wandern im Passeiertal im Hirzergebiet: Klammeben-Hönigspitz-Hirzer

Hoch über Saltaus schweben wir an der Ostflanke des Passeiertales von der Talstation der Hirzer Seilbahn (490 m) zuerst zur Mittelstation nach Prenn (1.404 m) und nach einmal umsteigen zur Bergstation Klammeben (1.980 m) empor. Ich muss gestehen, dass ich noch nie so weit im Passeiertal drin war, obwohl sich Saltaus gerade mal am Anfang dieses urigen Tales befindet. Für mich als Süd-Südtiroler ist es trotzdem weit nördlich 😉

Tallner Alm und Hirzer im Hintergrund
Tallner Alm und Hirzer im Hintergrund

Sehr froh bin ich, dass wir uns für die Seilbahn entschieden haben. 1.540 Höhenmeter rauf und dann wieder runter kosten 17 Euro pro Person; für Alpenvereinsmitglieder nur 11 Euro, was wieder mal beweist, dass sich die Alpenverein Mitgliedskarte doppelt und dreifach auszahlt (man vergesse nicht den umfassenden Versicherungsschutz, der für sich alleine leicht die 35 Euro Jahresmitgliedsbeitrag wert ist!) Aber zurück zu unserer Wanderung. Die Fahrt mit der Hirzer-Seilbahn macht uns neugierig auf dieses von uns beiden noch unerkundete Bergtal. Ich nehme mir fest vor auf www.suedtirol-360.com noch in diesem Sommer einige 360° Fotos des mit mächtigen Bergspitzen umringten (viele über 3.000 Höhenmeter hoch) Passeiertales hoch zu laden.

Heute aber geht es um ein niedrigeres Wanderziel. Wir wollen über die Hönigspitze (2.698 m) zum Hirzer (2.781 m) aufsteigen und dann über den Europäischen Fernwanderweg E5 wieder herunter.

Aufstieg zum Hönig

Von der Bergstation Klammeben führt der Almweg Nr. 40 breit und flach mitten durch dichte Almrosensträucher hindurch, zur Stafellhütte hinüber. „Hosch schun amol so viel Olmrosen af oan Haufn gsechn?“ „Na, obr mir hobn sie gsogt, dass do ban Hirzer so viel Olmrosen sein.“ Nicht einmal 15 Minuten und schon sind wir bei der Stafell Alm angelangt. 90 Grad abbiegen und der Beschilderung Hönigspitz folgen.

Auf der Tallner Alm im Hirzergebiet blühen unzählige Almrosen
Auf der Tallner Alm im Hirzergebiet blühen unzählige Almrosen

Steil steigen wir durch die Almrosen empor. Obwohl wir uns auf 2.000 Höhenmeter befinden, ist es nicht nur angenehm warm, sondern sogar heiß. Nachts hat es scheinbar geregnet. Es herrscht eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit, Tropenklima also. Klar, dass es nicht lang dauert bis uns die Schweißperlen nicht nur über die Stirn kollern.

Die Heide aus Almrosen ist wunderschön anzuschauen, wäre aber sicherlich noch prächtiger, wenn wir ein, zwei Wochen früher gekommen wären; dann hätten wir sicher noch kräftige, frische Blüten bewundern können. Heute sind sie bereits beim Abblühen. Wieder einmal wird mir bewusst, wie unterschiedlich doch unser Land ist. Die „Magie der Vielfalt“, wie die Südtirol Marketinggesellschaft SMG sagt, spiegelt sich nicht nur zwischen Berg und Tal, Sommer und Winter, Sport und Kultur wieder; sogar bezogen auf die Berglandschaft im Detail findet man sie immer wieder. Im Westen in den Dolomiten, ein harter Übergang zwischen Wald und schroff-markanten, unzählige Formen annehmenden, Felsformationen mit weltbekannten Namen; im Osten ruhige, verschlafene Almwiesen, welche sich weich und allmählich in den pyramidenförmigen, oft weißen, Gipfeln auflösen. Mir persönlich gefällt Zweiteres besser, aber als Wanderer und Bergsteiger erklimmt man natürlich auch gerne weltbekannte Gipfel 😉

Wir passieren ein Wetterkreuz und wandern nun den grasbewachsenen, allmählich in den Grat übergehenden Hang, den Wanderweg Nr. 7, in östlicher Richtung hinauf.

