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Höhle, Tropfsteinhöhlen

Obir-Tropfsteinhöhlen

Wir haben den Besuch der Obir-Trophsteinhöhlen – wie uns gestern angeraten wurde – natürlich online reserviert. Zunächst holen wir uns unsere Tickets und ziehen trotz der brütenden Hitze eine warme Kleidungsschicht über. In den Obir-Tropfsteinhöhlen soll es nämlich recht kühl hergehen.

Kurz darauf rollt ein großer Reisebus mit rund 40 Sitzplätzen vor. Das überrascht uns etwas. Wir hatten eher mit kleinen Shuttlebussen gerechnet, die die Besucher den Obir-Berg hinaufchauffieren. Stattdessen schluckt der große Bus unsere gesamte Gruppe – und mit 40 Höhlenbesuchern ist schließlich auch jeder Platz besetzt.

Noch einmal werden wir überrascht: Der Bus fährt nicht den Berg hoch, er fährt zunächst das Vellachtal hinaus, um erst kurz vor Rechberg links in den Zauchengraben hinauf abzubiegen. Ab hier windet sich eine schmale Bergstraße in zahlreichen Kehren steil bergauf.

Schon nach wenigen Minuten sind wir froh, nicht zu Fuß unterwegs zu sein. Der entsprechende Wanderweg (Nr. 622) wäre bei dieser Mittagshitze vermutlich nicht nur schweißtreibend, sondern auch eher eintönig gewesen. Zumindest schaut er aus dem angenehm klimatisierten Bus eher nach Schweißarbeit als nach Wandervergnügen aus.

Start Höhlenbesuch

Auf 1.076 Metern Höhe hält der Bus an. Wir steigen aus und werden in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 mit gelben Helmen, Gruppe 2 mit roten und Gruppe 3 mit blauen.

Wir gehören zur roten Truppe und müssen deshalb noch etwas warten. Die Gruppen werden nämlich zeitversetzt durch die Höhlen geführt.

Dann ist es endlich so weit: hinein in die angenehm kühle Stube. Nach einer kurzen Einführung zum Ablauf folgt – in völliger Dunkelheit – ein kurzer Film. Nun machen wir uns auf den Weg durch das rund 800 Meter lange Schauhöhlensystem. Die 800 Meter beziehen sich allerdings nur auf den touristisch erschlossenen Teil. Das bislang bekannte Höhlensystem im rund 230 Millionen Jahre alten Wettersteinkalk der Karawanken misst mittlerweile etwa fünf Kilometer.

Der Wilhelm-Stollen führt uns mitten durch das ehemalige Blei- und Zink-Bergwerk.
Der Wilhelm-Stollen führt uns mitten durch das ehemalige Blei- und Zink-Bergwerk.

Zuerst schleichen wir durch einen ehemaligen Bergwerksstollen. Schließlich waren es Bergleute, die die Tropfsteinhöhlen im Jahr 1870 beim Abbau von Blei- und Zinkerzen entdeckten. Der Bergbau am Hochobir reicht übrigens bis ins Mittelalter zurück und prägte die Region über Jahrhunderte.

Erst nach einigen Minuten öffnet sich vor uns die eigentliche Tropfsteinwelt.

Riesige Hallen, bizarre Felsformationen und unzählige Tropfsteine gibt es zu bestaunen.

Manche hängen als filigrane Stalaktiten von der Decke, andere wachsen als Stalagmiten dem Boden entgegen. An manchen Stellen haben sich beide längst getroffen und sind zu mächtigen Säulen zusammengewachsen.

Besonders beeindruckend sind die glasklaren Sinterbecken, in denen sich die beleuchteten Tropfsteine spiegeln. Ebenso eindrucksvoll ist eine gewaltige Sinterwand, deren Form tatsächlich an die Pfeifen einer riesigen Kirchenorgel erinnert.

Die sogenannte „Orgel“ zählt zu den bekanntesten Formationen der Höhle. Die Sinterwand ist rund sechs Meter hoch und etwa zwölf Meter breit.

