Traminer Standard Wandertour: Gummererhof-Überetscher Hütte (Cerva)-Roen-Schwarzerkopf

Ein bis zwei Mal im Jahr muss jeder Traminer sich beweisen und die Königstour, die Roen Runde absolvieren. Heute ist es wieder einmal soweit. Ganz die Guten starten selbstverständlich in Tramin. Die beiden, die wir heute begleiten, nehmen das aber nicht so genau. Sie schwindeln ein klein wenig und fahren bis zur Jausenstation Gummererhof auf 750 m u. d. M. hinauf.

Roen, höchster Gipfel des Mendelgebirges
Roen, höchster Gipfel des Mendelgebirges

Erste Etappe – Weiße Riesen

Um ein wenig Buße für diesen Frevel zu tun, starten sie um 11.00 Uhr bei der ärgsten Hitze. Glogg, glogg, der Trekkingstock-Einsatz ist auf dem schottrigen Forstweg nicht zu überhören.

10 min vorbei, das Glogg-Glogg wird vom weichen, mit „Streb“ bedeckten Boden verschluckt. Die nächsten 10 min vernehmen wir nichts mehr von den beiden Wanderern.

Rechts ein Brandschutzweiher in der Zone Saulake. Das bekannte glogg, glogg halt wieder durch die Luft. Die beiden Wanderer wandern nun über steinigen Untergrund, die weißen Riesen, am Fuße des Göller empor. Schweißperlen tropfen ihnen von der Stirn, rinnen über die Nasenspitzen und fallen zu Boden, um auf den heißen, Hitze wiederstrahlenden, Kalksteinen zu verdunsten. Die beiden Wanderer tun Buße.

Bei der „Nosn“ (=Nase), einer kurzen Drahtseil gesicherten Passage mit Blick auf den Kalterer See (360° Foto Kalter See), wird ihr Leid gelindert. Die Hitze lässt etwas nach. Die beiden wandern weiter.

Eine kurze Trinkpause. Winzig, am Ende des Höllenbachtales die Häuser ihres Heimatortes Tramin. Demütig erheben sie den Blick nach rechts oben zu ihrem Hausberg, den Roen, den sie heute noch erklimmen wollen.

20 min sehen und hören wir nichts mehr von den beiden. Sie befinden sich im Wald.

Zweite Etappe – Göllerwiese

Eine Lichtung, ein Brunnen, eine Hütte, die Göllerwiese. Zwei Kalterer sind von Altenburg hier herauf gestiegen und haben dabei eine schwere Last getragen. Proviant, Handwerkzeug, ja sogar eine Motorsäge. Der eine, eine stattliche Figur, wechselt einige Worte mit unseren beiden Traminer Wanderer. Er: „Seids va die weisn Riesn aurkemmen?“ Sie: „Jo ban Gummerer sein mir gstartet. Jetzt gean mir in dr Cerva aui. Isch sie offn?“ Er: „Jo, Walsche va Lavis hobn sie huir. Mochns glab i gonz guat.“ Sie: „Oschti, jedes Johr ondre. Di Pächter hobs do obn nit leicht.“ Er: „Jo, dr Cai verlongt scheinbor an Potzn Pocht.“

(360° Ausblick unweit der Göllerwiese hinunter auf den Kalterer See.)

Nächste Station: der kleine Weiher mit Brunnen an der Wegkreuzung „Weiße Riesen-Steig“ (Nr. 10, ab der Göllerwiese Nr. 523) und Tauris-Steig (Nr. 10A). Unsere beiden Wanderer schwitzen nicht mehr so stark. Die Nordflanke des Göller Spitz hat ihren überhitzen Leibern eine kurze Auszeit von der Qual gewährt. Nun queren sie den steilen Berghang unter dem Paterkopf. Ein etwas ausgesetzter, aber ziemlicher flacher Steig. Auf Halbweg dieses schönen Wander-Abschnittes eine Jägerhütte, die Scharfegger Hütte. Natürlich auch ein Brunnen. Nach der Jägerhütte sehen wir die beiden Wanderer ein klein wenig an Höhe verlieren.

Letzte Etappe – steiler Anstieg zur Überetscher Hütte

Ein Schwall kühle Luft, dringt ihnen entgegen; Grund: der Wasserfall, circa 160 Höhenmeter unter der Überetscher Hütte. Von kurzer Dauer die Kühle, Schweiß liegt abermals in der Luft. Der eine sagt: „Es leschte Stickl“.

Überetscher Hütte (Cerva) – Rifugio Oltradige

Genau so ist es. Circa 2 Stunden begleiten wir nun die beiden Traminer auf ihrer „einmal im Jahr Pflichtwanderung“, damit sie das Prädikat „echte Traminer“ behalten dürfen. 3 Stunden, 10 Minuten hätten sie laut Wanderführer benötigen sollen. Sie waren schneller, trotzdem denkt der eine an die vergangene Zeit zurück, als sein Begleiter diese Tour in 50 Minuten „Berglauf“ geschafft hatte.

