Festa Ta Mont und Wanderung im Val San Nicolò

wandern im Val San Nicolò - abstieg von den Maerins
wandern im Val San Nicolò – abstieg von den Maerins

Im Val di San Nicolò soll diese Tage ein Almenfest stattfinden. Das Fest „Festa Ta Mont“ ist, ähnlich wie das Südtiroler „Schupfenfest“ am Salten und die „König Laurin Schupfenwanderung“ am Fuße des Rosengartens, ein traditionelles Almfest, bei dem der Almwanderer von Hütte zu Hütte schlendert und bei jeder Hütte unterschiedliche traditionelle Gerichte bekommt. Der Unterschied bei dem Fest „Festa Ta Mont“ ist die Sprache der Veranstalter. Im Nikolaustal, einem Seitental vom Fassatal, spricht man nämlich noch ladinisch. Somit vermittelt das Fest ein klein wenig ladinische Kultur und Folklore.

Wir fahren nach Pozza di Fassa (1325 m ü.d.M.) und folgen dann rechts der Beschilderung Val di San Nicolò.

Das Tal ist heute für den Verkehr gesperrt. Der Festbesucher muss zu Fuß das Fest erwandern. Für Gehfaule steht ein Schuttlebus zur Verfügung. Uns ist das egal. Wir wollen nicht nur geradeaus zum Fest hinein, sondern über den Wanderweg Nr. 643 und über die Maerins den Festbesuch mit einer Wanderung verknüpfen. Die Maerins sind zwei mächtige Kalkpfeiler, die bei Kletterern aufgrund des sehr schwierigen Klettersteiges „Via ferrata I magnifici 4“ beliebt sind. Wir werden die Maerins selbstverständlich umwandern, für Kletterpartien sind wir nicht zu haben.

Diese Idee haben scheinbar nicht sehr viele. Die meisten Sonntagswanderer spazieren zielstrebig über den Talweg direkt zum Fest hinein. Uns beiden soll das egal sein. Wir wandern einige Meter zurück nach Pozzo di Fassa und dann, nach der Kabinenseilbahn, rechts dem Wegweiser Nr. 643 / Rifugio Buffaure folgend, einen Waldsteig hoch.

Ein „Fußgänger Durchgang verboten“ Schild steht am Wegesrand. Scheinbar wir in dieser Gegend nicht auf Sommerbetrieb umgestellt. Im Winter dient der Wanderweg wahrscheinlich als Loipe oder Rodelbahn. Dies wird auch immer wieder durch aufgesprühte fluoreszenzte Markierungen, welche auf kantigen Steinen die aus dem Untergrund hervorragen untermauert.

Wir steigen mit relativ konstanter Steigung und zum Glück im Schatten der Fichten in östlicher Richtung hoch. Der Steig Nr. 643, der ab und an auch mit „Rifugio Buffaure“ beschildert ist, führt uns zuerst parallel des Nikolaustales unter der Kabinenseilbahn hindurch und später das Val San Nicoló im rechten Winkel verlassend, vorbei an einer Skipiste bis zur Bergstation der Kabinenseilbahn und dem Rifugio Buffaure (2044 m) hinauf.

der weitläufige Bergrücken zwischen dem Val San Nicolò und dem Fassatal
der weitläufige Bergrücken zwischen dem Val San Nicolò und dem Fassatal

Nach 1h 15 min ist dieses erste Etappenziel erreicht. Eine weitläufiger Bergrücken bietet im Winter dem Skizirkus Platz. Wir passieren den „sentiero incantato“ der Geschichten und Märchen zu erzählen weiß. Mit einer Art Wasserspritze, die aus einem künstlichen Teich gespeist wird, kann man brennende Hexen löschen. Lustig.

Einige wenige Höhenmeter bis zur Baita Cuz stehen noch bevor, dann ist der Anstieg für heute geschafft.

Der Abstieg ins Val di Nicolò bietet eine Überraschung. Ein herrlicher Aussichtspunkt hoch auf dem Pfeiler der Maerins (2.170 m) begeistert. Unter mir die Almhütten des Val San Nicolò. Der Festbetrieb des Festes Festa Ta Mont nimmt bereits Fahrt auf.

360° auf den Maerins mit Blick ins Nikolaustal (Val San Nicolò)
360° auf den Maerins mit Blick ins Nikolaustal (Val San Nicolò)

Die beste Ehefrau von allen ist natürlich nicht mit mir den 50 m Abstecher zum Panoramapunkt auf den Maerins herausgegangen. Sie kann Tiefblicken nicht viel abgewinnen. Trotzdem kommt sie beim Abstieg auf Ihre Kosten. Ein steiler begraster Hang ist auf einem fußbreiten Pfad zu queren. Mir gefällt das, ihr weniger. So traue ich mich nicht eine Fotopause einzufordern. Erst beim ersten breiteren Stand wird für dieselbe angesucht und mit Ach und Krach genehmigt.

Der restliche Weg verläuft steiler absteigend, aber durch den Wald und somit viel weniger gefährlich. Um halb zwölf erreichen wir den Talboden des Val San Nicoló.