Dann zeigt uns die Führerin einen ganz besonderen Stalaktiten: Er bildet tatsächlich einen Haken. Das ist außergewöhnlich, denn dafür müsste er stellenweise nach oben gewachsen sein – etwas, das bei einem von der Decke herabhängenden Tropfstein eigentlich gar nicht möglich sein dürfte. Selbst die Forscher, erzählt uns unsere Führerin, können dieses Phänomen bislang nicht schlüssig erklären.

In einer der größten Hallen stehen die sogenannten „Mainzelmännchen“ – eine Gruppe kleiner Tropfsteinsäulen, deren Form tatsächlich an die bekannten Fernsehfiguren erinnert.

Kaum vorstellbar, dass all diese Gebilde nicht über Jahrhunderte, sondern über Hunderttausende von Jahren entstanden sind. Tropfen für Tropfen hat kalkhaltiges Wasser winzige Mengen Kalk abgelagert. Was heute mehrere Meter in die Höhe ragt, wächst je nach den Bedingungen nur etwa 0,1 bis 1 Millimeter pro Jahr. Ein gerade einmal zehn Zentimeter langer Tropfstein kann deshalb bereits mehrere tausend Jahre alt sein.

Umso ärgerlicher ist es, an einigen Stellen abgebrochene Stalaktiten und Stalagmiten zu entdecken. Die Bergleute nutzten die Tropfsteinhöhlen früher als Lager für das beim Erzabbau anfallende Gestein – und zerstörten dabei das Werk von Hunderttausenden von Jahren in kürzester Zeit. Heute wäre so etwas undenkbar. Wer auch nur einen Tropfstein beschädigt, muss mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Und das ist auch gut so.

Mitnehmen darf man selbstverständlich nichts. Fotografieren ist offiziell zwar nicht erlaubt – vor Ort drückt man aber ein Auge zu. Vorausgesetzt, man bleibt dabei stehen und knipst nicht während des Gehens.

Unsere Führerin erklärt uns außerdem, dass der Luftaustausch ausschließlich über natürliche Öffnungen im Berg erfolgt – ganz ohne technische Lüftungsanlage. In den Stollen und Höhlen herrschen das ganze Jahr über nahezu konstante 8 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent.

Natürlich ist es hier ohne künstliche Beleuchtung stockfinster. Seit ihrer Entstehung hat an manchen Stellen kein einziger Sonnenstrahl mehr den Weg hierher gefunden. Als unsere Führerin für einen kurzen Moment die Beleuchtung ausschaltet, wird das eindrucksvoll spürbar. So sieht echte Finsternis aus.

Anna und die beste Ehefrau vor der gigantische Sinterwand welche an eine "Orgel" erinnert.
Anna und die beste Ehefrau vor der gigantische Sinterwand welche an eine „Orgel“ erinnert.

Und trotzdem gibt es hier Leben. Fledermäuse nutzen die Höhle als Winterquartier. Außerdem leben tief im Dunkeln winzige, hoch spezialisierte Höhlentiere – viele von ihnen farblos und nahezu blind, weil ihre Vorfahren seit unzähligen Generationen nie Tageslicht gesehen haben.

Erst gegen Ende der Führung fallen uns an mehreren Stellen rote Messmarken an den Felswänden auf. Unsere Führerin erklärt, dass die Höhle regelmäßig überwacht wird, um selbst kleinste Bewegungen des Gesteins frühzeitig zu erkennen und die Sicherheit der Besucher dauerhaft zu gewährleisten.

Nach gut anderthalb Stunden erreichen wir schließlich den Ausgang. Draußen schlägt uns die warme Sommerluft entgegen. Fast schade. Nach der angenehm kühlen Höhle fühlt sich die brütende Hitze der Junihitzewelle gleich doppelt so erbarmungslos an.

Fotos von den Obir-Tropfsteinhöhlen

 

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