Ein großer Tisch, Spaghetti aglio ed olio, ein großer Apfelsaft vor dem einen, Gulasch mit Knödel und eine halbe Mineralwasser vor dem anderen. Ihre nassen Hemden trocknen in der Sonne. Der eine den Roen Gipfel im Rücken, der andere im direkten Blickfeld. „Wos tean mir? Klettersteig oder die Runde?“ „Die Runde, i gea nit Klettersteig!“ Wieder denkt der andere an die Zeit zurück als sein Begleiter ihn auf der Rotwand am Rosengarten durch einen Kamin hochjagen wollte. Diese Zeit ist vorbei.

Aufstieg von der Alm Roen zum Gipfel Roen

Die Überetscher Hütte, „Cerva“ von den Traminern, „Rifugio Oltradige“ von den Italienern genannt, liegt hinter den beiden. Vor ihnen die Alm Roen (ital. Malga Roen), eine bewirtschaftete Almhütte, Weideflächen für nicht anwesende Kühe. Die Wanderer biegen rechts ab, folgen der Beschilderung Roen. Der eine, der beim Anstieg zur Cerva noch gekämpft hat, ist jetzt nach Speis und Trank sichtlich leistungsmäßig gewachsen.

Wir können sie nun gut sehen und hören, der Wald ist sehr licht, ihre Wanderstöcke machen glogg, glogg, im Takt. Wieder Schweißperlen, dieses Mal nur bei einem.

Die Baumgrenze erreicht, trotzdem sind unsere beiden Freunde verschwunden. Wo? Im dichten mannshohen Latschenwald. Wir warten kurz. Da sind sie schon und wandern konsequent und zielstrebig über die nunmehr frei von Bäumen und Latschen bewiesten Westhänge des Roens dem rot-weiß-grün bemalten Gipfelpfosten entgegen.

Gipfel erreicht

Kreuz gibt es hier keines nur den besagten Gipfel-Pfosten, der auch schon mal im Tiroler Stil nur rot-weiß bemalt war…

360° Panoramablick vom Roen
360° Panoramablick vom Roen

Wir sehen unsere beiden Freunde direkt auf der Grenze Südtirol-Trentino stehen. Sie blicken, gen Osten, ins Tal, schauen hinunter auf Ihr Heimatdorf Tramin, auf Ihre Nachbardörfer Neumarkt, Montan, Auer, Kaltern und Eppan und auf die Stadt Bozen, erfreuen sich an der gewaltigen Bergkulisse mit Schwarzhorn, Weißhorn (360° Foto Weißhorn), Latemar (360° Foto Latemar), Rosengarten und Schlern.

Zum Schwarzen Kopf

Lange halten sie sich nicht auf, sie wandern nach einer kurzen Pause am Mendelkamm in südlicher Richtung entlang, dem Schwarzen Kopf entgegen.

Motorlärm dringt an ihre Ohren. Stimmen, die dem einen irgendwie bekannt vorkommen. Der Dialekt ist unverkennbar. Traminer! Der Hubert und der Günther sind damit beschäftigt mit einer kleinen Raupen Holz zu sammeln und entlang des Weges fein säuberlich aufzustapeln.

Holz sammeln fürs Herzjesu Feuer am nächsten Sonntag
Holz sammeln fürs Herzjesu Feuer am nächsten Sonntag

„Woas weart deis? Fuir do am Wegrand?“ „Na, na mir firns lei do zommen. Nächstg Sunntig ban Herz Jesu trogn mirs nochr aui.“ „Kents jo lei jeden Wondere a Scheit mitgeben“ „Madoia, wenn sie olle in die folsche Richtung gean!“

Der eine der beiden Wanderfreunde denkt sich: Respekt, dass es lei so viele Leit gib, die die Freizeit opfern, um alte Bräuche zu hegen und zu pflegen. Wenn olle Südtiroler so warn wia io selber, ob es zem a nou a Herz Jesu Feuer geben tat?

Die beiden lassen den Hubert und den Günther weiter arbeiten und schreiten voran. Steil geht es den schottrigen Steig hinunter zum Gipfelkreuz am Schwarzen Kopf (360° Foto Schwarzer Kopf), das zwar nicht auf dem höchsten Punkt dieses Berges steht, aber von ihrem Heimatdorf, des Blickwinkels wegen, als höchster Punkt der gesamten Bergkette des Mendelkammes empfunden wird.

360° Rumumblick am Schwarzen Kopf
360° Rumumblick am Schwarzen Kopf

Wieder staunen die beiden über die Schönheit ihres Landes. Das Tal mit dem Kalterer See, die gewaltige Bergkulisse dahinter, das perfekte Wetter. Tiroler Land, Heimat, Paradies.

Wieder Laute, wiederum bekannte Stimmen, wieder Traminer. Am „Verbrennten Egg“, sind fünf, sechs Landsleute mit dem Aufstellen einer mächtigen Fahnenstange beschäftigt. Die Vorbereitungen auf das Herz Jesu Fest mit den Herz Jesu Feuern laufen scheinbar auf Hochtouren.

