Zum Hasenohr (Hasenöhrl) dem östlichsten Dreitausender Gletscher des Ortlergebietes

Heute am 03.08.2008 - mitten im Hochsommer - nehmen wir uns einen Dreitausender und zwar einen echten Gletscher vor. Ja ich weiß, das klingt extrem ist es aber in Wirklichkeit nicht. Das Hasenöhrl (Hasenohr) ist der östlichste Gletscher des Ortlergebietes. Es erhebt sich als ebenmäßige Pyramide, ist an der Ost- und Nordseite noch vergletschert und kann im Sommer über einen Grat ohne weiteres ohne Eispickel und ohne Kletterausrüstung bestiegen werden. Das soll nun aber nicht heißen, dass man mit Turnschuhe und ohne Schwindelfreiheit und Trittsicherheit die Bergtour wagen sollte!

Zufällig hat der Traminer Alpenverein genau am gleichen Tag zur gleichen Bergtour aufgerufen. Da ich aber weiß, dass da „echte bergtourenerfahrene Männer” dabei sind, deren Schritt nicht nur die beste Freundin von allen, sondern auch ich sicherlich nicht mithalten können, beschließen wir uns meiner Schwester mit ihrer Freundin anzuschließen. Beide „Mädels” sind recht oft im Hochgebirge unterwegs, legen aber für uns ein mithaltbares Schritt-Tempo vor.

Gestern bei der Planung der Tour standen wir vor der Qual der Wahl, ob wir vom Vinschgau aus von der Latscher Alm (1.714 m) oder von der Tarscher Alm (1.939 m) oder lieber vom Ultental aus und zwar von der Kuppelwieser Alm (1.970 m) starten sollen. Da wir uns von der Kuppelwieser Alm einige Höhenmeter ersparen ist die Entscheidung klar.

Wir fahren also mit dem Auto nach Lana und von dort rechts abbiegend ins Ultental bis zum Zoggler-Stausee. Nun geht es rechts hinauf zum Skigebiet Schwemmalm und dann weiter bis zur Kuppelweiser Alm auf 1.970 m.

Wir beginnen die Bergtour um circa 9:30 Uhr. Sie führt über den Weg Nr. 11A über Almwiesen zum Latscher Joch. Hier sehen wir die Reste eines ursprünglich 2500 m langen Jochwaals den die Tarscher 1865 erbaut hatten, nachdem sie 1782 die wasserreiche Kuppelwieser Alm erworben hatten. Hinter dem Jochwaal sehen wir die Wegkreuzung von wo die Steige von der Vinschgauer Seite heraufführen. Der Steig Nr. 2 kommt von der Latscher Alm und der Steig Nr. 2A von der Zirmruanhütte und von der Tarscher Alm.

Wir halten uns links und folgen dem Steig Nr. 2 in Richtung Hasenöhrl. Ab hier beginnt das felsige am Blockgrat führende Gelände. Wir beschließen unsere Trekking-Stöcke, die uns bis hier her gute Dienste erwiesen haben, einzupacken, da in diesem Gelände teilweise die Hände für den guten Halt mit verwendet werden müssen und die Trekking-Stöcke sogar hinderlich, wenn nicht sogar stolpergefährlich sind!

Der Aufstieg ist zwar ohne Kletterausrüstung zu bewältigen aber im keinem Fall ohne Bergschuhe und ohne eine ordentliche Portion Trittsicherheit machbar! Der gut markierte Steig führt uns genau auf dem Nordostgrat entlang, empor bis zur Blauen Schneid und dann weiter bis zu einem Vorgipfel mit Steinmännern auf 3026 m.

Nun erreichen wir die mit Drahtseil und Kette gesicherte Passage, die sich für schwindelfreie und trittsichere Bergsteiger als relativ einfach erweist. Wir begegnen sogar einem jungen Paar mit einem 3jährigen Kind auf dem Rücken. Das würde ich nie und nimmer empfehlen! Vermutlich handelt es sich um einen supererfahrenen Bergführer, anders kann ich mir das nicht vorstellen.

Nach der gesicherten Stelle geht es immer noch am Grat entlang und ab und zu wiederum auf allen Vieren weiter zum Gipfel des Hasenöhrls von wo wir einen wirklich herrlichen Blick auf das mittlere Vinschgau und Schlanders werfen können. Das Wetter ist hier so wie sehr oft im Hochgebirge: ein Wechselspiel von Wolken, Nebel und Sonnenschein.

Um 12:15 Uhr kommen wir am Gipfel an wo wir ein Gipfelkreuz mit einem menschgroßen geschnitzten Herrgott hangen vorfinden und circa 30 Leute die das Kreuz umlagern.

