wandern in den Brenta Dolomiten: Lago di Tovel – Sasso Rosso

Gestern hatte ich in meinem Wanderkarten-Stapel zufällig eine mir noch unbekannte Kompass Wanderkarte vom Nonstal (Val di Non) gefunden. Was liegt da näher als die Karte aufzuschlagen und auf gut Glück das erstbeste Wanderziel auszusuchen.

Dolomiti di Brenta, das klingt gut. Molveno See. Nein, da war ich schon mal. Nehmen wir lieber diesen kleinen See. Was steht da? Lago di Tovel. Hört sich gut an. Also auf ins Nonstal, nach Tuenno, dann links weiter ins Val di Tovel bis ans Ende der befahrbaren Straße zum Tovelsee.

Lago di Tovel (Tovelsee auch Roter See genannt)
Lago di Tovel (Tovelsee auch Roter See genannt)

7.15 Uhr, das Auto ist auf einem großen, auf mehrere Ebenen aufgeteilten, Waldparkplatz abgestellt. Wir sind schon gespannt auf den See. Die beste Ehefrau von allen hat gerade eben vor einer Panoramatafel in Erfahrung gebracht, dass es sich bei dem Lago di Tovel um den „Roten See“ handelt, der ihr von einer Kollegin als wunderschönes Ausflugsziel wärmsten angepriesen wurde.

Der stille Alpinsee liegt, eingekesselt von den prächtigen Bergmassiven der Brentagruppe, im Naturpark Adamello-Brenta auf 1.178 m. Jetzt um 7.30 Uhr liegt die eine Hälfte noch im Schatten, während sich in der anderen sonnigen Hälfte die Brenta Gipfel im glasklaren Wasser spiegeln. Rot ist der See zwar nicht aber trotzdem ein wunderbarer Anblick.

Am Lago di Tovel auch lago rosso genannt (Deutsch: Tovelsee bzw. Roter See)
Am Lago di Tovel auch lago rosso genannt (Deutsch: Tovelsee bzw. Roter See)

Im Winter kann sich der Wasserspiegel des Tovel Sees unter der gefrorenen Eisdecke bis zu 5 m absenken. Manchmal trocknet der See sogar ganz aus. Seinen zweiten Namen „Roter See“, hat er aufgrund einer Rotfärbung, welche in den heißen Sommermonaten auftritt, bekommen. Eine Alge namens Glenodinium Sanguineum soll dafür verantwortlich sein. Leider tritt dieses Phänomen seit 1964 nicht mehr auf. Einige Experten vermuten Umweltverschmutzung als Ursache, andere meinen, dass das Fehlen der Rinder und deren organischen Absonderungen, verantwortlich sei.

Wir halten uns nur für 15 min auf. Vor dem Gasthaus Miralago finden wir eine Panoramatafel mit deren Hilfe wir unsere heutige Bergtour abstecken.

Hmmm…. über den Wanderweg Nr. 314 durch das Valle di Maria Flavona und weiter über den Steig Nr. 301 bis zum Passo delle Groste? Oder lieber über den Wanderweg Nr.  309 hinauf zur Tuena Alm (Malga Tuena) und dann weiter bis zum Passo di Pracastron und den Sasso Rosso?

Der besten Ehefrau von allen hat es der Sasso Rosso angetan. Das ist sicherlich etwas Besonderes, denn in den Dolomiten gibt es normalerweise kein rotes Gestein. Ok, überredet. Über die Tuena Alm hinauf zum Sasso Rosso das heißt dann 1.400 Höhenmeter.

Wir wandern nur wenige Meter entlang des Seeufers, biegen alsdann rechts ab und folgen der Beschilderung Malga Tuena. Immer wieder steht ein idyllisches Ferienhaus am Wegesrand. „Des war wos, da so a bearige Hittn zu haben, ha?“ „Jo, tat mir a passn, sein obr sichr ubezohlbor. Wundert mi, dass dei do baun geterfft hobn.“

Nach circa 100 Höhenmetern endet der befahrbare aber nur Anrainern vorbehaltene Schotterweg. Wir müssen jetzt links in einen Steig einsteigen.

Durch den Mischwald wandern wir den nicht gerade flachen Waldsteig empor. Wir freuen uns, dass die Sonne vom Himmel lacht und malen uns aus, dass wir heute von der Sonne verbrannt werden würden.

