Wanderung über den Sesvenna Pass durch die Uina Schlucht ins Engadin

Tramin, 5.45 Uhr frühmorgens: 23,5°. Fahrt nach Schlinig (ital.: Slingia), Ankunft 9.15 Uhr: 13°, leichter Nieselregen. 10.30 Uhr, die Bergschuhe sind angezogen, der Nieselregen ist vorbei, aber der kalte Wind fährt in Mark und Knochen.

Wir kehren in der Bar Uina ein, trinken einen Kaffe und lassen uns von der Wirtin beraten. „Die meisten Wanderer gehen bis zum ersten Hof nach der Uina Schlucht und kehren dann wieder um.“ Genau so werden wir das auch machen.

Felsenweg in der Uina Schlucht
Felsenweg in der Uina Schlucht

Um 9.45 Uhr starten wir auf 1.740 m vor der Kirche in Schlinig bei 13°, gefühlten 10° mit Wolken behangenem Himmel, begleitet von einer kalten und recht starken Prise. Entlang der asphaltierten, einspurigen Straße geht es über die Schliniger Alm zur Sesvenna Hütte empor. Die Beschilderung in Schling hat 2,5 Stunden veranschlagt. Mal schauen…

Die Schliniger Alm ist nach 30 Minuten erreicht. Wir halten uns nicht auf, gehen zügig weiter; die niedrigen Temperaturen lassen kein Stehenbleiben zu.

Ab der Schliniger Alm ist unser Wanderweg zwar immer noch befahrbar breit, aber glücklicherweise hat der Asphalt einem Schotteruntergrund Platz gemacht. Der Weg wird zunehmend steiler und schlängelt sich zum Schluss, rechts eines Wasserfalles, mit einem ordentlichen Gefälle empor. Zu unserer Rechten, der Föllakopf, welcher mit 2.883 m die 3.000 Höhenmeter nur knapp verfehlt.

Oben angekommen trauen wir unseren Augen kaum. Da vorne ist ja schon die Pforzheimer Hütte und der Pforzheimer See und dort links drüben die Sesvenna Hütte. Kann das sein?

Pforzheimer Hütte auf dem Sesvenna Pass
Pforzheimer Hütte auf dem Sesvenna Pass

Nach insgesamt einer Stunde recht zügiger Wanderung stehen wir tatsächlich vor der Sesvenna Hütte auf 2.260 m und fragen uns, warum man in Schlinig für diese Wanderung 2,5 Stunden angegeben hat. Ein Blick auf das GPS verrät den Grund: wir waren mit 5 km/Stunde schnell unterwegs.

Die niedrigen Temperaturen, mittlerweile 9°, machen keine Lust aufs Einkehren und so wandern wir in Richtung Schweizer Grenze, dem Schlinigpass entgegen.

Eines der größten Hochgebirgsmoore Südtirols beeindruckt mit dem Murmentensee, mehreren kleineren, spiegelnden Wasserlachen, saftigen Gräsern, sumpfigen Böden…

Grenze Südtirol – Schweiz

Der Schlinigpass ist als solcher fast nicht erkennbar. Kein typischer Pass auf einer Anhöhe, wir wandern mehr oder weniger flach durch das Hochmoor. Auch die Schweizer Grenze nehmen wir fast nicht wahr. Nur einen „normalen“ Weidezaun und eine halbrunde kniehohe Mauer finden wir vor. Ist schon komisch…

Theoretisch müssten das da vorne Schweizer Rinder sein, aber soweit ich weiß, ist das Hochmoor von der Schweizer Seite aus nur durch die Uina Schlucht über einen Felsenweg erreichbar. Ob man da auch Kühe herauf treiben kann, werden wir nun bald sehen.

Der Schlinigpass ist eine Wasserscheide. Glück haben diejenigen Wassertropfen, die nach Osten fließen und über die Etsch in der warmen Adria enden. Pech ihre Kollegen, die nach Westen durch die Uina Schlucht hindurch fließen, um über den Inn und die Donau im Schwarzen Meer zu landen.

Es dauert nicht lang bis meine Meinung, dass wir gerade eben nicht Schweizer, sondern Südtiroler Kühe gesehen haben sich bestätigt.

Felsenweg in der Uina Schlucht

Die Uina Schlucht ist nicht nur eng, sondern auch beeindruckend tief. Rechts und links nur senkrechte Felswände. Unser Wanderweg führt uns über einen 1,5 m breiten circa 2 m hohen Felsenweg, der direkt aus der rechten senkrechten Felswand heraus gemeißelt wurde.

Der Steig ist zur Linken (Schlucht) mit einem Geländer und zur Rechten (Felswand) mit einem Drahtseil gesichert, so dass sogar die beste Ehefrau von allen keinen Anflug von Nervosität zeigt. Sie hat ein anderes Problem: sie hat zu kalt!

Trotzdem gesteht sie mir eine kurze Fotopause zu. Ich fotografiere, während sie sich so gut wie es auf dem Felsenweg eben geht, vor dem kalten Wind zu schützen versucht.

