Wandern im Vinschgau: Laaser Spitze (Orgelspitze 3000er)

Laaser Spitze auch Orgelspitze genannt
Laaser Spitze auch Orgelspitze genannt

Ein klein wenig habe ich ein schlechtes Gewissen. Den letzten Dreitausender, die Tofana di Mezzo, habe ich nämlich nur zur Hälfte erwandert. Für die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel hinauf, nahm ich damals die Hilfe der Seilbahn in Anspruch, darum will ich heute zum Wandern in den Stilfser Joch Nationalpark. Denn dort gibt es auch für unsereins (nicht-Kletterer, nicht-Gletschergeher) so manchen 3.000er, der auf Normalwegen bezwingbar ist. Die Orgelspitze, auch Laaser Spitz genannt, ist mit ihren 3.305 m Höhe eine dieser Bergspitzen.

Über Meran fahren wir in den Vinschgau hinauf, biegen bei Goldrain links ins Martelltal ein und folgen dem Straßenverlauf bis nach Martell. Während der Fahrt durch das Martelltal fällt der besten Ehefrau von allen sofort auf, dass hier sogar noch auf 1.000 m Meereshöhe Apfelbäume gedeihen. Ab 1.000 m ist dann aber auch hier Schluss mit dem Apfel, rund ums Dorf Martell sehen wir nur noch Erdbeer-Plantagen.

Das Dorf Martell befindet sich auf dem Hang an der rechten Talseite. Die Kirche steht 200 m über dem Talboden. Wir müssen an ihr vorbei, da wir weiter hinauf zu unserem Startpunkt zum Gasthaus Stallwies wollen. Ab dem Dorfzentrum wird die Straße ziemlich schmal, zu unserer Linken habe ich aus dem Auto heraus einen ziemlichen Tiefblick. Da heißt es die Spur halten! Die beste Ehefrau von allen wird nervös. Ist nämlich ihr Auto, das ich hier gerade bergwärts zum Stallwieshof steuere.

Vor dem Stallwieshof haben bereits zahlreiche Wanderer geparkt. Wir finden gerade noch das letzte Plätzchen.

8:30 Uhr, schönes Wetter, ein kurzer Blick zum Zufritt Stausee und auf geht es über Steig Nr. 5 recht steil bis zur Baumgrenze hinauf. Es dauert nicht lang, bis wir die ersten Wanderer überholen. Scheinbar deutsche Urlauber mit einem Südtiroler Wanderführer.
Wir befinden uns auf einem felsdurchsetzten Grashang, da merke ich, dass etwas nicht stimmt. Obwohl ich theoretisch nach den zahlreichen Wanderungen in unserem Dolomiten Urlaub gut trainiert sein müsste, fühle ich mich – wenn auch nicht körperlich schwach – aber trotzdem dieser steilen Bergtour nicht 100% gewachsen. Ein ungutes Magengefühl und Motivationsprobleme plagen mich, sodass wir alles geben müssen, um die soeben überholten Wanderer hinter uns zu halten.

Komisch, was ist bloß los mit mir. Ups, da fällt es mir ein: das Traminer Feuerwehrfest ist schuld bzw. die flüssige Konsumation zur Förderung der freiwilligen Feuerwehrmänner *g*. Da werde ich jetzt die Zähne zusammenbeißen müssen. Also, weiter geht’s.

Irgendwie schaffe ich es dann bis zur Geländekante hinauf, bei der der steinige, steile Grashang urplötzlich in flaches Blocksteingelände übergeht. Der Gipfel der Orgelspitze bzw. der Laaser Spitze ist nun bereits sichtbar. Nur sehr mäßig steigend wandern wir über das Porphyrblockwerk bis zum Fuße des Gipfelaufbaus. Dabei müssen wir häufig die Markierungen bzw. die ersatzweise aufgestellten Steinmännchen suchen.

Auf der Orgelspitze

Der Aufstieg zum Gipfel ist dann wieder ordentlich steil und treibt uns erneut die Schweißperlen auf die Stirn. Um ? Uhr ist es fast geschafft! Ich muss noch schnell die beste Ehefrau von allen über eine Felsstufe ziehen und dann stehen wir vor dem Gipfelkreuz auf 3.304 m und werden von dem gewaltigen 360 Grad Bergpanorama, das sich uns bietet, fast erschlagen. Beginnen wir im Süden und drehen uns im Uhrzeigersinn: Königspitze, Monte Zebru, Ortler, Ötztaler Alpen mit den Gletschern Weißkugel, Wildspitze und Similaun, östlich Hönigspitze und den Ifinger, im Vordergrund von Osten nach Süden Hasenöhrl (3.257 m), Tuferspitze (3.099 m), Zufrittspitze (3.439 m), Weißbrunnspitze (3.225 m), Hintere Eggenspitze 3.443 m), Hintere Nonnenspitze (3.256 m), Sallentspitze (3.215 m), Hintere Rotspitze (3.347 m), Hintere Schranspitze (3.357 m), Veneziaspitze (3.386 m), Cima Marmotta (3.330 m), Monte Vioz (3.645 m), Palon de la Mare (3.703 m) und Zufallspitze (3.757 m).

