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Wallfahrt von Leifers nach Maria Weißenstein

Der Kreuzweg von Leifers nach Maria Weißenstein ist kein kurzer. 9 km und fast 1.200 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Will man bei jeder Station des Kreuzweges kurz anhalten, sich in Maria Weißenstein etwas aufhalten und dann sogar zu Fuß zurück, so muss man für die Wallfahrt über den Kreuzweg schon einen Tag investieren.

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Erste Kreuzwegstation am Wallfahrtswanderweg von Leifers nach Maria Weißenstein

Vor 10 Jahren, damals im Frühling, damals ohne Anna, sind wir recht flott, in weniger als sechs Stunden Gehzeit rauf und runter. Heute werden wir sehen.

Von Leifers fahren wir über die Weißensteinerstraße bis zum Eingang der Porphyrschlucht Brantental hinauf und parken am Wegesrand, kurz vor dem Haus Emmaus der Caritas. Rechts über eine Brücke führt der Franzenbergweg zum Franzenberg hinauf. Wir schreiten darüber und finden hinter dem Caritas Haus die erste Kreuzwegstation des heutigen Verlaufs. Vor 1770 führte der Wallfahrtsweg am Talboden des Brantental, die heutige Weißensteinerstraße, hinauf. Nun windet er sich auf den Franzenberg empor, um dann, taleinwärts gesehen, am rechten Hang der Brantentalschlucht Richtung Petersberg zu ziehen. Eine Informationstafel klärt uns auf: 3 bis 4 Stunden von Leifers bis nach Maria Weißenstein. Dabei ist der Rückweg nicht eingerechnet. Wir werden vorbeikommen an: Emmaus früher Bäckmühle, Bäckmüllerhöhe, Peter Köfele, Köfelereih, Mausboden, Porphyrsteinbruch, Brunnenreih, Buchnerkreuz, Buchnerbach, Hirschegg, Lindental, Scholeregg, Zaunegg, Halbweg, Melcherboden, Fluorit Bergwerk, Veronika, Neuweg, Feichtenreih, Engelswand, Schupfertal, Wasserfall, Schupferkreuz, Pitschöl Dreiviertelweg, Arme Seelen, Maurerbach, Steinmetzmühle, Landenerpill, Steinmetz Weiher, Rotes Kreuz Kalvarienberg, Neben der Bründlwiese.

Diese mehr oder weniger „lustige“ Namen sind in den meisten Fällen Flurbezeichnungen, also ein Hügel, eine Waldgruppe, eine Abzweigung. Man braucht sich, außer am Peterköfele, keine besonderen Sehenswürdigkeiten erwarten. Dem Wallfahrtswanderer werden vor allem die 12 mit Mosaiken geschmückten Kreuzwegstationen ins Auge stechen. Vor der ersten stehen wir gerade. Meine beiden Mädels ohne, ich mit Rucksack.

Gestern erst einen 3.000 bezwungen, habe ich mich heute überreden lassen Proviant, Bekleidung und Fotoausrüstungen allein zu tragen. Überlegen lächelnd natürlich! Wer am Vortag einen Dreitausender bezwungen hat, dem scheint ein Franzenberg, wie ein sanfter Hügel.

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Ein steiler Saumweg führt auf den Franzenberg hinauf

Schon der steile Aufstieg zum Kirchlein St. Peter am Kofel (romanische Kapelle ca. um 1200 nach Christus erbaut) auf dem Peterköfele belehrt mich eines Besseren. Der Rucksack drückt! Die Wanderstöcke, die ich mir seit 2 Jahren abgewöhnt habe, fehlen mir. Die beste Ehefrau von allen und Anna rennen voraus. Ich kann nur gewaltig schnaubend mithalten. Was hat gestern der Andreas übers Übersäuern gelabert?

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Auf dem Peterköfele

Ich muss mein Schritttempo finden, ohne zu übersäuern. Die Kreuzwegstationen, der Herr hat Erbarmen mit Packeseln, kommen mir zu Hilfe. Während die beste Ehefrau und Anna bei jeder kurz innehalten – wallfahrten nehmen sie ernst – schreite ich konstant stur mein eigenes Schritttempo weiter, sodass wir alle drei summa summarum gleich schnell vorankommen.