Es dauert nicht lange bis wir ins Schwitzen geraten. Der Wanderweg ist ungefährlich, führt aber recht ordentlich nach oben. Nach circa einer 3/4  Stunde treten wir aus dem Wald auf eine steile Almwiese heraus. In einigen weiten Serpentinen müssen wir noch bis zur Tuena Alm hochsteigen und erreichen dieselbe nach circa einer Stunde Wanderzeit.

Domit kannt man viel Plent mochn
Domit kannt man viel Plent mochn

Ein herrlicher Anblick: die beiden Almgebäude unter dem Cima Uomo und der Cima Vallina.

Krrrrr, wau, wau, grrr… nicht gerade freundlich werden wir von einem bellenden Vierbeiner empfangen. Ein kurzer Piff, scheinbar von der Almbewirtschaftung und das Tier beruhigt sich, lässt uns ohne zu Murren vorbei.

Ein Aufenthalt auf der Tuena Alm ist nicht eingeplant und so wandern wir, uns hinter der Alm leicht links haltend, weiter bis zur Wegkreuzung mit der Beschilderung Val Madris (1.820 m). Hier biegen wir rechts, der Beschilderung Passo di Prà Castron (Nr. 310) folgend, ab und nehmen den beschwerlichsten Teil der heutigen Bergtour in Angriff.

Plötzlich, spüre ich einen Regentropfen. Das gibt es ja nicht. Gerade eben vor 10 Minuten hatten wir noch herrlichen Sonnenschein und einen glasklaren Himmel, jetzt ist urplötzlich eine Wolkendecke über unser Wanderziel gezogen und schon beginnt es leicht zu nieseln.

Umkehren oder weiter gehen? Die beste Ehefrau von allen ist fürs Umkehren, drängt aber nicht scharf darauf. Ich sage, gehen wir noch bis zum Pass hoch, dann haben wir zumindest ein Wanderziel erreicht. Sie stimmt zu.

Der Nieselregen, hält nicht lange an, verzieht sich aber auch nicht sofort. Wir wandern also ab und zu von einigen Tropfen begleitet, die Schuhe bereits leicht angenässt die Serpentinen über den teilweise grasigen, teilweise gerölligen Hang in Richtung Cima Uomo hoch.

Wind kommt auf. Es wird langsam nicht nur schön kühl, sondern sogar kalt. Ist nicht gerade angenehm mit nass geschwitzter Kleidung und einer zitternden besten Ehefrau von allen den Berg hoch zu steigen.

Immer wieder spielt uns das Gelände einen kleinen Streich. Es lässt uns glauben, dass wir innerhalb von 5 bis 10 Minuten den höchsten Punkt erreichen würden. Kaum an der vermeintlichen Position angekommen, merken wir, dass wir nicht auf dem höchsten Punkt stehen, sondern auf einer Terrasse, der eine nächste folgt. Dieses Spiel setzt sich zwei drei Mal so fort.

Endlich, nach insgesamt 3 Stunden kommen wir am Passo di Pracastron auf 2.500 m ü. d. M. an. Recht glücklich sind wir aber nicht. Mittlerweile ist es saukalt geworden. 7°, gepaart mit einem kräftigen Wind, der von Madonna di Campiglio herauf zieht, lassen uns so richtig zittern. Die beste Ehefrau von allen, die nie ohne Handschuhe wandern geht, muss unsere Wanderstöcke halten, denn ich muss meine Hände in die Hosentaschen stecken.

Biwak C. Costanzi (Brenta)
Biwak C. Costanzi (Brenta)

„Schau da unten ist ein Biwak.“ „Wilsch du schun do oi und drnoch wieder aur gean? Kearn mir liabr glei um.“ Ich muss ein wenig schwindeln, damit die beste Ehefrau von allen sich überreden lässt am gegenüberliegenden Hang bis zum Biwak hinunter zu steigen. „Sein lei 100 m“ Da die beste Ehefrau ohne ihre Brillen in so weiter Entfernung nicht viel sieht, komme ich mit meiner kleinen Muggelei durch. Beim Abstieg droht sie mir noch: „Wehe wenn die Hüttn zua isch.“ Ich bin mir aber sehr sicher, dass ein Biwak nicht zugesperrt sein kann, denn es ist ja genau für solche „Notfälle“ da.

Circa 200 Höhenmeter über eine schöne mit gelben Blumen bedeckte Wiese sind wir abgestiegen und stehen nun vor dem Biwak. Ist natürlich nicht verschlossen. Ich habe nochmals Glück gehabt 😉

Der Schutz vor dem eisigen Wind tut richtig gut. Ich kann es mir sogar leisten, das nass geschwitzte Hemd und Leibchen auszuziehen und nur mit dem Windstopper da zu sitzen. Dabei zittere ich zwar noch, aber es ist auszuhalten. Hemd und Wanderleibchen werden derweil zum Trockenen in den Wind hinaus gehängt.

