unsere Leibchen. Zum Glück haben wir vorgesorgt und tauschen sie mit trockenen aus.

Wenige Meter geht es entlang der Straße, dann wandern wir, uns leicht links haltend, über einen Wiesenpfad dem Vigljoch entgegen. Weit dürfte es nicht mehr sein. Trotzdem zieht sich der Wanderpfad Nr. 34 in die Länge. Abwechselnd über Wiesen, Straße, Waldsteig, vorbei an einigen Häusern (Schlüntl, Oberhöfe) wandern wir tapfer weiter.

Endlich zu Mittag kommen wir auf 1.486 m Höhenmeter bei der Bergstation der Vigiljoch-Seilbahn an. Das Vigilius Mountain Resort (5 Sterne Hotel) lassen wir natürlich links liegen. Ich strebe schnurstracks den Sessellift an, der uns bis zum Gipfel (1.814 m) des Vigiljoch bringen soll. Die beste Ehefrau von allen macht leichte Anstalten, mich zum Fußmarsch zu überreden, aber so richtig hängt sie sich in ihr Vorhaben nicht rein.

Der Einser-Sessellift ist etwas für Genießer. Er fährt uns lautlos, vorbei an Lärchenwiesen und über mit Enzian übersäte Waldböden durch das Wanderparadies am Vigiljoch, dem Gipfel entgegen.

Oben angekommen erwarten uns angenehme Temperaturen. Nach einer kurzen Entscheidungsphase und ein-, zweihundert Meter Rechtslinkslauf entscheiden wir uns, direkt im Restaurant „Gasthof Sessellift“ zu Mittag zu Essen.

Ein sonniger, windgeschützter Platz auf der Terrasse macht uns glücklich. Da lässt es sich bei Speis und Trank aushalten.

Den Rückweg treten wir zu Fuß an und wandern im großen Bogen vorbei am Gasthaus Jocher und etwas unterhalb des St. Vigilius Kirchleins bis zur Talstation des Sesselliftes zurück. Herrlich die Wanderung durch die sonnendurchstrahlten Lärchenriesen. Beim Aufstieg von Lana herauf waren wir komplett alleine, hier oben „müssen“ wir uns den breiten Wanderweg mit vielen Wanderfreunden teilen.

Und wieder steht eine Entscheidung an. Was machen? Mit der Vigiljoch-Seilbahn bis hinunter zum Auto fahren oder lieber bis zur Pawigl-Seilbahn weiter wandern, damit ein Stück hinunter fahren und dann das letzte Wegstück wieder zu Fuß gehen?

Für uns ganz klar: Wir ziehen die zweite Variante vor. Bei der Pawigl-Seilbahn angekommen, finden wir ein leeres Führerhaus vor, aber einen Hinweis auf den Fahrplan und die überaus überaschende Anmerkung: bei 2 Personen werden auch außerordentliche Fahrten absolviert. Bitte läuten.
Gesagt getan. Ich klingle. Nicht tut sich. Wir warten. Nichts tut sich. Hmmm, was nun? Zu Fuß den strengen Abstieg in Angriff nehmen? Wird wohl nichts helfen. Wir wollen schon starten, da kommt eine Frau aus dem Haus.

Die Abfahrt mit der ziemlich urigen Seilbahn ist ein echtes Erlebnis. Einerseits sehr romantisch, anderseits fragt man sich aber schon, ob das wohl sicher ist.

Die Talstation ist nicht besetzt. Wir müssen selbst die Tür öffnen und aussteigen. Wie wird man von hier wohl hinauf kommen? Aha, ein Telefon. Man müsste also oben bei der Bergstation anrufen. Lustige Sache.

So, nun wandern wir in nordöstlicher Richtung die Straße entlang und hoffen, dadurch den Wanderweg des Aufstieges zu erreichen. Es dauert nicht lange bis wir auf einen nicht beschilderten Steig treffen, den wir entlang wandern. Wir haben Glück und erreichen den Aufstiegsweg etwas oberhalb der Position bei der wir zuvor erkannt hatten, dass wir die Abzweigung zur Gaulschlucht verpasst haben.

D.h. wir müssen nun aufpassen, damit uns das nicht wieder passiert und wir diesmal auch wirklich bei der Schlucht ankommen.

Da vorne ist wieder das Hinweisschild Gaulpromenade. Ah und da führt ja noch ein anderer Steig oberhalb der Straße entlang. Den hatten wir beim Aufstieg glatt übersehen.

Der Abstieg zur Gaulschlucht erweist sind als enttäuschendes Erlebnis. Wir können uns schwer vorstellen, dass Herr Hanspaul Menara diesen Weg als erwähnenswerten Spaziergang für sein Buch auserkoren hat.

360° Foto: über di Gaulpromenade in die Gaulschlucht
360° Foto: über di Gaulpromenade in die Gaulschlucht

Die Zweifel werden immer größer, doch dann sehen wir, dass der Wanderweg weiter in die Schucht hineinführt und nicht bei dem einen alleinstehenden Haus endet.

In der Gaulschlucht neben dem Ultner Bach
In der Gaulschlucht neben dem Ultner Bach

Nun wird der Spazierweg richtig interessant: kleinere Holzbrücken und eine lange Hängebrücke führen uns entlang des Ultener Baches immer tiefer in die Schlucht hinein. Die Sonne funkelt zwischen den Buchenblättern hindurch, ein schönes Fleckchen Erde.

So schnell wie es begonnen hat, endet das Erlebnis. Ein Verbotsschild versperrt uns vor einem kurzen Tunnel den Weg. Fertig, weiter geht es nicht mehr.

Ok, dann schließen wir für heute ab, spazieren die Gaulschlucht wieder raus bis zur Hauptstraße. Auch hier sehen wir noch, dass wir den Einstieg herwärts nur um 5 Schritte verpasst hatten. Egal schlussendlich haben wir alles gefunden und können zufrieden den 1.500 absolvierten Höhenmetern nach Hause fahren.

GPS Daten Wanderung Vigiljoch und Gaulschlucht

Bilder von der Vigiljoch Tour

2 Gedanken zu „Wanderung Vigiljoch und Gaulschlucht“

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