Den einzigen Aussichtspunkt, das Peter-Köfele, liegt bald hinter uns. Nun dürfen wir noch kurz einen Blick auf die Hanglagen am Franzenberg werfen, bevor es steil, auf teilweise mit Natursteinen gepflasterten Weg, Richtung Maria Weißenstein geht. Das alles immer stetig hoffend, bald die nächste Kreuzwegstation zu entdecken. Steinig und lang ist der Pfad zu den Heiligen!

Endlich erreichen wir das ehemalige Gasthaus „Halbweg“. Ein Lost Place wie er im Buche steht. Die beste Ehefrau von allen erklärt Anna, dass das verfallene Gebäude vor uns früher ein Gasthaus war, in dem Pilger eingekehrt sind, dass auch ihr Opa schon mal hier gewesen und eingekehrt sei. Anna kann sich das schwer vorstellen, zu abgefuckt schaut die Bude aus. Doch ein Blick hinein offenbart tatsächlich ein Gastlokal. Im Parterre eine offene Feuerstelle oder ein verfallener Waschtrog, keine Ahnung. Im oberen Stock eine veraltete Theke, in einem Nebenraum eine Stube mit Bauernofen. Das Innere schaut aus, als ob es die Besitzer fluchtartig verlassen hätten. Offene Schubladen, Marmeladegläser und Teller auf der Küchenablage, ein offenes Telefonbuch und ein Schulaufgabenheft auf dem Küchentisch… Komisch.

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Wallfahrten mit Lost Place „Halbweg“

Die Abwechslung hat mir und Anna gutgetan. Der Wallfahrtsweg ist etwas monoton. Nun müssen wir der besten Ehefrau von allen, die nichts von Lost Places hält, nachrennen. Links von der anderen Talseite schaut ein einzelner Bauernhof herauf. Dann quert ein Rinnsal mit Wasserfall den Weg und endlich dürfen wir nach dem ehemaligen Gasthof Munter (Dreiviertelweg) die Straße nach Deutschnofen überqueren. Nur noch mäßig ansteigen, vorbei an einem Weiher, dann an einem Haufen von Steinen, die von Wallfahrern als Buße den Wallfahrtsweg heraufgetragen wurden, kommen wir endlich bei der Wallfahrtskirche Maria Weißenstein an.

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Die Wallfahrtskirche Maria Weißenstein (14 Tage früher fotografiert)

Die nächste Messe wird erst in zwei Stunden verlesen. Anna hat Hunger. Darum setzen wir uns hinter dem großen Parkplatz auf eine Bank und packen den Rucksack aus. So eine Rucksackjause hat schon ihre Vorteile. Jederzeit griffbereit und schnell serviert, ohne Wartezeit.

Derweil beginnt es leicht zu tröpfeln. Angesicht der unsicheren Prognose und den bevorstehenden Rückmarsch muss die Messe gestrichen werden. Wir treten den Rückweg sofort an.

Flotten Schrittes laufen wir zurück bis kurz vor dem Lost Place „Halbweg“ und biegen rechts in den Steig 12B hinunter. Der bringt uns vorbei am Melchner Hof, steil absteigend bis zur „Mühle“ in die Talsohle des Brantentales hinunter.

Nun müssen wir nur noch auf Asphalt dem Brantenbach talauswärts folgen. Das ist zwar noch ein gutes Stück Weg, doch auf der Fahrtbahn kommen wir recht flott voran und haben die imposante Porphyrschlucht bald hinter uns und vor uns das Auto am Beginn des Wallfahrtsweges.

