Wandern auf der Villanderer Alm

Blick von der Villanderer Alm zu den Dolomiten: Geisler, Sella, Lang- und Plattkofel
Blick von der Villanderer Alm zu den Dolomiten: Geisler, Sella, Lang- und Plattkofel

Die Villanderer Alm liegt zwischen dem Sarntal und dem Eisacktal oberhalb von Villanders. Es ist eine Hochalm mit Hochmooren, satten Wiesen, Latschen und zahlreiche bewirtschaftete Almhütten, die für Wanderer, Radfahrer und Spaziergänger zahlreiche Einkehrmöglichkeiten bieten.

Die eher flache Alm ist circa 20 km² groß und reicht von circa 1.700 m ü. d. M. bis hinauf zum Villanderer Berg auf 2.509 m ü. d. M.

Da wollen wir heute hin. Nicht auf den Villanderer Berg, sondern auf die Alm. Wir haben keine besondere Wandertour geplant, wir werden einfach auf gut Glück durch die Almenlandschaft wandern.

Wanderstart Almgasthof Gasserhütte

Startpunkt ist der öffentliche, gebührenpflichtige Parkplatz (4 Euro für den ganzen Tag) vor der Gasserhütte (1.756 m). Die Gasser Hütte ist ein Almgasthof, hier könnte man nicht nur einkehren, speisen und trinken, sondern auch schlafen und somit seinen Südtirol Urlaub verbringen. Für uns ist es zu früh zum Einkehren, trotzdem hält uns der Almgasthof auf. Drei grasende Kälber zaubern ein Staunen ins Gesicht der Kleinen und zwei Ponys führen sogar zu Begeisterungsstürmen. Da geht nichts mit mal schnell vorbei wandern.

Durch Latschen hindurch, so beginnt unser Wandertag auf der Villanderer Alm
Durch Latschen hindurch, so beginnt unser Wandertag auf der Villanderer Alm

Der Meter breite Almensteig führt durch ein Latschenfeld. Eine zickzack gemusterte Schlange läuft uns über den Weg, wahrscheinlich eine Kreuzotter. Dieses Mal keine Begeisterungsstürme 😉

Oberhalb der Latschen zweigen wir rechts in ein Hochmoor ab. Ein Almbächlein ist zu überqueren. Geht natürlich auch nicht ohne stehen zu bleiben. Da muss ein Blatt rein geworfen werden und dann muss zugeschaut werden wie dasselbe den Bach runter schifft. Und weil das nicht immer gelingen will, muss der Vorgang x mal wiederholt werden.

Zwischenstation Almgasthaus Rinderplatz

Ein Wegweiser „Rinderplatz“ deutet auf ein Almgasthaus hin. Wir queren das Moor, spazieren durch Knie hohes Gras und schon stehen wir vor dem „Rinderplatz“. Kein Rind weit und breit. „Rinderplatz“ ist die Bezeichnung des Almgasthofs.

Die Almgaststätte ist keine urige Alm wie man sie z.B. vom Schnalstal kennt, sondern ein kleines, almiges, nicht kitschiges, aber ein mit auf die Spitze getriebene Almidylle garniertes Hotel mit Gaststätte.

360° vor der Rinderplatz Hütte - coole Bottich-Sessel
360° vor der Rinderplatz Hütte – coole Bottich-Sessel

Vor der Terrasse fallen uns sofort die eigentümlichen Sessel für Zwei, aus Weinbottichen gefertigt, auf. Die Weinbottiche passen zwar nicht zu einer Alm (oder vielleicht sind das auch Badebottiche), aber die gemütliche Polsterung und die besondere Ästhetik vermitteln trotzdem einen Wow Effekt. Mir gefällt es!

Dem großen Spielplatz vor der Alm darf ich es verdanken, dass ich mich in einem dieser Sessel niederlassen und einen Kaffee genießen darf. Die Kleine ist nun nämlich schwer beschäftigt 🙂

Die Streicheltiere der Rinderplatz Hütte- Häschen sind natürlich das Non plus ultra!
Die Streicheltiere der Rinderplatz Hütte- Häschen sind natürlich das Non plus ultra!

Nach 15 min schreit sie plötzlich: „Tati, Tati, kimm schau, schau!“ Sie hat das Zwerghasen Gehege entdeckt! Wow! Ich werde gezwungen den Sessel zu verlassen und mir die Häschen auch anzuschauen. Neben dem Hasengehege schaut ein kleiner brauner Vogel aus einem zweiten Gehege. Ein Perlhuhn!