Eine halbe Stunde vor Wind und Wetter geschützt über unseren Proviant herfallen. Das tut gut. Beim Studieren meiner Kompass-Wanderkarte sticht mir eine kleine Variante ins Auge. Über die Cima Nana zum Pracastron Pass. Das wäre nur ein unwesentlicher Umweg und wir müssten nicht denselben Weg bis zum Pass hinauf.

Die beste Ehefrau von allen ist dagegen. Ich kann sie zwar umstimmen, aber kurz vor dem Aufbruch scheint es mir dann auch besser so schnell wie möglich ohne Umwege in wärmere Tiefen hinter zu gelangen und so steigen wir die 200 Höhenmeter wieder hinauf zum Pass, um dann auf dem gleichen Weg, den wir herauf gekommen sind, in Richtung Tuena Alm und Tovelsee zurückzuwandern. Das passiert bei unseren Wanderungen normalerweise eher selten.

Edelweiß oder Stella Alpina wie die Italiener sagen
Edelweiß oder Stella Alpina wie die Italiener sagen

Kaum den Pass Prà Castron passiert, lässt der Wind nach. Wir befinden uns scheinbar auf der Wind geschützten Flanke der Brenta. Es wird merklich wärmer. Noch oberhalb der Malga Tuena lacht uns urplötzlich wieder die Sonne an. So schnell wie die Wolkendecke aufgezogen ist, ist sie auch wieder verschwunden. So ist das eben in den Bergen.

„Bearig, nochr kennen mir nou a Runde umen Sea mochn“ „Jo, sel tean mir.“

Am Tovel See angekommen, spazieren wir gegen den Uhrzeiger rund um den See. Ich möchte am anderen Seeufer noch ein Foto machen. Blöderweise werde ich enttäuscht. Nein, nicht weil es dort nicht schön wäre, sondern weil innerhalb von 20 Minuten wieder Wolken aufgezogen sind. Zahlt sich nicht aus, alles auszupacken. Schade. Wir vervollständigen die 3,5 km Runde und kommen bei Sonnenschein am nördlichen Seeufer, unserem Ausgangspunkt von heute Früh, an.

Ostufer Tovel See
Ostufer Tovel See

Noch schnell auf einen Kaffe und einen vorzüglichen Blätterteig-Strudel beim Gasthaus Miramare eingekehrt bevor wir das wunderschöne Tovel-Tal verlassen.

Inzwischen stehen Busse am Parkplatz. Wir wundern uns etwas. An der Talausfahrt verstehen wir dann aber warum. Ab 10.30 Uhr wird die Straße gesperrt und man kann nur mit dem Bus hinein. Wir hatten also Glück, so Früh unterwegs zu sein.

Um zumindest mit dem Auto eine Rund zu machen, fahren wir in nördlicher Richtung durch das Nonstal in Richtung Cles weiter, um über Fondo und die Mendel nach Haus nach Tramin zu gelangen. Entgegen dem Routenplaner von Google sind wir so tatsächlich schneller und schaffen es unter 1,5 Stunden im Südtiroler Unterland, dem um einiges tiefer liegenden Paralleltal des Nonstals anzukommen.

Ist schon komisch, dass man so wenig Kontakt mit den Nonstalern hat, nur weil eine Bergkette dazwischen liegt.

Das Lago di Tovel wird uns sicherlich noch öfters sehen. Wandermöglichkeiten gibt es da genug und die Brenta Dolomiten stehen ihren östlich der Etsch gelegenen Kollegen an Schönheit in nichts nach.

GPS Daten: Wanderung Lago di Tovel – Sasso Rosso – Biwak

Fotos Lago di Tovel – Brenta

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10 thoughts on “wandern in den Brenta Dolomiten: Lago di Tovel – Sasso Rosso”