Beide haben wir keinen guten Tag. Die beste Ehefrau von allen klagt über ein leichtes Schwindelgefühl, bei mir macht sich, wegen des verschmähten Frühstücks, eine nicht ganz so leichte Unterzuckerung bemerkbar. War ein Fehler ohne Frühstück zu starten! Wir müssen kurz Halt machen, um wenigstens einen Schluck Holundersaft zu uns nehmen zu können. Das stärkt zumindest so viel, dass wir weiter gehen können.

Der Wiesenpfad beginnt nun felsiger zu werden. Porphyr-Gestein (genauer kann ich es nicht benennen, denn ich kann leider nur zwischen Porphyr- und Kalkgestein unterscheiden) sticht immer häufiger aus den Almwiesen hervor bis es dieselben fast komplett verdrängt. Der Pfad führt nun entlang eines ab und zu etwas ausgesetzten Grates, was die beste Ehefrau von allen zu recht eigentümlichen Aussagen bewegt. „Do kimm i nit aui!“ (= Da komme ich nicht hinauf). Ich schaue etwas verdutzt drein, denn wir haben schon viel extremere Bergsteige bewältigt. Ich schiebe es auf ihre heutige Verfassung, sage nicht viel dazu und beschränke mich darauf, ihr genaue Anweisungen zu geben: „Do heben. Fuas do aui tean. Mitn Bauch zum Berg nit zum Tol!“ Das hilft zum Glück ein wenig.

Ich finde es schade, dass die beste Ehefrau von allen den Weg nicht genießen kann, denn ich meinerseits liebe solche Pfade, wo man dauernd schauen muss. Dann ist man konzentriert auf den Weg bedacht und merkt nicht die körperlich Anstrengung.

Da die beste Ehefrau von allen mehr krabbelt als geht, kommen wir jetzt recht langsam voran, erreichen aber trotzdem vor der beschilderten Zeit die Abzweigung, welche 50 m bis zum Gipfelkreuz des Hönig hinüber führt.
„I wort do.“ Was ich jetzt denke, wird zensiert. Nur so viel: Mit Geduld und etwas Beharrlichkeit kann ich die beste Ehefrau von allen überreden, mir bis zum Gipfelkreuz des Hönig zu folgen, was sie sich, während ich fotografiere, mit einem kurzen Schläfchen belohnt.

Auf dem Gipfel des Hönig über den Hirzer Almen

Vor der Bergkulisse: Hirzer Almen, Passeiertal, Gipfel Hirzer, Plattenjoch, Plattenspitzen, Verdinser Plattenspitz, Oswaldscharte, Ifinger, Meran, Texelgruppe beschließen wir meinen Blutzuckerspiegel mit Brot, Speck, Tomaten und „Gimmerlen“ zu heben. Ich hätte ja gerne irgendeinen Hüttenwirt etwas verdienen lassen, aber wenn es hier oben keinen gibt, was will man machen….

Auf der Hönigspitze über den Tallner Almen im Hirzergebiet
Auf der Hönigspitze über den Tallner Almen im Hirzergebiet

Der Hönig ist mit seinen 2.698 m nur unwesentlich niedriger als der Hirzer. So bin ich frohen Mutes, dass wir das „Schlimmste“ (soll natürlich das Strengste heißen) hinter uns haben. Die beste Ehefrau von allen sieht das ganz anders. Sie schaut auf den Grat, über den wir zum Hirzer hinüber müssen, und wird ziemlich nervös. Glücklicherweise erweist sich Ihre Besorgnis als unbegründet. Der Kamm, der vom Hönig aus gesehen recht gefährlich ausgeschaut hat, ist recht breit und vergleichsweise unproblematisch.

12.00 Uhr, wir erreichen wir die Obere Scharte. Hier stoßen wir auf den Europäischen Fernwanderweg E5, der vom Bodensee über die Tallner Almen nach Meran 2000 weiter zur Adria führt. Links können wir auf die Almen des Hirzergebietes runter schauen, während wir rechts das Sarntal erblicken.

Der letzte Aufstieg zum Gipfel des Hirzer geht über felsiges, aber wenig ausgesetztes Gelände. Somit erreichen wir beide beruhigt, aber schnaufend das Gipfelkreuz.

Hirzer, höchste Erhebung der Sarntaler Alpen

Gegessen haben wir schon, darum wird jetzt nur mehr fotografiert und etwas getrunken.