Karte und Verlauf der Wallfahrt Leifers-Maria Weißenstein

GPX-Track , Position: -km, -m GPX

50 100 150 200 5 10 15 distance (km) elevation (m)
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimalhöhe: Keine Daten
Maximalhöhe: Keine Daten
Differenz max/min: Keine Daten
Höhengewinn (~): Keine Daten
Höhenverlust (~): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Fotos Leifers-Maria Weißenstein dieses Tages

Fotos Maria Weißenstein 14 Tage zuvor fotografiert

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4 Kommentare über “Wallfahrt von Leifers nach Maria Weißenstein”

  1. Karl-Heinz Weller says:

    Lieber Dietmar
    Nachdem ich gerade aus den Bergen, den deutschen Alpen im Allgäu – stell dir vor von einem Wellnessurlaub- zurückgekehrt bin, habe ich mir heute deinen bebilderten Bericht vom Aufstieg von Leifers nach Maria Weißenstein angeschaut. Das hier grausige Wetter bot sich geradezu an. Und dabei habe ich mich an eine Tour zurückerinnert, die ich vor über 20 Jahren auch von Leifers aus gestartet hatte.
    Und als ich hier deinen Tourenverlauf ausgehend vom Brandental gelesen habe, dachte ich mir, dass ich dazu wie so oft meinen „senf dazu geben müsste.“

    Ich hatte damals zuhause schon eine Einstiegstour für die Tage in Südtirol auskundschaftet, in einem alten Wanderbuch von H.P Menara war bei den Südtiroler Höhenwegen auch der „Leiferer Höhenweg“ mit guter Tourenbeschreibung enthalten.
    Gesagt getan, was sich Charly in Kopf setzt wird umgesetzt und wenn es noch so unvernünftig ist.
    Im Führer stand ca. 3-4 Stunden für den gesamten Höhenweg, wenig schwierig, aber Vorsicht an einigen zum Teil etwas mit Seil gesicherten Stellen und besondere Vorsicht vor dort vielen vorkommenden „Schlangen“ wirklich, das stand da bei Besonderheiten der Tour!
    Und das bei mir als „Repitlienangsthase“!
    Trotzdem führte ich die Tour bei extrem warmen Temperaturen Ende Juni gegen jede Vernunft durch.
    Ich begegnete an diesem extrem warmen Tag nur einer älteren Wanderin und sonst keiner „Sau“ wie man bei uns zu sagen pflegt.
    Aber ich hatte einen treuen Begleiter dabei, nämlich die Angst vor Echsen und Reptilien. Da ich alleine an den sonnenverwöhnten Hängen des Leiferer Höhenwegs unterwegs war, zischelte, wuselte und knackte es ständig in dem dürren Unterholz des Höhenwegs und jedesmal wenn eine Eidechse durch die steinigen und staubigen Hänge flitzte, fiel mir das Herz in die Hose.

    Ohne von wilden Schlangen oder Echsen angefallen worden zu sein, erreichte ich am Nachmittag das schattige Brandental bei so wie ich mich erinnere, noch weit über 30 Grad im Schatten, doch immerhin hatte ich meine Urlaubsplanung mit der ersten Wanderung im Unterland stabsgemäß durchführen können.

    Du Dietmar kannst aufgrund unserer langjährigen Freundschaft wahrscheinlich glauben, was da steht, der Bericht ist kein Jägerlatein, sondern erlebte Schmäh und Wahrheit
    Grüße auch an Andreas

    der verrückte Charly grüßt bis zum nächsten Mal.

  2. Dietmar Mitterer-Zublasing says:

    Hallo Charly,

    den Leiferer Höhenweg habe ich vor 9 Jahren in umgekehrter Richtung wie du absolviert. Du weist das eh, hast ihn schon kommentiert. Es war damals eine Runde zusammen mit dem Andreas (kennst du ja mittlerweile). Von den Schlangen wussten wir, aber wir sind damals im April unterwegs gewesen, darum war es nicht so ein großes Thema. Ich hatte damals mit einer körperlichen Lästigkeit zu kämpfen. Mehr im Beitrag. Jägerlatein ist das auch keiner, sondern echtes Erlebnis 😉

    Grüße
    Dietmar

    So

  3. Karl-Heinz Weller says:

    Aha lieber Dietmar

    Da sieht man mal wie lange ich schon deinen Blog anschaue, dass wusste ich gar nicht mehr, dass ich diese Tour schon mal wahrscheinlich mit ähnlichen Erinnerungen und Anmerkungen kommentiert hatte.

    Da sieht man mal, wie man in die Jahre kommt.

    Liebe Grüße
    Charly

    P.S. Es könnte sein dass ich nach Ostern im Unterland weile, mehr dann aber persönlich per Mail

  4. Dietmar Mitterer-Zublasing says:

    Wir hören uns

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