Es ist nicht ganz so leicht, ein 360 Grad Rundumfoto anzufertigen. Wir sind nämlich nicht allein auf dem nur wenige Quadratmeter Platz bietenden Gipfel. Trotzdem schaffe ich es. Obwohl die Sonne scheint, nähgln (kribbeln vor Kälte) der besten Ehefrau von allen die Fingerspitzen. Darum halten wir uns nicht sehr lange auf und steigen um ? Uhr bis zum Fuße des Gipfelaufbaus der Laaser Spitze hinunter.

Wie fast bei jeder unserer Wanderungen möchten wir nicht den gleichen Rück- wie Hinweg nehmen, darum marschieren wir durch das Schludertal, das vom Schludertalbach durchflossen wird, bis zur Schluderalm hinunter, was sich als weit weniger steil erweist, als es der Aufstieg war. Etwas oberhalb der Schluderalm gibt es noch eine interessante Demonstration der Naturgewalten zu bestaunen. Ein mächtiger Quader flößt hier dem vorbei wandernden Berggeher Ehrfurcht vor der immensen Kraft der Berge ein.

Schluder Alm im Martelltal mit Blick auf Zufrittsee
Schluder Alm im Martelltal mit Blick auf Zufrittsee

Bei der Schluder Alm sehen wir hinüber zum Zufrittsee und überlegen kurz, ob wir unsere Wanderung zum See hin ausdehnen oder lieber direkt zum Gasthaus Stallwieshof zurück wandern sollen, damit wir anschließend noch etwas Zeit haben, um mit dem Auto bis in den Talschluss des Martelltales hinein zu fahren. Wir entscheiden uns für Zweiteres und wandern – von Zeit zu Zeit den Blick in die Talsohle gerichtet – fast eben bis zum Stallwieshof zurück.

Der Stallwieshof führt uns in Versuchung, einzukehren, aber wir können uns erfolgreich wehren. Nein, ich kann mich erfolgreich wehren, denn ich möchte heute noch bis zum Talschluss hinein und von dort hinauf auf die Zufallhütte.

Zweiter Teil: Spaziergang vom Marteller Talschluss zur Zufallhütte

GPS Daten Bergtour Laaser Spitze/ Orgelspitze

Fotos der Wanderung zur Laaser Spitze im Vinschgau

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3 thoughts on “Wandern im Vinschgau: Laaser Spitze (Orgelspitze 3000er)”

  1. Dr.Kubat says:

    Wie lange dauert diese Tour. Leider lassen sich die Touren auch nicht downloden! Ist diese Tour im Juni schon machbar? oder zuviel Schnee?
    Danke!

  2. Dietmar says:

    Hallo Kubat,

    wir haben damals circa 2,5 Stunden für den Aufstieg gebraucht. Abstieg dann nochmals 2,5 Stunden, da der etwas länger war. Achtung ich kann mich nicht mehr erinnern ob wir damals er fit oder weniger fit waren 😉

    Die Tour lässt sich problemlos durch Klick auf den Downloadlink herunterladen. Wichtig ist dabei Punkt Nr. 4 der hier steht: https://www.diewanderer.it/wanderungen-suedtirol-karte/ zu beherzigen.
    Also entweder die Tour mittels Rechtsklick > Speichern unter abspeichern oder durch Normalklick die GPX Datei im Browser öffnen (bei einigen Browsern wird dann der Code der GPX Datei sichtbar, das ist dann normal) und dann normal abspeichern. Darauf achten, dass die abgespeicherte Datei die Endung gpx bekommt. Eventuell umbenennen, wenn der Browser eine falsche Endung vergibt (hängt von deinem Browser ab).
    Der Sachverhalt hat also nichts mit der Website zu tun, sondern mit deinem Browser. Je nachdem gestaltet sich der Download für dich einfacher oder etwas komplizierter, weil du die Datei nach abspeichern noch umbenennen musst.

    Grüße
    Dietmar

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