Am Gipfel der höchsten Erhebung der Sarntaler Alpen auf dem Hirzer
Am Gipfel der höchsten Erhebung der Sarntaler Alpen auf dem Hirzer

Wir kommen mit einem Dorf Tiroler und seiner Freundin oder Frau (einer Eggentalerin) ins Gespräch. Der Dorf Tiroler kann alle Bergspitzen rund herum benennen. Ärgerlich, dass mein Hirn bei so was wie ein Nudelsieb funktioniert. Ich kann das jetzt nicht mehr lückenlos wiedergeben. Muss mir mit Recherche behelfen.

Blick gegen Osten, wir drehen uns im Uhrzeigersinn: von der Texelgruppe über die Ötztaler Alpen zu den Zillertaler Alpen: Texelgruppe mit den Muthöfen (sind natürlich keine Berge), Mutspitz, Hohe Weiße (3.280 m), Hohe Wilde (3.480 m), Seelenkogel (3.475 m), Becherhaus (mit 3.197 m höchste Schutzhütte Südtirols; kann man natürlich von hier nicht direkt sehen), Schneespitz (3.170 m) und Hochfeiler (3.511 m), der sich bereits in den Zillertaler Alpen befindet. Habe leider einige Berggipfel vergessen. Schade.

Der Abstieg steht an. Zunächst hinunter zur Oberen Scharte und dann schnurstracks erst steil, dann über zwei Schneefelder, weiter über Geröll durch den Karkessel zwischen Hirzer und Hönig und zu guter Letzt über Almwiesen hinunter bis zur Tallner Alm und der Hirzerhütte. Da ich das WM Viertelfinale Deutschland – Argentinien nicht versäumen will, kehren wir nicht ein, sondern gehen direkt leicht aufwärts zur Bergstation der Hirzer Seilbahn.

Um 14:50 Uhr verlassen wir, wie bereits am Vormittag, schwebend das schöne Hirzergebiet.

Ein tolles Wandergebiet auch für Spaziergänger. Mitte Juni, aufgrund der fast flächendeckend blühenden Almrosen, sicherlich ein ganz besonderer Landschaftsgenuss. Das Passeiertal wird uns heuer noch öfter sehen, das ist schon mal sicher. Dann vielleicht auch das hintere Passeiertal 😉

GPS Daten Wanderung Hirzer

Fotos Hönig, Hirzer und Tallner Almen

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7 thoughts on “wandern im Passeiertal im Hirzergebiet: Klammeben-Hönigspitz-Hirzer”

  1. Schön, daß du auch mal in meiner Ecke wandern warst und so toll darüber berichtest.

  2. Katrin & Hansjörg says:

    Toller Bericht und die 360° Fotos sind wahnsinn! Sehr schön!
    Wir haben uns sehr gefreut, dass wir euch auf dem Gipfel kennengelernt haben und durch das nette Gespräch auf diese tolle Seite aufmerksam geworden sind. Vielleicht treffen wir uns ja auch wieder einmal auf einem Gipfel!
    Die Eggentalerin und der Dorf Tiroler 😉

    P.S.: Meine Eltern besitzen eine kleine Pension im Eggental und mein Vater war total begeistert von den 360° Fotos. Wollte auf diesem Weg fragen ob wir auf unsere HP einen Link zu deiner Seite setzen dürfen?

  3. Dietmar says:

    Die „Ecke“ ist nicht schlecht. Hat uns gut gefallen.

  4. Dietmar says:

    Hallo Katrin,
    entschuldige die späte Rückantwort, bin zur Zeit etwas überlastet.

    Hat uns auch gefreut euch am Gipfel kennen zu lernen. Ich war ganz begeistert, dass der Hansjörg alle Gipfel beim Namen nennen konnte. Das machte für mich das Gipfelerlebnis noch ein bisl schöner. Danke ihm nochmals dafür.

    Vielleicht sehen wir uns tatsächlich mal auf einem Gipfel wieder…

    Bzgl. Link setzten:
    Natürlich, ich bin sogar sehr froh, wenn die Seite verlinkt wird. Wenn ich schon die schwere Ausrüstung den Berg hochschleppe, dann möchte ich auch das Endprodukt so vielen Leute wie möglich zeigen 😉 euer Link würde das unterstützen.
    Einfach http://www.suedtirol-360.com aufrufen. Den Button „360° Fotos“ anklicken, das gewünschte Foto aussuchen und aufrufen, dann den Button „Infos zum Foto“ anklicken und den weiß hinterlegten Link oder den weiß hinterlegten HTML Code kopieren.
    Sofern Ihr den Link so auf eurer Seite einfügt, dürft Ihr auch gerne Fotos von meiner Seite runterkopieren und für euere Website verwenden.

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