Zoom Foto Weindorf Tramin mit Kalterer See
Zoom Foto Weindorf Tramin mit Kalterer See

Abstieg vom Grenzleger

Der sehr strenge und steile Abstieg über den Grenzleger, die Schweiggl Hütte, Edelrauthütte, Kaltenbrunn und die Schmiedebene steht nun unseren beiden Freunden bevor. Wir begleiten sie, wie sie zügig und konzentriert auf den Boden schauend Höhenmeter verlieren. Nur selten riskieren sie einen Blick auf Ihr Heimatdorf und den Kalterer See. Der eine, der beim Anstieg auf den Roen scheinbar recht leistungsfähig war, scheint jetzt beim Abstieg leichte Probleme zu haben, während der andere vorne den Takt vorgibt. Einmal eine kurze Drahtseil gesicherte Passage passierend, dann Serpentine um Serpentine hinter sich lassend, geht es den scheinbar gerade eben neu aufbereiteten Steig hinunter. Wir hören lange Zeit nichts mehr von unseren Wanderfreunden.

Blick auf den Kalterersee, während des Abstieges vom Grenzleger.
Blick auf den Kalterersee, während des Abstieges vom Grenzleger.

Am Brandschutz Weiher auf der Schmiedebene (Zone Schmiedbach), sehen wir sie erneut, wie sie entlang des mit Goldregen flankierten Steiges zur Forststraße absteigen. Jetzt hören wir abermals das bekannte glogg, glogg. Die beiden wandern die Forststraße entlang bis zur Abzweigung Traminer Höhenweg, wo sie scharf links abbiegen und bei einem kolossalen Stein auf den Forstweg gelangen, auf dem sie erst vor circa 10 Tagen waren, als sie von Tramin über den Zoggler, dann über den Traminer Höhenweg vorbei am „Klopf“ zum Gummererhof gewandert sind.

Denselben Weg müssen sie jetzt auch machen. Die drei Arme des Höllenbaches überschreiten, den Weissenbach, den Schmiedbach und den Höllenbach. An der Klopf-Hütte vorbei, auf dem neu angelegten Forstweg bis zum Brandschutzweiher unterhalb der weißen Riesen hinüber, dann das letzte Stück auf dem gleichen Weg wie beim Aufstieg hinunter zum Gummererhof.

Der Gummererhof, ein Weinhof und zugleich eine Jausenstation ist der Hof der Nena (=Oma) des einen, trotzdem kehren sie heute nicht ein. Sichtlich zufrieden mit sich, steigen die beiden Wanderer in ihren Wagen und entschwinden aus unserem Blickfeld.

GPS Daten der Bergtour Gummererhof-Überetscher Hütte-Roen

Fotos Rundwanderung Gummererhof-Überetscher Hütte-Roen-Schwarzer Kopf

Panoramafotos Südtiroler Unterland rund um den Kalterer See und Tramin

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7 thoughts on “Traminer Standard Wandertour: Gummererhof-Überetscher Hütte (Cerva)-Roen-Schwarzerkopf”

  1. Hallo Dietmar,

    super tolle Fotos und überhaup, super Seite!

    Schöne Grüße
    TV Tramin

  2. Monika says:

    hallo Dietmar,
    schöne Runde und die Bilder wie immer top. Zum Schwarzer Kopf wollte ich schon lange. Für die kürzeste Route: Wo parke ich am besten und welchen Weg empfiehlst du mir? Danke, Monika

  3. Dietmar says:

    @ TV Tramin: Danke, nur häsch solln sogn: dei fotos sein so bearig, dass ich unbedingt a amol die Runde mochn muas 😉

  4. Dietmar says:

    @ Monika: Wo willst du starten? Die kürzeste Route würde von Graun, den Jochweg hoch starten. Dort kann man ein Stückl rauf fahren und dann gibt es einen Schotterparkplatz. Siehe Google Maps: „Jochweg, Kurtatsch, IT“
    Die ganz guten starten aber von Tramin direkt vor meiner Haustür. Tramin, Mühlgasse 58, vor meinem Haus (gelbes Haus) parken. Dort sind drei, vier weiße Parkplätze auf der Straße eingezeichnet. Dann kurz den Kastelazweg und dann Steig Nr. 6 immer geradeaus hoch zum Schwarzkopf (sehr streng!). Etwas kürzer wäre, du fährst zum Gummererhof hoch und gehst dann den Weg genau umgekehrt wie hier in diesem Beitrag beschrieben.

  5. Simone says:

    Men muas olm amol kloan onfongen, de monstertour heb i mir fürn schluss auf :-)! lg

  6. Dietmar says:

    Zem hosch Recht. Zuerscht lei fan Gummerer zur Überetscher Hüttn. Donn später die gonze Runde. Apropos: Gestern Obend sein mir an Sprung aui gongen. Heuer hob die Cerva zwei junge Italiener fa St. Michele, gonz sympatische. Sie hobn gsogt, dass sie a in Winetr offn kolten möchten. Donn konn der TV Tramin a Schneeschuhspur aui mochn 😉

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