  1. Karl-Heinz Weller says:

    Hallo Ihr Beiden

    Wieder herrliche Bilder von dir, der Tovel See ist unter den deutschsprachigen Touristen im Raum Kaltern/Eppan etc. kaum bekannt, ich habe bereits 2 X Bekannte und Freunde dorthin gelotst und alle waren begeistert. Leider ging es mir bei einer geplanten Tour ebenfalls Richtung Tuenna Alm genauso wie Euch, nur wurden wir aufgrund spätem Aufbruch (beste Freundin meines Kumpels meinte das Frühstücksbüffet leer essen zu müssen) schon früher von einer Schlechtwetterfront überrascht, sodass wir beide Male nur den Rundgang um den See machten. Der See ist ein absolutes Naturjuwel, es ist gut dass er noch nicht so bekannt ist wie der Tümpel „Karersee“, bei dem alle Welt meint ihn gesehen haben zu müssen, es gibt ja vor allem im Trentino so viel herrliche hoch gelegene Seen wie z.b. bei Madonna di Campiglo, oder im Val Genova die Nardis Wasserfälle, traumhaft, oder wie die von dir in einer Tour beschriebenen Vallesinella Wasserfälle Traum, etc. doch die deutschen Touristen fahren halt dorthin wo viele oder die meisten Touris hinfahren, sollen sie fahren.

    Werde die nächsten Tage noch auf die Entdeckungsreise deiner Wandertouren gehen bevors Anfang Januar ins Skifahren geht,

    bis dahin gute Zeit
    Charly

  2. Dietmar says:

    Tümpel „Karersee“ *g*
    Mittlerweile ein rundherum mit Stegen, Aussichtsplattform, Parkplatz ecc. verbauter Tümpfel… Leider… Zwar immer noch schön aber rundherum Kommerz.

    LG
    Dietmar

  3. Siegfried says:

    Vielen Dank für den Bericht. Bin zwar nur ein dummer Deutscher, aber genau darum lieber im Trentino unterwegs als in Südtirol, weil hier weniger dumme Deutsche rumirren 😉
    Tovel gehen wir in diesem Urlaub noch an. Karrersee? Ist bei richtiger Beleuchtung/Uhrzeit wunderschön. Der Kommerz drum herum ist schon lästig; den kann man aber leicht ausblenden, weil die meisten Touris nur bis zur ersten Plattform kommen …

  4. Dietmar says:

    Hallo Siegfried,

    danke für deinen Kommentar. Die Beleuchtung am Karrersee habe ich noch nicht gesehen, da mus sich mal bei Gelegenheit vorbei schauen. Kann mir schon vorstellen, dass das ganz gut auschauen könnte. Zwar nicht Natur pur aber trotzdem schön. Licht, Wasser, Berge sicher eine tolle Kombination.

    Grüße
    Dietmar

  5. Andi says:

    Hallo Dietmar,
    auch wenn am Karersee sehr viel Trubel herrscht, glaube ich (trotz dem ganzen Kommerz) nicht, dass nun auch noch Flutlicht installiert wurde;-) Siegfried meinte sicherlich die der Tageszeit und der Wetterverhältnisse entsprechende Beleuchtung.
    Ich finde den Karersee immer wunderschön (beim ersten Besuch vor 25 Jahren und beim letzten vor 2 Jahren genauso) und weil das viele so sehen, ist halt viel los (vor 25 Jahren waren wir aber tatsächlich eine Stunde alleine am See, dies wäre heut nicht mehr vorstellbar).
    Sind gerade wieder vor Ort, zum ersten Mal aber mit dem Schwerpunkt Trentino. Morgen soll es zum Tovel See gehen, vielleicht spielt das Wetter zumindest etwas mit (laut Wetterbericht eher nicht).
    Ein großes Lob an Dich für diewanderer.it. Bin heute erst darauf gestoßen, und werde mir (zurück in Deutschland) bei Dir Anregungen für Wanderungen im nächsten Südtirolurlaub holen.
    Liebe Grüße
    Andi

  6. Dietmar says:

    @Andi
    Ups, da sieht man dass ich zur Zeit viel zu viel vor dem Computer sitze anstatt raus zum Wandern zu gehen. Jetzt wo du es sagst finde ich es auch total abwegig bei Siegfrieds Aussage an künstlicher Beleuchtung zu denken. Was wir mir da wohl durch den Kopf geschossen sein? Irgendwie hatte ich noch das vorletzet Bild vom Karrer See im Kopf als es noch keine Stege gab kombiniert mit dem letzten wo ich auf der breiten Aussichtsplattform stand. Da hat man Hirn wahrscheinlich aufgrund der Wandlung vom ursprünglichen zu einem leicht und dezent mit Stegen umbauten See gleich noch Lampen dazu gedichtet…

    Danke fürs Lob, hört man immer wieder gerne.

    Grüße
    Dietmar

    P.S. aber nochmals nachgedacht würde ich es dem einen oder anderen Archtitekten schon trotzdem zutrauen… Egal, das nächste Mal msus ich genauer hinschauen…

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