Die Alm „Rinderplatz“ scheint ein Familienparadies zu sein. Mir fällt aber auch eine E-Bike Ladestation auf. Auch eine gute Idee. Die Villanderer Alm ist zwar eher flach und stellt somit für normal fitte Mountainbiker überhaupt kein Problem dar, aber für Nicht-Radler ist so ein E-Bike schon eine tolle Sache. Ich habe schon 100 kg Leute gesehen, die locker flockig trainierte Sport-Mountainbiker überholt haben.

Weiter zu Mair in Plun Hütte

Es ist schon 11.00 Uhr. Wir wollen weiter. Hinter der Alm eine weitere Überraschung, ein Märchenwald mit Hänsel und Gretel, dem Froschkönig, Rapunzel und viele andere Märchengestalten .

Wir befinden uns jetzt an der Nordflanke einer Wiesenkuppe. Obwohl wir weiter unten bereits Latschen und ein Hochmoor gequert haben, stehen wir jetzt plötzlich inmitten eines Zirben-Lärchen-Fichtenwaldes. Schon komisch.

Die Mair in Plun Hütte
Die Mair in Plun Hütte

Anna hat Hunger. Mit Ach und Krach schaffen wir es bis zur Moar in Plun Hütte. Wir positionieren uns unter einem Schatten spendenden Baum, hinter der Alm. So haben wir das bunte Treiben von ein- und ausgehenden Almenwanderern und vor allem die Ziegen und den Esel, der in Gesellschaft eines Kalbes, auf neugierige Wanderer wartet, im Blick.

Rucksack-Essen ist wieder mal angesagt. Ich kann meine Mädls leider nicht überreden in einer Gaststätte zu speisen. „Nein, das geht mit der Kleinen nicht, das ist nur Stress!“ Uffa, aber was soll Mann machen, er muss sich fügen.

In der Ferne die Dolomiten, vor uns die Alm, Vinschgerlen (= typischer Südtiroler Schwarzbrot), Speck, Käse, Tomaten und Gurken aus dem Rucksack, es fehlt eigentlich nur der Rotwein.

Zur Stöfflalm

Die Mittagszeit vergeht schnell. Nun kommt der bis jetzt nur lästige Kinderwagen ins Spiel. Das Gefährt muss leider immer mitgeschleppt werden, denn es ist das Mittagsschläfchenbett der Kleinen. Ohne Kinderwagen kein Mittagsschlaf und ohne Mittagsschlaf kein Engelchen, sondern nur ein Teufelchen.

Zur Stöfflalm hinauf soll das Gefährt geschoben werden. Ok, den Rucksack auf den Buckel, den lebendig befüllten Kinderwagen vor mir herschiebend, geht es zuerst recht angenehm flach über einen Schotterweg den Wegweisern Stöffelalm folgend.

Geht ja denke ich mir. Doch dann neigt sich plötzlich das Gelände gen Himmel. Oha! Unterzuckerung, das blöde Schwarzbrot geht viel zu langsam ins Blut über! Händeringend suche ich nach Ausreden.

Die beste Mami von allen hat kein Problem den 25 kg Kinderwagen (15 kg Kind, Kinderwagen + Zweitrucksack 10 kg) zu übernehmen. Super denke ich mir. Sie 25 kg vor sich herschiebend, ich 7 kg auf dem Buckel, das müsste nun für mich recht angenehm werden.

Die Steigung nimmt zu. Schritt für Schritt gerate ich in Rückstand. Mein Gott, da gehen mir sämtliche Ausreden aus. Ich kann mit der  Frau einfach nicht mithalten. Jeden Tag 10 km früh morgens Jogging plus jeden Tag Mittags 10 km Kinderwagen schieben, das ist scheinbar zuviel Trainig für eine Frau. Da hat man keine Chance. Peinlich, peinlich!

Kinderwagen schieben auf der Villanderer Alm
Kinderwagen schieben auf der Villanderer Alm

Es bleibt mir nichts anderes übrig als das Hinterteil der besten Mami von allen zu bewundern. So vergehen 30 min. So langsam scheint der Zucker trotzdem in der Blutbahn anzukommen und ich kann aufschließen.

Als Alibi lege ich eine Hand auf Kinderwagengriff. So schaut es zumindest für die anderen Almwanderer aus als ob ich mit schieben würde.

„Schau, schau a Pferdl!“ Anna wacht genau im richtigen Moment auf. Ein schönes blondes Haflingerpferd kommt uns wiehernd von der Stöfflhütte entgegen. Wow!