Auf dem Felsenweg in der Uina Schlucht
Auf dem Felsenweg in der Uina Schlucht

Normalerweise liebe ich es nicht, wenn wir eine Wandertour planen, bei der wir für Hin- und Rückweg den gleichen Weg nehmen müssen. Heute bin ich sogar erfreut darüber, denn der Felsenweg durch das Uina Tal ist ein lohnenswerter Anblick, den man gerne ein zweites Mal sieht.

Zwei kurze Stollen, urplötzlich erhellt sich das Tal und wir können in das schöne Seitental Uina des Unterengadins blicken.

Regentropfen hängen noch an den Lärchenzweigen - Uina Tal
Regentropfen hängen noch an den Lärchenzweigen - Uina Tal

Ein kurzer Abstieg, dann führt uns ein Waldpfad nur mehr leicht abwärts bis zum ersten Hof, dem Uina Dadaint.

Hof Uina Dadaint

Hier rätseln wir ein wenig, ob wir bis Sur En weitergehen oder uns hier niederlassen sollen? Man rät uns, nicht bis zum Weiler Sur En hinunter zu gehen, denn das wären circa 600 Höhenmeter und 6,5 km. Außerdem handelt es sich wohl um einen Fahrweg, der zwar für Mountainbiker sehr interessant sei, auf Wanderer aber eher etwas langweilig wirken könnte.

Ok, überredet. Wir setzen uns zu einem Paar aus Zürich. Der Wirt, ein uriger Geselle, spricht uns zuerst in einer uns unverständlichen Sprache an (Schwitzer Deutsch war das nicht, Italienisch auch nicht, denn beides hätte ich verstanden, wahrscheinlich Rätoromanisch), merkt aber bald, dass er auf Hochdeutsch umstellen muss.

Da ich kein Molkerei-Produkte Fan bin und auf der Speisekarte fast ausnahmslos nur Milchprodukte stehen, bestelle ich das einzige, was sich nicht nach Milch, Käse oder Joghurt anhört. Saliz oder so stand auf der Tafel. Der Wirt bestätigt: Saliz ist Wurst. Euro nimmt er auch gerne an, darum gibt es keine Probleme. Nur meinem Wunsch nach einem Glas Wein kann er nicht nachkommen: Kein Alkohol!

Rückweg durch die Uina Schlucht

11.40Uhr. Wir treten den Rückweg an. Recht zügig wandern wir zurück bis zum Eingang der Uina Schlucht und schreiten auf dem Felsenweg an schiebenden Mountainbikern vorbei. Mir ist unverständlich, warum dieser Weg für Mountainbiker so interessant ist. Den Felsenweg zu befahren wäre viel zu gefährlich, außerdem ist es sogar verboten. Bleibt also ein Mountainbike-Schiebe-Weg. Ok, wahrscheinlich lieben die Treter die Abwechslung und sind froh auch mal aus dem Sattel zu kommen 😉

Am Sesvenna Pass
Am Sesvenna Pass

Dieses Mal halten wir uns in der Uina Schlucht nicht auf, sondern wandern zielstrebig bis zum Schlinig Pass und dann bis zur Sesvenna Hütte zurück.

Endlich blickt die Sonne hinter der letzten Wolke hervor. Die beste Ehefrau von allen ist entzückt. Einkehr in der Sesvenna Hütte oder doch lieber hinunter bis zur Schlinig Alm? Natürlich will die beste Ehefrau von allen runter bis zur Schlinig Alm, denn dort wird es sicherlich wärmer sein.

Genau so ist es. Bei der Schlinig Alm angekommen verspüren wir angenehme 22°, machen kurz Halt auf einen Kaffee und wandern anschließend über die einspurige leicht befahrene Straße zurück nach Schlinig.

Eine beindruckende Wanderung mit dem imposanten Felsenweg in der Uina Schlucht liegt hinter uns. Die Wanderung kann eigentlich von jedermann problemlos nachgewandert werden. Kinder sollte man auf dem Felsenweg sicher an der Hand halten.

Da es für die Heimfahrt noch relativ früh ist, fahren wir noch kurz zum Reschensee hinauf. Ein, zwei Fotos schießen, Kite-Surfer bestaunen und natürlich den aus dem Wasser ragenden Kirchturm bewundern, der als stummer Ankläger von erlittenem Unrecht in längst vergangen Zeiten zeugt.

>> Zu den Reschensee 360° Fotos auf diesuedtiroler.it

GPS Daten wandern von Südtirol über den Sesvenna Pass und die Uina Schlucht in die Schweiz

Fotos Sesvenna Pass und Uina Schlucht

3 Gedanken zu „Wanderung über den Sesvenna Pass durch die Uina Schlucht ins Engadin“

  1. Sonia sagt:

    Eine wunderschöne Wanderung, bin aber leider nur bis zum Beginn der Uina-Schlucht gegangen! Schade aber ich werde diese Wanderung sicher wiederholen und dann bis zum Ende gehen. Beeindruckend auch die Gegend um den Schlinigpass.

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