Festa Ta Mont

Alphornbläser untermalen die Messe musikalisch
Alphornbläser untermalen die Messe musikalisch

Der Festbetrieb ist zwar im Gange, aber noch etwas verhalten. So lauschen wir der italienischen Feldmesse. Für einen Südtiroler ist eine italienische Predigt ungewöhnlich locker. Der Pfarrer spricht mit Händen und Füßen, lässt seinen Emotionen freien Lauf; das Publikum nimmt nicht nur andächtig, sondern auch mit zustimmendem Nicken, Augenrollen und Klatschen teil. Alphornbläser untermalen die Messe musikalisch.

Um 12.00 Uhr schicken wir uns an etwas Essbares zu suchen. Jede Hütte bietet einen anderen Speiseplan. Die Entscheidung fällt auf Knödel mit Gulasch. Mich erstaunt die Musik. Obwohl wir uns im Trentino befinden, beglücken uns vor allem Bands und Blasmusikkapellen aus Südtirol. Gesungen werden deutsche Tiroler Volksmusiklieder und nur ab und zu ein italienischer Schlager.

Die Knödel und das Gulasch hätten zwar keinen Schönheitspreis erhalten, schmeckten aber gut. Leider haben sie nicht so recht bis zum Hunger stillen „glongt“. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen geht es darum auf zur nächsten Hütte. Polenta mit Rippchen steht auf den Programm. Dieses Mal ist es umgekehrt; schaut gut aus, schmeckt aber nach nichts. Leider.

Almfest Festa Ta Mont
Almfest Festa Ta Mont

Nach ein wenig Smalltalk – was zwischen der besten Ehefrau von allen und dem Unterfertigten höchst selten vorkommt – kommen in mir Gefühle von Überfressenheit und das schlechte Gewissen, Kalorien mäßig schon wieder eine Plusrechnung verzeichnen zu müssen, auf.

Es ist zwar schon halb vier Uhr aber mein schlechtes Gewissen ist stärker. Der Rückweg wird verlängert und circa 350 Höhenmeter zusätzlich eingebaut.

Da wir uns bei der Baita Ciampié befinden müssen wir zwei bis dreihundert Meter Tal auswärts gehen um dann über den Steig Nr. 640 zum Bergsee Lauscèl und weiter zur Forcella dal Pief aufsteigen zu können.

Es geht richtig steil empor. Dafür ist der Wanderweg breit und könnte vielleicht sogar mit einem Geländewagen befahren werden.

Wir kommen ordentlich ins Schwitzen bis wir die Alm am Lago Lauscèl und nach weiteren 100 Höhenmeter den Pass „Forc dal Pief“ (2.186 m) erreichen.

Bergsee Lauscèl und Pass Forc dal Pief

Haflinger Pferde am Pass Forc dal Pief
Haflinger Pferde am Pass Forc dal Pief

Der Aufstieg hat sich ausgezahlt. Einige Kalorien weniger, dafür ein idyllischer Blick auf einen klaren Bergsee mehr. Nach dem Trubel des Almfestes kommt so langsam wieder ruhige Bergidylle auf.

Grasende Haflingerpferde direkt am Zaun der die Scheide zwischen dem Val San Nicolò und dem Valle dei Monzoni markiert, von den zwei einsamen Wanderer nicht stören.

Valle dei Monzoni

Baita Monzoni im Valle dei Monzoni
Baita Monzoni im Valle dei Monzoni

Über den Wandersteig Nr. 641 geht es nun bis zum Rio di Munciogn hinunter. Die Baita Monzoni liegt in Griffweite, wir müssen aber in entgegengesetzter Richtung Tal auswärts wandern.

Entlang des an einigen Stellen tief in den Talboden einschneidenden Baches Rio di Munciogn geht es bis zur Malga al Crocifisso, wo das Valle di Monzoni auf das Val San Nicolo trifft, hinaus.

Nun steht noch der etwas langweilige Rückweg entlang der asphaltierten Straße bis nach Pozzo di Fassa an. Nicht berauschend, aber gemütlich erreichen wir so um 18.00 Uhr unseren Wagen und schließen somit den heutigen Wandertag ab.

Eckdaten der Tour durch das Val San Nicolò:

  • Start: Pozzo di Fassa
  • Ziel: Val San Nicolò
  • Tourenlänge: 18 km
  • Höhenleistung Aufstieg: 1.400 m
  • Höhenleistung Abstieg: 1.300 m
  • Gehzeit: 5 h 30 m
  • Wegnummer: 643, 640, 641
  • Wegart: Waldweg, schmaler ausgesetzter Wiesenpfad im steil abfallenden Gelände
  • Eigenschaft: für Trittsichere und Schwindelfreie
  • Einkehrmöglichkeiten: Rifugio Buffaure, Baita Cruz, Baita Ciampié, Baita Monzoni

GPS-Track der Wanderung durch das Nikolaustal

Fotos Val San Nicolò und Valle dei Monzoni

 

 

 

 

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