Auf der Stöfflalm

Die Stöfflhütte auf 2.057 m ü. d. M. mit ihrer aussichtsreichen Panoramaterrasseer Alm
Die Stöfflhütte auf 2.057 m ü. d. M. mit ihrer aussichtsreichen Panoramaterrasseer Alm

Ich will natürlich einkehren. Ein Kaffee, ein Mineralwasser und ein Strudel sind drin. Schaut gut aus denke ich mir und schon steht das herrliche Stück Südtiroler Nachspeise nur noch halb angefressen vor mir. Ups, gestern habe ich noch ein Strudel Foto gesucht und keines im Archiv gefunden, das meinen Vorstellungen entsprach. Jetzt hätte ich ihn vor mir gehabt. Aber so halb angeknabbert geht das nix mehr. Vielleicht bestelle ich mir ein zweites Stück. Doch der Stöfflhütten-Strudel, schaut nicht nur gut aus, schmeckt vorzüglich er sättigt auch entsprechend. Da hat der Koch oder die Köchin nicht mit dem Butter gespart. Wird leider nichts aus dem Strudelfoto.

Wolken ziehen recht zügig übers Himmelszelt. Kaum vor die Sonne geschoben bräuchte es eine Jacke. Sobald die Sonne wieder hervorlugt ist es auch ohne Jacke zu warm. Ja so ist es in den Bergen. Im Schatten zu kühl, in der Sonne zu heißt. Ich erinnere mich an eine Schneeschuhwanderung. Damals sind wir auch hier auf der Stöffl Hütte eingekehrt. Es war damals ein Traum in Weiß.

Haflinger Pferde suchen Schatten unter einer Kiefer. Im Hintergrund zeichnen die Geislerspitzen ihre markanten Konturen in den Himmel.
Haflinger Pferde suchen Schatten unter einer Kiefer. Im Hintergrund zeichnen die Geislerspitzen ihre markanten Konturen in den Himmel.

Der Ausblick auf die Dolomiten begeistert. Die Stöffl-Hütte ist ideal gelegen um die Geislerspitzen, den Schlern, den Sellastock und den Lang- und Plattkofel zu bewundern. Hier könnte ich es mit einem guten Glasl bis zum Abend aushalten.

Dafür müsste ich mir aber eine andere beste Ehefrau von allen besorgen. So etwas würde sie nie und nimmer mitmachen. Es ist knapp halb drei und sie will schon aufbrechen. „Bis mir unten sein, bis mir ins Eisacktol oi gfohren sein, bis mir drhoam sein…“ Uffa, das Biest mit dem ich verheiratet bin ist ein Gewohnheitsteufel. Ausnahmen kommen nicht in Frage. Der Einwand, das heute doch Samstag sei, ist sinnlos, ich muss mich fügen.

Rückweg zur Gasser Hütte

Die Kleine ihren Rucksack auf dem Rücken, geführt von der Großen bleibt mir nichts anderes übrig als den leeren Kinderwagen hinter her zu schieben. Für die Alpenrosen am Wegesrand habe nur ich Augen, meine beiden Mädels beschäftigen sich lieber mit sich selbst.

Almrosen am Wegesrand
Almrosen am Wegesrand

Vor allem die Große hat keinen Sinn für die Schönheiten der Natur, bei Ihr dreht sich alles um die Kleine. Mütter müssten als drittes Geschlecht eingeordnet werden, das ist einfach eine komplett andere Rasse. Es gibt Männer, es gibt Frauen und es gibt Mütter. So ist das eben…

Butterblümchen vor dem machtigen Langkofel der vom Sellastock und vom Plattkofel flankiert wird.
Butterblümchen vor dem machtigen Langkofel der vom Sellastock und vom Plattkofel flankiert wird.

Kartäusernelken und Butterblümchen (Hahnenfuß) färben die sonst recht grünen Villanderer Almwiesen rosa und gelb. Vor allem der Hahnenfuß breitet sich hier auf der Villanderer Alm wie ein Teppich aus. Als Panorama begleiten uns vor allem die markanten Dolomitengipfel der Geisler und des Langkofels. Wir kommen an der Moar in Plun Alm vorbei, lassen dann den Umweg zur Rinderplatzhütte aus und wandern gerade aus durch das Latschenfeld zu Gasserhütte hinunter.

Die beiden Ponys sind noch da. Dieses mal stehen sie direkt am Zaun, sodass wir sie sogar streicheln können. Ist das eine Freude! So markiert das Ende unserer Almenwandertages noch ein richtig großes Highlight!

GPS Track der Almenwanderung auf der Villanderer Alm

Almwanderung auf der Villanderer Alm

Foto Villanderer Alm

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