Hunger- und Durst-Versorgungsstation ist hier auf 3.250 m natürlich keine in Sicht. Wir packen unsere belegten Brote und den Holundersaft aus. Nach einer halben Stunde essen und trinken, lichten sich plötzlich die Wolken, der nördliche Blick in die Ferne wird klarer. Das Hasenöhrl hält was es als Aussichtskanzel verspricht: ein wirklich herrlicher Aussichtsberg.

360° auf dem Hasenöhrl

Wie immer müssen meine Begleiterinnen mit mir zum besten Aussichtspunkt gehen und circa eineinhalb Stunden warten bis ich mit dem Fotografieren fertig bin. Sie ertragen es ohne zu murren, obwohl die Temperaturen hier am Gipfel extrem schwanken. Blickt die Sonne hervor ist es extrem war, sodass Mann es sogar oben ohne aushalten könnte. Sobald sich eine Wolke vor die Lichtkugel schiebt, wird es kalt und man steckt die Hände am liebsten in die Hosentaschen.

Um circa 14.30 Uhr nehmen wir den Rückweg in Angriff. Da sich das Wetter nun sehr freundlich präsentiert, müssen wir immer wieder zum Fotografieren stehen bleiben. Der wunderbare Ausblick zwingt mich einfach dazu!

Wie immer erweist sich für mich der Abstieg viel strenger als der Aufstieg, da die Wanderstöcke zur Abfederung aus sicherheitstechnischen Gründen in diesem Gelände nicht einsetzbar sind. Die andauernde Belastung auf die Knie fordert ihren Tribut.

Nach circa 1,5 Stunden haben wir das felsige Gelände hinter uns und kommen wieder am Latscher Joch (2.533 m) vorbei. Wie bereits erwähnt teilt sich hier der Weg. Die Vinschger können zur Latscher oder Tarscher Alm absteigen und die Ultner zur Kuppelwieser Alm.

Nach einer guten Stunde kommen wir am Ausgangspunkt unserer Bergtour an und sind froh aus den nicht gerade angenehm duftenden Bergschuhen heraus zu dürfen ;-)

Verlauf der Bergtour zum Hasenöhrl von der Kuppelwieser Alm

Höhenprofil und Details

Bilder vom Hasenöhrl

6 Antworten zu “Zum Hasenohr (Hasenöhrl) dem östlichsten Dreitausender Gletscher des Ortlergebietes”

  1. Herbert sagt:

    Super Tour; hab ich auch schon ein paar Mal gemacht. Oben auf dem Hasenöhrl sind uns aber immer der kräfige Windsturm sofort vertrieben.

  2. flosse sagt:

    Hoi Dietmar,

    wir sind um ca. 12.00 Uhr abwärts unterwegs gewesen. Schade, dass wir uns nicht erkannt haben ;)

    Grüße und nachträglich Berg Heil!

    Flosse

  3. admin sagt:

    Echt wohr? Jo, des isch echt schod! Jetzt muas i mir dein Foto nou amol onschaugn und es a meinen Begleiterinnen zoagn. Hmmm, i woas nit, erinnern konn i mit nit, obr i hon a Erinnerungsvermögen wia a Nudlsieb!

    Des gibt es o nit, dass mir ins do sego nit gsechn hobn.

    Schod, schod, obr wer weiß, früher oder später queren wir ins vielleicht nou amol. Wenn mol af an Gipfel oanen in die Luft aui fotografieren sigsch, (die Leit frogn mi olm ob i spinn, wenn sie mi segn wia i fürs Zenit-Foto krot ibrischi fotografiere…) donn bin is…

    Grüße

    Dietmar

  4. Wanderung vom Durnholzer See zur Jakobsspitze (Sarntal) » Wandertipps sagt:

    [...] „Ich kann ja hier warten”, sagt die beste Freundin von allen, als Sie sieht wo wir hin müssen. „Nein, wir kommen hier nicht mehr zurück, das ist eine Rundwanderung“, sage ich. „Ok, dann wird es schon gehen”, sagt sie. Die beste Freundin hat nämlich etwas Angst, denn der Steig vor uns erweist sich als ein Grat mit leichter Blockkletterei. Ich schätze den Schwierigkeitsgrad mal so ähnlich ein, wie den des Hasenöhrl. [...]

  5. Rund-Wanderung Vernatsch / Katharinaberg - Wandern im Schnalstal (Südtirol) » Wandertipps sagt:

    [...] dauert nicht lange bis sich vor einer herrlichen Bergkulisse, in dem meine Schwester das Hasenöhrl ausmacht, eine Almhütte die Mair Alm erscheint. Irgendwie können wir nicht erkennen ob die [...]

  6. Schneeschuhwandern auf der Marmolata (Marmolada) » Schneeschuhwandern sagt:

    [...] der einzige größere Gletscher der Dolomiten. Für uns beide soll die Marmolata heute, nach dem Hasenöhrl, der zweite Gletscher werden. Wegen der lawinengefährdeten Jahreszeit werden wir uns aber [...]

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